{"id":656282,"date":"2015-04-23T01:53:29","date_gmt":"2015-04-22T23:53:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656282"},"modified":"2019-01-06T00:49:42","modified_gmt":"2019-01-05T23:49:42","slug":"buchauszug-gesprache-mit-reinhold-wurth-man-sollte-die-herstellung-von-waffen-verbieten-weltweit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/04\/23\/buchauszug-gesprache-mit-reinhold-wurth-man-sollte-die-herstellung-von-waffen-verbieten-weltweit\/","title":{"rendered":"Buchauszug Gespr\u00e4che mit Reinhold W\u00fcrth &#8222;Man sollte die Herstellung von Waffen verbieten, weltweit&#8220;"},"content":{"rendered":"<div>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>\u00a0Handelsreisender, Pilot, Seefahrer, Wanderer<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<table width=\"100%\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<div>\n<h1>&#8222;Der Patriarch in seiner Verantwortung Reinhold W\u00fcrth \u2013 Gespr\u00e4che mit dem Unternehmer und M\u00e4zen&#8220; von Claus Detjen, Ex-Journalist der Deutschen Welle, Herausgeber von Tageszeitungen und Mitbegr\u00fcnder des privaten Rundfunks.<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_656302\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/cover.w\u00fcrth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656302\" class=\"size-full wp-image-656302\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/cover.w\u00fcrth.jpg\" alt=\"W\u00fcrth\" width=\"438\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/cover.w\u00fcrth.jpg 438w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/cover.w\u00fcrth-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 438px) 100vw, 438px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656302\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Der Patriarch in seiner Verantwortung&#8220; von Claus Detjen \u00fcber Adolf W\u00fcrth, Frankfurter Allgemeine Buch, 189 Seiten, 24,90 Euro<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"Der Patriarch in seiner Verantwortung, Frankfurter Allgemeine Buch, Claus Detjen, Reinhold W\u00fcrth\" href=\"http:\/\/www.fazbuch.de\/buecher\/sachbuecher-geschenkbuecher\/der-patriarch-seiner-verantwortung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.fazbuch.de\/buecher\/sachbuecher-geschenkbuecher\/der-patriarch-seiner-verantwortung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>n den autobiografischen Abschnitten Ihrer Ver\u00f6ffentlichungen berichten Sie von ihren beruflichen Anf\u00e4ngen vorwiegend in der Form von Verkaufsreisen. Sie schildern, wie Sie Ihr erstes Auto, dann ein Flugzeug gekauft haben, um Ihren Aktionsradius zu erweitern. Ihre Beschreibungen lassen Leidenschaft f\u00fcrs Verkaufen erkennen. Ist Ihr erlernter Beruf Reisender im klassischen Sinn des Handelsreisenden?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein Vater holte mich von der Oberschule, bevor ich zum Abitur kommen konnte. Er f\u00fchrte mich ins Gesch\u00e4ft ein \u2013 und das war vorwiegend der Verkauf. Er nahm mich mit auf seine Reisen, bis in die Schweiz. 1952 schickte er mich zum ersten Mal allein auf eine Verkaufsreise. Vierzehn Tage logierte ich in D\u00fcsseldorf und besuchte Kunden in der Stadt und bis Wuppertal. Einer der ersten Kunden in D\u00fcsseldorf war der VW-H\u00e4ndler Adalbert Moll. Der Eink\u00e4ufer musterte mich eindringlich durch seine Brille. Er gab mir einen der ersten Auftr\u00e4ge \u2013 messingverchromte Nummernschildschrauben \u00a06 x 15 \u00a0und \u00a06 x 20 \u00a0f\u00fcr \u00a0VW-Transporter.<\/p>\n<p>Ich habe also das Verkaufen wirklich von der Pike auf gelernt. Und von Anfang an Gefallen daran gefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Verkaufen war immer das Reisen verbunden. Schon mein Vater hatte unseren Markt st\u00e4ndig erweitert \u2013 in dem Ma\u00df, wie nach dem Krieg die Reisem\u00f6glichkeiten besser wurden. Da mein Vater aber keinen F\u00fchrerschein hatte, wurde f\u00fcr mich mit Erfolg eine Ausnahmegenehmigung beantragt, damit ich schon mit sechzehn Jahren statt mit achtzehn den F\u00fchrerschein machen konnte. Ich musste mich davor zwei Mal beim staatlichen Gesundheitsamt auf meine physische Tauglichkeit pr\u00fcfen lassen.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr, ob es ein Sonnentag war, als ich das graue Dokument aus Leinenpapier erhielt \u2013 aber meine Stimmung war wie ein sonniger Fr\u00fchlingstag. Dieses Dokument hat mich bis heute auf der ganzen Welt begleitet, von Patagonien bis Japan, von Spitzbergen bis Ushuaia, von New York bis nach Tomsk oder Xian. Nur passt der Bub auf dem Foto vorn und hinten nicht mehr mit dem Graukopf von heute zusammen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong><i>W<\/i><i>a<\/i><i>r die Freude am Reisen mehr als ein gl\u00fccklicher Zufall? Aus dem H<\/i><i>a<\/i><i>nd<\/i><i>lun<\/i><i>g<\/i><i>s<\/i><i>r<\/i><i>eisenden ist inzwischen ein Weltreisender geworden.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Reisen ist Leben, Leben ist Reisen. Das ist f\u00fcr mich eine nicht voneinander zu trennende Gleichung. Ich kann nicht einfach daheim hocken. Eine Woche in der Alltagsroutine daheim vergeht wie ein Blitz. Aber wenn ich reise, dann sind die Eindr\u00fccke einer Woche so vielf\u00e4ltig, dass es scheint, als seien Monate seit der Abreise vergangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Si<\/i><i>n<\/i><i>d Sie ein unruhiger Geist?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Das meint zumindest meine Frau \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>A<\/i><i>ls<\/i><i>o Handelsreisender und Weltenbummler? Reisen als Ablenkung von Langeweile im Alltag?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Langeweile kenne ich nicht. Ich bin auch nicht Weltenbummler. Im Vordergrund steht mein berufliches Reisen. Ich bin noch heute ab und an mit im Au\u00dfendienst, also im Verkauf bei den Kunden. In den 65 Jahren, in denen ich seit 1949 in meinem Beruf arbeite, bin ich Millionen Kilometer gereist, in alle Teile der Erde. Dahinter stand immer die Idee, neue M\u00e4rkte zu erschlie\u00dfen. Wenn man den Markt erweitert, werden das Reisen und das Verkaufen immer interessanter. Noch heute bin ich fast die H\u00e4lfte jedes Jahres auf Reisen. F\u00fcr mich ist und bleibt Verkaufen der sch\u00f6nste Beruf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>e<\/i><i>s<\/i><i>h<\/i><i>a<\/i><i>l<\/i><i>b?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich war gerade vor zwei Wochen in Schweden. Wir haben dort eine neue Betriebsanlage eingeweiht. Dabei habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, Kunden zu besuchen. Ich bin schon morgens um f\u00fcnf aufgestanden und zwanzig vor sieben mit einem Verk\u00e4ufer aus dem Hotel gegangen, damit wir um sieben beim ersten Kunden stehen. Das macht mir heute noch Spa\u00df, das ist ein Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p>Mir hat es immer unglaublich Freude gemacht, mit Menschen zu kommunizieren, Menschen zu beobachten, Menschen kennen zu lernen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>In den Jahrzehnten, in denen ich nun im Beruf bin, konnte ich mir im Verkauf gute Menschenkenntnis aneignen. Man lernt die Gestik, die Mimik, man lernt dieses kleine Zucken an den Augen oder an den Backen kennen und kann daraus viele Schl\u00fcsse ziehen. So lernt man, Menschen gut einzusch\u00e4tzen. Das ist auch wichtig f\u00fcr den Verkauf. Wegen dieser M\u00f6glichkeit der Kommunikation mit Menschen ist f\u00fcr mich der Beruf des Verk\u00e4ufers, des Handelsreisenden, der sch\u00f6nste, den es gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>H<\/i><i>eute ist fast die H\u00e4lfte Ihrer rund 66.000 Mitarbeiter im Verkauf t\u00e4tig. Wie hat sich gegen\u00fcber Ihrer Anfangszeit das Berufsbild ge\u00e4ndert?