{"id":655610,"date":"2015-03-12T22:59:08","date_gmt":"2015-03-12T21:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=655610"},"modified":"2015-03-12T23:58:44","modified_gmt":"2015-03-12T22:58:44","slug":"wie-frauen-dazu-erzogen-werden-sich-ausbremsen-zu-lassen-buchauszug-das-innere-korsett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/03\/12\/wie-frauen-dazu-erzogen-werden-sich-ausbremsen-zu-lassen-buchauszug-das-innere-korsett\/","title":{"rendered":"Wie Frauen dazu erzogen werden, sich ausbremsen zu lassen &#8211; Buchauszug &#8222;Das innere Korsett&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Autorinnen B\u00e4rbel Kerber und Gabriela H\u00e4fner analysieren, warum Deutschland in Sachen Gleichberechtigung so schlecht abschneidet und was Frauen daran hindert, ihre Chancen wahrzunehmen.<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"C.H.Beck Verlag, B\u00e4rbel Kerber, Das innere Korsett \" href=\"http:\/\/www.chbeck.de\/Haefner-Kerber-innere-Korsett\/productview.aspx?product=14291916\" target=\"_blank\">http:\/\/www.chbeck.de\/Haefner-Kerber-innere-Korsett\/productview.aspx?product=14291916<\/a><\/p>\n<p><strong>Buchauszug: \u201eDas innere Korsett &#8211; Wie Frauen dazu erzogen werden, sich ausbremsen zu lassen\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_655843\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-655843\" class=\"size-full wp-image-655843\" alt=\"H\u00e4fer und B\u00e4rbel Kerber\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/02\/kerber.b\u00e4rbel.Haefner_Kerber_1-3-2.jpg\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/02\/kerber.b\u00e4rbel.Haefner_Kerber_1-3-2.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/02\/kerber.b\u00e4rbel.Haefner_Kerber_1-3-2-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/02\/kerber.b\u00e4rbel.Haefner_Kerber_1-3-2-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-655843\" class=\"wp-caption-text\">Gabriela H\u00e4fner und B\u00e4rbel Kerber (Foto: Daniela Haug)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Buchauszug:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEs gibt oft das Argument \u2039Die Zeit wird es richten\u203a. Ich habe keinen Bock, 100 Jahre zu warten.\u201c Teresa B\u00fccker, Bloggerin, Autorin und Social-Media- Beraterin, ist nicht die Einzige, der alles viel zu langsam geht, auch andere schimpfen dar\u00fcber, dass wir in puncto Gleichberechtigung auf der Stelle treten: Die heutige Devise, alles zu d\u00fcrfen, und die Einsicht, nicht alles zu schaffen, bleibt ein Widerspruch, mit dem Frauen weitgehend alleine zur\u00fcckgelassen werden.<\/p>\n<p>Irgendwann kommen fast jeder Frau die ersten Zweifel. Nur etwa ein Drittel Ausnahmefrauen, so sch\u00e4tzt die Femtec- Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Heike Lukoschat, werden ihre selbstgesteckten Ziele erreichen. Der Rest \u201eversandet\u201c\u00a0 \u2013 macht die Erfahrung, \u201estecken zu bleiben\u201c. Auch der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2011 spricht von \u201egeringeren Verwirklichungschancen der weiblichen Jugendlichen\u201c am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Trotzdem betrachten viele Frauen in jungen Jahren die Gleichberechtigung als v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich und als etwas, das l\u00e4ngst erreicht ist, weswegen sie zun\u00e4chst oftmals gegen eine Frauenquote sind. Erst sp\u00e4ter kommen die ersten irritierenden Erfahrungen \u2013 und damit die Ern\u00fcchterung.