{"id":653208,"date":"2014-06-23T01:21:47","date_gmt":"2014-06-22T23:21:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=653208"},"modified":"2014-06-23T01:21:47","modified_gmt":"2014-06-22T23:21:47","slug":"der-delegierte-war-for-talents-wie-die-unternehmen-sich-vor-bewerbern-schutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/06\/23\/der-delegierte-war-for-talents-wie-die-unternehmen-sich-vor-bewerbern-schutzen\/","title":{"rendered":"Der delegierte War for Talents: Wie die Unternehmen sich vor Bewerbern sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p>Sie st\u00fcnden im &#8222;War for Talents&#8220; t\u00f6nen die Unternehmen gerne, wenn sie gleichzeitig \u00fcber angeblich fehlenden geeigneten Nachwuchs jammern. Ihre schwierige Suche nach den kl\u00fcgsten K\u00f6pfen.<\/p>\n<p>Nein, man wolle nicht die Nerds, die nur gut pauken und ansonsten weniger gut auf die Menschheit losgelassen werden k\u00f6nnten. Deshalb gucke man gar nicht &#8211; oder gar nicht so sehr &#8211; nach den Schulnoten. Sondern danach, was ein junger Mensch ansonsten so zu bieten habe. So erz\u00e4hlte es\u00a0 mir k\u00fcrzlich der Personalchef eines weltweit t\u00e4tigen\u00a0 US-Konzerns im Brustton der \u00dcberzeugung. Etwa wenn ein 20-J\u00e4hriger Mann eine Mannschaft &#8211; in was auch immer &#8211; unterhalb der Bundesliga trainiere, sei es doch klar, dass er keine Spitzennoten auf dem Zeugnis stehen habe. Denn der komme gar nicht dazu, soviel Schulstoff zu pauken, f\u00fchrt der Personaler weiter aus. Viel zu viel Zeit gehe schon f\u00fcr das Training drauf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was irgendein Lehrer mal meinte, kann nicht der Ma\u00dfstab sein<\/strong><\/p>\n<p>Und weiter: Was irgendein Lehrer von dem Betreffenden gerade so denken w\u00fcrde und welche Note er dem mal verpasst habe, das k\u00f6nne f\u00fcr sie als Unternehmen nicht ma\u00dfgbelich sein. Denn eins sei f\u00fcr ihn als Personalprofi bei so einem Kandidaten mal ganz klar: So einer kann Menschen f\u00fchren.<\/p>\n<p>So weit so einleuchtend. Dumm ist nur eins: Die Zeit, sich ihre Bewerber anzugucken, auf solche F\u00e4higkeiten abzuklopfen, m\u00f6gen Unternehmen dann doch nicht investieren &#8211; in ihren angeblichen War for Talents. Und schon gar keine M\u00fche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was macht man aber in der Realit\u00e4t? Beispielsweise die Bewerber in Online-Formulare auf der Unternehmenswebseite lotesen &#8211; um sie alle m\u00f6glichst stromlininf\u00f6rmig und mundgerecht eingenordet zu bekommen. Um dem Bewerber klar zu machen, er ist nur einer von gaaaaanz vielen und dass f\u00fcr ihn Formulare wie beim Einwohnermeldeamt gut gerade genug seien. Und &#8211; was offenbar auch ganz praktisch ist &#8211; so manche Bewerbung derart auf den Weg gebracht, kommt nie beim Empf\u00e4nger an.<\/p>\n<p>Ein Grund d\u00fcrfte sein, dass auch die Personalabteilungen so klein gespart wurden, dass sie f\u00fcr diese Kernaufgaben keine Manpower mehr haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zu viele Bewerber<\/strong><\/p>\n<p>Denn: Bewerbungen bekommen die Unternehmen von jungen Leuten offenbar gerade in H\u00fclle und F\u00fclle. Zu viele &#8211; viel mehr als sie gebrauchen k\u00f6nnen, erz\u00e4hlt ein Vertreter einer namhaften Unternehmensberatung. Was macht man also? Man engagiert einen Dienstleister, der vorsortiert. F\u00fcr ein paar Euro je Bewerbung sortiert der dann aus. Als erstes zum Beispiel, wer sich einen Schreibfehler hat zuschulden kommen lassen. Das macht es leicht &#8211; f\u00fcr den Dienstleister.