{"id":655522,"date":"2015-02-15T01:16:39","date_gmt":"2015-02-15T00:16:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=655522"},"modified":"2015-02-15T01:16:39","modified_gmt":"2015-02-15T00:16:39","slug":"gastbeitrag-willms-buhse-uber-digitale-transformation-branchenkenner-helfen-nicht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/02\/15\/gastbeitrag-willms-buhse-uber-digitale-transformation-branchenkenner-helfen-nicht-weiter\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag Willms Buhse \u00fcber digitale Transformation: Branchenkenner helfen nicht weiter"},"content":{"rendered":"<p><b>Digitale Transformation: Warum Branchenkenner nicht weiterhelfen <\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_644842\" style=\"width: 441px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-644842\" class=\"size-full wp-image-644842\" alt=\"Willms Buhse, Chef von DoubleYUU und Buchautor\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/07\/willms-buhse-pressefoto05.jpg\" width=\"431\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/07\/willms-buhse-pressefoto05.jpg 431w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/07\/willms-buhse-pressefoto05-199x300.jpg 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><p id=\"caption-attachment-644842\" class=\"wp-caption-text\">Willms Buhse, Chef von DoubleYUU und Buchautor<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrend Gr\u00fcnder hier in Deutschland stolz darauf sind, f\u00fcr Branchenf\u00fchrer wie Bosch, Adidas oder Audi zu arbeiten, arbeiten im Silicon Valley die Unternehmer daran, m\u00f6glichst gro\u00dfe Branchen zu zerst\u00f6ren. MyTaxi sieht die Taxifahrer als Partner und verdient ein paar Millionen. Travis Kalanick will als CEO von Uber dagegen 100 Millionen Taxifahrer arbeitslos machen. Sein Unternehmen wird mit 40 Milliarden Dollar bewertet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gemeinsam ist den Managern in beiden Unternehmen, dass sie die disruptive Kraft des Internets verstanden haben, aber im Vorleben die Taxibranche nur als Fahrgast kannten. Sie sind keine Branchenkenner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Branchenkenntnis, Branchenkenntnis und wieder Branchenkenntnis<\/strong><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat mich ein Gespr\u00e4ch, das ich vor kurzem hatte, sehr nachdenklich gemacht. Ich sprach mit einem Personalberater, um meine Keynote auf einer Unternehmensberater-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn vorzubereiten. Als ich ihn fragte, was in diesen Zeiten denn von seinen Kunden an Skills nachgefragt wird, war seine Antwort eindeutig: Branchenkenntnis, Branchenkenntnis und noch einmal Branchenkenntnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man sich Gedanken dar\u00fcber macht, wie die Unternehmen in Deutschland die anstehenden digitalen Transformationsprozesse meistern, ist das keine gute Nachricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Branchengrenzen verschwimmen<\/strong><\/p>\n<p>Denn Branchenkenntnis allein hilft nicht, die Herausforderungen zu meistern, vor denen die Unternehmen durch das Internet stehen. Branchen und M\u00e4rkte werden durch die weltweite Vernetzung transformiert, viele wachsen zusammen. Die Branchengrenzen verschwimmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer etwa h\u00e4tte gedacht, dass heute Amazon und Otto \u2013 ein Online-Buchversand und ein auf Bekleidung spezialisierter Katalogh\u00e4ndler \u2013 erbitterte Konkurrenten sind oder dass sich Bosch und Google beim Thema Autonome Fahrzeuge messen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und auf die Frage, wie man als klassisches Unternehmen gegen die Musterbrecher aus dem Silicon Valley bestehen kann, bietet Branchenkenntnis auch keine Antwort. Schon gar nicht, wenn zum Beispiel \u2013 wie vor Kurzem in einem Gespr\u00e4ch &#8211; ein Vertreter einer Branche wie der Wohnungswirtschaft geradezu damit kokettiert, dass man als Branche konservativ ist. Ich verstehe die Notwendigkeit, Geb\u00e4ude auf 50 Jahre auszulegen. Aber der Internet-\u00d6konomie ist es egal, welches Selbstverst\u00e4ndnis ein Unternehmen oder eine Branche entwickelt hat. Sie entfesselt auch ungefragt ihre Dynamik.