{"id":654384,"date":"2014-11-03T12:24:45","date_gmt":"2014-11-03T11:24:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=654384"},"modified":"2014-11-03T17:29:52","modified_gmt":"2014-11-03T16:29:52","slug":"stefan-wachtel-die-profikoche-sind-die-augebufftesten-darsteller-oder-wie-weit-manche-mit-dem-authentischen-kommen-oder-auch-nicht-buchauszug-exklusiv-im-management-blog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/11\/03\/stefan-wachtel-die-profikoche-sind-die-augebufftesten-darsteller-oder-wie-weit-manche-mit-dem-authentischen-kommen-oder-auch-nicht-buchauszug-exklusiv-im-management-blog\/","title":{"rendered":"Stefan Wachtel: Die Profik\u00f6che sind die augebufftesten Darsteller. Oder: Wie weit manche mit dem Authentischen kommen &#8211; oder auch nicht (Buchauszug exklusiv im Management-Blog)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buachauszug:\u00a0\u201eSei nicht Authentisch! Warum klug manchmal besser ist als echt\u201c <\/strong><b>von Top-Manager-Coach Stefan Wachtel (Plassen Verlag,November 2014): <\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_654385\" style=\"width: 356px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-654385\" class=\"size-full wp-image-654385\" alt=\"Stefan Wachtel\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/10\/wachtel.jpg\" width=\"346\" height=\"485\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/10\/wachtel.jpg 346w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/10\/wachtel-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/><p id=\"caption-attachment-654385\" class=\"wp-caption-text\">Top-Manager-Coach Stefan Wachtel<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Von Piloten lernen: Unbedingt<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Flugzeugabst\u00fcrze gibt es nicht etwa nur, weil Piloten ihren Job nicht gut machen, das kommt auch vor, ganz selten. Flugzeugabst\u00fcrze gibt es, weil Fahrwerke nicht ausfahren, Instrumente versagen oder V\u00f6gel in Triebwerke geraten. Warum sind Flugzeugabst\u00fcrze, auch wenn sie so gern in B\u00fcchern vorkommen, so selten \u2013 und werden immer seltener? Der Grund ist: Ausbildung und Standards der Piloten sind inzwischen weltweit auf einem einzigartigen Niveau. Vielleicht sind Piloten die professionellste Berufsgruppe, die es je gab. Sie nehmen wenig Authentisches mit an den Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Sprechen Sie nicht jede Wahrheit aus<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Bordansagen-Seminare begannen p\u00fcnktlich um 9:27 Uhr auf der Basis in Frankfurt: alle paar Tage etwa sieben Flugzeugf\u00fchrer, ein Raum, darin Cockpit und Kabine mit scheinbar echten Ger\u00e4uschen, mehrere Mikrofone. Noch einmal der Cartoon mit dem Koch, der aus der Flugzeugkomb\u00fcse kommt und kleinlaut sagt: \u201eMir ist heute nicht nach Kochen zumute.\u201c Die Passagierpiloten hatten den Cartoon auch deshalb an die Wand geh\u00e4ngt, weil sie niemand je fragen wird, ob ihnen nach Fliegen zumute ist. Nichts in ihrem Job ist authentisch.<\/p>\n<p>Gott sei Dank, wir sind nicht davon abh\u00e4ngig, welche individuellen authentischen \u201eFlugstile\u201c sie haben: Sie befolgen Regeln, sie spielen Rollen. Flugzeugf\u00fchrerin und Flugzeugf\u00fchrer, das ist der Prototyp des nicht Authentischen, 100 Prozent Norm, pure Professionalit\u00e4t. Pr\u00e4zision ist alles, individuelle Umst\u00e4nde \u2013 \u201eIch stand im Stau\u201c \u2013 d\u00fcrfen nicht vorkommen. Das Prinzip der Piloten hei\u00dft: nichts Individuelles. Departure 9:27.