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes Auswahlkriterium kommt dann &#8211; raten Sie mal, was? Genau: &#8211; die Schulnoten dran. Siehe gegenteilige \u00dcberzeugung des Personalchefs oben. Den Dienstleister schert\u00b4s nicht, f\u00fcr den muss es schnell gehen, weil sich der Auftrag sonst nicht lohnt.<\/p>\n<p>Wie das sein kann? Klarer Fall, der Denstleister f\u00fcrs Bewerber-Vorsortieren wird pro Fall bezahlt und je schneller der Fall vom Tisch ist, umso h\u00f6her sein Profit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die gute alte Schulnote als einzig wahres Brandzeichen<\/strong><\/p>\n<p>Und logisch ist noch etwas: Warum soll der Dienstleister unn\u00f6tige Risiken eingehen und sich angreifbar machen? Wenn er mit Kriterien wie Schulnoten auf der sicheren Seite ist. Warum soll er m\u00fchsam Lebensl\u00e4ufe lesen, wenn ein gezielter Blick auf irgendeine Note ihn seine Arbeit z\u00fcgig erledigen l\u00e4sst. Leicht verdientes Geld. Und so schnell kommt auch kein Auftraggeber dahinter. Ganz abgesehen davon, dass es immer noch Schulen gibt, die besonders stolz auf ihre strengen Noten sind und andere, wo bessere Noten einfacher erreichbar sind. Wer weiss das schon, wenn er ein Bewerberzeugnis ansieht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Noch einfacher: Gar nicht erst antworten<\/strong><\/p>\n<p>Noch einfach ist nat\u00fcrlich dies, was offenbar viele Unternehmen auch ganz ohne einen Dienstleister schaffen: Gar nicht erst antworten. Die Flut der Bewerbungen einfach liegen lassen.<\/p>\n<p>Und wenn dann tat\u00e4schlich einer nachhakt oder die Bewerbung zum zweiten Mal an die Company schickt &#8211; dann hat man die Stelle zur Not eben gerade erst besetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>War against the Talents oder: Wenn schon die Personaler nicht genug wissen<\/strong><\/p>\n<p>Im Klartext: Der War of Talents ist eher ein Kampf gegen die Talente und die gr\u00f6\u00dfte M\u00fche, sie abzuwehren. Alles Show. Denn es wirklich ein Problem w\u00e4re, w\u00fcrde man es auch selbst anpacken und nicht wegdelegieren und schon gar nicht an einen fremden Dienstleister. Zumal: Wenn die Abteilungen in den Unternehmen doch oft klagen, die Personalabteilung kenne ihre Bed\u00fcrfnisse nicht &#8211; wie bittesch\u00f6n soll es dann ein externer Dienstleister k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Der kann im Grunde genommen gar nichts anderes machen, als nach irgendeinem Schema F gehen und braucht gar nicht erst versuchen, nach dem Tr\u00fcffel zu suchen. Wenn er gar nicht weiss, welche Tr\u00fcffel brauchbar w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Und noch einen Schritt weiter gedacht: Wenns nur nach solchen rasch ablesbaren Kriterien geht wie einer einzelnen Schulnote &#8211; dann braucht man gar keinen teuren Dienstleister. Dann tut\u00b4s auch ein Praktikant. Selbst wenn der eines Tages Mindestlohn bekommen sollte.<\/p>\n<p>Und der hat sogar noch einen Vorteil: Der kann die Fachabteilung nach ihrer Meinung fragen.<\/p>\n<p>Und noch eine Frage stelle ich mir am Ende: Wenn alle Bewerber nach Bewerbertrainings und dergleichen versuchen m\u00fcssen, m\u00f6glichst geklont und standardisiert daher zu kommen, weil die Unternehmen es genau so wollen &#8211; was hat das Ganze noch f\u00fcr einen Sinn, wenn am Ende alle gleich aussehen? Ist auch das vielleicht ein &#8211; hausgemachter &#8211; Grund, warum man verzweifelt nach ausgerechnet Schulnoten guckt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie st\u00fcnden im &#8222;War for Talents&#8220; t\u00f6nen die Unternehmen gerne, wenn sie gleichzeitig \u00fcber angeblich fehlenden geeigneten Nachwuchs jammern. Ihre schwierige Suche nach den kl\u00fcgsten K\u00f6pfen. 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