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Vieles hat sich ver\u00e4ndert. Der Verk\u00e4ufer muss heute viel mehr Kenntnisse des Marktes seiner Kunden haben. Es wird mehr Beratungskompetenz von ihm verlangt. Die M\u00e4rkte ver\u00e4ndern sich durch die Globalisierung und durch Innovationen in der Technik schneller als fr\u00fcher. Die Kunden m\u00fcssen schneller beliefert werden, m\u00f6glichst noch am selben Tag, an dem sie ihre Bestellung aufgeben. Das geht nur mit modernen elektronischen Instrumenten und Organisationsstrukturen. Das alles erfordert viel mehr Verk\u00e4uferschulung als fr\u00fcher. Das Unternehmen muss mehr Weiterbildung erm\u00f6glichen, der Verk\u00e4ufer gr\u00f6\u00dfere Lernbereitschaft aufbringen.<\/p>\n<p>Ich kann das f\u00fcr mein Unternehmen, f\u00fcr unsere Branche konkretisieren. Fr\u00fcher hat man viel mit Originalmustern und mit Musterkarten gearbeitet. Sp\u00e4ter gab es dann die Kataloge. Heute l\u00e4uft alles \u00fcber Tablet-Computer. Das Handwerkszeug des Au\u00dfendienstlers hat sich enorm gewandelt. Das ver\u00e4ndert die Verkaufsstrategien, die Verkaufsorganisation, die Lagerung und die Auslieferung. Das ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr ein Unternehmen, das sich auf die herk\u00f6mmlichen Verkaufsstrukturen gr\u00fcndete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe immer darauf geachtet, bei mir selbst und bei den Verkaufsmitarbeitern, dass Zeit m\u00f6glichst effizient eingesetzt wird. Ich konnte mich am Anfang gar nicht f\u00fcr diese iPad-Computer begeistern. Ich lernte schnell, dass die vorausgegangenen Computer nicht die M\u00f6glichkeiten erreichten, die heute die Tablets bieten. Au\u00dferdem waren sie langsamer. Mein Sinneswandel hat mit der Perfektionierung der Technik zu tun, die dem Verk\u00e4ufer mehr Zeit f\u00fcr die Bedienung der Kunden gibt. In diesem Sinn m\u00fcssen wir die Technik nutzen. Manche glauben, jetzt brauchen wir bald keine Verk\u00e4ufer mehr, das geht ja alles elektronisch. Das ist ein Irrtum.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Wir brauchen auch die Menschen, die mit den Kunden pers\u00f6nlichen Kontakt halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>i<\/i><i>e betonen in Ihren Arbeiten \u00fcber Entrepreneurship, wie wichtig es ist, materielle Anreize zu setzen, um Erfolg zu belohnen. Sie schreiben manchmal aber auch einen b\u00f6sen Brief an die Verk\u00e4ufer. Geh\u00f6rt das beides zusammen \u2013 Zuckerbrot und Peitsche?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Nicht so, wie sie das meinen! Und schon gar nicht gef\u00e4llt mir ihr Begriff Peitsche. Belohnung und Leistungsanforderung geh\u00f6ren zusammen, weil es sehr unterschiedliche Charaktere von Menschen gibt. Die einen lassen sich nur durch Geld motivieren, f\u00fcr andere spielt das Geld eher eine untergeordnete Rolle. Sie m\u00fcssen f\u00fcr jeden das Konzept finden, das f\u00fcr das Unternehmen am Ende die erforderliche Leistung bringt, je nach den individuellen F\u00e4higkeiten und Neigungen. Menschenkenntnis brauchen sie im Verkauf nach beiden Seiten \u2013 nach der Kundenseite und eins zu eins bei den Au\u00dfendienstlern.<\/p>\n<p>Bildlich gesprochen: Wenn Sie mit drei\u00dfigtausend Verk\u00e4ufern zu tun haben, dann finden Sie die unterschiedlichsten Menschentypen darunter, sozusagen alles, was auf Gottes Erdboden heruml\u00e4uft \u2013 Gro\u00dfsprecher, Maulfaule, Choleriker, Sanguiniker und was es sonst alles an Menschentypen gibt.<\/p>\n<div id=\"attachment_656298\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/w\u00fcrth.Detjen_Claus_sw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-656298\" class=\"size-medium wp-image-656298\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/w\u00fcrth.Detjen_Claus_sw-224x300.jpg\" alt=\"Claus Detjen\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/w\u00fcrth.Detjen_Claus_sw-224x300.jpg 224w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/w\u00fcrth.Detjen_Claus_sw.jpg 487w\" sizes=\"auto, (max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-656298\" class=\"wp-caption-text\">Autor Claus Detjen<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einem immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Prozentsatz der Au\u00dfendienstmitarbeiter stehen die materiellen Anreize nicht mehr im Vordergrund; sie folgen in ihrem Leben auch immateriellen Werten. Da hat die Vorgabe von Incentives keine Relevanz. Solche Anreize sind denen egal. Mit diesen Mitarbeitern muss man anders kommunizieren als mit den zuvorderst auf Geld orientierten. In einer so gro\u00dfen Organisation wie unserem Verkauf k\u00f6nnen sie nicht in dem Ausma\u00df individualisieren, dass sie f\u00fcr jeden nur genau das W\u00f6rtchen sagen, das ihm einzeln angemessen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da passiert es dann, dass der, der sich f\u00fcr Geld gar nicht interessiert, mit einer Ansprache konfrontiert wird, die eigentlich die angeht, die f\u00fcr Pr\u00e4mien ansprechbar sind \u2013 und umgekehrt. Da muss man von den betroffenen Mitarbeitern auch eine Portion Toleranz und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit erwarten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>e<\/i><i>l<\/i><i>c<\/i><i>h<\/i><i>e Pr\u00e4gungen haben Sie aus Ihren Verkaufsreisen erfahren?<\/i><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p>Man sagt nicht umsonst, dass Reisen bildet. Ich habe ja w\u00e4hrend meiner Ausbildung keine Universit\u00e4t gesehen. Meine Universit\u00e4t war sozusagen die Reiset\u00e4tigkeit. Sie bekommen zum Beispiel keinen besseren Geografie- Unterricht, als wenn sie reisen und genau beobachten. Da brauchen sie sich nicht mit Bildern und B\u00fcchern und Beschreibungen zu besch\u00e4ftigen. Sie sehen und erleben Landschaften, Orte, Fl\u00fcsse und Seen, nicht zuletzt die unterschiedlichen Menschenschl\u00e4ge. Auch der Umgang mit Menschen bildet. Sie bekommen neue Blickrichtungen. Das Reisen vermittelt Eindr\u00fccke und pr\u00e4gt das Denken. Mit diesen Erfahrungen f\u00fchle ich mich als Europ\u00e4er und als Weltb\u00fcrger.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Reisen haben mich \u00fcberdurchschnittlich tolerant gemacht \u2013 in alle Richtungen, zu allen Erdteilen, Kulturkreisen, Religionen. Ich betrachte diese Vielfalt der Kulturen und Religionen mit Respekt und mit Verst\u00e4ndnis. Im letzten Sommer war ich in Alaska und Kanada und interessierte mich f\u00fcr die Kultur der Inuit \u2013 also der Ureinwohner dort. Sie hatten urspr\u00fcnglich keine Schrift. Aber sie schufen andere Ausdrucksformen, mit denen sie ihrer Kultur im wahrsten Sinn des Wortes Gestalt gaben. So entstanden die f\u00fcnf Meter hohen Totempf\u00e4hle, die h\u00f6chst eindrucksvoll irdisches Dasein und den Glauben der Inuit an ihr Jenseits darstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>i<\/i><i>e sind als Unternehmer aus Hohenlohe heraus gewachsen und mit I<\/i><i>hr<\/i><i>em Konzern Global Player geworden. Auch als Pers\u00f6nlichkeit?