{"id":654558,"date":"2014-11-13T21:13:08","date_gmt":"2014-11-13T20:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=654558"},"modified":"2014-11-15T00:47:31","modified_gmt":"2014-11-14T23:47:31","slug":"der-deutsche-irrtum-small-talk-sei-zeitverschwendung-gastbeitrag-susanne-kilian-uber-deutsche-die-im-ausland-anecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/11\/13\/der-deutsche-irrtum-small-talk-sei-zeitverschwendung-gastbeitrag-susanne-kilian-uber-deutsche-die-im-ausland-anecken\/","title":{"rendered":"Der deutsche Irrtum: Small-talk sei Zeitverschwendung.  Gastbeitrag von Susanne Kilian \u00fcber Deutsche, die im Ausland anecken"},"content":{"rendered":"<p><strong>Deutsche werden schnell missverstanden &#8211; warum\u00a0internationale Kontakte schnell schief gehen <\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie Sie von Anfang an Missverst\u00e4ndnisse vermeiden und damit Zeit, Nerven und Geld sparen. <\/strong><strong>Die Dolmetscherin und Trainerin Susanne Kilian* berichtet \u00fcber Ihre t\u00e4glichen Erfahrungen &#8211; ein Vortrag, den sie bei den Frontfrauen &#8211; Akademie f\u00fcr Frauen in F\u00fchrungspositionen in Frankfurt hielt. <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_654561\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-654561\" class=\"size-full wp-image-654561\" alt=\"Susanne Kilian\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/11\/KILIAN_Foto-150x150.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-654561\" class=\"wp-caption-text\">Susanne Kilian<\/p><\/div>\n<p>Deutsch ist eine der wenigen Direktsprachen dieser Welt. F\u00fcr uns ist Sprache prim\u00e4r Informationsaustausch. Jemand der redet ohne dabei zum Punkt zu kommen, macht uns nerv\u00f6s. Ein reicher Vokabelschatz und das sichere Beherrschen der Grammatik ist unsere Definition von gutem Englisch. Dabei ist in den meisten Kulturen dieser Welt das freundliche Verpacken von Informationen entscheidend. Deshalb beginne ich meine Seminare mit einem Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, wir sind beim Wiener Opernball und es ist Damenwahl. Ich l\u00e4chele Sie an und gehe auf Sie zu.\u00a0 Erwarten Sie nun ein paar freundliche Worte, gar die Aufforderung zum Tanz zu h\u00f6ren?<\/p>\n<p>Ich aber gehe auf einen meiner Kursteilnehmer\u00a0 zu und sage: \u201eSch\u00f6nen guten Abend, mein Name ist Susanne Kilian und ich bin eine wirklich gute Dolmetscherin&#8220;. Sofort m\u00fcssen alle lachen, w\u00e4hrend derjenige, dem ich die Hand sch\u00fcttele, verdattert blickt. Er wei\u00df nicht wie er, auf die unerwartete Situation reagieren soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsche \u00fcberfordern ihre Gesch\u00e4ftspartner im Ausland <\/strong><\/p>\n<p>International hinterlassen wir schnell genau diesen Eindruck. Uns ist nicht bewusst, dass auch im Gesch\u00e4ftsleben zun\u00e4chst \u201eeine Runde Wiener Opernball\u201c von uns erwartet wird: \u201eGuten Tag, sch\u00f6n, Sie zu sehen, was f\u00fcr ein sonniger Tag, hatten Sie eine gute Anreise?&#8220; Wir gehen oft in Meetings und stellen: \u201eSo, wir sind da. Jetzt k\u00f6nnen wir anfangen&#8220; fest.\u00a0 Das irritiert und \u00fcberfordert unsere Gesch\u00e4ftspartner. Es kostet unsere Zeit, bis dieser erste Eindruck verdaut ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anders als Japaner bekommen Deutsche keinen Exotenbonus &#8211; sie sprechen zu gut englisch<\/strong><\/p>\n<p>Als UNO-Dolmetscherin erkl\u00e4rte ich regelm\u00e4\u00dfig : \u201eWe are not naturally born rude. We just have a very different communication culture&#8220;. Da unser Englisch technisch gut ist, genie\u00dfen wir keinen Exotenbonus, wie etwa Japaner.<\/p>\n<p>Wir erf\u00fcllen die Erwartungshaltung nicht, da wir die Soft Skills kaum beherrschen. Damit sind wir nicht komplett alleine, auch Finnisch, Hebr\u00e4sich und Estnisch z\u00e4hlen zu den sehr direkten Sprachen, die international gern mal anecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Small-talk ist mitnichten Zeitverschwendung<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr uns bedeutet Small-talk Zeitverschwendung und Stress. \u00a0Warum sollten wir zehn S\u00e4tze \u00fcber das Wetter verschwenden. Es regnet und damit ist doch alles gesagt!<\/p>\n<p>Mein Tipp: Halten Sie sich nicht beim Wetter auf machen Sie Komplimente, \u00fcber das sch\u00f6ne B\u00fcro, das angenehme Ambiente, den freundlichen Empfang, die detaillierte Anfahrtsbeschreibung. Sie f\u00fchlen sich dabei nicht wohl? Schleimen geht gar nicht?<\/p>\n<p>Sei schleimen auch gar nicht,\u00a0 Sie er\u00f6ffnen den Gespr\u00e4chstanz!