{"id":654406,"date":"2014-11-13T14:31:44","date_gmt":"2014-11-13T13:31:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=654406"},"modified":"2015-02-10T15:46:47","modified_gmt":"2015-02-10T14:46:47","slug":"serie-krisen-pr-serie-3-die-unschuldigen-warum-die-methode-die-auster-geben-nichts-bringt-gastbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/11\/13\/serie-krisen-pr-serie-3-die-unschuldigen-warum-die-methode-die-auster-geben-nichts-bringt-gastbeitrag\/","title":{"rendered":"Serie Krisen-PR (3): Die Unschuldigen. Warum die Methode Die-Auster-geben nichts bringt. (Gastbeitrag)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Serie Krisen-PR (III): Die Unschuldigen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Warum sich\u00a0Top-Manager in der Krise ungern an ihre eigenen S\u00fcnden erinnern \u2013 Vier Chef-Typen in der Krise. Gastautor J\u00f6rg Forthmann, Chef der Kommunikationsagentur Faktenkontor und Blogger unter <a title=\"J\u00f6rg Forthmann, Faktenkontor, Blogger, Mediengau\" href=\"\/\/www.faktenkontor.de\/mediengau\/\" target=\"_blank\">Mediengau\u00a0 http:\/\/www.faktenkontor.de\/mediengau\/<\/a> \u00a0 \u00fcber Allesk\u00f6nner in der Chefetage, die aus Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung ihren Job riskieren.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mitarbeiter schlecht behandelt? Warnungen des Qualit\u00e4tsmanagements ignoriert? Alles nicht wahr! Die Vorw\u00fcrfe von Arbeitnehmervertretern, Verbrauchersch\u00fctzern, Kunden und Journalisten sind haltlos, und die Krise wird vom Topmanagement zu einer &#8222;Schmutzkampagne&#8220; erkl\u00e4rt. Ein selbstkritischer Blick auf eigene Fehler? Fehlanzeige! In der Krise ist das Topmanagement zumeist das gr\u00f6\u00dfte Problem: entweder es leugnet das Problem oder zieht es vor, in die Lethargie abzutauchen. Das erinnert an kleine Kinder, die sich die Augen zuhalten und glauben, dass sie selbst auch nicht mehr gesehen werden &#8211; nur, weil sie die anderen nicht sehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_652212\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652212\" class=\"size-full wp-image-652212\" alt=\"J\u00f6rg Forthmann, Chef der Kommunikationsagentur Faktenkontor\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/ForthmannJoerg.Faktenkontor1.jpg\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/ForthmannJoerg.Faktenkontor1.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/ForthmannJoerg.Faktenkontor1-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/ForthmannJoerg.Faktenkontor1-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-652212\" class=\"wp-caption-text\">J\u00f6rg Forthmann, Chef der Kommunikationsagentur Faktenkontor<\/p><\/div>\n<p>Vor Kurzem war ich bei einem namhaften Textilhersteller, um das Unternehmen auf Kommunikationskrisen vorzubereiten. Der Workshop war unauff\u00e4llig, das Unternehmen schien nur wenig Angriffsfl\u00e4che zu bieten \u2013 bis zur Mittagspause. Auf dem Weg zur Kantine berichtete der Pressesprecher von einem ernsten Problem: Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung hat vor Jahren die Produktion nach Asien verlagert und f\u00fcrchtet nun Fernsehbilder von blutenden Kindeh\u00e4nden an den Markenklamotten. Die Folge w\u00e4ren dramatische Umsatzeinbr\u00fcche. Nur: Die Sorgen des Pressesprechers werden von der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung nicht geh\u00f6rt. Die Zeitbombe tickt, bis sie irgendwann hochgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jeder ist schuldig &#8211; nur nicht die Unschuldsengel in der Chefetage<\/strong><\/p>\n<p>Dann aber wird die Chefetage viele Schuldige an den Pranger stellen:<\/p>\n<p>&#8211; Die Presseabteilung hat die Medien nicht im Griff: \u201eWie konnte das passieren!?\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Die Mitarbeiter vor Ort h\u00e4tten es nie soweit kommen lassen d\u00fcrfen: \u201eWieso haben die nichts unternommen!?