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Meinen Erfolg f\u00fchre ich auf einige Eigenschaften zur\u00fcck, in denen sich auch landsmannschaftliche Elemente ausmachen lassen: Flei\u00df, Ausdauer, Z\u00e4higkeit, Energie und die F\u00e4higkeit, Menschen zu gewinnen, zu begeistern und zu Zielen zu f\u00fchren. Der fr\u00fchere Bundespr\u00e4sident Heuss charakterisiert die Hohenloher: \u201eGescheit, lebhaft, aufgeweckt, etwas rechthaberisch und selbstbewusst\u201c. Es ist mir ganz gut bekommen, dass ich fr\u00fch auch aus dem Hohenlohischen herausgekommen bin, sp\u00e4ter dann in die ganze Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn sie wollen, k\u00f6nnen sie unterscheiden zwischen meinen pers\u00f6nlichen Interessen und meinen unternehmerischen Aktivit\u00e4ten. Aber beides geh\u00f6rt zusammen, ist nie ganz zu trennen. Man muss die M\u00e4rkte kennen, in denen der Konzern weltweit t\u00e4tig ist. M\u00e4rkte sind aber nicht nur statistisch-wirtschaftliche Gr\u00f6\u00dfen. So sehr in der Globalisierung auch die M\u00e4rkte einander \u00e4hnlicher werden, weil die Bed\u00fcrfnisse der Menschen letztlich \u00fcberall gleich oder \u00e4hnlich sind \u2013 es bleiben gro\u00dfe Unterschiede. Sie sind in den spezifischen Verfassungen der M\u00e4rkte begr\u00fcndet, die sich aus der geschichtlichen Vielfalt von Kontinenten, Staaten und ethnischen Strukturen entwickelt haben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das alles hat mich immer fasziniert, das hat mich in die Welt hinaus gezo- gen. Als mein Kundenkreis sich noch auf meine Heimatregion Hohenlohe beschr\u00e4nkte, wusste ich: Hinterm Berg geht die Welt weiter, da gibt\u2019s noch viel zu entdecken. Um aus einem regionalen Handelsgesch\u00e4ft einen weltweit t\u00e4tigen Konzern zu machen, muss man sich auch pers\u00f6nlich als Global Player einbringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>s<\/i><i>t die Globalisierung ein Schl\u00fcssel, um eine friedlichere Welt herzustellen? Nach dem Motto \u201eWer miteinander Handel betreibt, der schie\u00dft nicht aufeinander\u201c?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Mit Sicherheit! Welthandel ist heutzutage nicht in erster Linie Ausbeutung, sondern hilft, Frieden zu halten. Der Welthandel stellt wenigstens in kleinen Prozents\u00e4tzen einen Wohlstandsausgleich auf der Welt her. Er f\u00f6rdert das Verst\u00e4ndnis unter den Menschen. Dazu tragen sogar scheinbar triviale Erscheinungen bei, zum Beispiel technische Produkte, die \u00fcberall in der Welt einsetzbar sein m\u00fcssen, in Einrichtungen von Kraftwerken oder in der Kraftfahrzeugindustrie. Wer immer damit umgeht, muss ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis von Technik erlernen bis hin zum Verst\u00e4ndnis von Betriebsanleitungen. Letztlich wollen alle L\u00e4nder am technischen Fortschritt teilhaben. Das k\u00f6nnen sie im friedlichen Handelsaustausch besser als dort, wo Konflikte, gar Kriege die Menschen und die M\u00e4rkte entzweien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schauen wir auf die Ukraine-Krise. Ich bin sicher, dass Pr\u00e4sident Putin verstanden \u00a0hat, dass ihm die Sanktionen \u00a0nichts n\u00fctzen und am Ende seine Position als Politiker in Russland, von den B\u00fcrgern her gesehen, geschw\u00e4cht w\u00fcrde, wenn der Konflikt sich hinzieht. Eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage seiner B\u00fcrger erreicht Russland doch viel eher durch globale Zusammenarbeit im Handel als dadurch, dass f\u00fcr die Krim und die Ukraine die immensen Lasten weiter ansteigen. Es werden ja Milliarden dort reingepumpt werden m\u00fcssen, um die Wirtschaft am Leben zu halten.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><strong><i>G<\/i><i>i<\/i><i>l<\/i><i>t eigentlich noch der alte britische Spruch, dass der Handel der Fl<\/i><i>a<\/i><i>g<\/i><i>ge folgt?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube nicht. Der Handel ist heute internationalisiert. Der Handel folgt den Gewinnchancen und nicht der Flagge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>i<\/i><i>e wichtig ist f\u00fcr Sie das geplante Freihandelsabkommen mit der USA (TTIP), das heftig umstritten ist?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Das mag f\u00fcr uns einige Vorteile bringen; aber die sind f\u00fcr unseren Konzern eher nebens\u00e4chlich. Es k\u00f6nnten Nachteile f\u00fcr uns entstehen, wenn wir in Europa mit genmanipulierten Lebensmitteln \u00fcbersch\u00fcttet w\u00fcrden. Die Verhandlungen haben aber noch nicht einmal richtig angefangen. Ich sehe auf der anderen Seite die Chancen f\u00fcr die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks. Wenn ich jetzt gefragt w\u00fcrde, bef\u00fcrworten Sie das oder lehnen Sie es ab, w\u00fcrde ich auf einer Skala von \u2212 10 bis + 10 sagen + 2. Aber mehr nicht. F\u00fcr den W\u00fcrth-Konzern ist die EU der mit Abstand wichtigste Handelsraum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>i<\/i><i>r haben vorhin festgestellt, dass der Handel ein Element ist, das zur Befriedung der Welt beitr\u00e4gt. Das gilt aber sicher nicht f\u00fcr den Waffenhandel. Er ist auch in Deutschland ein nicht zu untersch\u00e4tzender Wirtschaftszweig.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich bin selbstverst\u00e4ndlich daf\u00fcr, dass der Verkauf von Waffen an Privatleute strikt verboten sein muss. Die EU sollte das an sich ziehen, und wir sollten ein europ\u00e4isches Amt f\u00fcr die Vergabe von Exportgenehmigungen f\u00fcr Waffen haben. Weil das im Wettbewerb zwischen Frankreich, Deutschland und England eine Rolle spielt und es um Arbeitspl\u00e4tze geht, stehen die nationalen Regierungen immer in einer Zwickm\u00fchle. Dann werden sogar die H\u00fchneraugen zugedr\u00fcckt, wenn das Gesch\u00e4ft nach Katar oder Saudi-Arabien geht. Waffen geh\u00f6ren im Grunde abgeschafft. Man sollte schlicht die Herstellung von Waffen verbieten, weltweit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>D<\/i><i>as ist ein frommer Wunsch \u2026<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir keine solchen W\u00fcnsche mehr haben, glauben wir nicht mehr daran, dass wir f\u00fcr unsere nachkommenden Generationen Verantwortung haben und eine bessere Welt schaffen sollten.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><strong><i>W<\/i><i>enn Sie \u00a0als \u00a0Reisender \u00a0in \u00a0Unternehmensangelegenheiten \u00a0in \u00a0der Welt sind, welche Bedeutung haben f\u00fcr Sie dann die deutschen Wirtschaftsvertretungen in Botschaften, Auslandskammern der Wirtschaft, Repr\u00e4sentanzen der Bundesl\u00e4nder?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Hmm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>D<\/i><i>i<\/i><i>e<\/i><i>s<\/i><i>e Antwort habe ich mir fast denken k\u00f6nnen \u2026<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe nie ein deutsches Konsulat oder eine Botschaft gebraucht. Ich werde heute ab und zu mal vom Botschafter eingeladen, wenn ich im Ausland bin, wie letztes Jahr in Sri Lanka. Das sind zumeist nette Unterhaltungen. Der diplomatische Dienst hat eigene Gepflogenheiten. \u00dcberspitzt gesagt: Die Diplomaten bilden eine Partygesellschaft zwischen Nationalfeiertagen, Gedenktagen, Ministerbesuchen, Festveranstaltungen und anderen Gelegenheiten, bei denen es Cocktails gibt. Im Umgang unter den Staaten ist so etwas in den Hauptst\u00e4dten wohl notwendig.<\/p>\n<p>Aber ich frage mich auch: Was brauchen wir heutzutage in Washington 26 Bot- schaften von allen EU-L\u00e4ndern, wo wir doch als EU gemeinsam auftreten sollten? Da k\u00f6nnten die Staaten Milliarden sparen. Wir haben doch in Washington auch eine gro\u00dfe Vertretung der EU. Das Problem ist, dass die nationalen Gesetzgebungen in manchen Bereichen der EU noch viel zu unterschiedlich sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Ei<\/i><i>n<\/i><i>e tiefgreifende Folge der Globalisierung ist die Verschiebung der Produktionsst\u00e4tten wichtiger G\u00fcter. Wie ber\u00fchrt das die W\u00fcrth- Gruppe?