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Professionalit\u00e4t &#8211; keine falsche Authenzit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe kaum je wieder so viel Professionalit\u00e4t in einer so guten Mischung erlebt. Dabei sind Piloten keineswegs stromlinienf\u00f6rmig: Sie malen, tanzen, komponieren, dichten und fotografieren privat. Aber im entscheidenden Moment f\u00fchren sie eine Arbeit aus, die nicht durch falsche Authentizit\u00e4t gest\u00f6rt wird. Das Ansagen-Training f\u00fcr Piloten ging \u00fcber drei Jahre, vielleicht hundert Tage. Wir haben mit f\u00fcnf Coaches wieder und wieder Situationen durchgespielt und ihre rhetorische Form gesucht. Geschult haben wir 3.200 Profis mit je drei Statements:<\/p>\n<ol>\n<li>Freundliche Worte mit Zugang zu Menschen, die man nicht sieht und die ganz nah und trotzdem in einer ganz andern Lage sind.<\/li>\n<li>Extrem einfache Information \u00fcber technische Details.<\/li>\n<li>Beruhigung und Ermutigung in kritischer, jetzt gemeinsamer, Lage.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lieber keine Authenzit\u00e4t im riskanten Umfeld<\/strong><\/p>\n<p>Aus diesem Training kristallisierten sich wiederkehrende Prinzipien heraus, die f\u00fcr alle gelten, die in einem riskanten Umfeld sprechen \u2013 also f\u00fcr alle im modernen Business. Das erste Prinzip hoch professionalisierter Berufe hei\u00dft: Es ist oft ganz und gar unverantwortlich, vollkommen authentisch zu sein, weil das verheerende Wirkungen h\u00e4tte. Im Flugzeug h\u00e4tte es in der Passagierkabine verheerende Wirkungen. Passagierpiloten wissen, dass es ganz und gar unverantwortlich ist, \u201eauthentisch\u201c die Wahrheit zu sagen.<\/p>\n<p>Daraus k\u00f6nnten wir lernen, auch wenn es uns schwerf\u00e4llt. Bedenken wir, dass selbst Topmanager, die nicht zuletzt f\u00fcr ihre Professionalit\u00e4t bezahlt werden, Probleme damit haben. Zweimal war es eine gro\u00dfe Bank, die Auftritte ihres Vorstandsvorsitzenden im Nachhinein reparieren wollte, das erste Mal nach dem Victory-Zeichen im Januar 2001: Im Gerichtssaal hatte der Vorstandsvorsitzende der Bank zu dem Vorstandsvorsitzenden des Industriekonzerns Mannesmann gesagt: \u201eDas ist ja hier wie bei Michael Jackson.\u201c Ein Fotograf hatte zum Spa\u00df gesagt, dass hier das Gericht zu sp\u00e4t kommt, w\u00e4hrend in den USA einige Tage zuvor Michael Jackson, dessen Prozess parallel begonnen hatte, zu sp\u00e4t gekommen war. Michael Jacksons Geste auf dem Weg zum Gericht war das Vorbild f\u00fcr das Victory-Zeichen. Die Kommunikationsleute hatten diese Wahrheit ver\u00f6ffentlicht und damit ihren Chef mit einem Kindersch\u00e4nder-Prozess in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wahrheiten, die besser ungesagt blieben<\/strong><\/p>\n<p>Fast zehn Jahre sp\u00e4ter erleben wir ein zweites Mal dasselbe Prinzip. Derselbe Mann hatte sinngem\u00e4\u00df gesagt, Frauen in den obersten F\u00fchrungsebenen machten das Business \u201ebunter\u201c. Und wieder wurde zwei Tage sp\u00e4ter die Wahrheit gesagt: Der Vorstandsvorsitzende sei ein \u201eGentleman alter Schule\u201c, so sein Kommunikationsmanager. Mit anderen Worten: Der w\u00fcrde es wieder tun!<\/p>\n<p>Der ist auch noch so! Im ersten Fall gab es nur die eine Wahrheit. Man h\u00e4tte gar nichts sagen sollen, au\u00dfer: Es tut mir leid. In diesem zweiten Fall h\u00e4tte es andere Wahrheiten gegeben, etwa: Es gibt kein Unternehmen, das so bunt ist wie diese Bank, mit Menschen aus allen Bereichen des Lebens, aus allen Kontinenten und allen Glaubensrichtungen.