{"id":655350,"date":"2015-01-23T15:19:35","date_gmt":"2015-01-23T14:19:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=655350"},"modified":"2015-01-23T16:25:05","modified_gmt":"2015-01-23T15:25:05","slug":"haben-sie-mobbing-leichen-im-keller-sie-konnten-30-jahre-lang-hochkommen-gastbeitrag-arbeitsrechtler-achilles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/01\/23\/haben-sie-mobbing-leichen-im-keller-sie-konnten-30-jahre-lang-hochkommen-gastbeitrag-arbeitsrechtler-achilles\/","title":{"rendered":"Haben Sie Mobbing-Leichen im Keller? Sie k\u00f6nnten 30 Jahre lang hochkommen. Gastbeitrag Arbeitsrechtler Achilles"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mobbingopfer k\u00f6nnen noch nach Jahren ihr Unternehmen verklagen, sagt\u00a0Frank Achilles, Partner, Rechtsanwalt und Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht bei<\/strong><br \/>\n<strong> Heisse Kursawe Eversheds in M\u00fcnchen.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_655354\" style=\"width: 188px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-655354\" class=\"size-full wp-image-655354\" alt=\"Frank Archilles, Arbeitsrechtler bei Heisse Kursawe Eversheds\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/archilles.Heissekursawe.jpg\" width=\"178\" height=\"178\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/archilles.Heissekursawe.jpg 178w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/archilles.Heissekursawe-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><p id=\"caption-attachment-655354\" class=\"wp-caption-text\">Frank Achilles, Arbeitsrechtler bei Heisse Kursawe Eversheds<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Arbeitgeber m\u00fcssen Mobbing im Betrieb unterbinden, das geh\u00f6rt zu ihren F\u00fcrsorgepflichten. Stehen sie selbst am Pranger, k\u00f6nnen sie jetzt\u00a0noch weniger darauf hoffen, dass sich dieses Problem durch Zeitablauf \u201evon selbst erledigt\u201c. Das Bundesarbeitsgericht stellt sich\u00a0auf die Seite der Mobbingopfer: Auch wer als Gemobbter jahrelang schweigt, kann sp\u00e4ter noch Schadenersatz\u00a0verlangen und muss sich nicht fragen lassen, warum er damit erst jetzt komme.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schmerzensgeld f\u00fcr Herabw\u00fcrdigung und Schikanen<\/strong><\/p>\n<p>Arbeitnehmer, die nachweislich gemobbt werden, haben nach dem Gesetz Anspruch auf Schmerzensgeld. Bis vor das h\u00f6chste deutsche Arbeitsgericht hatte nun ein Mann geklagt, der nach eigener Aussage von seinem Ex-Chef jahrelang isoliert, herabgew\u00fcrdigt und schikaniert worden war. Daher verlangte er Schmerzensgeld wegen Verletzung der Gesundheit und des allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts in H\u00f6he von mindestens 10.000 Euro.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Drei Jahre nach den Taten vors Gericht<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorf\u00e4lle, auf die sich der Mann vor Gericht bezog und wegen denen er insgesamt fast zwei Jahre lang arbeitsunf\u00e4hig war, hatten sich zwischen 2006 und Anfang 2008 abgespielt. Vor Gericht zog der Mann aber erst Ende Dezember 2010 \u2013 also fast drei Jahre sp\u00e4ter. Damit stellte sich die Frage, ob die Anspr\u00fcche nicht verwirkt waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt auch f\u00fcr Mobbingopfer der Grundsatz von Treu und Glauben: Wer jahrelang still h\u00e4lt und keine Anspr\u00fcche stellt, dem kann ein Gericht im Zweifel sp\u00e4ter entgegenhalten, er habe den Anspruch zu sp\u00e4t geltend gemacht, im Rechtssinne also verwirkt. Das kann selbst dann gelten, wenn der Anspruch in der Sache noch nicht verj\u00e4hrt ist.\u00a0So entschied auch das Landesarbeitsgericht (LAG) in dem Fall: Der m\u00f6gliche Schmerzensgeldanspruch sei verwirkt, weil sich der Mann erst Jahre nach den Mobbing-Vorf\u00e4llen gerichtlich zur Wehr gesetzt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr Gemobbte gelten normale Verj\u00e4hrungsfristen von 30 Jahren, wenn ihre Gesundheit besch\u00e4digt wurde<\/strong><\/p>\n<p>Das Bundesarbeitsgericht sah dies anders, hob das Urteil auf und verwies die Sache an das LAG zur\u00fcck (8 AZR 838\/13): Ein Anspruch k\u00f6nne nur unter ganz besonderen Umst\u00e4nden verwirkt sein, so das BAG. N\u00e4mlich nur dann, wenn aufgrund zus\u00e4tzlicher besonderer Umst\u00e4nde eine Pflicht besteht, einen Anspruch zeitnah geltend zu machen. Ein \u201eblo\u00dfes Zuwarten\u201c allein sei nicht \u201etreuwidrig\u201c. Entscheidend f\u00fcr die Bundesrichter war, dass der Anspruch gesetzlich noch nicht verj\u00e4hrt war. Jetzt muss das Landesarbeitsgericht nochmals pr\u00fcfen haben, ob der Kl\u00e4ger tats\u00e4chlich gemobbt wurde und ob er daf\u00fcr von seiner ehemaligen Firma entsch\u00e4digt werden muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Recht auf Erholung von den Verletzungen<\/strong><\/p>\n<p>Mobbingopfer sind also\u00a0nicht gezwungen, &#8222;in engem zeitlichem Zusammenhang&#8220; mit dem Mobbing den Gerichtsweg einzuschlagen. Sie k\u00f6nnen sich beispielsweise also erst von einer psychosomatischen Erkrankung oder Depression infolge des Mobbings erholen und m\u00fcssen nicht zus\u00e4tzlich die psychische Belastung durch ein Gerichtsverfahren auf sich nehmen. Achten m\u00fcssen sie nur darauf, dass nicht der zivilrechtliche Anspruch in der Sache verj\u00e4hrt ist. Dies ist bei Gesundheitsverletzungen allerdings erst nach 30 Jahren der Fall.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mobbingopfer k\u00f6nnen noch nach Jahren ihr Unternehmen verklagen, sagt\u00a0Frank Achilles, Partner, Rechtsanwalt und Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht bei Heisse Kursawe Eversheds in M\u00fcnchen. &nbsp; Arbeitgeber m\u00fcssen Mobbing im Betrieb unterbinden, das geh\u00f6rt zu ihren F\u00fcrsorgepflichten. Stehen sie selbst am Pranger, k\u00f6nnen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/01\/23\/haben-sie-mobbing-leichen-im-keller-sie-konnten-30-jahre-lang-hochkommen-gastbeitrag-arbeitsrechtler-achilles\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[87,4174,3419,4119,2532,4178,4177,785,944,952,4176],"class_list":["post-655350","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arbeitsrecht","tag-frank-achilles","tag-gesundheitsbeschadigung","tag-gesundheitsverletzung","tag-heisse-kursawe-eversheds","tag-klage","tag-korperverletzung","tag-mobbing","tag-schadenersatz","tag-schmerzensgeld","tag-verjahrung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/655350","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=655350"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/655350\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=655350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=655350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=655350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}