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Nicht sehr speziell. Direkt betroffen waren wir bei der Solartechnik, in der ein Gro\u00dfteil der Produktion in die Billig-Region-L\u00e4nder abgewandert ist. Es gibt nat\u00fcrlich Branchen, f\u00fcr die das fundamental war, etwa f\u00fcr die sogenannte braune Ware, also Radio- und Fernsehger\u00e4te, oder f\u00fcr die Hersteller von Fotoapparaten. Erinnern sich heute noch viele daran, dass Deutschland einmal der f\u00fchrende Hersteller von Kameras war?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sieht man diese Entwicklung aus einer h\u00f6heren Warte, hilft es ja, wie ich an anderer Stelle schon sagte, die Lebensqualit\u00e4t auf der Erde anzugleichen. Je mehr Arbeitskr\u00e4fte China braucht, desto schneller steigen dort di L\u00f6hne, sogar dramatisch. Das ist in Ordnung. Es tr\u00e4gt dazu bei, dort den inneren Frieden zu erhalten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>m Vergleich zu den anderen Kontinenten liegt Afrika in seiner wirt- schaftlichen Entwicklung weit zur\u00fcck. Welche Verbindung haben Sie, der Reisende, mit Afrika, welche der Konzern?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Wir sind nur in Kenia und in S\u00fcdafrika mit eigenen Unternehmen vertreten. Sehr bemerkenswert finde ich die Entwicklung in Angola. Afrika insgesamt wird zu oft untersch\u00e4tzt. Nach den weltwirtschaftlichen Statistiken hat Afrika als Kontinent zur Zeit ein riesiges prozentuales Wirtschaftswachstum. Das ist vor allem dem Abbau von Rohstoffen geschuldet. Fast gespenstisch ist, wie stark Chinas Investitionen in Afrika gewachsen sind. China erwirbt in gro\u00dfem Umfang Sch\u00fcrfrechte, baut Stra\u00dfen und Eisen- bahnen. Das l\u00e4sst den Eindruck aufkommen, dass Afrika zum gro\u00dfen Teil in chinesischer Hand ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>m 19. Jahrhundert gab es den gro\u00dfen Drang Deutschlands nach Kolonien in Afrika. Welche Rolle sehen sie heute f\u00fcr Deutschland in Afrika?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Da sehe ich keine gro\u00dfe Verpflichtung, au\u00dfer in Namibia. Namibia habe ich viel bereist. Die Spuren, die in der deutschen Kolonialzeit dort entstan- den, sind heute noch sehr stark. Ich war immer wieder \u00fcberrascht, wie oft ich auf Deutsch angesprochen wurde. Die deutsche Entwicklungshilfe hat viel zur Stabilit\u00e4t in Namibia beigetragen. Kluge Politik hat dazu gef\u00fchrt, dass dort kaum Enteignungen von Farmen stattgefunden haben, wie es in anderen ehemaligen Kolonien geschehen ist. Auch das f\u00f6rdert die Stabilit\u00e4t Namibias.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>i<\/i><i>e haben vor einigen Jahren eine gro\u00dfe Konzernkonferenz in S\u00fcdafrika gehabt. Wollten Sie damit den Blick der F\u00fchrungskr\u00e4fte des Konzerns auf Afrika lenken?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Das war sicher eine Absicht, die wir mit der Entscheidung f\u00fcr Kapstadt verfolgten. Es gibt auch andere Gr\u00fcnde, die daf\u00fcr sprachen. Wir wollen solche Kongresse f\u00fcr einige hundert Mitarbeiter an Orten veranstalten, die attraktiv und kosteng\u00fcnstig sind. Wir geben Managern und ihren Frauen auch die M\u00f6glichkeit, vorher oder nachher ein paar Tage Urlaub anzuh\u00e4ngen. Daf\u00fcr ist S\u00fcdafrika bestens geeignet. Das war damals ein rie- siger Erfolg und hat den Horizont f\u00fcr alle Beteiligten geweitet.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>A<\/i><i>u<\/i><i>s dem Handlungsreisenden W\u00fcrth ist ein Bildungsreisender geworden?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Meine Enkel behaupten das jedenfalls. Wenn die mit mir reisen, sagen die manchmal schon morgens: \u201eOpa, ich habe heute Museums-Allergie und Kirchen-Allergie, ich kann nicht mitgehen auf Besichtigungstour.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>i<\/i><i>e haben immer die Kamera dabei, wenn Sie unterwegs sind. Sie haben Vortr\u00e4ge \u00fcber Ihre Reisen gehalten, eine Ausstellung mit Fotos und einen Bildband mit Ihren Aufnahmen aus Asien ver\u00f6ffentlicht. Werden weitere folgen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Mit meinen Fotos und Notizen k\u00f6nnte ich B\u00e4nde f\u00fcllen. Fotob\u00fccher habe ich vor allem f\u00fcr die Familie gemacht. Man kann Fotografieren als mein Hobby sehen. Ich habe schon als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger mit einer Box angefangen \u2013 das war damals eine Art Volkskamera, die f\u00fcnf Mark kostete. Mittler weile habe ich Zehntausende Fotos gemacht, die auch archiviert, katalogisiert und verwaltet werden. Ein junger Fotograf erledigt das, den ich teilzeitbesch\u00e4ftigt habe.<\/p>\n<p>Mit dem Fotoapparat kann ich Eindr\u00fccke festhalten und mit nach Hause nehmen. Von Zeit zu Zeit hole ich die Aufnahmen aus dem Archiv, um meine Reiseeindr\u00fccke zu \u00fcberdenken, sie zu reflektieren. Wenn auf meinen Reisen an den Wochentagen die gesch\u00e4ftlichen Verpflichtungen dominieren, nutze ich die Wochenenden zu vertiefenden Eindr\u00fccken. Dazu dienen auch die Aufzeichnungen, die ich w\u00e4hrend meiner Reisen in einer Art von Tagebuch festhalte.<\/p>\n<p>2006 habe ich in K\u00fcnzelsau am Sitz unseres Konzerns eine erste Fotoausstellung gemacht. Dazu erschien ein Bildband \u201eAsien im Sucher\u201c. Ich k\u00f6nnte noch viele weitere Fotob\u00fccher ver\u00f6ffentlichen, von meinen Reisen von Argentinien bis Sibirien. Es macht mir Freude, andere an meinen Eindr\u00fccken teilhaben zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>e<\/i><i>l<\/i><i>c<\/i><i>h<\/i><i>e Begegnungen haben die st\u00e4rksten Eindr\u00fccke hinterlassen?<\/i><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p>Ich kann meine Erlebnisse nicht so gut beschreiben, wie das Johann Gottfried Seume in seinem Reisetagebuch \u201eSpaziergang nach Syrakus\u201c gelungen ist. Damals, 1802, war Italien f\u00fcr den Mitteleurop\u00e4er ein weitgehend unbekanntes Land. Seume hat seine Eindr\u00fccke realistisch und kritisch geschrieben. Heute kann das keiner mehr so \u2013 und es gibt mit Bildern, Videos und individualisierten B\u00fcchern viel mehr Ausdrucksformen f\u00fcr Reiseerlebnisse.<\/p>\n<div>\n<p>Eine Hierarchie der Reiseindr\u00fccke kann ich nicht herstellen. Die Eindr\u00fccke sind zu verschiedenartig \u2013 und doch in der Summe zusammenwirkend. Sie bleiben haften, werden oft pl\u00f6tzlich und unerwartet wieder sehr lebendig. Das reicht bis in die Kindheit zur\u00fcck. 1950 war ich mit meinen Eltern auf einer Gesch\u00e4fts- und Urlaubsreise nach Norddeutschland. Wir fuhren mit dem ersten Auto unserer Familie, einem gebraucht gekauften Opel Olympia Baujahr 1937. Da waren st\u00e4ndig Reparaturen notwendig. Meine Mutter hatte f\u00fcr unterwegs die Verpflegung vorbereitet, in Cellophan eingepackt.<\/p>\n<p>Bei\u00a0 Hannoversch M\u00fcnden war die\u00a0 Autobahnbr\u00fccke noch zerst\u00f6rt. Als wir \u00fcber die Elbbr\u00fccken in die Stadt Hamburg fuhren, die Schiffe sahen, \u00f6ffnete sich f\u00fcr mich zum ersten Mal die gro\u00dfe, weite Welt. Als ich sp\u00e4ter die Ostsee sah, war ich einfach sprachlos. Sie kam mir vor wie ein unendlicher Berg.<\/p>\n<p>Die Exotik ferner Welten erlebte ich zum ersten Mal 1962, als meine Frau und ich unsere erste Fernreise machten. Wir flogen nach Osaka zur Weltausstellung. Heute ist eine Japanreise sicher nichts Besonderes. Damals, als wir in Heilbronn beim Reiseb\u00fcro zwei Flugtickets nach Tokio und Osaka bestellten, war das eine kleine Sensation.