{"id":654601,"date":"2014-11-18T23:24:31","date_gmt":"2014-11-18T22:24:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=654601"},"modified":"2014-11-18T23:24:52","modified_gmt":"2014-11-18T22:24:52","slug":"buchauszug-exklusiv-ii-111-grunde-anwalte-zu-hassen-der-kontrollzwang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/11\/18\/buchauszug-exklusiv-ii-111-grunde-anwalte-zu-hassen-der-kontrollzwang\/","title":{"rendered":"Buchauszug exklusiv (II): &#8222;111 Gr\u00fcnde Anw\u00e4lte zu hassen&#8220; &#8211; Der Kontrollzwang"},"content":{"rendered":"<p><strong>Teil II:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eva Engelken, Buchautorin und Expertin f\u00fcr Anw\u00e4lte PR hat ein Branchenportrait und Psychogramm \u00fcber die \u201cmerkw\u00fcrdige wie unentbehrliche Spezies Anw\u00e4lte\u201d geschrieben mit dem Titel \u201c111 Gr\u00fcnde, Anw\u00e4lte zu hassen\u201d. Ihre Fragen: \u201cWarum sitzen Anw\u00e4lte so h\u00e4ufig an den Schalthebeln der Macht? Warum gibt es Rechtsberatung nicht auf Kassenrezept? Und wieso hat noch nie ein Anwalt den Nobelpreis f\u00fcr die beste Rechtsberatung bekommen?\u201d Oder: \u201cVertr\u00e4gt es sich mit der anwaltlichen Unabh\u00e4ngigkeit, wenn Anw\u00e4lte Mandanten beraten und gleichzeitig als Abgeordnete das Volk repr\u00e4sentieren?\u201d <\/strong><\/p>\n<p><strong>Hier im Management-Blog zwei Buchausz\u00fcge in zwei Folgen (II):<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-654594\" alt=\"eva.cover\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/eva.cover_.jpg\" width=\"240\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/eva.cover_.jpg 240w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/eva.cover_-208x300.jpg 208w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_48328\"><strong>99. Grund Weil sie die Zeitung als private Werbefl\u00e4che betrachten<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontrollverlust\u00e4ngste sind wie Flugangst<\/strong><\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_48327\">Nach au\u00dfen streiten sie es gern ab, aber im tiefsten Innern ihres Herzens h\u00f6ren auch Anw\u00e4lte gern Lob. Und was streichelt das betr\u00fcbte Ego mehr als eine Erw\u00e4hnung mit Foto und Untertitel in einem renommierten Magazin oder einer Tageszeitung? Leider kollidiert ihr Traum von der Titelseite mit ihrem Kontrollzwang.<\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50320\">Der Buchautor und PR-Berater Uwe Wolff, Autor von <i id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50324\">Pressearbeit f\u00fcr Rechtsanw\u00e4lte<\/i>, vergleicht die anwaltsspezifischen Kontrollverlust\u00e4ngste gern mit der Flugangst. \u00bbAuch in einem Flugzeug k\u00f6nnen die Aviophobiker nichts kontrollieren und sind auf Gedeih und Verderb dem Piloten und seinem Flugzeug ausgesetzt.\u00ab<\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50319\">Auf der anderen Seite wissen die Anw\u00e4lte genau \u2013 sie sind ja gewiefte Taktiker \u2013, dass sie das journalistische Interesse an Aufkl\u00e4rung oder einer guten Story instrumentalisieren k\u00f6nnen, um Mandanten oder Bewerber auf sich aufmerksam zu machen oder \u00fcber die sogenannte Litigation-PR Einfluss auf Gerichtsprozesse zu nehmen. Auch ahnen sie, dass Journalisten und Journalistinnen ebenfalls eitel und in Sachen Anerkennung notorisch unterversorgt sind.<\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50317\">Deshalb sind sie durchaus bereit, die Journalisten bei einem guten Essen mit Informationen zu ihrem j\u00fcngsten gro\u00dfen Deal zu versorgen, gern im gehobenen Ambiente. Am Kanzleistandort Frankfurt gern im Sternerestaurant Steigenberger Frankfurter Hof: Mittagsmen\u00fc ab 49,- Euro, Abendmen\u00fc von 75,-Euro bis 135,- Euro (f\u00fcr sieben G\u00e4nge).