{"id":656314,"date":"2015-04-23T12:36:59","date_gmt":"2015-04-23T10:36:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656314"},"modified":"2015-04-23T12:36:59","modified_gmt":"2015-04-23T10:36:59","slug":"exklusiv-fur-den-management-blog-kommentar-cnn-kultmoderator-richard-quest-fliegen-nach-der-german-wings-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/04\/23\/exklusiv-fur-den-management-blog-kommentar-cnn-kultmoderator-richard-quest-fliegen-nach-der-german-wings-katastrophe\/","title":{"rendered":"Exklusiv f\u00fcr den Management-Blog: Kommentar CNN-Kultmoderator Richard Quest &#8211; Fliegen nach der German-Wings-Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: medium\">Nach Andreas Lubitz steht das Cockpit auf dem Pr\u00fcfstand &#8211; Kommentar von R<\/span>ichard Quest, CNN International<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656315\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/questgermanwings1CNN-International_Richard-Quest_2015.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656315\" class=\"size-full wp-image-656315\" alt=\"Richard Quest, Foto CNN International\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/questgermanwings1CNN-International_Richard-Quest_2015.jpg\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/questgermanwings1CNN-International_Richard-Quest_2015.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/questgermanwings1CNN-International_Richard-Quest_2015-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/questgermanwings1CNN-International_Richard-Quest_2015-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656315\" class=\"wp-caption-text\">Richard Quest (Foto CNN International)<\/p><\/div>\n<p>Der Alltag hat sich ver\u00e4ndert, die Routine ist weg. Wenn Sie seit der Germanwings-Katastrophe im letzten Monat geflogen sind, haben Sie sich vermutlich ein wenig anders verhalten als fr\u00fcher. Vielleicht haben Sie l\u00e4nger ins Cockpit geblickt, als Sie an Bord gingen. Viele Flugg\u00e4ste wollen auf einmal mehr \u00fcber die M\u00e4nner und Frauen in der Pilotenkanzel wissen.<\/p>\n<p>Denkt man an Piloten, steigt vor dem geistigen Auge unwillk\u00fcrlich das Bild gro\u00dfer, Respekt einfl\u00f6\u00dfender Figuren auf, die mit langen Schritten ans Gate schreiten. Man denkt an Leonardo DiCaprio, flankiert von langbeinigen Flugbegleiterinnen in \u201eCatch Me If You Can&#8220;. Andreas Lubitz hat dieses Bild zerst\u00f6rt. Unsere Beziehung zu denjenigen, die das Flugzeug steuern, ist nicht mehr so unbeschwert wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Sowohl das Flug- als auch das Kabinenpersonal haben die Ver\u00e4nderung bemerkt. Am Tag nach dem Absturz des Fluges 9525 stand ein Pilot einer Germanwings-Maschine in der Kabine vor den Flugg\u00e4sten und erz\u00e4hlte ihnen, dass er eine Frau habe und am Abend gerne mit ihr gemeinsam essen w\u00fcrde. Andere Mitglieder des Flugzeugpersonals wurden direkt von Passagieren angesprochen. CNNs Luftfahrtexperte Les Abends erz\u00e4hlte mir von einem Chefsteward, der ver\u00e4rgert war, als ihn ein Fluggast nach den pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nden des Flugkapit\u00e4ns befragte. Und ein Pilot sagte mir, dass manche Passagiere nun mit einem misstrauischen Blick an Bord gingen.