{"id":655295,"date":"2015-01-19T13:06:38","date_gmt":"2015-01-19T12:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=655295"},"modified":"2018-01-22T23:52:13","modified_gmt":"2018-01-22T22:52:13","slug":"cnn-kultmoderator-richard-quest-exklusiv-uber-das-wef-in-davos-i-wollen-die-teilnehmer-die-unschone-realitat-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/01\/19\/cnn-kultmoderator-richard-quest-exklusiv-uber-das-wef-in-davos-i-wollen-die-teilnehmer-die-unschone-realitat-sehen\/","title":{"rendered":"CNN-Kultmoderator Richard Quest exklusiv \u00fcber das WEF in Davos (I): Wollen die Teilnehmer die unsch\u00f6ne Realit\u00e4t sehen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein gro\u00dfes Motto f\u00fcr ein erwachsen gewordenes Davos?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-655297\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015portrait.jpg\" alt=\"quest2015portrait\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015portrait.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015portrait-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015portrait-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>Richard Quest (Foto: CNN International)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><i><a href=\"http:\/\/edition.cnn.com\/profiles\/richard-quest-profile\">Richard Quest<\/a>, Wirtschaftskorrespondent von CNN International\u00a0 berichtet und kommentiert exklusiv im Management-Blog vom Weltwirtschaftsgipfel in Davos<\/i><\/strong><\/p>\n<p><strong>Halleluja! Das diesj\u00e4hrige Motto von Davos ergibt wirklich Sinn.<\/strong><\/p>\n<p>Seit Jahren wettere ich gegen dieses ewige R\u00e4tselraten: \u201eWas soll das diesj\u00e4hrige Motto von Davos wohl bedeuten?\u201c Gelitten habe ich bei Titeln wie \u201eGro\u00dfer Wandel: Entw\u00fcrfe f\u00fcr neue Modelle\u201c, \u201eNeu denken, neu gestalten, neu schaffen\u201c sowie meinem pers\u00f6nlichen Highlight in den vielen Jahren des sprachlichen Unsinns von Davos: \u201eWiderstandsf\u00e4hige Dynamik\u201c. Die Botschaft scheint endlich angekommen zu sein. Zum ersten Mal seit zehn Jahren ist das Motto in verst\u00e4ndlicher Sprache abgefasst worden und k\u00f6nnte in der Tat etwas bedeuten. In Davos wird man 2015 \u00fcber den \u201eneuen globalen Zusammenhang\u201c sprechen.<\/p>\n<p>Klaus Schwab und sein Weltwirtschaftsforum (WEF) haben es verstanden.<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung des WEF dazu lautet, dass die neue Weltordnung sehr \u201ekomplex, br\u00fcchig und unsicher\u201c sei. In Davos hatte man schon immer Talent, das Offensichtliche auszusprechen. Viele der Teilnehmer des WEFs haben die Aufgabe, im Namen und Interesse der B\u00fcrger die Probleme und Themen unserer Zeit anzugehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_655296\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-655296\" class=\"size-full wp-image-655296\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015davosIa.jpg\" alt=\"WEF 2015 in Davos\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015davosIa.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015davosIa-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/quest2015davosIa-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-655296\" class=\"wp-caption-text\">WEF 2015 in Davos (Foto: CNN International)<\/p><\/div>\n<p>Die Umst\u00e4nde, die das Weltwirtschaftsforum in Davos dieses Jahr begleiten, sind nat\u00fcrlich ganz anders als in den Vorjahren. An allen Ecken und Enden der Welt ist die Situation verfahren. Selbst wenn es genau betrachtet keinen Paradigmenwechsel gab, so sind die alten Probleme offen gesagt verdammt schwer zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paris besch\u00e4ftigt alle<\/strong><\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass die Ereignisse von Paris alle besch\u00e4ftigen. Um es einmal ganz einfach auszudr\u00fccken: Wie k\u00f6nnen Journalisten unter diesen Umst\u00e4nden ihrem \u00fcblichen Tagesgesch\u00e4ft nachgehen? Wie k\u00f6nnen sich Juden in Ruhe auf den Sabbat vorbereiten? Ein Protestzug in Dresden illustriert wachsende Islamphobie. Und dann gibt es ja auch noch Ungarns Ministerpr\u00e4sidenten, der gegen Zuwanderung wettert. Man kann nur hoffen, dass irgendjemand in Davos Herrn Orb\u00e1n einmal nahebringt, welche Gefahren r\u00fccksichtslose Rhetorik bergen kann.