\u00a0 Sie schaffen eine positive Atmosph\u00e4re, holen damit Ihr Gegen\u00fcber \u201eins Boot\u201c, er f\u00fchlt sich respektiert und anerkannt . International ist man erst dann zur effizienten Informationsaufnahme bereit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsche geben ihrem gegen\u00fcber zu wenig\u00a0Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Bei uns tickt st\u00e4ndig die\u00a0 Uhr. Wir denken: \u201eDer andere muss noch zum Flieger, will noch\u00a0 zum\u00a0 Zug. Also kommen wir so schnell wie m\u00f6glich zur Sache&#8220;. Das ist genau der Punkt, an dem es hakt. Wir geben unserem Gegen\u00fcber nicht genug Zeit, mit uns warm zu werden, sich ein Bild von uns zu machen. \u00a0Das wiederum kostet uns am Ende Zeit , denn mit den Verhandlungen geht es nur m\u00fchsam voran, wenn unser Gesch\u00e4ftspartner uns noch nicht einzuordnen vermag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle Smalltalk-Themen, die Anerkennung zeigen, sind zielf\u00fchrend. \u201eDanke, dass Sie sich die M\u00fche gemacht haben, hierher zu kommen. Wie war die Fahrt? Es ist doch ein langer Flug aus Amerika. Haben Sie noch Jetlag? F\u00fchlen Sie sich wohl? Trinken Sie Tee oder Kaffee? Ach, Sie trinken auch Tee!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Gemeinsamkeiten entscheiden<\/strong><\/p>\n<p>Wichtig ist, herauszufinden: Was haben wir gemeinsam? Wenn meine Mitarbeiterin am Telefon sagt: \u201eI am so terribly sorry, Mrs. Kilian is not in&#8220;, gilt das \u00fcberall auf der Welt als h\u00f6flicher Satz. Wir aber werden misstrauisch, sobald wir das Gef\u00fchl haben, Sprache sei zu floskelhaft. Umgekehrt braucht aber der Rest der Welt die Floskeln. \u201eI so much appreciate you came all the way from New York&#8220;.<\/p>\n<p>Was im Deutschen schnell \u00fcbertrieben und schmeichlerisch wirkt, ist international der Schl\u00fcssel f\u00fcr eine gute Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re. Bei Mails hat es sich als internationale Etikette etabliert, Menschen zu duzen. Mit dem Ziel: Keep it simple. Das ist f\u00fcr uns oft ungewohnt, aber nicht respektlos gemeint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein paar freundliche Worte f\u00fcr Amerikaner, Komplimente f\u00fcr Chinesen<\/strong><\/p>\n<p>Amerikaner ben\u00f6tigen in Gespr\u00e4chen ein paar freundliche Worte, die f\u00fcr uns schnell exaltiert klingen m\u00f6gen. In Staaten wie Brasilien, Indien, China oder S\u00fcdafrika dauert das Warmwerden l\u00e4nger. In China geh\u00f6rt es zwischen M\u00e4nnern zum guten Ton, sich Komplimente zu machen. Deshalb rate ich chinesischen Kunden: ,,Machen Sie beim ersten Treffen mit einem deutschen Mann blo\u00df keine Komplimente. Der kriegt Angst&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tabu sind Religion, Politik und heikle soziale Themen<\/strong><\/p>\n<p>Andere Themen sind f\u00fcr Small-talk tabu &#8211; etwa Religion, Politik und schwierige soziale Themen. Erst k\u00fcrzlich ist eine Mexikanerin in meinem Seminar vor den Augen aller in Tr\u00e4nen ausgebrochen. Sie berichtete, dass sie regelm\u00e4\u00dfig auf den mexikanischen Drogenkrieg angesprochen wird. Wir meinen das nicht so, vielmehr wollen wir etwas \u00fcber ein Land lernen. So haben wir das Gef\u00fchl, der Small-talk sei nicht komplett sinnentleert. \u201eMensch, in Mexiko habt ihr momentan ein echtes Problem mit der Drogenmafia&#8220;, stellen wir fest.<\/p>\n<p>Solche Bemerkungen k\u00f6nnen unser Gegen\u00fcber sehr verletzen. \u00a0Auch S\u00fcdafrikaner und\u00a0 Inder werden nicht gerne auf die Gewalt\/Massenvergewaltigungen in ihrem Land angesprochen. Es ist so, als w\u00fcrde man uns st\u00e4ndig an Hitler und den Zweiten Weltkrieg erinnern.<\/p>\n<p>Schw\u00e4rmen Sie einfach: ,,Mexiko hat eine spannende Kultur und 5000 Jahre Geschichte&#8220;. Jeder redet gerne \u00fcber sein Land &#8211; warum fangen wir nicht bei den sch\u00f6nen Dingen an? Dann klappt\u2019s auch mit den Nachbarn- weltweit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Diesen Vortrag hielt Susanne Kilian vor Frauen in F\u00fchrungspositionen beim\u00a0 Frontfrauen AfterWorkShop in Frankfurt.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.frontfrauen.com\">www.frontfrauen.com<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>*Susanne Kilian hat in Japan, China und Singapur studiert; in New York f\u00fcr die UNO gedolmetscht. Dort erlebte Sie tagt\u00e4glich, wie schnell es zu Missverst\u00e4ndnissen kommen kann und welche Konsequenzen die haben k\u00f6nnen. Wie viel Zeit, Nerven und Geld gerade hier verloren gehen. Deshalb hat sie w\u00e4hrend Ihrer 15-j\u00e4hrigen UNO-Praxis das English Code Konzept entwickelt, das sie in Unternehmen, Politik und Medien unterrichtet: <a title=\"Susanne Kilian Trainerin Dolmetscherin\" href=\"http:\/\/www.english-code.de\" target=\"_blank\">www.english-code.de<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsche werden schnell missverstanden &#8211; warum\u00a0internationale Kontakte schnell schief gehen Wie Sie von Anfang an Missverst\u00e4ndnisse vermeiden und damit Zeit, Nerven und Geld sparen. 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