<\/p>\n<p>Die Reaktion dieser Passagiere ist \u2013 so ungerechtfertigt sie auch sein mag \u2013 doch nachvollziehbar. Es gibt nur wenige Momente, in denen wir so viel Kontrolle \u00fcber unser Leben in die H\u00e4nde v\u00f6llig Fremder legen. Auf einem Schiff k\u00f6nnten wir wenigstens in ein Rettungsboot steigen oder, so stellen wir uns das in unserer Naivit\u00e4t vielleicht vor, einfach vor dem Undenkbaren davonschwimmen. In einem Auto gibt es Sicherheitsgurte und Airbags. Doch bei einem Flugzeugabsturz? Wir h\u00f6ren uns vielleicht die Sicherheitsunterweisung an, doch nur die wenigsten erinnern sich daran, wie man die Rettungsweste richtig anzieht \u2013 ganz zu schweigen davon, dass wir kaum einen realistischen Gedanken an das \u00dcberleben hegen.<\/p>\n<p>Ich habe mit vielen Piloten Interviews gef\u00fchrt. Neben Chirurgen sind sie wohl die toughsten Interviewpartner \u2013 beide Berufsgruppen halten das Leben von Menschen in ihren H\u00e4nden. Piloten sind gnadenlos offen und gehen der Wahrheit selten aus dem Weg. Unglaublich schonungslos \u00e4u\u00dfern sie sich \u00fcber ihre Fluggesellschaft und das Management und zeigen dabei wenig Interesse, welche Konsequenzen ihre Aussagen haben k\u00f6nnten. Ein Flugkapit\u00e4n verbot mir zum Beispiel, im Cockpit Filmaufnahmen zu machen, obwohl wir gemeinsam mit dem Chef der Fluggesellschaft dort waren. Es war sein Flugzeug, also galten seine Regeln.<\/p>\n<p>Jetzt, nach Lubitz, wird das Verh\u00e4ltnis zwischen der Flugzeugbesatzung und den Fluggesellschaften genau gepr\u00fcft, und das ist auch richtig so.<\/p>\n<p>Das Crew Resource Management (CRM), eine Schulung f\u00fcr Flugzeugbesatzungen, ist f\u00fcr jede Fluggesellschaft unerl\u00e4sslich. Das Personal muss in der Luft als Team zusammenarbeiten. Es kommt immer wieder zu schweren Flugunf\u00e4llen, weil besagte Teamarbeit nicht funktioniert. Vorf\u00e4lle wie die angebliche Pr\u00fcgelei zwischen einem Flugzeugkapit\u00e4n und seinem Co-Piloten auf einem Air-India-Flug am letzten Sonntag tragen allerdings nicht gerade dazu bei, Zuversicht unter den Flugg\u00e4sten zu verbreiten. Dass das Flugzeug nach besagtem Vorfall die Starterlaubnis bekam, noch viel weniger.<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen nicht f\u00fcr jedes Szenario ein neues Gesetz schaffen. Schreckliche Dinge geschehen, da es Menschen immer wieder gelingt, Schlupfl\u00f6cher zu finden; Unf\u00e4lle passieren, da manches Mal Eventualit\u00e4ten eintreten, die keiner bis dato in Betracht gezogen hatte. Die Luftfahrt aber hat begriffen, dass ein engmaschigeres Netz gekn\u00fcpft werden muss, um solche Eventualit\u00e4ten zu identifizieren.<\/p>\n<p>Doch ich werde weiterhin gerne an Bord eines Flugzeuges gehen &#8211; und ich tue das wohl \u00f6fter als die meisten. Vor dem Start werde ich mir die Sicherheitsunterweisung anh\u00f6ren, auch wenn ich sie inzwischen r\u00fcckw\u00e4rts aufsagen k\u00f6nnte, und das wohl Wichtigste: Ich werde daran denken, \u201eDanke&#8220; zu sagen \u2013 sowohl zur Crew im Cockpit als auch zur Kabinenbesatzung; dies sind und bleiben die Menschen, die sich um meine Sicherheit in der Luft k\u00fcmmern.<\/p>\n<p><strong>Richard Quest moderiert die Wirtschaftssendung &#8222;<i><span style=\"font-family: Arial,Arial;font-size: medium\"><span style=\"font-family: Arial,Arial;font-size: medium\">Quest Means Business&#8220; <\/span><\/span><\/i><\/strong><span style=\"font-size: medium\"><strong>von Montag bis Freitag, um 22 Uhr, auf CNN International. Twitter: @richardquest<\/strong> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Andreas Lubitz steht das Cockpit auf dem Pr\u00fcfstand &#8211; Kommentar von Richard Quest, CNN International &nbsp; Der Alltag hat sich ver\u00e4ndert, die Routine ist weg. 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