{"id":656491,"date":"2015-05-05T16:12:58","date_gmt":"2015-05-05T14:12:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656491"},"modified":"2015-05-05T16:14:34","modified_gmt":"2015-05-05T14:14:34","slug":"gastkommentar-nina-dos-santos-von-cnn-international-uber-einen-brexit-der-briten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/05\/gastkommentar-nina-dos-santos-von-cnn-international-uber-einen-brexit-der-briten\/","title":{"rendered":"Gastkommentar Nina dos Santos von CNN International \u00fcber einen Brexit der Briten"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><strong>Gastkommentar:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Vor- und Nachteile eines Brexit<\/strong><\/p>\n<p><strong><i>Von Nina dos Santos, CNN International<\/i><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_651422\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/quest.CNN-_Nina-dos-Santos_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-651422\" class=\"size-medium wp-image-651422\" alt=\"CNN-Redakteurin Nina dos Santos\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/quest.CNN-_Nina-dos-Santos_klein-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/quest.CNN-_Nina-dos-Santos_klein-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/quest.CNN-_Nina-dos-Santos_klein-450x300.jpg 450w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/quest.CNN-_Nina-dos-Santos_klein.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-651422\" class=\"wp-caption-text\">CNN-Wirtschaftsmoderatorin Nina dos Santos (Foto: CNN International)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Margaret Thatcher im Jahr 1988 ihre ber\u00fchmte Rede im belgischen Br\u00fcgge hielt, wollte sie Gro\u00dfbritannien unbedingt in den Mittelpunkt der Europ\u00e4ischen Union r\u00fccken, die zwar erst 1992 offiziell gegr\u00fcndet wurde, damals aber bereits immer genauere Konturen annahm. Gleichzeitig verga\u00df die Eiserne Lady aber nicht, die Nachbarstaaten in Europa daran zu erinnern, dass Gro\u00dfbritannien auch andere wirtschaftliche Optionen offenst\u00fcnden.<\/p>\n<p>\u201eGro\u00dfbritannien tr\u00e4umt nicht von einer gem\u00fctlichen, isolierten Existenz am Rande der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft\u201c, sagte sie. \u201eUnsere Geschicke liegen in Europa, wir sind Teil davon.\u201c Doch sie mahnte auch: \u201eDas soll nicht bedeuten, dass unsere Zukunft nur in Europa liegen muss.\u201c<\/p>\n<p>Ein Vierteljahrhundert und f\u00fcnf Parlamentswahlen sp\u00e4ter, ist die Frage um den EU-Austritt Gro\u00dfbritanniens zum zentralen Thema im Wahlkampf geworden. Zwei der vier gro\u00dfen Parteien setzen sogar ihre politische Zukunft aufs Spiel, da sie \u00fcberzeugt davon sind, dass die Briten gern ein Referendum zu ihrer Mitgliedschaft in der EU h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Doch wie sehen die Vor- und Nachteile aus? Sind sich \u00fcberhaupt alle der rechtlichen Schwierigkeiten bewusst, die bei einem Austritt zu meistern w\u00e4ren? Und die wichtigste Frage: Wer soll die Kosten des sogenannten Brexit \u2013 ein Kunstwort aus Briten und Exit \u2013 tragen?<\/p>\n<p>Der konservative Regierungschef David Cameron hat den W\u00e4hlern f\u00fcr den Fall seiner Wiederwahl ein Referendum \u00fcber den EU-Austritt gegen Ende 2017\/Anfang 2018 in Aussicht gestellt. Die nationalistisch-europakritische Partei UKIP w\u00fcrde die Selbstst\u00e4ndigkeit am liebsten noch fr\u00fcher erreichen.<\/p>\n<p>Europaskeptiker begr\u00fcnden ihre EU-M\u00fcdigkeit damit, dass Gro\u00dfbritannien schlicht genug davon habe, von Br\u00fcssel herumkommandiert zu werden. Das Land wolle nicht l\u00e4nger dabei zusehen, wie die eigene Staatshoheit immer mehr durch eine Horde gesichtsloser Eurokraten untergraben werde, die den Staat davon abhalten, eigenst\u00e4ndig politische Entscheidungen bei so wichtigen Themen wie Einwanderung, Bankenregulierung und so weiter zu treffen.