{"id":652360,"date":"2014-04-06T19:35:46","date_gmt":"2014-04-06T17:35:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652360"},"modified":"2014-04-06T23:59:41","modified_gmt":"2014-04-06T21:59:41","slug":"gelungener-pr-coup-mit-einer-geste-aufsichtsrat-achleitner-entschuldigt-sich-kirch-witwe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/04\/06\/gelungener-pr-coup-mit-einer-geste-aufsichtsrat-achleitner-entschuldigt-sich-kirch-witwe\/","title":{"rendered":"PR-Coup mit einer Geste: Aufsichtsrat Achleitner entschuldigt sich bei Kirch-Witwe"},"content":{"rendered":"<div id=\"Tbcrumb\">\n<div id=\"Tbcrumbinner\">\n<div>Der Zeitpunkt ist clever gew\u00e4hlt und das Presseorgan, der &#8222;Spiegel&#8220; wohl auch &#8211; ein genialer PR-Schachzug der Deutschen Bank ist heute im Netz schon mal nachzulesen bei\u00a0<a title=\"Kirch-Prozess Spiegel.online Achleitner\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bank-und-kirch-prozess-entschuldigung-bei-der-witwe-a-962803.html\" target=\"_blank\">Spiegel.online<\/a> \u00fcber managermagazin.de, M\u00fcnchner Abendzeitung, Bunte, T-Online und selbst im \u00f6sterreichischen Wirtschaftsblatt. Verteilt \u00fcber die Nachrichtenagenturen Reuters und dpa.<\/div>\n<div>\n<p><strong><em>Reuters schreibt: &#8222;Im Dauerstreit hatten die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch am Ende den l\u00e4ngeren Atem bewiesen. Das Bankhaus erkl\u00e4rte sich bereit, ihnen im Rahmen eines Vergleichs 925 Millionen Euro zu zahlen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Jetzt ist der Deutsche Branchenprimus offenbar auf die Familie zugegangen. Achleitner sagte dem &#8222;Spiegel&#8220;: &#8222;An dieser Stelle ist es mir ein Bed\u00fcrfnis zu sagen, dass es mir, unabh\u00e4ngig von der Schuldfrage, pers\u00f6nlich sehr leid tut, was Frau Kirch aufgrund dieses Verfahrens durchgemacht hat.&#8220; Das s\u00e4hen viele in der Bank so, f\u00fcgte er hinzu.&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Dass dieser menschliche Zug Sonntags im Netz auftaucht, ist sicher kein Zufall. Sonntags ist die Nachrichtenlage meist d\u00fcnn, da dringt diese Nachricht eher durch als unter der Woche.<\/p>\n<p>Dann zeigt diesen Zug ausgerechnet Paul Achleitner, der jetzt wie eine Art Grandsigneur wirkt und ansonsten als Aufsichtsrat im Teilzeitjob Controller der beiden Deutsche-Bank-Vorstandschefs ist, die ja selbst in der Schusslinie von Staatsanwaltschaft und \u00d6ffentlichkeit stehen. Jedenfalls hatten die zwei schon an Honorigkeit eingeb\u00fc\u00dft in den Augen der \u00d6ffentlichkeit und h\u00e4tten diesen Part einer Entschuldigung nicht so gut \u00fcbernehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Wegen etlicher Gerichtsprozesse muss die Deutsche Bank hohe R\u00fcckstellungen bilden, immer wieder entstand der Eindruck, dass man es mit der Einhaltung von Recht und Gesetz nicht \u00fcbertrieben genau nahm.<\/p>\n<p>Achleitner hat sich als Gesicht der Bank in der \u00d6ffentlichkeit und in der ganzen Gemengelage um den Fall Kirch jedoch bisher noch nicht im Medien-Spiel positioniert. Auf ihn sind die PR-Strategen (er die wohl waren, frage ich mich), vermutlich genau deshalb verfallen.<\/p>\n<p>Aufsichtsratschef Achleitner entschuldigt sich \u00f6ffentlich und gekonnt &#8211; ohne Schuld einzur\u00e4umen: Er sagt ausdr\u00fccklich &#8222;unabh\u00e4ngig von der Schuldfrage&#8220;. Also einfach mal so? Nein, weil Frau Kirch aufgrund dieses Verfahrens &#8222;viel durchgemacht&#8220; hat, wie er betont.<\/p>\n<p>Von den anderen Kirch-Erben keine Rede, auch d\u00fcrften ja gelitten haben. Aber die Witwe als Adressat macht sich einfach gut in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>Keine Ansage \u00fcbrigens, warum Achleitner gerade jetzt diesen Schritt tut. Warum er gerade jetzt nach 13 Jahren, so lange l\u00e4uft der Fall schon, ein Einsehen hat &#8211; aber halt, eigentlich ist es ja auch gar kein Schritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entschuldigungen sind Gesten &#8211; nicht mehr und nicht weniger<\/strong><\/p>\n<p>Eine Entschuldigung, zumal so \u00f6ffentlich, ist ein gesellschaftliches Ritual, \u00fcbrigens das leider auch unabh\u00e4ngig vom Kirch-Fall total aus der Mode gekommen ist.