{"id":655926,"date":"2015-03-16T16:01:17","date_gmt":"2015-03-16T15:01:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=655926"},"modified":"2015-03-20T15:37:05","modified_gmt":"2015-03-20T14:37:05","slug":"ad-hoc-veroffentlichungen-geheimniskramerei-kann-vorstande-teuer-zu-stehen-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/03\/16\/ad-hoc-veroffentlichungen-geheimniskramerei-kann-vorstande-teuer-zu-stehen-kommen\/","title":{"rendered":"Ad-hoc-Ver\u00f6ffentlichungen: Geheimniskr\u00e4merei kann Vorst\u00e4nde teuer zu stehen kommen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Urteil vom Europ\u00e4ischen Gerichtshf (EuGH): B\u00f6rsennotierte Unternehmen m\u00fcssen kursrelevante Informationen auch dann offenlegen, wenn sie noch nicht wissen, in welche Richtung sie den Aktienkurs beeinflussen k\u00f6nnen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Gastbeitrag von Viktoria Kickinger, Gr\u00fcnderin des Internet-TV-Kanals f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te, Director\u00b4s Channel.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_654449\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/KickingerVictoria.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-654449\" class=\"size-medium wp-image-654449\" alt=\"Victoria Kickinger\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/KickingerVictoria-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/KickingerVictoria-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/KickingerVictoria-450x300.jpg 450w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/KickingerVictoria.jpg 467w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-654449\" class=\"wp-caption-text\">Victoria Kickinger<\/p><\/div>\n<p><strong>Geheimniskr\u00e4merei kann Vorst\u00e4nde viel Geld kosten <\/strong><\/p>\n<p>\u00dcbernahmen mit Anschleichen \u2013 sprich f\u00fcr Au\u00dfenstehende \u00fcberraschende \u00dcbernahmen von b\u00f6rsennotierten Unternehmen, denen eine geheime Anteilsaufstockung vorausgeht, haben in j\u00fcngster Vergangenheit immer wieder f\u00fcr Z\u00fcndstoff gesorgt. Zuletzt im Fall Schaeffler und Continental. Dabei kann das Taktieren mit Insiderinformationen f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Aufsichtsr\u00e4te teuer werden. Das hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) mit seinem Urteil im Fall der franz\u00f6sischen Investmentgesellschaft Wendel SA wieder einmal deutlich gemacht (Aktenzeichen C-628\/13).<\/p>\n<p>Innerhalb der EU gelten strenge Regeln, die Insiderhandel verhindern sollen. Die EU-Richtlinie 2003\/6\/EG gibt vor, dass Emittenten von Finanzinstrumenten jede <b>pr\u00e4zise<\/b> Information sofort ver\u00f6ffentlichen m\u00fcssen, die geeignet ist, den Aktienkurs des betreffenden Unternehmens erheblich zu beeinflussen. Was als pr\u00e4zise Information zu gelten hat, haben die Richter jetzt weiter konkretisiert. \u201eInsiderinformationen k\u00f6nnen auch dann vorliegen k\u00f6nnen, wenn sich noch nicht vorhersehen l\u00e4sst, in welche Richtung sich der Kurs entwickeln wird \u2013 sei es also positiv oder negativ. Es gen\u00fcgt bereits, dass \u00fcberhaupt eine &#8211; erhebliche &#8211; Auswirkung auf den Aktienkurs erwartet werden kann.\u201c, sagt Susanne R\u00fcckert, Rechtsanw\u00e4ltin f\u00fcr Aktien- und Kapitalmarktrecht in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Franz\u00f6sische Finanzmarktbeh\u00f6rde gegen Wendel SA<\/strong><\/p>\n<p>Im konkreten Fall hatte die Investmentgesellschaft Wendel SA 2006 und 2007 mit vier Banken Vertr\u00e4ge \u00fcber Total Return Swaps abgeschlossen, die sich auf rund 85 Millionen Aktien des franz\u00f6sischen Baustoffmultis Saint-Gobain bezogen. 