{"id":656165,"date":"2015-04-05T01:09:43","date_gmt":"2015-04-04T23:09:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=656165"},"modified":"2015-06-22T12:43:59","modified_gmt":"2015-06-22T10:43:59","slug":"naujoks-in-new-york-xi-papa-wir-haben-so-vermisst-und-warum-deutsche-grunder-junger-sind-als-amerikanische","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/04\/05\/naujoks-in-new-york-xi-papa-wir-haben-so-vermisst-und-warum-deutsche-grunder-junger-sind-als-amerikanische\/","title":{"rendered":"Naujoks in New York (XI): &#8222;Papa, wir haben so vermisst&#8220; &#8211; und warum deutsche Gr\u00fcnder j\u00fcnger sind als amerikanische"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr drei Monate war Stephan Naujoks, 49, CEO und Co-Gr\u00fcnder des Kieler Start-ups Snapmobl, in New York \u00fcber das German Accelerator Programm. Snap\u00admobl transformiert Webseiten von Kleinunternehmen vollautomatisch in Smartphone-optimierte Varianten. Das Ergebnis ist eine mobile Webseite, die sich durch bestm\u00f6gliche Kontakt-Raten auszeichnet.<\/strong>\u00a0 <strong>Snapmobl vermarktet diese L\u00f6sung seit einem knapp eineinhalb Jahren und hat seitdem rund 4.500 Webseiten transformiert . <\/strong><strong>Naujoks Ziel war: Die Vermarktung von Snapmobl in den Vereinigten Staaten.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_655969\" style=\"width: 375px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/NNY.Stephan_naujoks.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-655969\" class=\"size-full wp-image-655969\" alt=\"Stephan Naujoks von Snapmobl\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/NNY.Stephan_naujoks.jpg\" width=\"365\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/NNY.Stephan_naujoks.jpg 365w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/NNY.Stephan_naujoks-300x232.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-655969\" class=\"wp-caption-text\">Stephan Naujoks von Snapmobl<\/p><\/div>\n<div>\n<dl id=\"attachment_656127\">Das Highlight meiner letzten Woche in New York war die Einladung zu einem Event des CEO der New Yorker German Accelerator Programms James Kolleger. Er ist seit Enderder 60er Jahre in der IT-Branche, die letzen 25 Jahre als Investor. Entsprechend exklusiv war die Teilnehmerliste. Zum Beispiel referierte Alan Patricof, 80, \u00fcber die aktuelle Situation in der Startup-Finanzierung. Er ist Gr\u00fcnder von APAX Partners, dem weltweit gr\u00f6\u00dften Private-Equity-Unternehmen. Vor vierzehn Jahren hat er sich aus seinem Unternehmen zur\u00fcckgezogen und ist seitdem als Investor in Early-stage-startups aktiv.\u00a0<\/dl>\n<dl><\/dl>\n<dl>.<\/dl>\n<dl>.<\/dl>\n<\/div>\n<p>Seine Antwort auf die Frage, ob sich bei den aktuellen Startup-Bewertungen eine Blase gebildet hat, ist deshalb hochinteressant: Zum einen setzen die hohen Bewertungen eine Cascade of miracles voraus. Als Beispiel f\u00fcr solch ein Wunder nannte er die Einstellung eines Sales-Teams von 20 Verk\u00e4ufern und alle 20 performen perfekt. Das Beispiel sagt viel \u00fcber die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Wunder aus.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Startups ohne Umsatz<\/strong><\/p>\n<p>Als weiteres Beispiel nannte er A-Runden-Finanzierungen im Silicon Valley in Startups, die keinen Umsatz machen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Die zweite Aussage ist ebenso interessant: Zur Zeit werden in New York jede Woche 70 Startups finanziert. Kein Geld der Welt reicht aus, um alle Seed Fundings in A Runden zu finanzieren. Es wird also bedeutende Ausf\u00e4lle mangels Weiterfinanzierung geben.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Der Ort der Veranstaltung war exklusiv gew\u00e4hlt: Es war der Union-Leage-Club. Der Privatclub wurde 1863 w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkriegs gegr\u00fcndet. Interessantes Detail der Geschichte des Clubs: Das erste weibliche Mitglied wurde 1986 aufgenommen.<\/p>\n<p><a title=\"Union League Club of New York, Wikipedia\" href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Union_League_Club_of_New_York\" target=\"_blank\">http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Union_League_Club_of_New_York<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild1_Unionleagueclub.