<\/p>\n<p>Orte, die heute Massen von Touristen anziehen, bleiben im Erlebnis sehr individuell, von einem selbst abh\u00e4ngig. Ich erfreue mich des Privilegs, mich nicht in Touristenstr\u00f6men bewegen zu m\u00fcssen, sondern mein eigenes Programm zusammenzustellen und zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfartigen Bauwerke in China sind unvergesslich, der Kontrast zwischen den alten Kolonialbauten am Bund in Shanghai und den himmel- st\u00fcrmenden Hochh\u00e4usern in Pudong \u2013 da haben wir in Europa nichts Vergleichbares. Tief beeindruckt haben mich die Tempel in Angkor, die \u00c4sthetik von Verfall und erhaltener Kultur, in der sich ein faszinierender religi\u00f6ser Kosmos offenbart, mysteri\u00f6s und in seiner Sch\u00f6nheit fesselnd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Es gibt andere Arten unvergesslicher Eindr\u00fccke. Gro\u00dfe Eindr\u00fccke m\u00fcssen nicht exotisch sein. Ich habe fr\u00fcher ein bisschen Bergsteigerei getrieben. Mein wichtigstes alpinistisches Erlebnis war die Besteigung der Cinque Torri, der f\u00fcnf T\u00fcrme in den Dolomiten. Wir waren eine Siebener-Seilschaft, sind da rauf und haben uns dann an der 300 bis 400 Meter hohen senkrechten Wand abgeseilt. F\u00fcr meine S\u00fcdtiroler Freunde war das harmlos. F\u00fcr mich war das ein riesiges Ereignis. Wir mussten auf halber H\u00f6he am Seil so herumschwingen, dass wir einen Pfad erreichten. Einer wurde zu weit abgeseilt, hing in der Wand und musste wieder hochgezogen werden. F\u00fcr die S\u00fcdtiroler Profis reine Routine, f\u00fcr mich aufregend bis in die Haarspitzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderes Erlebnis, eine Wanderung am und in den Grand Canyon, bleibt mir ein Leben lang in allen Details in Erinnerung \u2013 auch, weil ich vom Laufen an meinen F\u00fc\u00dfen so viele Blasen hatte. Ich war mit meiner Frau am Grand Canyon. In jedem Hotelzimmer ist dort eine Warnung:<\/p>\n<p>\u201eAchtung, versuchen Sie bitte nicht, an einem Tag runter und wieder rauf zu gehen.\u201c Und ich? 1.900 Meter runter und wieder rauf ! Wir sind auch nicht gleich morgens um vier oder halb f\u00fcnf los, sondern erst um halb neun. Wir haben Eisw\u00fcrfel mitgenommen f\u00fcr den Wein und alles M\u00f6gliche sonst f\u00fcrs Picknick \u2013 bis runter zum Colorado River. Danach wieder rauf ! Und ich war ein Dummkopf, ich habe nur ein Paar Socken ange- zogen, obwohl ich das als ge\u00fcbter Wanderer h\u00e4tte wissen m\u00fcssen, dass ich wenigstens zwei Paar h\u00e4tte anziehen sollen. Als wir abends um halb neun wieder im Hotel ankamen, waren wir total geschafft. Man hat ja auf diesem Weg f\u00fcnf Klimazonen. Unten war es so hei\u00df und trocken, dass ich glaubte, meine Zunge sei ein geschwollenes St\u00fcck Fleisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>n Bayreuth habe ich Sie als Wanderer getroffen; an spielfreien Tagen oder vor den Auff\u00fchrungen sind Sie ins Fichtelgebirge. Sie fliegen, Sie fahren mit dem Schiff \u2013 das Wandern ist trotzdem geblieben. Ist das Wandern das Gegenst\u00fcck zu der Schnelligkeit, die beim beruflichen Reisen den Zeittakt vorgibt? Die Langsamkeit des Wanderns als Kontrast?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>So habe ich das nie betrachtet. Wandern ist sch\u00f6n. Man nimmt die Eindr\u00fccke viel intensiver mit als bei jeder anderen Art der Fortbewegung; selbst mit dem Fahrrad sehen sie nicht so viel wie beim Gehen. Mit zunehmender Geschwindigkeit nimmt die Feinheit der Eindr\u00fccke ab, das ist ganz nat\u00fcrlich. Wenn Sie wandern, dann sehen Sie den Schmetterling, der auf der Blume sitzt, oder eine kleine Steinformation, die Sie beim Reisen mit dem Auto oder dem Flugzeug nicht wahrnehmen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>A<\/i><i>n<\/i><i>n<\/i><i>\u00e4<\/i><i>h<\/i><i>erung an die Einbindung des Menschen in die Natur?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Das ist mir zu leicht missverst\u00e4ndlich. Ich bin nicht esoterisch. Solche Herangehensweise liegt mir nicht. Ich bin kein Philosoph. Die Antwort auf ihre Frage ist ganz einfach: Ich bin immer gern spazieren gegangen, habe immer gerne Wanderungen unternommen und dabei war es immer interessant. Begegnungen mit der Natur k\u00f6nnen auch rational ablaufen. Vielleicht ist mir das Rationale zur Natur geworden, weil ich Kaufmann bin.<\/p>\n<p>Oder umgekehrt: Ich wurde Kaufmann, weil das Rationale meine Natur ist? Vielleicht verstehen Sie das besser, wenn ich Ihnen sage: Ich habe immer eine Karte dabei; wenn ich ohne Landkarte, einen Stadtplan irgendwo bin, bin ich nur ein halber Mensch. Das ist immer ganz wichtig. Ich brauche die nachpr\u00fcfbare Orientierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>a<\/i><i>r das schon vor der Fliegerei?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Es wurde durch die Fliegerei mindestens verst\u00e4rkt. Es war f\u00fcr mich immer wichtig, zu wissen, wie komme ich wo hin. Wenn Sie in einem unbekann- ten Gebiet wandern, dann wollen Sie wissen: Kann ich einen Rundweg machen oder muss ich den gleichen Weg wieder zur\u00fcck? Das k\u00f6nnen Sie nur entscheiden, wenn sie eine Karte haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>hr<\/i><i>e Reisen f\u00fchrten Sie auch in akademische Welten, obwohl Sie kein Universit\u00e4tsstudium gemacht haben. Haben Sie die Hochschulen als eine andere Welt erlebt, als Kontrast zu Ihrer unternehmerischen Welt?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich nicht. Alle Welten, in denen wir leben, sind vielf\u00e4ltig interdependent. \u00a0So\u00a0 vielf\u00e4ltig \u00a0verbunden \u00a0die\u00a0 Kontinente \u00a0heute \u00a0miteinander sind, so global wir durch die Welt reisen, so eng ist die Wissenschaft mit der Praxis der Wirtschaft verkn\u00fcpft. Der Wissenschaftler und Forscher arbeitet nicht mehr im Elfenbeinturm. Heute sind sich doch alle viel mehr als fr\u00fcher ihrer gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit bewusst. Diese Interdependenz rei\u00dft Standesunterschiede zwischen akademischer, handwerklicher und sogar ganz trivial erscheinender Servicearbeit \u00a0in der Gesellschaft ein.<\/p>\n<p>Selbst der Nobelpreistr\u00e4ger kommt nicht ohne die M\u00fcllabfuhr aus. Genauso wenig k\u00f6nnte sich der M\u00fcllarbeiter einen Flachbildschirm-Fernseher kaufen, wenn es nicht die Wissenschaftler g\u00e4be, die das aust\u00fcfteln. Insofern ist die Welt ein geschlossenes Gebilde. Alle Beteiligten tragen ihren Part bei, um das Ganze am Laufen zu halten. Ich will diese Unterscheidung zwischen Wissenschaft und unwissenschaftlichen T\u00e4tigkeiten nicht mehr machen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Gib<\/i><i>t es Reiseziele, die Sie immer wieder besuchen? Orte, deren F<\/i><i>aszination Sie nie losgelassen hat?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Venedig hatte f\u00fcr mich immer einen ganz besonderen Glanz. Der Kr\u00fcger Nationalpark hat andauernde Anziehungskraft. Auch New York und Shanghai sind Orte, die magisch auf mich wirken. Sie sind jedes Mal neu, wenn Sie wieder hinkommen. Man will noch einmal sehen, was einen beim ersten Besuch stark beeindruckte, und wird sofort vom Neuen gefangen genommen. Die Ver\u00e4nderungsdynamik ist einfach umwerfend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Gib<\/i><i>t es f\u00fcr Sie noch eine Terra incognita? Wei\u00dfe Flecken auf Ihrer W<\/i><i>el<\/i><i>t<\/i><i>k<\/i><i>a<\/i><i>r<\/i><i>t<\/i><i>e?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ja, nat\u00fcrlich viele, zum Beispiel war ich noch nie in der Antarktis. Dann gibt es in Afrika noch viele L\u00e4nder, in denen ich noch nicht gewesen bin, also die L\u00e4nder, die unmittelbar n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich vom \u00c4quator liegen. Dort habe ich bisher nur Kenia bereist. Das hat nat\u00fcrlich auch immer wie-der mit politischen Situationen zu tun. Wo Unruhen sind, muss man nicht unbedingt hin. Dort gibt es auch keinen Markt zu entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>V<\/i><i>erlockt es Sie in die Antarktis?