2007 entschied Wendel dann, die Beteiligung in echte Aktien umzuwandeln und erwarb \u00fcber 66 Millionen Aktien von Saint-Gobain, was knapp einem Sechstel des Gesellschaftskapitals des Baustoffherstellers entsprach \u2013 rund 17,6 Prozent.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Schweigen kostet Vorstand 1,5 Millionen Euro Strafe<\/strong><\/p>\n<p>Die franz\u00f6sische Finanzmarktbeh\u00f6rde AMF warf der Wendel SA daraufhin vor, von Anfang an eine Kapitalbeteiligung an Saint-Gobain im Visier gehabt zu haben. Das habe das Haus aber der \u00d6ffentlichkeit verschwiegen. Die AMF verdonnerte die Wendel SA wie auch deren Vorstandsvorsitzenden Jean-Bernard Lafonta jeweils zu einer Geldbu\u00dfe von 1,5 Millionen Euro. Lafonta aber berief sich darauf, dass er die Information \u00fcber die finanzielle Transaktion schon deshalb nicht h\u00e4tte ver\u00f6ffentlichen m\u00fcssen, da sie nicht pr\u00e4zise genug gewesen sei, um aus ihr R\u00fcckschl\u00fcsse auf eine positive oder negative Auswirkung f\u00fcr den Wendel-Aktienkurs zu ziehen.<\/p>\n<p>Der EuGH best\u00e4tigte jetzt mit seinem Urteil die Argumentation der AMF. Der Abschluss des Total-Return-Swap-Gesch\u00e4fts war eine konkrete, sehr<br \/>\npr\u00e4zise Information. Bereits im Rahmen des Kreditderivatgesch\u00e4fts hatte die<br \/>\nWendel SA mit den Banken \u00fcber die M\u00f6glichkeit des sp\u00e4teren Erwerbs einer<br \/>\nerheblichen unmittelbaren Beteiligung an Saint-Gobain gesprochen. Zum Zeitpunkt<br \/>\ndes Erwerbs der rein wirtschaftlichen Beteiligung lie\u00df sich also bereits die<br \/>\nSchlu\u00dffolgerung ziehen, dass auf den zun\u00e4chst durch den Zwischenschritt<br \/>\nKreditderivat gestreckten Sachverhalt m\u00f6glicherweise ein sp\u00e4terer Anteilserwerb<br \/>\nerfolgen k\u00f6nnte. \u201eEs ist nur konsequent, derartige Anschleich-Sachverhalte auf Insiderinformationen zu pr\u00fcfen, die der Ad-hoc-Ver\u00f6ffentlichungspflicht unterliegen beziehungsweise zur Anwendung der Insiderhandelsverbote f\u00fchren k\u00f6nnen\u201c, so Susanne Anw\u00e4ltin R\u00fcckert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu Viktoria Kickinger:<\/strong> Die \u00f6sterreichische Multiaufsichtsr\u00e4tin setzt sich seit Jahren bei der EU f\u00fcr die Interessen von Aufsichts- und Verwaltungsr\u00e4ten ein. 2013 gr\u00fcndete sie\u00a0 den Internet-TV-Kanal f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te, Director\u00b4s Channel (DC) mit Sitz in Hamburg. Mit News, Filmen und Nutzwertbeitr\u00e4gen unterst\u00fctzt DC Unternehmenskontrolleure in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz bei ihrer Arbeit.<\/p>\n<p><strong>H\u00f6rfunk-Interview mit Anw\u00e4ltin Susanne R\u00fcckert von FPS in D\u00fcsseldorf zum\u00a0 EuGH-Urteil auf Director\u00b4s Channel:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Victoria Kickinger, Directors Channel, EuGH, Insiderinformation\" href=\"http:\/\/www.directorschannel.tv\/dcMedia\/detail\/key\/c154818ce1aede7e79095e7e617b9efb\/type\/video\/title\/EUGH-zu-Insiderhandel-amp-Ad-Hoc-203928\" target=\"_blank\"><b>http:\/\/www.directorschannel.tv\/dcMedia\/detail\/key\/c154818ce1aede7e79095e7e617b9efb\/type\/video\/title\/EUGH-zu-Insiderhandel-amp-Ad-Hoc-203928<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom Europ\u00e4ischen Gerichtshf (EuGH): B\u00f6rsennotierte Unternehmen m\u00fcssen kursrelevante Informationen auch dann offenlegen, wenn sie noch nicht wissen, in welche Richtung sie den Aktienkurs beeinflussen k\u00f6nnen. 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