<b><\/b><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Ehrgeiz allein reicht nicht aus, wenn es unsichtbare Barrieren gibt<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe des Berufslebens stellt sich das Gef\u00fchl ein, auf der Stelle zu treten, vor verschlossenen T\u00fcren zu stehen, die eigenen Ziele in unerreichbare Gefilde schwinden zu sehen. Eine unsichtbare Barriere verhindert, dass es Frauen an die Spitze schaffen. Doch dass Frauen immer noch gegen\u00fcber M\u00e4nnern im Nachteil sind, wird teils laut und emp\u00f6rt\u00a0 zur\u00fcckgewiesen. \u201eGl\u00e4serne Decke\u201c und \u201e\u00fcberholte Rollenbilder\u201c seien Vergangenheit, wettert Bettina Weiguny in der &#8222;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8220;. Lernt Mathe, wagt etwas, setzt die richtigen Priorit\u00e4ten\u00a0 \u2013 aber bitte, jammert blo\u00df nicht mehr, so die Analyse der Journalistin.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Vorw\u00e4rtspreschen &#8211; gegen Mauern<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was aber, wenn die Erfahrungen zeigen, dass ich noch so tough und zielgerichtet vorw\u00e4rtspreschen kann\u00a0 \u2013 und dann trotzdem gegen Mauern anrenne? Was, wenn ich mich daf\u00fcr wappne und trotzdem sp\u00fcre, dass ich anders beurteilt, sogar benachteiligt werde, nur weil ich eine Frau bin?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-655844\" alt=\"B\u00e4rbel Kerber und H\u00e4fner, Beck Verlag\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/coverkerber-korsett.jpg\" width=\"396\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/coverkerber-korsett.jpg 396w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/03\/coverkerber-korsett-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><\/p>\n<p><strong>B\u00e4rbel Kerber\/Gabriela H\u00e4fner: &#8222;Das innere Korsett&#8220;, 217 Seiten, Beck Verlag 2015: <a title=\"B\u00e4rbel Kerber, Gabriela H\u00e4fner, Beck Verlag, Das innere Korsett\" href=\"http:\/\/www.chbeck.de\/Haefner-Kerber-innere-Korsett\/productview.aspx?product=14291916\" target=\"_blank\">http:\/\/www.chbeck.de\/Haefner-Kerber-innere-Korsett\/productview.aspx?product=14291916<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Reflex: F\u00fchrungskr\u00e4fte sind Manager<\/strong><\/p>\n<p>Was M\u00e4nnern zugeschrieben wird und was\u00a0 \u2013 im Kontrast dazu\u00a0 \u2013 als typisch weiblich gilt, tr\u00e4gt enorm dazu bei, dass Frauen es nicht schaffen, aus dem Schatten der M\u00e4nner herauszutreten. Ein gutes Beispiel hierf\u00fcr ist ein Reflex, der plakativ mit \u201ethink manager\u00a0 \u2013 think male\u201c beschrieben wird: Wer sich eine F\u00fchrungskraft vorstellt, denkt automatisch an einen Mann. Tats\u00e4chlich ist heute noch die Denkweise verbreitet, dass F\u00fchrungsqualit\u00e4t etwas typisch M\u00e4nnliches sei und Frauen die Kompetenz daf\u00fcr fehle.<\/p>\n<p>Dass hier etwas ganz subtil im Hintergrund wirkt, best\u00e4tigt auch eine andere Studie. Diese blickte auf Bedeutung und Gr\u00f6\u00dfe der Projekte und verglich jene, die M\u00e4nnern anvertraut werden, mit denen, die Frauen zugeteilt bekommen. Das Ergebnis zeigte erbarmungslos, dass die gro\u00dfen, wichtigen und internationalen Projekte an M\u00e4nner \u00fcbertragen werden,\u00a0 Frauen hingegen lediglich die kleineren, risiko\u00e4rmeren Projekte leiten. Zudem war das Budget der von M\u00e4nnern betreuten Projekte zweimal so gro\u00df und die Projektteams hatten dreimal mehr Mitarbeiter als jene der Frauen. <b><\/b><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Unbewusste Reflexe<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Buch m\u00f6chte die Augen daf\u00fcr \u00f6ffnen, was genau hier eigentlich passiert\u00a0 \u2013 unmerklich, aber folgenreich: Wir blicken noch lange nicht in gleicher Weise auf eine Frau wie auf einen Mann. Bereits in jungen Jahren haben wir in- und auswendig gelernt, wie sie \u201eso ist\u201c\u00a0 \u2013 und wie dagegen er. Viele Frauen sind heute davon \u00fcberzeugt, ihre berufliche Stagnation h\u00e4tte nur mit ihnen selbst zu tun, mit ihren pers\u00f6nlichen F\u00e4higkeiten und individuellen M\u00f6glichkeiten sowie den Entscheidungen, die sie in ihrem Leben getroffen haben. Doch die Ursachen sind durchaus auch woanders zu suchen \u2013 und haben mit Rollenbildern zu tun, die uns von klein auf eingepr\u00e4gt werden.