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-656166\" alt=\"Unionleagueclub\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild1_Unionleagueclub.jpg\" width=\"650\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild1_Unionleagueclub.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild1_Unionleagueclub-300x222.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild1_Unionleagueclub-405x300.jpg 405w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch dort gilt: Eintritt nur mit Anzug und Krawatte!<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wettbewerbsvorteile f\u00fcr Gesetzesbrecher?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gefesselt hat mich auch eine Podiumdiskussion von Journalisten zu der Frage: Erlangen Uber und Airbnb Wettbewerbsvorteile durch das Umgehen gesetzlicher Auflagen? Von den sechs Diskussionsteilnehmern gab es nur einen einzigen, der Uber uneingeschr\u00e4nkt unterst\u00fctzte, indem er sagte, der Kunde ist m\u00fcndig genug, selber zu entscheiden, welche Art Taxi-Unternehmen er w\u00e4hlt. Der Rest hat die Regularien f\u00fcr Taxiunternehmen \u00fcberhaupt nicht in Frage gestellt, sondern erwartet von Uber, dass diese eingehalten werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gab einige sehr detaillierte Einblicke in erfolgreiche Startups: \u00dcberrascht war ich, dass alle vorgestellten Unternehmen \u00fcber einen hohen internationalen Kundenanteil verf\u00fcgen. Zum Beispiel Foursquare, eins der erfolgreichsten New Yorker Startups. Deren COO berichtete von einem US-Anteil an deren Usern von nur 30 Prozent. Und das, ohne \u00fcberhaupt Werbung gemacht zu haben. Interessanterweise tauchte Deutschland rein gar nicht in den Kuchendiagramen auf. Das hat mich genauso \u00fcberrascht wie die Tatsache, dass die lateinamerikanischen M\u00e4rkte mit sehr hohen Zahlen vertreten waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild2_Unionleagueclub.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-656167\" alt=\"Unionleagueclub\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild2_Unionleagueclub.jpg\" width=\"481\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild2_Unionleagueclub.jpg 481w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild2_Unionleagueclub-222x300.jpg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Ich hatte ja auf den Pitch-Veranstaltungen schon gesehen, dass Medizintechnik einen hohen Anteil bei den Startups ausmacht. Ein weiterer Vortrag besch\u00e4ftigte sich genau damit. Zum Beispiel ist die Technik, um Routine-Untersuchungen zu Hause durchzuf\u00fchren, so weit fortgeschritten, dass etliche Ger\u00e4te und Softwareprodukte schon eine medizinische Zulassung haben. So kann das Smartphone eine bequeme Alternative zu Arztbesuch werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bequem, wenn ich mir 80 Prozent der Arztbesuche (die aus 90 Prozent Anfahrt und Wartezeit bestehen) sparen kann. Bei drei Kindern kommt da im Jahr eine Menge zusammen, wenn Untersuchungen zu Hause gemacht werden k\u00f6nnen. Allerdings kann ich mir das nicht als Modell f\u00fcr Deutschland vorstellen. Nicht nur aufgrund des Beharrungsverm\u00f6gens unseres Gesundheitswesens. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir als Kunden einem solchen System vertrauen wollen. Ein gro\u00dfer Unterschied zu USA.<\/p>\n<p>Wen das Thema mehr interessiert: Dieses Buch kann ich w\u00e4rmstens empfehlen:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.healthattitude.org\/\">http:\/\/www.healthattitude.org\/<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Deutscher Datenschutz als Hemmschuh<\/strong><\/p>\n<p>Zum Thema Datenschutz: Deutschland tauchte in allen Diskussionen nur zwei mal an diesem Tag auf. Nie ging es um die Gr\u00f6\u00dfe unseres Marktes und Ums\u00e4tze. Immer ging es um Datenschutz und Regulierung: Nicht weil das bei uns besonders vorbildlich ist und man sich etwas bei uns abgucken m\u00fcsse, sondern dass wir es hoffnungslos \u00fcbertreiben. Wir werden bel\u00e4chelt \u2013 kein gutes Gef\u00fchl. Erst recht, weil ich insgeheim zugeben muss: Ganz unrecht haben sie nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ebenso \u00fcberraschend der Rat Alan Patricof, auf die Frage, was er einem Gr\u00fcnder frisch von der Uni kommend raten w\u00fcrde: \u201eGeh f\u00fcr zwei Jahre zu einem Startup und lerne. Und dann gr\u00fcnde selbst.