<\/p>\n<p>Wir alle f\u00fchren oft genug das Herz auf der Zunge. Gef\u00e4hrlich wird das, wenn die Verantwortung steigt. Wir richten dann gro\u00dfen Schaden an, wenn wir Wahrheiten aussprechen, die besser ungesagt blieben. Von Pilotenansagen k\u00f6nnen Sie lernen \u2013 und von ihren Gott sei Dank seltenen Fehlern. Noch einmal zur\u00fcck zu den Passagierpiloten, diesmal auf das Rollfeld:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gut gemeint, aber nicht durchdacht: Die Wahrheit sagen<\/strong><\/p>\n<p>Z\u00fcrich, an einem Dezembertag: ein fast klassisches Beispiel aus der Pilotenwelt. Am Nachmittag begann es zu schneien, der Flughafen wurde gesperrt. Alles, was nach Deutschland wollte, versammelte sich in der Lounge. Es ist normalerweise ein Ort, an dem es stilvoll zugeht, an jenem Tag aber sah es aus wie auf einer Dorfkirmes: Erdn\u00fcsse flogen, Alkohol floss reichlich. Es dauerte dann bis halb zehn, bis ich im Flugzeug sa\u00df. Wir h\u00f6rten die Stimme des Kopiloten, ein junger Mann offenbar, etwas unsicher: \u201eMeine Damen und Herren, wir haben gerade die Starterlaubnis bekommen, aber auf Ihrem Ticket steht Sicherheit, darauf haben Sie ein Anrecht. Wir haben starken R\u00fcckenwind, das macht uns Probleme. R\u00fcckenwind ist gef\u00e4hrlich, wie gesagt, vom Tower aus k\u00f6nnten wir starten, aber wir wollen kein Risiko eingehen, R\u00fcckenwind ist gef\u00e4hrlich. Wir werden also jetzt wenden und dann versuchen wir es von der anderen Seite der Landebahn noch mal.\u201c<\/p>\n<p>Was war geschehen? Der Flugzeugf\u00fchrer hatte die Wahrheit gesagt, gut gemeint, nicht durchdacht, von niemandem kritisiert. Es waren aber Wahrheiten, die uns nicht h\u00e4tte zu Ohren kommen sollen, zumindest nicht in dieser Form. Wir wollen als Passagier in dieser hilflosen Situation einfach nicht erfahren, dass es ein \u201eProblem\u201c gibt, dass etwas mit \u201eRisiko\u201c verbunden ist, dass es \u201egef\u00e4hrlich\u201c ist und dass die beiden da vorn irgendetwas \u201eversuchen\u201c, wo wir doch wissen, dass Versuche regelm\u00e4\u00dfig scheitern. Die strikte Professionalit\u00e4t des Piloten erstreckte sich nicht auf den pers\u00f6nlichen Auftritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-654386\" alt=\"Link......\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/10\/wachtel.Buchcovervollst\u00e4ndig.jpg\" width=\"583\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/10\/wachtel.Buchcovervollst\u00e4ndig.jpg 583w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/10\/wachtel.Buchcovervollst\u00e4ndig-269x300.jpg 269w\" sizes=\"auto, (max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><\/p>\n<p><strong>&#8222;Sei nicht authentisch&#8220; von Stefan Wachtel, Plassen Verlag, 19,99 Euro<\/strong> <a title=\"Stefan Wachtel, Plassen Verlag, Sei nicht authentisch\" href=\"http:\/\/www.plassen-buchverlage.de\/plassen\/buecher\/Sei-nicht-authentisch-.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.plassen-buchverlage.de\/plassen\/buecher\/Sei-nicht-authentisch-.htm<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon Voltaire sagte: \u201eAlles Gesagte sollte wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, sollte gesagt werden.\u201c Merken wir uns das.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Fallen Sie nicht mit der T\u00fcr ins Haus<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>\u201eWir haben ein Triebwerk verloren.\u201c Ein solcher Satz z\u00e4hlt zu den be\u00e4ngstigendsten, die man sich denken kann. Schlimmer kann es nicht kommen. Der Pilot, der ihn aussprach, wusste nicht, in welchem Film er spielt: Er sprach \u2013 ganz authentisch, wie es aus ihm herauskam \u2013 zu Passagieren wie zu seinem Kopiloten, er verk\u00fcndete im authentischen Reflex eine Wahrheit, die aber au\u00dfer die beiden im Cockpit niemanden etwas anging.