<\/p>\n<p>EU-Gegner verweisen auch gern auf die Tatsache, dass Gro\u00dfbritannien als Nichtmitglied der Eurozone bei wichtigen Entscheidungsprozessen oft au\u00dfen vor bleibt, w\u00e4hrend die Konsequenzen der Entscheidungen schlie\u00dflich die gesamte EU betreffen w\u00fcrden \u2013 und nicht nur die Staaten der W\u00e4hrungsunion.<\/p>\n<p>Sieht man sich die wirtschaftlichen Eckdaten an, k\u00f6nnte es sich Gro\u00dfbritannien durchaus leisten, einen eigenen Weg zu gehen \u2013 sofern die B\u00fcrger bereit sind, die unmittelbaren finanziellen Folgen zu tragen.<\/p>\n<p>Es stimmt, dass Gro\u00dfbritannien mit den EU-Staaten wichtige Handelsbeziehungen unterh\u00e4lt, obwohl auch diese Bindung seit einiger Zeit einen leichten R\u00fcckgang erf\u00e4hrt, nachdem boomende asiatische und amerikanische Staaten zu immer besseren Abnehmern britischer Waren werden.<\/p>\n<p>Doch mit Importen in H\u00f6he von rund 220 Milliarden Dollar j\u00e4hrlich bei Waren und Dienstleistungen ist die EU weiterhin der gr\u00f6\u00dfte regionale Handelspartner Gro\u00dfbritanniens. Das sind jedoch inzwischen nur noch etwa 50 Prozent der britischen Exporte, und somit f\u00fcnf Prozent weniger als 2008.<\/p>\n<p>Andererseits verschafft die EU Gro\u00dfbritannien betr\u00e4chtliche Vorteile. Durch den Status Gro\u00dfbritanniens in der EU m\u00fcssen die Briten beispielsweise keine Z\u00f6lle zahlen, die andere L\u00e4nder tragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Internationale W\u00e4hrungsfonds geht davon aus, dass Gro\u00dfbritannien gerade wegen der Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union wohl 55 Prozent mehr Handel mit und in der EU treibt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Zahlen sowohl von Europa-Bef\u00fcrwortern als auch -skeptikern verwendet werden k\u00f6nnen, um die jeweilige Position zu st\u00e4rken, so ist doch gewiss, dass bestimmte Branchen der britischen Wirtschaft heftiger getroffen w\u00fcrden als andere.<\/p>\n<p>Die Denkfabrik <i>Open Europe<\/i> geht davon aus, dass nach einem m\u00f6glichen Austritt aus der EU etwa 35 Prozent der britischen Waren, vor allem in der Lebensmittel-, Automobil- und Chemiebranche, mit Abgaben in H\u00f6he von vier Prozent oder mehr versehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der Finanzdienstleistungsbereich \u2013 eine Branche, die entscheidend zum britischen BIP beitr\u00e4gt \u2013 w\u00fcrde besonders stark getroffen, da Investoren von den Unabw\u00e4gbarkeiten, die eine derartige Wahl mit sich bringt, abgeschreckt w\u00fcrden. M\u00f6glicherweise w\u00fcrde man damit auch den gro\u00dfen Zufluss ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen drosseln, die Gro\u00dfbritannien jahrelang erfuhr.<\/p>\n<p>Wenn Gro\u00dfbritannien sich tats\u00e4chlich f\u00fcr einen Alleingang entscheiden sollte, l\u00e4sst die n\u00e4chste H\u00fcrde nicht lange auf sich warten: Die Briten m\u00fcssten sich dann entscheiden, welches Modell ihnen f\u00fcr die Zukunft vorschwebt.<\/p>\n<p>Das Land hat mehrere Optionen, wobei jede einzelne Wahl auch ihre m\u00f6glichen Schattenseiten mitbringt. Man k\u00f6nnte dem Beispiel Norwegens folgen und dem Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum (EWR) sowie der Europ\u00e4ischen Freihandelsgemeinschaft (EFTA) beitreten, doch damit w\u00fcrde das Land Zugpferden wie Deutschland und Frankreich den R\u00fccken kehren und stattdessen mit kleineren Staaten wie Island und Liechtenstein anbandeln m\u00fcssen. Des Weiteren m\u00fcsste Gro\u00dfbritannien weiterhin in den EU-Haushalt einzahlen. <i>Open Europe<\/i> weist allerdings auch darauf hin, dass Norwegen zum Beispiel nur 100 Euro pro B\u00fcrger beitr\u00e4gt, w\u00e4hrend Gro\u00dfbritannien heute 180 Euro pro Person zahlen muss.