<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit ich Alaska kennen gelernt habe, also die arktische Eiswelt, zieht es mich nicht mehr so stark in die Antarktis. Aber gelesen habe ich viel \u00fcber den s\u00fcdpolaren Kontinent und die Forschungsstationen, die es dort von vielen L\u00e4ndern gibt. Wir haben ja auch eine deutsche Antarktis-Station. Ich h\u00f6rte Reinhold Messner von seiner Antarktis-Expedition \u00a0erz\u00e4hlen. Wir waren einer seiner Sponsoren, als er auf Skiern seine gro\u00dfe \u00dcber- schreitung des S\u00fcdpols machte \u2013 ein paar tausend Kilometer.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><i>L<\/i><i>i<\/i><i>e<\/i><i>g<\/i><i>t die besondere Anziehungskraft der Antarktis darin, dass sie der einzige noch nicht ohne R\u00fccksicht auf die Natur ausgebeutete Kon- tinent ist?<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber nicht mehr lange. Das wird schnell beginnen, dass man dort die<\/p>\n<p>Bodensch\u00e4tze ausbeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>I<\/i><i>s<\/i><i>t es unser Schicksal, dass wir als Menschen den g\u00f6ttlichen Auftrag<\/i><\/p>\n<p><i>\u201e<\/i><i>M<\/i><i>a<\/i><i>c<\/i><i>h<\/i><i>t euch die Welt untertan\u201c in Ausbeutung umsetzen?<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das wei\u00df ich nicht. Aber es stimmt: Wir bewirtschaften das Raumschiff Erde. Wie es mit der Menschheit weitergeht, das wei\u00df niemand. In der kosmischen Geschichte ist die Menschheit ein Ereignis von einer Sekunde. Und wir werden vielleicht noch eine Sekunde da sein; aber ob das noch tausend Jahre sind oder noch zwanzigtausend Jahre, das spielt \u00fcberhaupt keine Rolle. Das ist null im Geschehen des Kosmos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Be<\/i><i>w<\/i><i>i<\/i><i>r<\/i><i>tschaften schlie\u00dft viele M\u00f6glichkeiten ein: sinnvoll bewirtschaften, erhalten, nachhaltig bewirtschaften oder auch ruinieren.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Wissen Sie, der Begriff des nachhaltigen Bewirtschaftens klingt gut. Vor allem in politischen Reden. Aber die Praxis sieht leider noch ganz anders aus. Wer ist schon zu allen Konsequenzen bereit, die eintr\u00e4ten, wenn Nachhaltigkeit wirklich zum obersten Prinzip gemacht w\u00fcrde? Wer denkt schon daran, wie viel Erd\u00f6l f\u00fcr die Herstellung von Kunststoff gebraucht wird? Jeder Liter, den wir im Auto als Benzin verbrennen, der kommt nie zur\u00fcck. Wer wei\u00df schon, dass die Energiebilanz der Elektroautos, wenn man deren Herstellung einbezieht, schlechter ist als die eines Diesel- Wagens?<\/p>\n<p>Mit dem Begriff Nachhaltigkeit wird zu viel Schindluder getrieben. Am Ende bleibt uns wahrscheinlich die Sonnenenergie als die nachhaltigste Quelle. Vielleicht k\u00f6nnen wir auch Holz in der Zukunft nutzen \u2013 die Nachhaltigkeit kommt ja aus der Forstwirtschaft.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist die Frage, wie es mit der Menschheit weitergeht, unendlich wichtiger als die Frage, wie es mit dem Welthandel weitergeht oder was aus dem Kapitalismus wird.<\/p>\n<\/div>\n<p>Das sind doch letztlich Petitessen im Vergleich zu der gro\u00dfen Frage nach der Zukunft des Menschen, mit der wir uns heute auseinandersetzen m\u00fcssen. Denken wir an die Demografie. Denken wir an die Genetik, an den Einsatz von Technik und Elektronik in der Medizin. Dann sehen wir, wie Menschen manipuliert werden k\u00f6nnen \u2013 k\u00f6rperlich und geistig. Die Diskussionen \u00fcber Sterbehilfen und Geburtensteuerung f\u00fchren uns vor Augen, dass Menschen sich anschicken, die absoluten Herren \u00fcber Leben und Tod zu werden.<\/p>\n<div>\n<p>Stephen Hawking sagte ja, die Menschheit hat nur eine einzige Chance zu \u00fcberleben, wenn sie es sich erm\u00f6glicht, auf einem anderen Stern zu siedeln. Und damit hat er eigentlich auch recht. Die Menschheit nimmt an ihrer Gesamtzahl so zu, dass man sich fragen muss: Wo soll das enden \u2013 zehn Milliarden, zw\u00f6lf Milliarden, zwanzig Milliarden? Irgendwann ist die Erde voll \u2013 und was dann? In der Vergangenheit l\u00f6sten Kriege solche Probleme \u2013 dezimierten die Bev\u00f6lkerung. Wir stehen vor der Herausforderung, das friedlich zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>H<\/i><i>a<\/i><i>w<\/i><i>k<\/i><i>in<\/i><i>g sieht die Expansion in den Weltraum nicht nur als Siedlungs-, sondern auch als Ressourcenchance.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Aber das ist ja so unwahrscheinlich, dass das gelingt! Die Entfernungen sind so riesig im Weltall, und der n\u00e4chste Stern ist au\u00dferhalb unseres Sonnensystems. F\u00fcnfzig oder hundert Lichtjahre weg. Die schnellste Reisege- schwindigkeit ist nun mal das Licht, zumindest, was wir bis heute wissen \u2013 und daran scheitert das. Auch wenn der Stoffwechsel noch so abnimmt bei Lichtgeschwindigkeit und Sie vielleicht tausende von Jahren leben k\u00f6nnten. Das macht meine Aussicht auf die Zukunft der Menschheit eher pessimistisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>s<\/i><i>t Ihr Schiff der Ort der Muse, der Entspannung? Der Ort, an dem S<\/i><i>i<\/i><i>e sich Zeit nehmen f\u00fcr Ihre Familie und f\u00fcr Treffen mit Freunden?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ja, es ist dann schon etwas ruhiger auf dem Boot als im Berufsalltag, aber nicht viel. Wenn wir in Landn\u00e4he sind, dann stehen Besichtigungen an. Jeden Tag bekomme ich Packen von Post \u00fcber das Internet, die ich beantworte. Dann muss ich diktieren. Ich studiere auch die Reisef\u00fchrer f\u00fcr unsere Ausfl\u00fcge zu den Sehensw\u00fcrdigkeiten an Land, meistens historische Orte. Jeden Morgen bekomme ich die neuen Zeitungen, F.A.Z., Welt, Handelsblatt, Neue Z\u00fcrcher Zeitung; wir haben einen Zeitungsdrucker an Bord. Der Tag vergeht immer viel zu schnell.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>A<\/i><i>ls<\/i><i>o<\/i><i>, wie Ihre Frau sagt, immer ein unruhiger Geist?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ja! Es ist ja bekannt, dass ich immer sehr neugierig war. Neugierde bedeutet automatisch Unruhe, weil Sie wissen wollen, was passiert um Sie herum, was passiert ums Eck, was passiert morgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>I<\/i><i>hr<\/i><i>e Yacht hat den Namen \u201eVibrant Curiosity\u201c. Ist das Ihr Lebensmotto?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Eines davon schon. Den Namen habe ich erfunden. Wir haben jedes Jahr oder jedes zweite Jahr im Konzern ein Motto, mit dem wir uns besch\u00e4ftigen. Das ist so etwas \u00c4hnliches wie das Wort zum Sonntag. Vor Jahren habe ich \u201eVibrant Curiosity\u201c als Jahresmotto f\u00fcr das Unternehmen gew\u00e4hlt \u2013 \u201evibrierende Neugier\u201c. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass das ganze Unternehmen neugierig ist und mit den Hufen scharrt, um immer wieder zu neuen Zielen aufzubrechen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich das Motto als Namen f\u00fcr das Boot \u00fcbernommen habe. Alle, die sich mit der Seefahrt besch\u00e4ftigen, sagen: Das ist ein sehr sch\u00f6ner Name.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Gib<\/i><i>t es noch Reisefieber bei Ihnen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich nicht. Reisen ist f\u00fcr mich im Laufe des Lebens auch Routine geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>o ist aber dann das Zittern in der Neugier?