<\/p>\n<p>Zumutbar ist der Satz nicht, ganz sicher nicht als erster Satz einer Durchsage. F\u00fcr die Piloten ist der Umstand zu verkraften, sie wissen, dass sie weitere Triebwerke haben. F\u00fcr die Passagiere sieht es anders aus. Ist der Horror erst einmal ausgesprochen, gibt es kaum Chancen f\u00fcr die Relativierung. Es fehlt der Zugang zum H\u00f6rer. Die schlechte Nachricht will deshalb eingeleitet sein. Das zeigen zahllose Beispiele. Auch hier ist der nicht authentische Pilot besser, der sich Passenderes \u00fcberlegt: \u201eMeine Damen und Herren, Sie haben es gemerkt, es ist links etwas ruhiger geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine schlechte Nachricht ohne Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben hier ganz strenge Bestimmungen. Wenn es kleinste Ver\u00e4nderungen gibt, m\u00fcssen wir etwas langsamer fliegen. Wir haben das linke Triebwerk gedrosselt. Dieses Flugzeug hat mehrere Triebwerke, gar kein Problem. Sollte unser Flug etwas l\u00e4nger dauern, melde ich mich noch einmal.\u201c Oder: \u201eLiebe G\u00e4ste, hier spricht Ihr Kapit\u00e4n. Wie Sie vielleicht bemerkt haben, haben sich die Triebwerksger\u00e4usche in unserem Flugzeug ver\u00e4ndert. Wir haben eines unserer Triebwerke aus Sicherheitsgr\u00fcnden gedrosselt. Wir fliegen jetzt etwas langsamer. Es k\u00f6nnte sein, dass sich unsere Ankunft dadurch etwas nach hinten verschiebt; sollte dies der Fall sein, werde ich mich noch einmal melden. Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.\u201c<\/p>\n<p>Die Welt der Piloten bietet eine F\u00fclle von Beispielen, die wir allesamt auf unser Berufsleben \u00fcbertragen k\u00f6nnen, angefangen beim Normalfall: Ein Flugzeug ist nicht rechtzeitig da, das Boarding beginnt sp\u00e4ter, man sitzt in der Maschine und eine Stimme meldet sich: \u201eMeine Damen und Herren, ein paar Worte aus dem Cockpit. Die Maschine war nicht rechtzeitig da. Sie musste noch gereinigt werden.\u201c Das ist eine Feststellung der Tatsachen, sonst nichts, nicht die Spur einer Entschuldigung. Die erwarte ich aber, denn es geh\u00f6rt zu meinem Vertrag mit der Airline, dass zum vereinbarten Zeitpunkt ein Flugzeug bereitsteht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Von Stark\u00f6chen lernen: Klares Ja<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Ein Koch war vor kaum mehr als zehn Jahren schlecht bezahlt, mit dem Geruch von Mittelma\u00df, ein Beruf wie viele andere, eher unattraktiv, austauschbar. Doch pl\u00f6tzlich wurde alles anders. Fernsehk\u00f6che gab es schon lange, aber pl\u00f6tzlich gab es \u201ePromik\u00f6che\u201c. Ein unglaublicher Hype um das Kochen setzte ein, dessen Ende nicht absehbar ist. Dazu m\u00fcssen, wie bei einem Kochrezept zwei Dinge zusammenkommen:<\/p>\n<p>1. <strong>Individuell-Unverwechselbares und<\/strong><\/p>\n<p>2. <strong>handwerklich Erprobtes, \u00dcbung<\/strong>.<\/p>\n<p>Es sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Ersteres kennen wir bereits: Wir wollen wir selbst sein, einzigartig und nicht zu verwechseln. Das ist bei jeder Art von Prominenz wichtig: unverwechselbar, einzigartig, wiedererkennbar, eigen und echt \u2013 Eigenschaften, die wir Idolen zuschreiben. Wir denken beim Kochen an K\u00f6pfe: Lafer, der immer so sch\u00f6n satt und selig l\u00e4chelt, M\u00e4lzer, der einen Erfolg nach dem anderen landet. Diese Profik\u00f6che sind die ausgebufftesten Darsteller. Jamie Oliver ist alles andere als der nette Jamie, der gern kocht. Das Gesicht auf den Kochb\u00fcchern ist das Ergebnis einer beispiellosen Professionalisierung. Dies ist die zweite Essenz, die, die den Auftritt erst genie\u00dfbar macht. Nicht nur im Fall der K\u00f6che kommt zur Individualisierung ein Zweites hinzu: Professionalit\u00e4t. F\u00fcr einen guten Eindruck brauchen Sie beides.