\u201c<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Die Sache mit der Erfahrung<\/strong><\/p>\n<p>Ich erinnere mich zwar noch sehr gut an den Ausspruch Helmut Mauchers (Nestl\u00e9-Chef in den 90ern): \u201eErfahrung bedeutet \u00fcberhaupt nichts, man kann einen Sache auch 30 Jahre lang falsch machen.\u201c Aber diese Zeit ist vorbei: Niemand kann es sich heute mehr erlauben, nur zwei Quartale hintereinander eine Sache falsch zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eJugend forscht\u201c ist keine Basis, um Marktanteile schnell zu gewinnen, um schnell die richtigen Mitarbeiter\u00a0 &#8211; dazu z\u00e4hlen auch F\u00fchrungskr\u00e4fte \u2013 zu gewinnen und zu f\u00fchren. Und wer mit einem Investor um einen Beteiligung verhandelt, hat sicher keinen Nachteil, wenn er ein paar Verhandlungen auf dem Erfahrungs-Haben-Konto hat.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Deutsche Gr\u00fcnder sind j\u00fcnger als amerikanische<\/strong><\/p>\n<p>Insofern wenig \u00fcberraschend: Das Durchschnittsalter der Gr\u00fcnder in Deutschland liegt bei 38 Jahren, in den USA bei 40. \u00a0<a title=\"Studie, Alter deutscher Start-up\" href=\"http:\/\/www.golem.de\/news\/zew-studie-deutsche-start-up-gruender-sind-im-durchschnitt-38-jahre-alt-1211-95563.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.golem.de\/news\/zew-studie-deutsche-start-up-gruender-sind-im-durchschnitt-38-jahre-alt-1211-95563.html<\/a><\/p>\n<p><a title=\"Forbes, Gr\u00fcnder, Alter, Start-up\" href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/krisztinaholly\/2014\/01\/15\/why-great-entrepreneurs-are-older-than-you-think\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.forbes.com\/sites\/krisztinaholly\/2014\/01\/15\/why-great-entrepreneurs-are-older-than-you-think\/<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Greisenquote f\u00fcr Startups?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt hier in USA \u00fcbrigens eine ernsthafte Diskussion dar\u00fcber, ob nicht bei Startup-Einstellungen oder bei Investitionsentscheidungen \u00e4ltere Gr\u00fcnder benachteiligt werden. Hurra, meine Zukunft als Gr\u00fcnder ist gesichert, wenn es eine Greisenquote gibt, denn ich werde dieses Jahr 50! Damit d\u00fcrfte ich wohl in die besonders sch\u00fctzenswerte Zielgruppe fallen \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann ging es nach Hause \u2013 endlich! So viel ich auch um die Ohren hatte, meine Lieben haben mir doch ordentlich gefehlt. Und wohl auch umgekehrt. Um so gr\u00f6\u00dfer war die \u00dcberraschung am Flughafen: Meine siebenj\u00e4hrige Tochter hat wochenlang herum gejammert, dass sie ja nicht mit zum Flughafen kommen kann, weil es der letzte Schultag w\u00e4re. Und ich solle mich doch beeilen, damit ich sie von der Schule abholen k\u00f6nne. Und dabei hat sie schon flei\u00dfig am Begr\u00fc\u00dfungsplakat gearbeitet. Na, ja \u2013 war ja der 1. April&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild3_Begruessung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-656168\" alt=\"Begruessung\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild3_Begruessung.jpg\" width=\"642\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild3_Begruessung.jpg 642w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild3_Begruessung-300x198.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/04\/Bild3_Begruessung-453x300.jpg 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 642px) 100vw, 642px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich habe mich riesig \u00fcber die Begr\u00fc\u00dfung gefreut!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr drei Monate war Stephan Naujoks, 49, CEO und Co-Gr\u00fcnder des Kieler Start-ups Snapmobl, in New York \u00fcber das German Accelerator Programm. Snap\u00admobl transformiert Webseiten von Kleinunternehmen vollautomatisch in Smartphone-optimierte Varianten. 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