<\/p>\n<p>Wirtschaftlich sehen wir uns einer scheinbar endlos w\u00e4hrenden Krise in der Eurozone ausgesetzt. W\u00e4hrend EZB-Chef Draghi kurz davor steht, die Druckmaschinen anzuwerfen, um das Wachstum zu stimulieren und die Inflation ein wenig zu f\u00f6rdern, denkt man in den USA und Gro\u00dfbritannien dar\u00fcber nach, geldpolitisch die Z\u00fcgel anzuziehen, um \u2013 so die Hoffnung \u2013 eine m\u00f6gliche Inflation in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p>China hat mit einer Abk\u00fchlung der Konjunktur zu k\u00e4mpfen, deren Auswirkungen keiner wirklich versteht (weil keiner die Wirtschaft Chinas wirklich versteht), w\u00e4hrend viele Schwellenl\u00e4nder darauf warten, ob die politischen Ma\u00dfnahmen der einen oder doch der anderen Supermacht ihr Land noch tiefer in die Bredouille bringen werden.<\/p>\n<p>Auch \u00d6l ist ein Thema: Seit Juni ist der Preis f\u00fcr Roh\u00f6l um mehr als 60 Prozent gefallen. F\u00fcr Verbraucher und \u00f6limportierende Staaten mag das ein Segen sein, doch in einem etablierten System wirkt ein so drastischer Preisverfall in dieser kurzen Zeit extrem destabilisierend. Ein neuer \u00d6lkrieg zwischen den OPEC-Staaten und den neuerdings mit reichlich Schiefer\u00f6l handelnden Produzenten in den USA steht bevor. Wer wird als Erster blinzeln und die F\u00f6rderung drosseln?<\/p>\n<p>Dazu kommen Staaten wie Nigeria oder Venezuela, die durch verlorene Einnahmen in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. In der Branche f\u00fchrte es geradezu zu einem Erdbeben, als Saudi-Arabien ank\u00fcndigte, dass man nicht l\u00e4nger dazu bereit sei, die Schwankungen auszugleichen und den Preis k\u00fcnstlich zu st\u00fctzen, indem man die Produktion drossle, sobald die Lage schwierig werde.<\/p>\n<p>Das \u00d6l wird also billig bleiben und das schafft eine Vielzahl neuer Probleme.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-655299\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/questdavos2015Ib.jpg\" alt=\"questdavos2015Ib\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/questdavos2015Ib.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/questdavos2015Ib-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/01\/questdavos2015Ib-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>(Foto: CNN International)<\/p>\n<p>Stellen Sie sich au\u00dferdem auf hitzige Debatten \u00fcber die beiden Handelsabkommen ein, welche die USA momentan mit Asien und der EU aushandeln. Das Abkommen mit Asien k\u00f6nnte noch geschlossen werden, bevor ich in Rente gehe, doch bei dem mit der EU bin ich weitaus weniger optimistisch. Fest steht, dass es nicht vor den US-Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2016 unter Dach und Fach sein wird.<\/p>\n<p>Selbst wenn das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) unterzeichnet werden sollte, verf\u00fcgt es dennoch \u00fcber einen eingebauten Selbstzerst\u00f6rungsschalter, und zwar in Form des Beharrens der protektionistisch eingestellten Franzosen auf ihre \u201eException Culturelle\u201c. Dieses Konzept ist und bleibt f\u00fcr die Vertreter auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans ein Fluch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein d\u00fcsteres Bild<\/strong><\/p>\n<p>Das geopolitische Bild war seit Jahrzehnten nicht so d\u00fcster wie heute. Russland \u2013 wirtschaftlich geschw\u00e4cht, milit\u00e4risch ermutigt und politisch aggressiv \u2013 legt ein Verhalten an den Tag, das kaum mehr vorhersehbar ist. Ein selbstbewusstes China k\u00e4mpft mit den Problemen eines aufs\u00e4ssigen Hongkongs. Und die unsichere, ja gef\u00e4hrliche Situation in Syrien und dem Irak bringt weiterhin die Nachbarstaaten in Gefahr.<\/p>\n<p>Von der Wirtschaft \u00fcber Politik bis hin zur Sicherheitslage: Heute scheint die Welt wie ein Spinnennetz zu sein, dessen ausgefranste Enden im Wind des Wandels wehen, sodass manche F\u00e4den unsch\u00f6n zusammenkleben und andere sich aus dem widerspenstigen Wirrwarr frei k\u00e4mpfen wollen. Wenn das keinen \u201eneuen globalen Zusammenhang\u201c begr\u00fcndet, dann wei\u00df ich auch nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sehen die Teilnehmer die unsch\u00f6ne Realit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Chaos aufzur\u00e4umen, \u00fcbersteigt die F\u00e4higkeiten des WEF, das ja nur knapp eine Woche dauert. Die Frage lautet also wie immer: Welchen Beitrag kann Davos \u00fcberhaupt leisten, um uns auf die richtige F\u00e4hrte zu lotsen? Wenn Besucher kommen, die sich darauf vorbereitet haben, der unsch\u00f6nen Realit\u00e4t ins Auge zu blicken, haben wir eine gute Chance, zumindest einen Anfang zu schaffen. Wenn sie aber nur dorthin reisen, um sich wegen des Zustands der Welt gegenseitig tr\u00f6stend auf die Schulter zu klopfen, und anschlie\u00dfend alle anderen daf\u00fcr verantwortlich machen, vergeuden sie unsere Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schwab: &#8222;Vertrauen bedeutet F\u00fchrungsverantwortung&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>In einer Videobotschaft vor Beginn des WEF sagte Klaus Schwab, dass es um F\u00fchrungsverantwortung gehe. \u201eVertrauen bedeutet F\u00fchrungsverantwortung. Man muss sich auf die Bed\u00fcrfnisse derjenigen einstellen, die einen mit der F\u00fchrungsverantwortung beauftragt haben. Wir in Davos m\u00fcssen an diesem Punkt beginnen.