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Dazu brauchen Sie kein Fieber! Der Kopf funktioniert ja nicht am besten, wenn Sie hohes Fieber haben und im Fieberdelirium sind. Vibrieren kann auch aus Freude entstehen. Neugier ist auch Freude auf das Neue. Spannung, Geschichte zu erleben, wie k\u00fcrzlich in Avignon im Papstpalast und im Hotel d\u2019Europe, wo schon Napoleon und Hemingway logierten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>D<\/i><i>i<\/i><i>e Fliegerei hat bei Ihnen gesch\u00e4ftlich angefangen. Reisen ist aber auch eine sinnliche Erfahrung. Sind Sie nach Ihren vielen Reiseerfah- rungen noch f\u00fcr die Sinnlichkeit des Reisens empf\u00e4nglich?<\/i><\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00a0bin\u00a0 ich\u00a0 immer \u00a0f\u00fcr\u00a0 Sinnlichkeit \u00a0empf\u00e4nglich. \u00a0Sch\u00f6nheit \u00a0ist immer ein Faszinosum, nicht nur die Sch\u00f6nheit von Menschen. St\u00e4dtebilder haben ihre eigenen \u00e4sthetischen Reize, ebenso wie die Werke der bildenden Kunst. F\u00fcr Sch\u00f6nheit habe ich viel \u00fcbrig.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>D<\/i><i>er Flieger Reinhold W\u00fcrth mit einer Air Transport Pilot Licence \u2013 sp\u00fcrt der noch ein bisschen von der Leidenschaft der Fliegerei, die wir von Antoine de Saint-Exup\u00e9ry kennen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Wissen Sie, diese Sinnlichkeit ist immer wieder da. Von dem Moment an, in dem Sie vor dem Flugzeug stehen. Sie sp\u00fcren die Harmonie von Techniken und Eigenschaften, mit denen so eine Maschine gestaltet ist. Das ist eine Vollkommenheit von Technik und Form, die bei allem Ausdruck maskuliner Kraft auch eine feminine Anmutung hat. Wenn man dann diese drei\u00dfig Tonnen in die Luft bringt und legt die Gashebel nach vorne \u2013 das ist jedes Mal ein vibrierendes Erlebnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>Ei<\/i><i>n St\u00fcckchen: \u201e\u00dcber den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein?\u201c<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ist sie ja nicht. Sie hocken im Cockpit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>K<\/i><i>eine besonderen Freiheitsgef\u00fchle?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Manches Mal durchaus. Ich will das konkret beschreiben. Als ich letztes Jahr in Alaska war, haben wir zwei Tagesausfl\u00fcge gemacht, einmal von Juneau nach Anchorage und einmal von Juneau nach Kodiak. Und als wir von Kodiak am Sp\u00e4tnachmittag zur\u00fcckgeflogen sind, das war dann Richtung Osten, da stand die Sonne halb links hinter uns, und halb links vor uns war die riesige Gletscherwelt Alaskas, glitzernd und glei\u00dfend von der Sonne, die wir hinter uns hatten. Das war nat\u00fcrlich ein hinrei\u00dfendes Erlebnis. Schon auf dem Flug von Europa nach Alaska hatten wir \u2013 was ganz selten ist \u2013 \u00fcber Gr\u00f6nland wolkenloses Wetter unter uns. Wir waren ja vierzigtausend Fu\u00df hoch und konnten diese gr\u00f6nl\u00e4ndische Eisw\u00fcste unter uns fast mit den H\u00e4nden greifen. Im Eis waren kleine Seen aus Schmelzwasser von der Sonne.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Wir konnten daran auch die Folgen des Klimawandels erkennen. Da wer- den Reiseeindr\u00fccke zu Anst\u00f6\u00dfen f\u00fcr Nachdenklichkeit, zu Fragestellungen an unseren Umgang mit der uns anvertrauten Erde.<\/p>\n<p>Ein Faszinosum ereignet sich auch jedes Mal, wenn man ostw\u00e4rts durch die Nacht fliegt und die Sonne geht auf. Das habe ich ganz besonders aus einer Reise in Erinnerung, bei der wir von Auckland in Neuseeland nach Papeete im Pazifik geflogen sind. Wir sind abends um elf Ortszeit abgeflogen. Das war eine wunderbare Nacht \u2013 wolkenlos, der Mond stand hell leuchtend am schwarzen Himmel, unter uns der glei\u00dfende Pazifik, in den Schattenseiten hat sich der Mond gespiegelt, gegen Morgen dann, ganz fein zuerst, nur ein feiner, fahler Strich. Dem folgt in kurzer Zeit T\u00fcrkis und Rosa. Wenn die Sonne dann langsam \u00fcber den Horizont kommt, dann\u00a0 starten \u00a0schon \u00a0die hohen \u00a0Wolkengebilde \u00a0dazwischen. \u00a0Der Mond ist noch da, verblasst aber immer mehr. Das sind Flugerlebnisse, die ein Leben lang in einem haften bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>D<\/i><i>as klingt nach einer Poesie des Fliegens.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ja, so empfinde ich diese Erlebnisse. Wenn ich schriftstellerisch begabt w\u00e4re, dann w\u00fcrde ich einen kleinen Essay dar\u00fcber schreiben. Oder ein Gedicht \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>c<\/i><i>hr<\/i><i>eiben f\u00e4ngt mit Schreiben an \u2026<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mir vor Jahrzehnten vorgenommen: Wenn ich pensioniert bin, schreibe ich einen Kriminalroman. Bisher fehlt mir die Zeit dazu. Vielleicht ist einer wie ich, der seinen Beruf als Handelsreisender gefunden hat, zum Pension\u00e4r ungeeignet \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>e<\/i><i>l<\/i><i>c<\/i><i>h<\/i><i>e Eindr\u00fccke hat der Kunstsammler Reinhold W\u00fcrth von seinen Reisen mitgenommen? Spiegelt sich das, was Sie von der Welt in Ihrem Kopf gespeichert haben, in Ihrer Sammlung wider?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Auf meinen Reisen besuche ich regelm\u00e4\u00dfig Kunstmuseen. Ich habe dabei viel gelernt. Hin und wieder habe ich mir in Museen von noch lebenden K\u00fcnstlern die Adressen geben lassen und dann das eine oder andere Werk erworben, wenn mir etwas besonders gut gefallen hat. Ich habe auch immer wieder \u00fcberraschende Eindr\u00fccke gehabt und habe dann K\u00fcnstler, die ich \u00fcberhaupt nicht kannte, in die Sammlung aufgenommen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an einen Fall in New York, da sind wir in Greenwich Village spazieren gegangen und wir haben Werke eines englischen K\u00fcnstlers im Schaufenster einer Galerie gesehen. Die haben mich auf Anhieb fasziniert. Das war eine Art von Objektkunst, dreidimensionale Bilder. Jetzt denke ich daran, daraus irgendwann eine monografische Ausstellung zu machen. Wenn sie vor solchen Bildern hin und her gehen, \u00f6ffnen sich T\u00fcren. Das wird nat\u00fcrlich von den Gro\u00dfen der Kunstfachwelt mit Naser\u00fcmpfen gesehen. Aber mir ist das egal. Ich lasse mich da gerne auf meine Weise von der Kunst beeindrucken.<\/p>\n<p>\u00dcberheblichkeit der professionellen Fachleute sieht man am Beispiel der Niki de Saint Phalle; sie wurde zun\u00e4chst komplett abgelehnt. Und jetzt ist sie weltweit bewundert, ihr Skulpturenpark in der Toskana zieht Kunstliebhaber aus der ganzen Welt an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>e<\/i><i>l<\/i><i>c<\/i><i>h<\/i><i>en Eindruck hat die Begegnung mit au\u00dfereurop\u00e4ischer Kunst auf Sie gemacht. Sie kennen den Einfluss, den polynesische und afrikanische Kunst auf die bildenden K\u00fcnste bei uns im 20. Jahrhundert hatten. Haben Sie diese Entwicklung an sich nachvollzogen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Diese Kunst der Naturv\u00f6lker hat mich sehr beeindruckt. Ich habe vorher viele Werke von Picasso gekannt, war dann immer wieder \u00fcberrascht, wie nahe er an der Native Art dran ist. Ein pr\u00e4gendes Erlebnis war f\u00fcr mich 1984 im Museum of Modern Art in New York die Ausstellung \u201ePrimi- tivism in 20th Century Art\u201c. Mir ist besonders die Gegen\u00fcberstellung einer Skulptur Picassos und einer Skulptur aus Polynesien haften geblie- ben. Das war fast gespenstisch. Eins zu eins! Aber die Experten sind sich hundertprozentig sicher, dass Picasso die Skulptur aus der S\u00fcdsee nie gesehen haben konnte. So erfahren wir ein universelles Ged\u00e4chtnis der Menschheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderes starkes Erlebnis war die Begegnung mit Horst Antes \u2013 der macht \u00a0diese \u00a0Kopff\u00fc\u00dfler. \u00a0Vergleichbare \u00a0Figuren \u00a0machten \u00a0schon \u00a0lange zuvor die Pueblo-Indianer. Egal, ob Antes sie gekannt hat, als er mit seinen r\u00e4tselhaften Wesen anfing \u2013 es zeigt sich auch daran, dass sich in der Menschen- und in der Kunstgeschichte Ph\u00e4nomene wiederholen. Das ist ganz besonders ausgepr\u00e4gt in den Ausdrucksformen, die Menschen in der Kunst von sich selbst schaffen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>H<\/i><i>a<\/i><i>b<\/i><i>en Sie selbst Kunst anderer V\u00f6lker gesammelt, die dem \u201e<\/i><i>P<\/i><i>r<\/i><i>i<\/i><i>m<\/i><i>i<\/i><i>t<\/i><i>i<\/i><i>v<\/i><i>i<\/i><i>s<\/i><i>m<\/i><i>\u201c zuzuordnen ist?