<\/p>\n<p>Das Modell der Schweiz w\u00e4re auch eine Alternative. Das Alpenland hat aber jahrelang gebraucht, um 100 Handelsabkommen mit einzelnen EU- und EFTA-Staaten auszuhandeln, so dass die Umsetzung in die Praxis ebenfalls fragw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung einer Zollunion mit der EU, wie es beispielsweise die T\u00fcrkei gemacht hat, w\u00fcrde nur einen Teil des britischen Handels mit Europa sch\u00fctzen, aber zum Beispiel der City, wie das Handelszentrum Londons auch genannt wird, nicht erlauben, den Kunden auf dem Kontinent die Finanzdienstleistungen weiterhin zu den gleichen Bedingungen anzubieten.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte riskant sein, doch vielleicht ist die einfachste Strategie, alles oben Genannte zu vergessen und stattdessen nur auf die Mitgliedschaft Gro\u00dfbritanniens bei der Welthandelsorganisation als Grundlage f\u00fcr vorteilhafte Bedingungen zu setzen. W\u00fcrde man das tun, w\u00fcrde das Land automatisch \u00fcber 50 EU-Handelsabkommen verlieren und durch einen schnellen, grausamen Sto\u00df weite Teile der Verhandlungsst\u00e4rke einb\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch die Beziehungen mit wichtigen Verb\u00fcndeten wie den Vereinigten Staaten k\u00f6nnten in Gefahr geraten, wenn Gro\u00dfbritannien nicht l\u00e4nger Teil der Br\u00fcsseler Maschinerie ist, und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt in der Geschichte, in der beide Seiten des Atlantiks Gespr\u00e4che \u00fcber ein ehrgeiziges Freihandelsabkommen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Vor- und Nachteile, ob die Zukunft Gro\u00dfbritanniens innerhalb oder au\u00dferhalb der EU liegen soll, rufen mehr Emotionen hervor als unumst\u00f6\u00dfliche Tatsachen. Bei der Wahl am 7. Mai k\u00f6nnen die Briten dar\u00fcber abstimmen, ob sie sp\u00e4ter ein Mitspracherecht bei diesem Thema haben wollen. Und vielleicht werden sie es tats\u00e4chlich niemals haben.<\/p>\n<p>Doch bevor es \u00fcberhaupt so weit kommt, wird Europas Geduld mit diesem widerwilligen Mitgliedsstaat auf eine harte Probe gestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nina dos Santos ist CNN Wirtschaftsmoderatorin mit Sitz in London. Sie moderiert die CNN International Wirtschaftssendung \u2018The Business View\u2019 (Montag bis Freitag um 12.00 Uhr)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastkommentar:\u00a0 Die Vor- und Nachteile eines Brexit Von Nina dos Santos, CNN International &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Als Margaret Thatcher im Jahr 1988 ihre ber\u00fchmte Rede im belgischen Br\u00fcgge hielt, wollte sie Gro\u00dfbritannien unbedingt in den Mittelpunkt &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/05\/05\/gastkommentar-nina-dos-santos-von-cnn-international-uber-einen-brexit-der-briten\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4533,4534,2900,4535,430,3023],"class_list":["post-656491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-brexit","tag-briten","tag-cnn-international","tag-eu-austritt","tag-gastkommentar","tag-nina-dos-santos"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=656491"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656491\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=656491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=656491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=656491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}