<\/p>\n<div id=\"attachment_651489\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-651489\" class=\"size-full wp-image-651489\" alt=\"Johann Lafer, Sternekoch und Unternehmer\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/lafer.jpg\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/lafer.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/lafer-300x168.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/01\/lafer-500x280.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-651489\" class=\"wp-caption-text\">Johann Lafer, Sternekoch und Unternehmer<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Von Spitzenmanagern lernen: Manchmal<\/span><\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Ein Puppenspiel<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine typische Szene: Gleich m\u00fcssen Antworten auf kritische Fragen gegeben werden, eine dinner speech muss \u00fcber die B\u00fchne, eine Podiumsdiskussion \u2013 scheinbar harmlose kleine Auftritte. Aber im Ergebnis kann der B\u00f6rsenkurs fallen, der Vertrag kann nicht verl\u00e4ngert werden, der Staatsanwalt kann kommen, all das wegen einer Rede und ein paar Antworten. Angesichts solcher Situationen sollten wir fragen: Was k\u00f6nnen wir von Menschen lernen, die in einer solchen Lage wie Puppen reagieren m\u00fcssen? Antwort: Alles: Sich vorbereiten, auf das, was man und wie man es sagt, wie man durch die T\u00fcr kommt. So sollte es auch bei Ihnen sein; es gibt keinen Unterschied. Spitzenmanager erleben nur in gesteigerter Form, was wir alle erleben, wenn wir andere \u00fcberzeugen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Spitzenmanagern lernen: Eher ja!<\/strong><\/p>\n<p>Es ist aber auch riskant, Topmanager als positives Beispiel zu verwenden: Sie haben ein schlechtes Image. \u00dcber drei Viertel der Deutschen stellen Managern der Wirtschaft kein gutes Zeugnis aus, wenige w\u00fcrden ihnen Vertrauen schenken. Nur ein Prozent (!) spricht in einer GfK-Umfrage den Managern gro\u00dfes Vertrauen aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Spitzenmanagern lernen hei\u00dft aus Reinf\u00e4llen lernen<\/strong><\/p>\n<p>Liegt das am Auftritt? Selbstverst\u00e4ndlich. Das Publikum kennt ja nichts anderes als die Auftritte und Zeitungs-Zitate, und die sind nicht immer gl\u00fccklich. Von Spitzenmanagern lernen hei\u00dft deshalb immer auch, aus deren Reinf\u00e4llen zu lernen. Oft ist der Auftritt hausgemacht, manchmal allzu authentisch. \u00dcber den Vorstandsvorsitzenden eines Automobilkonzerns schrieb eine Zeitung, er s\u00e4he aus \u201ewie ein Ingenieur und nicht wie ein Gestalter\u201c, ein anderer wieder wird als \u201eder beste Elektromechaniker\u201c der Republik scheinbar gelobt, tats\u00e4chlich jedoch verspottet, der Vorstandsvorsitzende einer Airline wird deklariert als \u201eder Aerodynamiker\u201c \u2013 alles das nur aufgrund ihrer Auftritte! Wollen Sie, dass man Sie untersch\u00e4tzt, dass man Ihnen keine F\u00fchrungs-Rhetorik zutraut, nur weil Sie \u2013 authentisch sind? Ich rate ab.<\/p>\n<p>Ich coache seit 18 Jahren Spitzenmanager f\u00fcr Eindruck und Auftritt. Ich frage vier- oder f\u00fcnfmal pro Woche: Wie kann man in einem Film authentisch sein oder besser Typ II: authentisch scheinen?