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Jungen sind wild, Frauen sch\u00f6n und sensibel<\/strong><\/p>\n<p>Auch heute noch tragen wir an unsere Kinder, oft ohne es zu merken, die g\u00e4ngigen Vorstellungen heran: Jungen sind wild, erobern die Welt und haben Technikverstand, Frauen \u00a0dagegen sind sch\u00f6n, sensibel und k\u00fcmmern sich am liebsten um den Heimsupport in K\u00fcche und Kinderzimmer. Inmitten der boomenden Geschlechterstereotypen in den Medien, der Werbung und den Spielzeugkisten sind die rollenspezifischen Erwartungen, in denen M\u00e4dchen und Frauen sich allt\u00e4glich noch immer wiederfinden, de facto kein bisschen schw\u00e4cher geworden, sondern bemerkenswert ungebrochen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>So, als g\u00e4be Josef Ackermann seine Karriere auf f\u00fcrs Kinderh\u00fcten<\/strong><\/p>\n<p>Es sind unbewusste Reflexe, die Frauen in ihren M\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nken. Und diese Reflexe sitzen in den K\u00f6pfen beider Geschlechter. Der Journalist Malte Welding beschrieb eines der Rollenmuster, das Frauen scheinbar aus dem Nichts heraus bedienen, einmal am Beispiel seiner Schwester. Diese hatte Maschinenbau studiert, ihre Promotion mit summa cum laude abgeschlossen und anschlie\u00dfend viele Forschungsgelder an ihre Universit\u00e4t holen k\u00f6nnen. Alles lief beruflich bestens, dann bekam sie zwei Kinder\u00a0 \u2013 und blieb daheim. \u201eDas ist, als h\u00e4tte Josef Ackermann seine Karriere aufgegeben, um auf Spielpl\u00e4tzen rumzusitzen\u201c.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Das Dilemma beginnt bei den Kindern &#8211; von klein auf<\/strong><\/p>\n<p>Wir glauben und hoffen, die Frauenquote und mehr \u00f6ffentliche Kinderbetreuung w\u00fcrden dazu f\u00fchren, dass Frauen zuk\u00fcnftig keinen Grund mehr haben, sich \u00fcber ungleiche Chancen zu beklagen. Beide Ma\u00dfnahmen sind zwar nicht falsch, aber auch kein Allheilmittel. Das eigentliche Dilemma, das sich f\u00fcr die Frauen auftut, beginnt tats\u00e4chlich schon meilenweit unterhalb von Karriereplanung und t\u00e4glicher Vereinbarkeitsnot\u00a0 \u2013 und zwar da, wo M\u00e4dchen von klein auf nahegelegt wird, sie w\u00e4ren f\u00fcr andere Dinge im Leben pr\u00e4destiniert als Jungen, mit anderen Kompetenzen als diese ausgestattet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Autorinnen B\u00e4rbel Kerber und Gabriela H\u00e4fner analysieren, warum Deutschland in Sachen Gleichberechtigung so schlecht abschneidet und was Frauen daran hindert, ihre Chancen wahrzunehmen. http:\/\/www.chbeck.de\/Haefner-Kerber-innere-Korsett\/productview.aspx?product=14291916 Buchauszug: \u201eDas innere Korsett &#8211; Wie Frauen dazu erzogen werden, sich ausbremsen zu lassen\u201c &nbsp; &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/03\/12\/wie-frauen-dazu-erzogen-werden-sich-ausbremsen-zu-lassen-buchauszug-das-innere-korsett\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4334,4332,4358,1890,4333,4335,4357,409,4331,465,4356,583,4359],"class_list":["post-655610","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-das-innere-korsett","tag-barbel-kerber","tag-bettina-weiguny","tag-buchauszug","tag-c-h-beck","tag-fauen","tag-femtec","tag-frauenquote","tag-gabriele-hafner","tag-gleichberechtigung","tag-heike-lukoschat","tag-josef-ackermann","tag-malte-welding"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/655610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=655610"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/655610\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=655610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=655610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=655610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}