{"id":652532,"date":"2014-04-20T01:42:09","date_gmt":"2014-04-19T23:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652532"},"modified":"2014-04-27T23:15:28","modified_gmt":"2014-04-27T21:15:28","slug":"ahnungslose-parfumerieverkauferinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/04\/20\/ahnungslose-parfumerieverkauferinnen\/","title":{"rendered":"Ahnungslose Parf\u00fcmerieverk\u00e4uferinnen"},"content":{"rendered":"<p>Verk\u00e4uferinnen in Parf\u00fcmerien haben immer weniger Produktkenntnisse. Das Niveau habe sich im vergangenen Jahr erschreckend verschlechtert. Mehr noch: &#8222;Oft sind die Konsumenten besser informiert als die Fachverk\u00e4uferinnen&#8220;, attackierte Stephan Seidel, der Pr\u00e4sident des VKE &#8211; dem Verband der Kosmetikhersteller &#8211; und Deutschland-Chef von Clarins, Parf\u00fcmerien wie Douglas &amp; Co.<\/p>\n<p>Die Ursache des Dilemmas: &#8222;Die Personaleinsparungen der H\u00e4ndler &#8211; qualitativ wie quantitativ &#8211; sind dramatisch.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Freundlich, aber inkompetent &#8211; kein Ausnahmefall<\/strong><\/p>\n<p>Die Parf\u00fcmerien sind da eher typisch, denn eine Ausnahme. Kompetente Ausk\u00fcnfte gibts am ehesten von Mitarbeitern jenseites der 50 &#8211; diejenigen, die &#8211; weil teurer &#8211; als erstes Opfer von Einsparungen sind. Egal ob sie besser beraten und verkaufen k\u00f6nnen oder nicht. Wer Samstags ein Handy samt kompliziertem Tarif oder einfach nur eine Hose kaufen will, kann von Gl\u00fcck sagen, wenn er nicht von freundlichen, ahnungslosen Studenten irgendetwas angedreht bekommt &#8211; nur nicht das, was er braucht.<\/p>\n<div id=\"attachment_652534\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652534\" class=\"size-medium wp-image-652534\" alt=\"Stephan Seidel, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Clarins und VKE-Pr\u00e4sident (r.), VKE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Martin Ruppmann (l.)\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/seidler-300x224.jpg\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/seidler-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/seidler-400x300.jpg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/seidler.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-652534\" class=\"wp-caption-text\">Stephan Seidel, Chef von Clarins und VKE-Pr\u00e4sident (r.), VKE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Martin Ruppmann (l.) bei der Wirtschaftspressekonferenz 2014<\/p><\/div>\n<p>Ein Teil des Personalabbaus &#8211; zumindest in der Parf\u00fcmeriezunft &#8211; geht auf das Konto der Produktf\u00e4lscher: Immerhin gingen durch die F\u00e4lscher &#8211; meist im Ausland &#8211; 30.000 bis 40.000 Arbeitspl\u00e4tze gehen hier in Deutschland dadurch verloren, erg\u00e4nzt Martin Rupppmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VKE. \u00dcber eine Million gef\u00e4lschte Kosmetikprodukte hat der deutsche Zoll im vergangenen Jahr beschlagnahmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kosmetik und D\u00fcfte auf Platz eins der Markenf\u00e4lschungen<\/strong><\/p>\n<p>Stand fr\u00fcher die Kosmetik auf Platz Sieben der Markenf\u00e4lschungen, so hat sie\u00b4s inzwischen auf Platz Eins gebracht. &#8222;Und mindestens nochmal so viel bleibt unentdeckt, die Dunkelziffer ist enorm&#8220;, sch\u00e4tzt Ruppmann.<\/p>\n<div id=\"attachment_641742\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-641742\" class=\"size-medium wp-image-641742\" alt=\"Original und F\u00e4lschung\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/08\/fotoblogjoopfaelschung-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/08\/fotoblogjoopfaelschung-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/08\/fotoblogjoopfaelschung.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-641742\" class=\"wp-caption-text\">Original und F\u00e4lschung<\/p><\/div>\n<p>Urlaubern werden in Griechenland und der T\u00fcrkei alle m\u00f6glichen Plagiate billig angeboten. Oder im Internet, billiger eben als zum offiziellen Verkaufspreis, selbst bei Amazon-Shops gebe es keine Garantie. Ausnahme: Beil wem als Fachh\u00e4ndler ein Echtheits-Siegel des VKE prangt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Statt hochwertiger Cremes: Urin oder Schwermetalle<\/strong><\/p>\n<p>Die P\u00e4ckchen mit Plagiaten k\u00e4men in kleinen, unauff\u00e4lligen Paketen in Schuhkartongr\u00f6\u00dfe \u00fcber die Grenze &#8211; oft aus Osteuropa. Die F\u00e4lschungen sind inzwischen so gut, dass der Zoll die Hersteller zu Hilfe rufen muss, um festzustellen, ob\u00b4s Original oder F\u00e4lschung ist.