{"id":654762,"date":"2014-12-04T01:32:45","date_gmt":"2014-12-04T00:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=654762"},"modified":"2014-12-04T01:32:45","modified_gmt":"2014-12-04T00:32:45","slug":"exklusiv-studie-freshfields-manager-laufen-ein-hohes-risiko-40-prozent-der-unternehmen-haben-kein-whistleblowing-system","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/12\/04\/exklusiv-studie-freshfields-manager-laufen-ein-hohes-risiko-40-prozent-der-unternehmen-haben-kein-whistleblowing-system\/","title":{"rendered":"Exklusiv-Studie Freshfields: Manager laufen ein hohes Risiko &#8211; 40 Prozent der Unternehmen haben kein Whistleblowing-System"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Acht Prozent der Manager in Deutschland machen um das Thema Hinweisgebersysteme f\u00fcr Whistleblower einen gro\u00dfen Bogen &#8211; und installieren auch vorsichtshalber keine in ihrem Unternehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Gerade viele gr\u00f6\u00dfere und gro\u00dfe deutsche Unternehmen, die keine ausl\u00e4ndische Mutter oder einen ausl\u00e4ndischen Investor haben, tun sich mit Whistleblowing-Systemen immer noch schwer&#8220;, sagt Boris Dzida, Arbeitsrechtler bei Freshfields Bruckhaus Deringer.<\/p>\n<p>Immerhin haben 41 Prozent der Unternehmen hierzulande &#8211; weltweit sind es sogar 53 Prozent &#8211;\u00a0 laut Umfrage von der internationalen Gro\u00dfkanzlei Freshfields mit dem Marktforscher Censuswide keine unternehmenseigenen Vorwarnsysteme. Nur knapp 40 Prozent haben solche Systeme installiert und haben verstanden, dass damit Straftaten im Unternehmen eher aufgedeckt werden k\u00f6nnen und die Top-Manager selbst &#8211; sei es haftungsrechtlich, sei es mit ihrer weiteren Karriere &#8211; dadurch weniger gef\u00e4hrdet sind.<\/p>\n<p>40 Prozent der Unternehmen weltweit geben dagegen zu, bewusst keine Hinweisgebersysteme zu installieren &#8211; in Deutschland sind es laut der Freshfields-Umfrage 55 Prozent. Befragt wurden weltweit 2500 Manager aus Gro\u00dfunternehmen aller Branchen. Diese Online-Befragung fand im September und Oktober 2014 statt.<\/p>\n<div id=\"attachment_648194\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-648194\" class=\"size-medium wp-image-648194\" alt=\"Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Dzidaneu1.jpg 430w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><p id=\"caption-attachment-648194\" class=\"wp-caption-text\">Boris Dzida, Arbeitsrechtler und Partner bei Freshfields<\/p><\/div>\n<p>Immerhin urteilte das Landgericht M\u00fcnchen im spektakul\u00e4ren Fall des Siemens-Ex-Vorstands Heinz-Joachim Neub\u00fcrger, dass der Top-Manager 15 Millionen Euro Schadenersatz aus eigener Tasche an Siemens zahlen m\u00fcsse. Insbesondere weil er kein Hinweisgebersystem installiert hatte und die Richter Neub\u00fcrger dieses Vers\u00e4umnis als sogenanntes Organisationsverschulden ankreideten.<\/p>\n<p><a title=\"S\u00fcddeutsche Zeitung, Neub\u00fcrger. Siemens, Schadenersatz, Organisationsverschulden\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/prozess-um-siemens-korruptionsaffaere-ex-finanzchef-neubuerger-muss-wohl-millionen-zahlen-1.1840755\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/prozess-um-siemens-korruptionsaffaere-ex-finanzchef-neubuerger-muss-wohl-millionen-zahlen-1.1840755<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Risiko: Mitarbeiter d\u00fcrfen zu Staatsanwalt gehen oder die \u00d6ffentlichkeit informieren<\/strong><\/p>\n<p>Ganz abgesehen davon riskieren Unternehmen, dass Missst\u00e4nde publik werden, so Dzida. Denn &#8222;Arbeitnehmer d\u00fcrfen brisante Interna \u00fcber soziale Medien verbreiten oder direkt damit zur Staatanwaltschaft gehen, wenn in ihrem Unternehmen nicht mal Hinweisgebersysteme existieren&#8220;. Die Folge seien Strafverfahren und Imagesch\u00e4den. In den b\u00f6rsennotierten US-Unternehmen beispielsweise sind Whistleblowersysteme Pflicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verschenkte Chancen<\/strong><\/p>\n<p>Warum deutsche Unternehmen die Installation von Hinweisgebersystemen