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verachtung f\u00fcr Journalisten<\/strong><\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50273\">Dar\u00fcber hinaus ist die Wertsch\u00e4tzung \u00fcberschaubar. Anders gesagt, Anw\u00e4lte und Anw\u00e4ltinnen sind genau so freundlich, wie eine Erw\u00e4hnung oder eine Sendung in dem relevanten Medium ihrer pers\u00f6nlichen Reputation f\u00f6rderlich ist. Medienvertreter und -vertreterinnen sollten das nicht mit Freundschaft verwechseln. Wie weit es damit her ist, merken sie, sobald sie einen kritischen Artikel absetzen. Dann schimpfen die Anw\u00e4lte oder ihre PR-Manager im Blog schon mal \u00fcber den \u00bbUnfug\u00ab oder stellen auf Durchzug, sobald die n\u00e4chste Frage kommt. Abgesehen davon verachten sie alles, was kein 2. Staatsexamen bestanden hat. Das trifft auf die meisten Journalisten und Journalistinnen zu. Sie sind daher f\u00fcr einen Gro\u00dfteil Anw\u00e4lte \u00bbPressefuzzis\u00ab (O-Ton Anwalt) oder \u00bbein notwendiges \u00dcbel\u00ab (O-Ton PR-Manager).<\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50326\">Au\u00dferdem kann die Journaille ja nur schreiben. Das ist eine T\u00e4tigkeit, von der Anw\u00e4lte \u00fcberzeugt sind, sie ebenfalls, wenn nicht gar besser zu beherrschen. Das wiederum triff nur auf einen sehr kleinen Anteil der Anw\u00e4lte und Anw\u00e4ltinnen zu, und zwar meist auf den Teil, der die Journalisten nicht verachtet oder sich ihnen gegen\u00fcber zumindest respektvoll verh\u00e4lt. Doch f\u00fcr das Gros taugt die Presse nur etwas, wenn sie in ihrem Blatt dem betreffenden Anwalt m\u00f6glichst viel Platz und lobende Worte m\u00f6glichst mit Bild einr\u00e4umt. Medien als Spiegelfl\u00e4che ihrer pers\u00f6nlichen Eitelkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Anw\u00e4lte-Haltung: Medien sind kostenlose Werbefl\u00e4chen<\/strong><\/p>\n<p>Mit ihrer Haltung, Medien als kostenlose Werbefl\u00e4che zu nutzen, tun sich die Anw\u00e4lte jedoch keinen Gefallen. Kostenlos bekommen sie diese Zitierungen n\u00e4mlich nicht. Sie m\u00fcssen externe PR-Agenturen bezahlen oder eigene PR-Manager. Die tun dann den ganzen Tag nichts anderes, als den Journalisten ein Wort aus dem Mund oder der Feder eines Anwalts aus der Kanzlei schmackhaft zu machen. Wenn diese PR-Leute ihr Handwerk nicht verstehen, versenken Anw\u00e4lte pro Monat oft Tausende von Euros, ohne dass sie nennenswert in der Presse verkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zweifelhafte PR-Agenturen zocken Anw\u00e4lte ab<\/strong><\/p>\n<p>Das Geld sollten sie besser in Anzeigen investieren, findet ein Journalist, der seinen Namen in diesem Buch nicht lesen m\u00f6chte. Der Volljurist ist seit Jahren als Redakteur und Entwickler von Zeitungsformaten f\u00fcr die Anwaltsbranche t\u00e4tig. \u00bbAnw\u00e4lte verstehen nicht, dass sich der Qualit\u00e4tsjournalismus nur mit Anzeigen erh\u00e4lt. Stattdessen lassen sie sich von oft zweifelhaften PR-Agenturen \u00fcber den Tisch ziehen.\u00ab Hinzu kommt: Selbst gute PR-Leute, die fr\u00fcher selbst als Journalistin oder als Journalist gearbeitet haben, k\u00f6nnen keinen Gastbeitrag in der <i>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/i>, dem Leib- und Magenblatt der Anwaltsbranche, \u00bbplatzieren\u00ab, wenn das Blatt zu wenig Seiten hat.<\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_50334\">Auf Prof. Dr. Joachim Jahn, den langj\u00e4hrigen und in der Anwaltsbranche hoch geachteten Wirtschaftsredakteur und Betreuer der Recht &amp; Steuern-Seite der FAZ, prasseln pro Woche bis zu 20 Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Gastbeitr\u00e4ge aus Anwaltshand ein. Oft von minderer Qualit\u00e4t, aber oft auch passabel, seit Redakteur Jahn f\u00fcr alle schreibwilligen Anw\u00e4lte eine Autorenhandreichung verfasst hat, die unter anderem darum bittet, auf juristentypische Schachtels\u00e4tze zu verzichten. Allein: Herr Jahn hat kaum Platz, all diese Rechtsartikel unterzubringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kein Platz in den Zeitungen &#8211; soweit sie noch vorhanden sind<\/strong><\/p>\n<p>Und er hat noch weniger Platz, seit die Redaktion den Umfang des Blattes im Fr\u00fchjahr 2014 noch einmal um 26 Prozent reduziert hat. