{"id":655053,"date":"2015-01-11T15:19:08","date_gmt":"2015-01-11T14:19:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=655053"},"modified":"2017-01-03T16:46:37","modified_gmt":"2017-01-03T15:46:37","slug":"haifischbecken-vorstand-wo-die-alibi-frauen-keine-chance-bekommen-interview-personalprofi-hans-joachim-reck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2015\/01\/11\/haifischbecken-vorstand-wo-die-alibi-frauen-keine-chance-bekommen-interview-personalprofi-hans-joachim-reck\/","title":{"rendered":"Haifischbecken Vorstand: Wo die Alibi-Frauen keine Chance bekommen &#8211; Interview Personalprofi Hans-Joachim Reck"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die schwer gef\u00fcrchtete Frauenoffensive in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen ist ausgeblieben, mehr noch: Die k\u00fcmmerlichen 6,5 Prozent Frauen in den DAX-Vorst\u00e4nden sind im vergangenen Jahr auch noch gesunken auf 5,6 Prozent. Neben 626 M\u00e4nnern in den Dax-Vorst\u00e4nden stehen gerade mal noch 37 Frauen in diesen Top-Etagen, hat das Beratungsunternehmen EY ausgerechnet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Warum die Frauen, die da oben anlanden, sich so schwer tun, das R\u00e4tsel ist weitgehend ungekl\u00e4rt. Personalexperte Hans-Joachim Reck, 61,\u00a0 Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands kommunaler Unternehmen, Ex-Deutsche-Telekom-Personalmanager und Ex-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der CDU hat vor einigen Monaten im WirtschaftsWoche-Interview eine Kl\u00e4rung versucht &#8211; hier die Langfassung des gedruckten Interviews:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline\"><span style=\"color: #888888;text-decoration: underline\"><strong>Intrigen erkennen lernen: <\/strong>\u00dcber das Scheitern etlicher Top-Managerinnen und wie das verhindert werden kann<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_654932\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-654932\" class=\"size-full wp-image-654932\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/12\/ReckVKU-Hans-Joachim-Reck-Quer.jpg\" alt=\"Hans-Joachim Reck, VKU\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/12\/ReckVKU-Hans-Joachim-Reck-Quer.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/12\/ReckVKU-Hans-Joachim-Reck-Quer-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/12\/ReckVKU-Hans-Joachim-Reck-Quer-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-654932\" class=\"wp-caption-text\">Hans-Joachim Reck, VKU (Foto: VKU\/Schuering)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Reck, die deutschen Anstrengungen, Frauen in F\u00fchrungsjobs zu hieven, kommen seit zw\u00f6lf Jahren &#8211; da schon hat sich die Wirtschaft selbst zur Frauenf\u00f6rderung verpflichtet &#8211; kaum vom Fleck. In den Vorst\u00e4nden der Dax-Unternehmen sind keine sechs Prozent Frauen, in den Aufsichtsr\u00e4ten auf der Arbeitgeberbank keine zehn Prozent vertreten. Was l\u00e4uft falsch?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind die M\u00e4nner, die versagen, nicht die Frauen. Diejenigen, die jetzt mit 55 Jahren aufw\u00e4rts die Staffel\u00fcbergabe planen, m\u00fcssten das Frauenthema angehen. Und wenn man aus der eigenen Branche mal rausschaut, kann sich kein Mann mehr rausreden, dass in der Shortlist der Top-Drei beim Besetzen einer F\u00fchrungsposition immer auch eine Frau dabei sein kann. Dass mehr Frauen in die F\u00fchrungspositionen kommen m\u00fcssen ist klar. Es ist erwiesen, dass die Qualit\u00e4t der Entscheidungsprozesse steigt, wenn auch Frauen mit ihren F\u00e4higkeiten in den Gremien und Organen mit dabei sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie das sicherstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Mein L\u00f6sungsvorschlag ist: M\u00e4nner sollten begr\u00fcnden m\u00fcssen, warum sie freiwerdende Chefposten nicht mit Frauen besetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stattdessen verschwinden die wenigen Frauen, die es in die Top-Ebene schaffen, oft ruckzuck wieder von der Bildfl\u00e4che. Weibliche Vorst\u00e4nde halten sich nur ein Drittel so lange im Amt wie m\u00e4nnliche, hat die Beratung Simon Kucher und Partner errechnet. Wie erkl\u00e4ren Sie das?