<\/p>\n<p>Und dann m\u00fcsste man sich eben auch nicht wundern, wenn die Sonnenschutzcreme versagt, gar Verbennungen die Folge sind, weil &#8211; so erz\u00e4hlt Ruppmann &#8211; die Ingredenzien keineswegs hochwertig seien, sondern sogar Urin oder Schwermetalle darin sein k\u00f6nnten. Alles schon vorgekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2000 Euro Strafe f\u00fcr einen Schn\u00e4ppchen-Kauf am Strand<\/strong><\/p>\n<p>In Frankreich oder Italien solle man sich von keinem fliegenden H\u00e4ndler ein Plagiat eines teuren Markenprodukts andrehen lassen. Es k\u00f6nnten n\u00e4mlich &#8211; wie im Film mit Louis de Fun\u00e8s als Gendarm von St.Tropez &#8211; Polizisten aus dem n\u00e4chsten Geb\u00fcsch oder hinter einer Strandbude hervorspringen und in flagranti zuschlagen. So berichtet Seidel von einer Frau am Strand in Frankreich, die im vergangenen Sommer 2000 Euro Strafe zahlen musste. Weil sie dort eine gefakte Dior-Sonnenbrille kaufte. &#8222;Den Franzosen haben wir in dem Punkt viel zu verdanken, die haben auf EU-Ebene viel Druck ausge\u00fcbt&#8220;, sagt Ruppmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Strafen f\u00fcr erwischte Konsumenten sind hierzulande nicht so hoch wie in Frankreich oder Italien &#8211; es sei denn, man kauft gleich zwei und verkauft die zweite gef\u00e4lschte Dior-Sonnenbrille weiter. Das ist dann gewerblich und wird richtig teuer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_652533\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652533\" class=\"size-medium wp-image-652533\" alt=\"Martin Ruppmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VKE-Kosmetikverbands\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/ruppmann1-300x224.jpg\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/ruppmann1-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/ruppmann1-400x300.jpg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/ruppmann1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-652533\" class=\"wp-caption-text\">Martin Ruppmann, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VKE-Kosmetikverbands<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Groko droht F\u00e4lschern Haftstrafen an <\/strong><\/p>\n<p>Auch bei deutschen Politikern ist das Problem inzwischen angekommen. Der GroKo sind Seidel und Ruppmann dankbar: Waren die deutsche Gesetze bislang zahnlose Tiger und kaum ein T\u00e4ter wurde mal verurteilt, so gebe es jetzt erstmals die Androhung von Haftstrafen &#8211; auch wenn es nur drei Monate sind, aber immerhin. &#8222;Bisher passierte nichts, so dass dies ein erster Schritt ist&#8220;, bilanziert Ruppmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Internet-Plattformbetreiber in der Pflicht<\/strong><\/p>\n<p>Ebenso wie die neue Haftung der Internet-Plattformen: Neuerdings sind die Betreiber verpflichtet, selbst gegen Anbieter von Fakes vorzugehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Produktionsverbot f\u00fcr Chanel No 5\u00a0 dem Allergikerschutz zuliebe?<\/strong><\/p>\n<p>Merkw\u00fcrdigkeiten drohen indes von der EU: Um auch den letzten Allergiker vor Ingredenzien in Parf\u00fcms und Kosmetik zu sch\u00fctzen, gen\u00fcgen nicht etwa Deklarierungspflichten, sondern es drohen gleich Produktionsverbote. Seidel vergleicht: &#8222;Chanel No. 5 h\u00e4tte es unter den Bedingungen nie gegeben &#8211; wenn das kommt, was die Kommission plant.&#8220; Bislang m\u00fcssten die Hersteller 26 Inhaltsstoffe deklarieren &#8211; was nicht hiesse, dass sie irgendwie bedenklich oder gef\u00e4hrlich seien.<\/p>\n<p>Danach m\u00fcsste Erdnussbutter bald ganz oben auf der Produktions-Verbotsliste der EU-Politiker stehen, weil sie f\u00fcr Nuss-Allergiker richtig lebensbedrohlich ist. Oder Nussschokolade. B\u00e4cker d\u00fcrfen dann vielleicht keine Nussecken mehr anbieten und an Pecan-Nusseis ist gar nicht mehr zu denken.<\/p>\n<p>Oder noch weiter gedacht: M\u00fcssen Menschen mit Lactoseunvertr\u00e4glichkeit dann gesch\u00fctzt werden, indem man Milch verbietet?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verk\u00e4uferinnen in Parf\u00fcmerien haben immer weniger Produktkenntnisse. Das Niveau habe sich im vergangenen Jahr erschreckend verschlechtert. 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