\u201c Er f\u00fcgte hinzu. \u201eNach Davos reisen die Topmanager und Spitzenpolitiker von heute. Deshalb sollten wir unsere Vertrauensw\u00fcrdigkeit unter Beweis stellen, indem wir uns um jene k\u00fcmmern und sorgen, die sich au\u00dferhalb der Mauern dieser Veranstaltung befinden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;und viele anwesende Manager haben uns den ganzen Schlamassel erst eingebrockt<\/strong><\/p>\n<p>Es stimmt, Professor Schwab, die Spitzenpolitiker und Topmanager sind in Davos. Doch viele von ihnen sind diejenigen, die uns den ganzen Schlamassel \u00fcberhaupt erst eingebrockt haben. Nun m\u00fcssen sie uns zeigen, wieso wir ihnen Vertrauen schenken und sie uns durch irgendeinen \u201eneuen globalen Zusammenhang\u201c f\u00fchren lassen sollten.<\/p>\n<p>Dass Davos die Schaumschl\u00e4gerei im Motto weggelassen hat und uns stattdessen einen Arbeitstitel liefert, den wir verstehen und verwenden k\u00f6nnen, ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass ernste Zeiten angebrochen sind. Den neuen globalen Zusammenhang gibt es tats\u00e4chlich \u2013 und vielleicht ist Davos endlich erwachsen geworden.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zur WEF-Berichterstattung von CNN International finden Sie unter: <a title=\"CNN Davos, Richard Quest\" href=\"www.cnn.com\/davos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.cnn.com\/davos<\/a><\/strong><\/p>\n<p><b>Video von Richard Quest aus Davos 2015:\u00a0<\/b><a title=\"Video, CNN, Richard Quest, Davos 2015\" href=\"http:\/\/cnnmon.ie\/153Mule\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/cnnmon.ie\/153Mule<\/a><\/p>\n<p><strong>Zu Richard Quest:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Richard Quest ist Wirtschaftsmoderator bei CNN International und moderiert aus New York die Sendung <i>Quest Means Business<\/i>, in der er auf unterhaltsame Art und Weise zeigt, dass Wirtschaft alles andere als langweilig ist. Regierungschefs, CEOs international f\u00fchrender Unternehmen und Finanzminister aus der ganzen Welt waren bereits zu Gast in der Sendung, unter anderem der britische Premierminister David Cameron, IWF-Chefin Christine Lagarde und der ehemalige EU-Kommissionschef Jos\u00e9 Manuel Barroso.<\/p>\n<p>F\u00fcr CNN International berichtet Richard Quest j\u00e4hrlich vom Weltwirtschaftsforum in Davos. Dar\u00fcber hinaus informiert er regelm\u00e4\u00dfig von den G20 Gipfeln und hat seit dem Schwarzen Montag 1987 \u00fcber nahezu alle B\u00f6rsen- und Finanzkrisen berichtet \u2013 ebenso wie aus den bedeutendste Finanzzentren weltweit: London, Sao Paolo, Tokyo, Hong Kong und der Wall Street.<\/p>\n<p>Neben seiner T\u00e4tigkeit als Wirtschaftsmoderator ist Richard Quest au\u00dferdem Luftfahrt-Korrespondent f\u00fcr CNN International und moderiert die monatliche Sendung <i>Business Traveller<\/i>. In zahlreichen Beitr\u00e4gen informiert Quest \u00fcber Trends in der Reiseindustrie und gibt Tipps und Insiderinformationen f\u00fcr Gesch\u00e4ftsreisende.<\/p>\n<p>Im Laufe seiner mehr als zwanzigj\u00e4hrigen journalistischen Karriere hat Richard Quest \u00fcber eine Vielzahl bedeutender Nachrichtenereignisse berichtet, unter anderem \u00fcber den Tod Jassir Arafats und Michael Jacksons sowie \u00fcber die US-Wahl 2012, die Hochzeit von Prince William und Kate Middleton und das Verschwinden des Malaysia Airlines-Flugs MH370.<\/p>\n<p>Bevor Quest zu CNN kam, war er zw\u00f6lf Jahre lang f\u00fcr die BBC als Wirtschaftskorrespondent an der Wall Street t\u00e4tig. Der geb\u00fcrtige Brite h\u00e4lt einen Jura-Abschluss an der Leeds University und ist zugelassener Anwalt.<\/p>\n<p><i>Quest Means Business<\/i> ist montags bis freitags um 22.00 Uhr auf CNN International zu sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfes Motto f\u00fcr ein erwachsen gewordenes Davos? Richard Quest (Foto: CNN International) &nbsp; Richard Quest, Wirtschaftskorrespondent von CNN International\u00a0 berichtet und kommentiert exklusiv im Management-Blog vom Weltwirtschaftsgipfel in Davos Halleluja! Das diesj\u00e4hrige Motto von Davos ergibt wirklich Sinn. 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