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist immer das Gleiche: Es hei\u00dft, &#8222;ach, das wird jetzt mal eine Frau, die Vita stimmt ja halbwegs&#8220;. Frauen gehen dann sehr sensibel an die neue Aufgabe, werden konfrontiert mit Themen, die sie so noch nicht erlebt haben, sehen sich schnell ausgebremst und scheiden frustriert wieder aus oder werden krank.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie l\u00e4sst sich das verhindern?<\/strong><\/p>\n<p>In der Wirtschaft hat es keinen Sinn, einfach irgendeine Ex-Wissenschaftlerin oder Ex-Politikerin anzuheuern. Dann sonnen sich die M\u00e4nner wegen dieser Alibi-Platzierungen nur in den Medien. Dabei m\u00fcssten sie den Frauen auch die Chance geben, zu re\u00fcssieren. Aber das geschieht nicht. Meist werden die Frauen einfach positioniert und sich dann selbst \u00fcberlassen &#8211; ohne eine Einarbeitungsphase und ein kulturelles Coaching, hinter dem Profis und Prozesse stehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sind Vorst\u00e4nde Haifischbecken, in dem sich Frauen k\u00e4mpferischen und durchsetzungsfreudiger zeigen m\u00fcssen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, sie haben ja alles dazu im Tornister. Vorst\u00e4nde sind nun mal Kollegialorgane und wo Menschen sind, gibt\u00b4s Interessen. Da braucht man immer Techniken, um seine Meinung durchzusetzen. Frauen m\u00fcssen Intrigen wenigstens erkennen lernen, auch wenn sie sie nicht selbst spinnen wollen. Diese Dinge geh\u00f6ren ins Lernprogramm von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Frauen m\u00fcssen mit m\u00e4nnlichen Methoden agieren lernen. Sie m\u00fcssen als F\u00fchrungskraft lernen, dass sie in einem Gesamtumfeld in einer nachhaltig vernetzten Welt agieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und weil Frauen nicht mit Hilfestellungen rechnen k\u00f6nnen, m\u00fcssen Externe ran. Bekommen Berater ein neues Einsatzfeld?<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweizer Berater machen es schon vor. Korn Ferry in Z\u00fcrich hat Platzierungsprodukte f\u00fcr Top-Managerinnen im Programm, damit die Frauen keine Fehler machen, nicht in Fallen tappen und am Ende sinnlos verbrannt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nennen Sie uns Positiv-Beispiele?<\/strong><\/p>\n<p>Mir imponiert die ehemalige Karstadt-Managerin Eva-Lotta Sj\u00f6stedt, die ihren Job hingeworfen hat. Sie hat vorher gezeigt, dass sie gut ist und jetzt zeigt sie Unabh\u00e4ngigkeit. Wenn man dann zu dem Ergebnis kommt, es passt nicht, und aussteigt, ist das konsequent. Sie ist kein Beispiel daf\u00fcr, dass Frauen es nicht packen k\u00f6nnen &#8211; im Gegenteil. Gerade in der Politik gibt es mehrere Positiv-Beispiele. Angefangen von Angela Merkel bis zu Ursula von der Leyen, die beide sehr rational sind und ihre Punkte systematisch abarbeiten. Die Beiden haben die M\u00e4nnerdom\u00e4nen geknackt &#8211; und achten darauf, dass Frauen Chancen bekommen. Etwa indem von der Leyen der gesamten Generalit\u00e4t die McKinsey-Frau Katrin Suder als R\u00fcstungsstaatssekret\u00e4rin vorsetzt und damit Seilschaften zerschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schwer gef\u00fcrchtete Frauenoffensive in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen ist ausgeblieben, mehr noch: Die k\u00fcmmerlichen 6,5 Prozent Frauen in den DAX-Vorst\u00e4nden sind im vergangenen Jahr auch noch gesunken auf 5,6 Prozent. 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