<\/p>\n<p>Wenn nun gerade die PR-Strategen diese Geste wieder einf\u00fchren sollten, soll\u00b4s recht sein.<\/p>\n<p>Aber mehr ist sie eben auch nicht. Sie kostet nichts. R\u00e4umt in diesem Fall auch nix ein, aber sie soll ganz offenbar die Herzen der Zuschauer, Leser, H\u00f6rer, Beobachter gewinnen.<\/p>\n<p>Noch perfekter w\u00e4re die \u00dcbergabe von einem gro\u00dfen Blumenstrauss gewesen oder irgendetwas anderem Plakatives.<\/p>\n<p>Ob die Witwe Kirch das mitgemacht h\u00e4tte? Oder haben ihr die Deutsch-Banker schon ohnehin Blumen und Pralinen geschickt? Und den anderen aus der Familie auch? Wer wei\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die verlorene Ehre der Banker<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber diese Aktion hat noch noch das Zeug f\u00fcr noch mehr:<\/p>\n<p>Paul Achleitner sagte &#8222;Das sehen viele in der Bank so&#8220;.<\/p>\n<p>Denn auch er wei\u00df, wie der Ruf der Banker gelitten hat, die auch als normale Angestellte manchmal auf Parties heute ihren wahren Beruf sogar verleugnen. Die Botschaft ist also: Auch die Normalo-Banker sind ja eigentlich ganz anders. Auch sie sind Menschen, will er wohl sagen. Und damit deren Image auf etwas aufpolieren.<\/p>\n<p><a title=\"Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Achleitner Kirch-Witwe\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bank-und-kirch-prozess-entschuldigung-bei-der-witwe-a-962803.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/deutsche-bank-und-kirch-prozess-entschuldigung-bei-der-witwe-a-962803.html<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div><a title=\"T-Online Achleitner entschuldigt sich bei Kirch-Witwe\" href=\"http:\/\/www.t-online.de\/wirtschaft\/unternehmen\/id_68859744\/deutschen-bank-paul-achleitner-entschuldigt-sich-bei-kirch-witwe.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.t-online.de\/wirtschaft\/unternehmen\/id_68859744\/deutschen-bank-paul-achleitner-entschuldigt-sich-bei-kirch-witwe.html<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>PR-Nebenwirkung<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Aber der PR-Schachzug ist noch gar nicht zu Ende, sondern soll noch eine zweite Fliege mit einer Klatsche schlagen:<\/div>\n<div><\/div>\n<div>So schreibt die Nachrichtenagentur Reuters:<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>&#8220; Achleitner stellte sich im &#8222;Spiegel&#8220; vor Fitschen und Leithner. &#8222;Wir stehen loyal zu unseren Mitarbeitern. Es gilt in diesem Lande immer noch die Unschuldsvermutung.&#8220; Alle Beschuldigten haben die Vorw\u00fcrfe der Staatsanwaltschaft zur\u00fcckgewiesen. &#8222;<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Will hei\u00dfen: Wir sind gute Arbeitgeber. Wir lassen unsere Leute nicht fallen, wenn\u00b4s brenzlig wird. Wir erbringen kein Bauernopfer, sondern stehen zu unseren Leuten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Gute Arbeitgeber<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und was ist dies f\u00fcr eine Botschaft? Manager sollen weiterhin die Deutsche Bank f\u00fcr einen attraktiven Arbeitgeber halten, denn die Company ist loyal zu ihren Leuten.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Um als gute Arbeitgeber dazustehen, tun Unternehmen heute eine ganze Menge. Sonst g\u00e4be es auch nicht die diversen Beste-Arbeitgeber-Rankings.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Er erinnert an die gesetzliche Unschuldsvermutung<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und Achleitner sagt weiter: &#8222;In diesem Land gilt die Unschuldsvermutung&#8220; &#8211; also nicht, `wir die Bank\u00b4 halten unsere Leute f\u00fcr unschuldig.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Sondern er appelliert an andere: Sie liebe Leser, Betrachter undsoweiter sollen unsere Leute f\u00fcr unschuldig halten, bis gekl\u00e4rt ist, wer die Schuld hat.