{"id":654155,"date":"2014-10-07T12:36:46","date_gmt":"2014-10-07T10:36:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=654155"},"modified":"2014-10-07T12:36:46","modified_gmt":"2014-10-07T10:36:46","slug":"wisst-ihr-dass-ihr-furs-denken-bezahlt-werdet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/10\/07\/wisst-ihr-dass-ihr-furs-denken-bezahlt-werdet\/","title":{"rendered":"&#8222;Wisst Ihr, dass Ihr f\u00fcrs Denken bezahlt werdet?&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Manche Recherchegespr\u00e4che nehmen ja pl\u00f6tzliche Wendungen und man landet gemeinsam in unerwarteten Tiefen. Da erz\u00e4hlt mir k\u00fcrzlich ein Grandsigneur einer Gro\u00dfkanzlei, dass das Denken bei den jungen Kollegen irgendwie unpopul\u00e4r sei. Und zwar so sehr, dass sie sich scheuen, die Zeit in der sie \u00fcber einen Fall nachdenken, auch als Arbeitszeit aufzuschreiben. Als abrechenbare Minuten f\u00fcr Mandanten. Ganz zweifelsfrei produktiv erscheine den Youngsters dagegen die Zeit, in der sie auf ihrem PC herumtippen. Der Senior hat sie dann ins Gr\u00fcbeln gebracht und gefragt: &#8222;Wisst Ihr, dass Ihr f\u00fcrs Denken bezahlt werdet &#8211; nicht f\u00fcrs Schreiben?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn nur noch Vorgesetzte denken sollen<\/strong><\/p>\n<p>Anders als die Gro\u00dfraumb\u00fcro-Verfechter, die unbeirrbar davon ausgehen, dass Mitarbeiter ausschlie\u00dflich eher etwas Handwerkliches tun, sich dar\u00fcber fr\u00f6hlich den ganzen Tag mit allen rundherum austauschen wollen und m\u00fcssen &#8211; sich aber keinesfalls konzentrieren und &#8211; ablenkungsfrei effizienzhalber &#8211; eine fehlerfreie Arbeit verrichten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dass Angestellte f\u00fcrs Denken bezahlt werden, ist nur f\u00fcr die Riege der Vorgesetzten vorgesehen &#8211; die selbst immer ihre eigenen vier B\u00fcrow\u00e4nde behalten, wenn der Rest dagradiert wird zur Massen-Mensch-Haltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Denken braucht auch schon mal\u00a0Zeit\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zum Denken. In Gespr\u00e4chen bew\u00e4hrt sich dieser Satz, wenn man erst mal \u00fcberlegen und daf\u00fcr Zeit haben will: &#8222;Jaaaaa, da muss man mal dr\u00fcber nachdenken.&#8220; Das sieht das Gegen\u00fcber ein.<\/p>\n<p>Meine Freundin, die als Produktionsleiterin beim Film arbeitet, erz\u00e4hlte schon vor Jahren mit tiefer Bewunderung von einer Kollegin, die sich erkl\u00e4rtermassen\u00a0Zeit nahm zum Nachdenken. &#8222;Daf\u00fcr brauche ich erst mal eine Auszeit&#8220; sagte die immer, wenn sie auf Anhieb noch keine L\u00f6sung hatte. Und die dauerte durchaus auch tagelang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gemeinsam nachdenken<\/strong><\/p>\n<p>Oder Sie verbl\u00fcffen Ihren Gespr\u00e4chspartner mit einem fr\u00f6hlichen &#8222;da m\u00fcssen wir mal eben gemeinsam dr\u00fcber nachdenken&#8220;. Und beginne, den Gedankengang laut zu entwickeln und den anderen miteinzubeziehen. Meist wird es dann ganz interessant. Wenn der andere seinen ersten Schreck \u00fcberwunden hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selbstgespr\u00e4ch auf dem Bewirtungsbeleg<\/strong><\/p>\n<p>Von Johannes Gross, dem renommierte Publizist und fr\u00fcheren Herausgeber der Wirtschaftsmagazine &#8222;Capital&#8220; und &#8222;impulse&#8220;, ist diese Story aus den 80er Jahren \u00fcberliefert: Gross reichte eine Bewirtungsquittung in der Spesent\u00fcte bei seinem Verlag, Gruner+Jahr, ein, bei der er als &#8222;Teilnehmenden Personen&#8220; nur das eine Wort &#8222;Selbstgespr\u00e4ch&#8220; eingesetzt hatte. Man soll es ihm ersetzt haben.<\/p>\n<p>Ich frage mich, ob so etwas heute noch passieren k\u00f6nnte, ich f\u00fcrchte: beides nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Recherchegespr\u00e4che nehmen ja pl\u00f6tzliche Wendungen und man landet gemeinsam in unerwarteten Tiefen. 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