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fchrungskr\u00e4fte vom direkten Wettbewerber werden bevorzugt<\/strong><\/p>\n<p>Deswegen bin ich skeptisch, wenn Unternehmen nur auf Know-how aus der eigenen Branche setzen und zum Beispiel offene F\u00fchrungspositionen unbedingt mit Menschen besetzen wollen, die von einem direkten Wettbewerber kommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Muster entdecke ich in meinen Workshops f\u00fcr Unternehmen wie die f\u00fcr Bosch, Daimler oder Otto auch auf anderen Ebenen immer wieder: etwa werde ich oft gebeten, Beispiele f\u00fcr digitale Transformationsprozesse aus den jeweiligen Branchen zu liefern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei hilft es eher, ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr digitale Transformationsprozesse zu schaffen, wenn man sich an den Erfolgsrezepten der Digital-Unternehmen aus dem Silicon Valley orientiert. Ich stelle beispielsweise in den Workshops vor, wie der Online-Videodienst Netflix blitzschnell aus Fehlern lernt. Aus diesen Impulsen ziehen die Teilnehmer mehr Anregungen, um die Transformation im eigenen Unternehmen voranzutreiben.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong>Wer nur abguckt, rennt hinterher<\/strong><\/p>\n<p>Denn wer sich am Branchennachbarn orientiert, erarbeitet sich keinen Vorsprung. Im Gegenteil &#8211; wer bei schnellen Ver\u00e4nderungsprozessen wie der digitalen Transformation auf etablierte Wettbewerber schaut, l\u00e4uft automatisch hinterher. In den digitalen Winner-takes-all-M\u00e4rkten l\u00e4uft man dadurch Gefahr, Chancen, die der digitale Wandel zum Aufbau neuer Kundenbeziehungen, Organisationsformen und Gesch\u00e4ftsmodelle bietet, zu verpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ebenso bin ich davon \u00fcberzeugt, dass es wenig n\u00fctzt, sich personelle Erneuerungsimpulse von einem Wechsel eines Branchen-Insiders von einem Konkurrenten zum anderen zu erhoffen. Der vision\u00e4rste Vordenker eines Automobilzulieferers wird bei einem anderen Automobilzulieferer nur Erfolgsrezepte aus seinem Erfahrungsschatz pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie Pizza zu Modegesch\u00e4ft passt<\/strong><\/p>\n<p>Ein Fachmann, der den digitalen Wandel in seiner alten Branche schon gestaltet hat, wird dagegen ein klassisches Unternehmen verst\u00e4rken und bringt ganz andere Perspektiven und Impulse mit, um sich an den digitalen Wettbewerb von heute anzupassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Fashion-Unternehmen bestellte \u00fcbrigens gerade einen CIO, der zuvor im Online-Pizzahandel in den Amerika erfolgreich war. Ich halte das f\u00fcr ein extrem kluges Man\u00f6ver. Denn diese neue F\u00fchrungskraft bringt das Wissen aus einer Branche mit, bei der die digitale Transformation weiter fortgeschritten ist als in dem europ\u00e4ischen Mode-Markt. Der neue CIO kann mit seinem Know-how Gesch\u00e4ftsmodelle und Prozesse pr\u00e4gen. Muss er sich mit Mode auskennen? Nein, das muss er nicht. Denn dieses Know-how gibt es dort bereits reichlich. Neues Wissen muss hinzukommen, damit die digitale Transformation gelingt.<\/p>\n<p>Und im Zweifel wird die Pizza schneller kalt als die Mode alt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitale Transformation: Warum Branchenkenner nicht weiterhelfen &nbsp; W\u00e4hrend Gr\u00fcnder hier in Deutschland stolz darauf sind, f\u00fcr Branchenf\u00fchrer wie Bosch, Adidas oder Audi zu arbeiten, arbeiten im Silicon Valley die Unternehmer daran, m\u00f6glichst gro\u00dfe Branchen zu zerst\u00f6ren. 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