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Achleitner und die Aufsichtsratshaftung\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und noch etwas sagt Achleitner &#8211; und das ist \u00fcberhaupt nicht mehr uneigenn\u00fctzig:<\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>&#8222;Achleitner sagte dem &#8222;Spiegel&#8220;, der Aufsichtsrat besch\u00e4ftige sich sehr gewissenhaft mit der Frage, Breuer in Regress zu nehmen.&#8220; (Reuters)<\/strong><\/div>\n<div><a title=\"Reuters Achleitner Deutsche Bank Kirch\" href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/topNews\/idDEBEEA3502L20140406\" target=\"_blank\">http:\/\/de.reuters.com\/article\/topNews\/idDEBEEA3502L20140406<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Wenn der Aufsichtsrat nicht selbst in die Haftung genommen werden will, muss er den Ex-Vorstand Breuer verfolgen und gegebenenfalls von ihm Schadenersatz verlangen.<\/div>\n<div>Das sagen Managerhaftungsexperten schon lange, handelt es sich doch um seine Rechtspflicht.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><a title=\"Michael Hendricks D&amp;O Managerhaftung WiWo-Interview Breuer Kirch Deutsche Bank\" href=\"http:\/\/www.hendricks-gruppe.de\/fileadmin\/Hendricks-Redaktion\/pdf\/wie-der-ochs-vom-berg-michael-hendricks-wiwo.pdf\" target=\"_blank\">http:\/\/www.hendricks-gruppe.de\/fileadmin\/Hendricks-Redaktion\/pdf\/wie-der-ochs-vom-berg-michael-hendricks-wiwo.pdf<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Und wenn Achleitner gegen diese Pflicht verst\u00f6\u00dft &#8211; zu pr\u00fcfen, ob der Aufsichtsrat den Ex-Vorstand Breuer auf Schadenersatz verklagen muss -. ist das n\u00e4mlich gegen\u00fcber der AG ein wiederum schadenersatzpflichtiger Managementfehler.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Siehe Wirtschaftswoche-Artikel Dezember 2013:<\/strong><\/div>\n<div><a title=\"Schadenersatz von den Managern D&amp;O\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/12\/17\/schadenersatzforderungen-wenn-manager-ihre-vorganger-verklagen\/\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/12\/17\/schadenersatzforderungen-wenn-manager-ihre-vorganger-verklagen\/<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong>Und Abendzeitung &#8222;Deutsche Bank steht zu F\u00fchrungsduo&#8220;:<\/strong><\/div>\n<div><a title=\"Abendzeitung Deutsche Bank Achleitner Fitschen\" href=\"http:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/inhalt.banken-deutsche-bank-steht-zu-fuehrungsduo-fitschen-jain.c855efd9-3db2-42c1-86f1-458ea1a2ed89.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/inhalt.banken-deutsche-bank-steht-zu-fuehrungsduo-fitschen-jain.c855efd9-3db2-42c1-86f1-458ea1a2ed89.html<\/a><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zeitpunkt ist clever gew\u00e4hlt und das Presseorgan, der &#8222;Spiegel&#8220; wohl auch &#8211; ein genialer PR-Schachzug der Deutschen Bank ist heute im Netz schon mal nachzulesen bei\u00a0Spiegel.online \u00fcber managermagazin.de, M\u00fcnchner Abendzeitung, Bunte, T-Online und selbst im \u00f6sterreichischen Wirtschaftsblatt. Verteilt \u00fcber &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/04\/06\/gelungener-pr-coup-mit-einer-geste-aufsichtsrat-achleitner-entschuldigt-sich-kirch-witwe\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3301,3300,246,271,3302,3281,736,1362,3299,868,1883,944],"class_list":["post-652360","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-aktengesetz","tag-breuer","tag-do","tag-deutsche-bank","tag-entschuldigung","tag-kirch","tag-managerhaftung","tag-michael-hendricks","tag-paul-achleitner","tag-pr","tag-pr-strategie","tag-schadenersatz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652360","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652360"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652360\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652360"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652360"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652360"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}