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr das <i>Handelsblatt, <\/i>das immerhin derzeit noch eine volle Seite f\u00fcr Recht und Steuern hat. 2001 waren es vier Seiten Die <i>Financial Times Deutschland<\/i>, ehedem ein beliebter Artikelabladeplatz der deutschen Wirtschaftsanw\u00e4lte, hat im Dezember 2013 dicht gemacht. Es kamen zu wenig Anzeigenerl\u00f6se rein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_650242\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-650242\" class=\"size-full wp-image-650242\" alt=\"Eva Engelken, Buchautorin und Expertin f\u00fcr Anw\u00e4lte-PR\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/01\/engelkeneva.jpg\" width=\"183\" height=\"275\" \/><p id=\"caption-attachment-650242\" class=\"wp-caption-text\">Eva Engelken, Buchautorin und Expertin f\u00fcr Anw\u00e4lte-PR<\/p><\/div>\n<p>Meine Wunschvorstellung an dieser Stelle w\u00e4re, dass die gro\u00dfen Kanzleien etwas f\u00fcr die Zukunft der unabh\u00e4ngigen Qualit\u00e4tsmedien tun. Genau wie sie private Law Schools, etwa die EBS Law in Oestrich Winkel oder die Bucerius Law School in Hamburg mitfinanzieren, k\u00f6nnen sie das mit unabh\u00e4ngigen Qualit\u00e4tsmedien tun.<\/p>\n<p>Eine andere Wunschvorstellung, der etwa FAZ-Redakteur Jahn zuneigt, w\u00e4re, die Qualit\u00e4tsmedien staatlich mitzufinanzieren \u2013 \u00e4hnlich wie die \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunksender. In ihrer Eigenschaft als Abgeordnete (siehe 95. Grund) k\u00f6nnten sich Anw\u00e4lte f\u00fcr eine \u00f6ffentlich-rechtliche Zeitungsfinanzierung einsetzen. Oder f\u00fcrchten sie, sich eine Laus in den Pelz zu setzen?<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnten auch wieder st\u00e4rker dazu \u00fcbergehen, Anzeigen zu schalten. Und dies werbewirksam als ihren Beitrag zum Gemeinwohl kommunizieren, sozusagen von unabh\u00e4ngiger Qualit\u00e4tskanzlei zu unabh\u00e4ngiger Qualit\u00e4tspresse. Alles ist m\u00f6glich. Die Anw\u00e4lte m\u00fcssten nur damit beginnen, das zu tun, was sie so gern auf ihren Websites anpreisen: \u00fcber den eigenen Tellerrand blicken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201c111 Gr\u00fcnde, Anw\u00e4lte zu hassen.Und die besten Tipps, wie man mit ihnen trotzdem zu seinem Recht kommt\u201d von Eva Engelken, mit Illustrationen von Jana Moskito, 345 Seiten, Taschenbuch, 9,95 Euro (D), ISBN 978-3-86265-403-1, erschienen am 15. November 2014 im Schwarzkopf &amp; Schwarzkopf Verlag:<a title=\"Eva Engelken, &quot;111 Gr\u00fcnde, Anw\u00e4lte zu hassen&quot;, Schwarzkopf &amp; Schwarzkopf Verlag\" href=\"http:\/\/www.schwarzkopf-verlag.net\/store\/p35\/Eva_Engelken%3A_111_GR%C3%9CNDE%2C_ANW%C3%84LTE_ZU_HASSEN_.html\" target=\"_blank\"> http:\/\/www.schwarzkopf-verlag.net\/store\/p35\/Eva_Engelken%3A_111_GR%C3%9CNDE%2C_ANW%C3%84LTE_ZU_HASSEN_.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_4833\"><b id=\"yui_3_16_0_1_1416055111192_4832\">Ver\u00f6ffentlichung mit Genehmigung<b> <\/b>der Schwarzkopf &amp; Schwarzkopf Verlag GmbH, Berlin<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teil II: Eva Engelken, Buchautorin und Expertin f\u00fcr Anw\u00e4lte PR hat ein Branchenportrait und Psychogramm \u00fcber die \u201cmerkw\u00fcrdige wie unentbehrliche Spezies Anw\u00e4lte\u201d geschrieben mit dem Titel \u201c111 Gr\u00fcnde, Anw\u00e4lte zu hassen\u201d. Ihre Fragen: \u201cWarum sitzen Anw\u00e4lte so h\u00e4ufig an den &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/11\/18\/buchauszug-exklusiv-ii-111-grunde-anwalte-zu-hassen-der-kontrollzwang\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3949,3950,3953,1890,349,2000,3952,2247,705,3930,3951,3954],"class_list":["post-654601","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-111-grunde","tag-anwalte-zu-hassen","tag-bucerius-law-school","tag-buchauszug","tag-eva-engelken","tag-faz","tag-joachim-jahn","tag-journalisten","tag-litigation-pr","tag-schwarzkopf-schwarzkopf","tag-teil-ii","tag-uwe-wolff"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=654601"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654601\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=654601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=654601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=654601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}