scheuen? Obwohl\u00a0sie von denen ja auch selbst profitieren: Etwa wenn\u00a0sie auf dem Weg kriminelle Mitarbeiter erwischen k\u00f6nnen, die beispielsweise Produkte, die sie in ihrer Firma gestohlen haben,\u00a0\u00a0bei Ebay oder anderen Internet-Portalen verkaufen? Oder Betr\u00fcgereien ans Licht kommen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angst vor Denunziantentum<\/strong><\/p>\n<p>Der Grund sei &#8222;die verschiedene Whistlebowing-Kultur in L\u00e4ndern wie den USA und Gro\u00dfbritannien einerseits und Deutschland, Frankreich oder Ru\u00dfland andererseits&#8220;, sagt Dzida. Bei den Angelsachsen sei Whistleblowing etwas Positives, die anderen L\u00e4nder h\u00e4tten dagegen in der Vergangenheit \u00fcble Erfahrungen mit Denunzianten gemacht. Wenngleich diese Bedenken langsam nachliessen, so der Arbeitsrechtler.<\/p>\n<p>44 Prozent der deutschen Unternehmen antworteten deshalb wohl auch bei der Umfrage, dass ihre Mitarbeiter nicht zu Whistleblowing ermutigt w\u00fcrden. In elf Prozent der Betriebe werde sogar gezielt entgegen gewirkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4ngstigte Belegschaften<\/strong><\/p>\n<p>Die \u00c4ngste und N\u00f6te der Mitarbeiter sind \u00fcbrigens gro\u00df: 57 Prozent geben in Deutschland an, dass sie Repressalien bef\u00fcrchten, wenn sie Missst\u00e4nde in ihrer Company melden.<\/p>\n<p>Nur 53 Prozent der befragten Mitarbeiter sind laut Freshfields bereit, Fehlentwicklungen in der Firma ihrem direkten Vorgesetzten zu melden. 46 Prozent w\u00e4ren bereit, ihre Erkenntnisse Beh\u00f6rden, Verb\u00e4nden oder den Medien weiter zu geben.<\/p>\n<p>Dzida erz\u00e4hlt: Oft h\u00f6rt man in deutschen Unternehmen, dass sie Whistleblowing-Systeme nicht br\u00e4uchten. Wenn ein Mitarbeiter etwa bemerkt, da\u00df andere Mitarbeiter bel\u00e4stigt werden, gehe er zum Betriebsrat, der Betriebsrat gehe zur Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und das Problem werde gel\u00f6st. Aber was ist in den Tochtergesellschaften des deutschen Unternehmens in fernen L\u00e4ndern, wo es keinen Betriebsrat gibt? Dzida berichtet von\u00a0F\u00e4llen, in denen sich anonyme Hinweisgeber aus fernen L\u00e4ndern auf m\u00fchsamste Weise Zugang zur deutschen Konzernleitung verschafft haben, um ihr Wissen \u00fcber kriminelle Handlungen der ausl\u00e4ndischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung endlich mitteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch solche Hinweise k\u00f6nnten Manager einfacher bekommen, wenn\u00a0sie Whistleblower-Hotlines anb\u00f6ten. Denn wie viele ausl\u00e4ndische interne Hinweisgeber behalten ihr Wissen lieber f\u00fcr sich (oder teilen es anderweitig mit), weil sie nicht die Energie haben, sich bis zur deutschen Konzernleitung durchzubei\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Acht Prozent der Manager in Deutschland machen um das Thema Hinweisgebersysteme f\u00fcr Whistleblower einen gro\u00dfen Bogen &#8211; und installieren auch vorsichtshalber keine in ihrem Unternehmen. &#8222;Gerade viele gr\u00f6\u00dfere und gro\u00dfe deutsche Unternehmen, die keine ausl\u00e4ndische Mutter oder einen ausl\u00e4ndischen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/12\/04\/exklusiv-studie-freshfields-manager-laufen-ein-hohes-risiko-40-prozent-der-unternehmen-haben-kein-whistleblowing-system\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[87,181,2091,3981,1363,3999,3674,3224,1056,1170],"class_list":["post-654762","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arbeitsrecht","tag-boris-dzida","tag-compliance","tag-freshfields-bruckhaus-deringer","tag-haftung","tag-haftungsfalle","tag-hinweisgebersysteme","tag-organisationsverschulden","tag-top-manager","tag-whistleblower"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=654762"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654762\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=654762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=654762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=654762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}