<\/p>\n<p>Ich erkl\u00e4re es mit einer Metapher: Meine Arbeit mit Klienten ist ein Puppenspiel. Nach oben hin wird es heikler, politischer \u2013 fein ausgedr\u00fcckt: diplomatischer; hart gesagt: manchmal inhaltsleerer und puppenhafter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsche Top-Manager sind weit abgeschlagen hinter Angelsachsen<\/strong><\/p>\n<p>Ein ganz und gar authentischer Mensch \u2013 ohne Zweifel gibt es den Typ, auf den eine solche Beschreibung zutrifft, nur ist das im Spitzenmanagement nicht wirklich hilfreich. Es scheint hier praktisch nicht relevant, wie ein bestimmter Manager ist, sondern nur, ob er die Aufgabe bew\u00e4ltigt. \u00d6ffentlichkeit, Aktion\u00e4re, Mitarbeiter und Kunden der Organisation wollen: eine wirkungsvolle Rede, ein zutreffendes Statement, eine gute Antwort \u2013 einen guten Eindruck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Langeweile ist ein gern gesehener Gast<\/strong><\/p>\n<p>Man muss es sagen: Auftritte deutscher Spitzenmanager sind, wie auch die der Politiker, notorisch schlechter als etwa die der angels\u00e4chsischen Kollegen. Der Fauxpas lauert an jeder Ecke, die Langeweile ist gern gesehener Gast. Manche Auftritte werden nur mit Texten und Charts vorbereitet \u2013 obwohl sie eigentlich \u201eAktionen\u201c sind und h\u00e4tten geprobt werden sollen. Die Ursache liegt im Kopf: Viele sind noch im Experten-Modus, w\u00e4hrend sie schon wie Executives auftreten m\u00fcssten. Hinzu kommt unsere Bildung, in der lange Zeit Kommunikation nur als Schrifttext vorkam.<\/p>\n<p>Von Spitzenmanagern lernen: Eher ja! Die Unterschiede sind allerdings gewaltig. Die j\u00e4hrliche Handelsblatt-Studie zur \u201eVerst\u00e4ndlichkeit deutscher Vorstandsvorsitzender\u201c ist einer der wenigen empirischen Belege f\u00fcr die Wirkung von Auftritten. Der Erste, der in dieser Studie ganz oben stand, was machte er besser? Was machten die besser, die seinen Auftritt vorbereitet haben? Die Leute hinter dem Telekom-Vorstandsvorsitzenden \u2013 um das positive Beispiel beim Namen zu nennen \u2013 arbeiteten mit System; solche Ergebnisse sind kein Zufall. Die Vorst\u00e4nde stehen f\u00fcr etwas. Sie haben Profil und bekommen Profil. Das ist professionelle Arbeit an dem Verh\u00e4ltnis von Authentizit\u00e4t und Film \u2013 von Executive Coaching bis Inszenierung, von Themen bis zu Profilen, Fotos und B\u00fchne. Rede und Antwort entstehen so nicht nach Gusto (\u201eDas liegt ihm nicht so\u201c), sondern professionell. Der Auftritt ist integriert vorbereitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Die oben sind deshalb oben, weil sie jeden Tag lernen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Florian Homm, dem sp\u00e4ter ein Teil von Borussia Dortmund geh\u00f6rte und der noch viel sp\u00e4ter ganz verschwunden ist und gerade f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit im Gef\u00e4ngnis war und abtauchte, den ich deshalb \u2013 als Einzigen \u2013 nicht fragen kann, ob er hier vorkommen will, Florian Homm also legte seine Beine auf den Tisch. Er rief seinen Fahrer an, er solle eine Cohiba hoch ins Business Center des Frankfurt City Hilton in den Raum von Herrn Wachtel bringen, eine von den gro\u00dfen, denn der Tag sollte lang werden. Wir hatten eine Pressekonferenz mit Wirtschaftsjournalisten vorzubereiten. Es war der H\u00f6hepunkt des Internet-Hypes; die Banken h\u00e4tten auch ein altes Ofenrohr an die B\u00f6rse gebracht und am besten war derjenige dran, der selbst eine Bank hatte, und Florian Homm hatte sich eine gekauft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Coaching f\u00fcr den Multimillion\u00e4r<\/strong><\/p>\n<p>Er war gro\u00df, sch\u00f6n, selbstbewusst und damals schon steinreich.