\u201c Und man habe doch bestimmt klare Einkaufsbedingungen, wonach das Ausbeuten von Kindern nicht sein darf: \u201eBitte mal raussuchen!\u201c<\/p>\n<p>Nur eines wird nicht mehr gesehen: In Asien wird produziert, weil es die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung so entschieden hat. Und: Die Arbeitsbedingungen dort haben sich nicht gebessert, weil die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung nicht reagieren wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schonungslose Analyse ist die Ausgangsbasis\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Schritt in einer Kommunikationskrise ist die schonungslose und offene Analyse der Ausgangslage. Doch schon bei diesem ersten Schritt fehlt es allzu oft an der selbstkritischen Mitarbeit der Topmanager.<\/p>\n<p>Und die Untergebenen schweigen lieber, denn sie haben jahrelang gelernt, dass es Wahrheiten gibt, die bitte nicht ausgesprochen werden.<\/p>\n<p>Die Folge:\u00a0Das Unternehmen reagiert falsch und wird von Journalisten vorgef\u00fchrt. Im schlimmsten Fall kommt die Wahrheit h\u00e4ppchenweise ans Licht &#8211; und das befeuert\u00a0 die Kommunikationskrise\u00a0\u00fcber Wochen immer wieder von neuem.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8222;Dazu sagen wir nichts&#8220; &#8211; die Methode Die-Auster-geben<\/strong><\/p>\n<p>Oft gibt dann auch noch das\u00a0Top-Management die Losung aus: \u201eDazu sagen wir nichts!\u201c Eine fatale Idee, denn die Berichterstattung bremst das ja nicht aus. Die\u00a0Medien berichten weiter\u00a0kritisch &#8211; und die Meinungsbildung \u00fcber das Unternehmen und seine Verfehlungen setzt sich fest, ohne dass das Unternehmen irgendeinen Einfluss darauf ausge\u00fcbt hat. Denn die Chance, sich zu \u00e4ussern, sch\u00e4tzten die Manager dummerweise als Bedrohung ein.<\/p>\n<p>Nach einer Untersuchung der internationalen Gro\u00dfkankzlei Freshfield Bruckhaus Deringer sind die ersten 24 Stunden in einer Krise entscheidend. Innerhalb dieser kurzen Frist m\u00fcssen alle erforderlichen Informationen beschafft, die Lage analysiert, eine Krisenstrategie festgelegt und eine Reaktion des Hauses erfolgt sein. Dank Online-Medien und Social Media ist nach nur einem Tag der Trend in der Berichterstattung und in den Communities fixiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn das Training erst beim Showdown passiert<\/strong><\/p>\n<p>In der Krise hat es kaum noch Sinn, das Top-Management auf die Situation vorzubereiten. Das muss vorher geschehen. Gute\u00a0Chefetagen erkennen, dass es sich um die vorhandenen Risiken lieber vorsorglich k\u00fcmmert und sie entsch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Bestes Beispiel: Ein Pflegeunternehmen, bei dem ich einen Krisen-Workshop mit begleitete. Dabei kam das Gespr\u00e4ch auf ein Legionellenproblem, von dem das Management schon l\u00e4nger wusste. Gleich nach dem Workshop wurden Sofort-Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die Legionellen zu beseitigen. So lassen Krisen nat\u00fcrlich am besten vermeiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der wahre Grund: Die Angst der Manager vor Haftung<\/strong><\/p>\n<p>Dabei das war nicht einmal die wahre Motivation der Entscheider. Der Hintergrund: W\u00fcrden Menschen an\u00a0Legionellen erkranken, die zuvor schon bekannt waren, w\u00e4ren die Manager pers\u00f6nlich haftbar \u2013 und das Risiko wollte niemand tragen.<\/p>\n<p>Die ehrliche Krisenpr\u00e4vention brachte somit jedem Vorteile: dem Unternehmen,\u00a0dem Management und nicht zuletzt den Pflegebed\u00fcrftigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serie Krisen-PR (III): Die Unschuldigen Warum sich\u00a0Top-Manager in der Krise ungern an ihre eigenen S\u00fcnden erinnern \u2013 Vier Chef-Typen in der Krise. 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