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Wir haben afrikanische Kunst in meiner privaten Sammlung. Aber das ist nicht so bedeutend. Ich habe diese Sammlung von einem Kunsth\u00e4ndler in Salzburg \u00fcbernommen, teilweise auf meinem Schiff aufgestellt, einiges steht in Salzburg in meiner Bibliothek. Es sind sehr sch\u00f6ne Sachen dabei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>i<\/i><i>e sind in der ganzen Welt unterwegs, bezeichnen aber Hohenlohe immer wieder als Ihre Heimat, in der sie regelm\u00e4\u00dfig auch Ihren Lebensmittelpunkt \u00a0nahe\u00a0 der Konzernzentrale \u00a0finden. Wie wichtig ist heute noch geografisch gebundene Heimat? Werden wir alle zu Hommes Nomades, wie der fr\u00fchere franz\u00f6sische Minister Jacques Attali die modernen Menschen bezeichnet hat? Sind das die Fl\u00fccht- linge, die aus Afrika, Afghanistan, Syrien, dem Irak zu uns kommen, weil sie hier Sicherheit und Arbeit suchen?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Die traditionell definierte Heimat nimmt in der Bedeutung ab. Menschen werden heute durch L\u00e4nder und Kontinente gewirbelt \u2013 beruflich, im Gefolge des Tourismus, durch Migration, Vertreibung und Flucht. Wenn Sie sich dann mit den Leuten unterhalten, dann wissen viele in der zweiten Generation nicht mehr, wo sie hergekommen sind. Allenfalls bleiben famili\u00e4re Bindungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sollten nicht nur \u00fcber den Verlust an alten Bindungen klagen, sondern den Gewinn an Menschen begr\u00fc\u00dfen, den wir durch Migration und Globalisierung haben. Wir sollten uns anstrengen, die Menschen, die als Fl\u00fcchtlinge zu uns kommen, f\u00fcr unsere Gesellschaft zu gewinnen und sie zur Mitarbeit an unserer Zukunft zu bef\u00e4higen. Menschen werden auf Dauer nur dort heimisch, wo sie sich wohl f\u00fchlen, wo sie Sicherheit f\u00fcr ihre Familien und Arbeit haben; dort bilden sich ihre Lebensmittelpunkte.<\/p>\n<p>Es gibt in den Salzburger Nachrichten eine kleine Kolumne \u00fcber Ausl\u00e4n- der, die in Salzburg leben: Wie f\u00fchlen Sie sich hier? \u00dcberwiegend sagen die Leute: Die Heimat habe ich hier, weil ich hier meinen Lebensmittelpunkt habe.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ich empfinde Hohenlohe als meine Heimat und erlebe diese emotionale Dimension als sehr sch\u00f6n. Bei meiner Frau ist diese emotionale Bindung noch st\u00e4rker. Sie hat sich mit dem Anne-Sophie-Hotel und mit Freunden hier stark engagiert. Das ist auch f\u00fcr mich eine Bindung an Hohenlohe.<\/p>\n<p>Ich lebe aber gerne auch in Salzburg. Vielleicht w\u00e4re ich ganz dorthin, mit dem ersten Wohnsitz, wenn meine Frau nicht gewesen w\u00e4re. Dann w\u00e4re ich heute halt in Salzburg mit dem ersten Wohnsitz und w\u00fcrde mich dort unglaublich wohl f\u00fchlen. Salzburg ist f\u00fcr mich nicht nur die zweite Heimat, sondern manches Mal die erste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>p<\/i><i>r<\/i><i>a<\/i><i>c<\/i><i>h<\/i><i>e ist auch ein Teil der emotionalen Heimat. Welche Rolle spielt das f\u00fcr Sie? Sie pflegen den hohenlohischen Akzent. Sie haben bei der baden-w\u00fcrttembergischen Werbekampagne mit der Aussage mitgewirkt: Wir k\u00f6nnen alles au\u00dfer Hochdeutsch.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Ich halte es f\u00fcr eine starke und positive Charaktereigenschaft, wenn jemand sein Idiom beibeh\u00e4lt. Daraus habe ich nie einen Hehl gemacht, aus Hohenlohe zu kommen. Ich habe nie versucht, mir den Salzburger Dialekt anzueignen, damit die Leute nicht merken, dass ich dort kein Einheimischer bin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gleiche Haltung habe ich immer an meinem Stiefvater bewundert. Meine Mutter hat ja ein zweites Mal geheiratet, den Walter Kindermann, der war Westfale, Finanzbeamter, hat das Finanzamt in K\u00fcnzelsau geleitet. Der hat bis zum Tod ein glasklares Westf\u00e4lisch gesprochen. Obwohl er \u00fcber drei\u00dfig Jahre hier in Hohenlohe verbracht hat, floss in seine Sprache kein hohenlohischer Laut ein. Das habe ich als sehr sch\u00f6n empfunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>W<\/i><i>as ist das Anziehende, das Besondere an Salzburg?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Meine Familie hat in Salzburg zwei sch\u00f6ne Anwesen in einer sch\u00f6nen Landschaft. Die Stadt strahlt eine gewinnende Harmonie aus. Dann ver- lockt die vielf\u00e4ltige Kultur. Sie finden in Europa kaum einen zweiten vergleichbaren Ort mit so viel Kultur auf einem Fleck wie in Salzburg \u2013 das ganze Jahr \u00fcber. Die Museen sind hoch attraktiv. Das Naturkundemuseum ist eines der f\u00fchrenden seiner Art in der Welt. Wo hat ein Kunstmuseum eine so attraktive Lage wie das oben auf dem Berg in Salzburg? Die medizinische Versorgung ist exzellent, voran das Universit\u00e4tsklinikum.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i>S<\/i><i>p<\/i><i>i<\/i><i>el<\/i><i>t f\u00fcr Sie das gesellschaftliche Leben in Salzburg eine wichtige R<\/i><i>o<\/i><i>ll<\/i><i>e?<\/i><\/strong><\/p>\n<p>Untergeordnet. Ich geh\u00f6re nicht zur Bussi-Gesellschaft, meine Frau auch nicht. Wir dr\u00e4ngeln uns nicht dort, wo sich die Welt einfindet, die man die Bunte nennt. Wir machen ein paar Mal im Jahr Einladungen bei uns zu Hause. Das sind vier, f\u00fcnf Ereignisse im Jahr. Das meiste, was uns an Einladungen zukommt, lehne ich ab. Da erhalten Sie zwei, drei Einladungen f\u00fcr einen Abend. So etwas mache ich nicht mit. Ich habe viel zu tun und bin froh, wenn ich in Salzburg Stunden der Ruhe habe \u2013 oder Zeit, um mit meiner Frau \u00fcber den wundersch\u00f6nen Markt zu bummeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Handelsreisender, Pilot, Seefahrer, Wanderer &#8222;Der Patriarch in seiner Verantwortung Reinhold W\u00fcrth \u2013 Gespr\u00e4che mit dem Unternehmer und M\u00e4zen&#8220; von Claus Detjen, Ex-Journalist der Deutschen Welle, Herausgeber von Tageszeitungen und Mitbegr\u00fcnder des privaten Rundfunks. &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/04\/23\/buchauszug-gesprache-mit-reinhold-wurth-man-sollte-die-herstellung-von-waffen-verbieten-weltweit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[7924,1890,4470,2000,4471,4469],"class_list":["post-656282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-der-patriarch-in-seiner-verantwortung-reinhold-wuerth-gespraeche-mit-dem-unternehmer-und-maezen","tag-buchauszug","tag-claus-detjen","tag-faz","tag-frankfurter-allgemeine","tag-reinhold-wurth"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=656282"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":669510,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/656282\/revisions\/669510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=656282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=656282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=656282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}