<\/p>\n<p>So trat er auf. Aber er hat gelernt. Warum nimmt sich ein Multimillion\u00e4r ein Coaching? Die Antwort: Weil er wei\u00df, dass er an sich arbeiten muss. Er hatte nach dem Coaching ein paar gute Antworten gegeben, nach einer exzellenten Pr\u00e4sentation.<\/p>\n<p>Die Lehmschicht in den Organisationen, ein Teil des mittleren Managements, lernt oft nicht mit. Viele k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, dass die Spitzenleute lernen: Schwer vorstellbar, dass dort oben nicht Naturtalente sitzen. Noch vor einigen Jahren kam bei einer Befragung heraus: 40 Prozent der Kommunikationsexperten erkl\u00e4rten, dass ihr Vorstandsvorsitzender \u201ekein Medientraining braucht\u201c!<\/p>\n<p>Und \u201eMedientraining\u201c ist nur die Schrumpfform des Lernens f\u00fcr einen guten Eindruck. Wenn man mit den Vorst\u00e4nden zusammen ist, erf\u00e4hrt man, dass sie mehr Training wollen, nicht weniger, besser f\u00fcr alle Situationen und f\u00fcr alle Rollen. \u201eDer Vorstand l\u00e4sst sich doch nichts sagen\u201c, hei\u00dft es im mittleren Management, und das stimmt gerade nicht. Die Aufgabe der Lehmschicht ist Verhinderung, ihre Waffen sind die zahllosen Bedenken, von denen Bedenkentr\u00e4ger ihrer Bestimmung gem\u00e4\u00df immer neue generieren. Sie schaffen sich das Bild des CEO als ihr Ebenbild. Der ist doch gut; der muss doch nichts lernen. Dass er deshalb gut ist, weil er jeden Tag lernt, ist aus der Organisation heraus nicht zu sehen. Die Guten sind deshalb oben, weil sie jeden Tag lernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stefan Wachtel bereitet bei ExpertExecutive in Frankfurt mit Spitzenmanagern deren Auftritte vor. Zuvor hat er TV-Moderatoren gecoacht und\u00a0 war der j\u00fcngste Moderatorencoach der ARD-\/ZDF-Fortbildung. Er trainierte Piloten f\u00fcr Bordansagen, ist TV-Experte beispielsweise bei Bundestagswahlen, ist Zeitungs-Kolumnist und hat f\u00fcnf B\u00fccher verfasst. Sein letzter Titel: \u201eRhetorik und Public Relations\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buachauszug:\u00a0\u201eSei nicht Authentisch! Warum klug manchmal besser ist als echt\u201c von Top-Manager-Coach Stefan Wachtel (Plassen Verlag,November 2014): &nbsp; &nbsp; &nbsp; Von Piloten lernen: Unbedingt Flugzeugabst\u00fcrze gibt es nicht etwa nur, weil Piloten ihren Job nicht gut machen, das kommt auch &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/11\/03\/stefan-wachtel-die-profikoche-sind-die-augebufftesten-darsteller-oder-wie-weit-manche-mit-dem-authentischen-kommen-oder-auch-nicht-buchauszug-exklusiv-im-management-blog\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3871,3870,1890,3872,3875,461,3873,579,2579,3877,1641,3869,868,3876,3868,3874,2351],"class_list":["post-654384","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-sei-nicht-authentisch","tag-authenzitat","tag-buchauszug","tag-fernsehkoche","tag-florian-homm","tag-gfk","tag-jamie-oliver","tag-johann-lafer","tag-mannesmann","tag-medientraining","tag-piloten","tag-plassen-verlag","tag-pr","tag-spitzenmanager","tag-stefan-wachtel","tag-tim-malzer","tag-top-manager-coach"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654384","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=654384"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/654384\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=654384"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=654384"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=654384"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}