{"id":652349,"date":"2014-04-07T22:59:06","date_gmt":"2014-04-07T20:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652349"},"modified":"2014-04-09T01:15:11","modified_gmt":"2014-04-08T23:15:11","slug":"die-anglizismen-sind-gar-keine-bedrohung-fur-die-deutsche-sprache-sagt-sprachprofessor-eisenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/04\/07\/die-anglizismen-sind-gar-keine-bedrohung-fur-die-deutsche-sprache-sagt-sprachprofessor-eisenberg\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Anglizismen sind gar keine Bedrohung f\u00fcr die deutsche Sprache&#8220; sagt Sprachprofessor Eisenberg"},"content":{"rendered":"<div>\n<p align=\"center\">.<\/p>\n<p align=\"center\">.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>\u201eAlles, auch Hochdeutsch \u2013 wie zukunftsf\u00e4hig ist unsere Sprache?\u201c<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>von Peter Eisenberg ist Professor (em.) f\u00fcr deutsche Sprache der Gegenwart am Germanistischen Institut der Universit\u00e4t Potsdam. Am\u00a01.\u00a0April\u00a02014 hat er diesen Vortrag im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart\u00a0im Rahmen der Veranstaltungsreihe &#8222;Dialog im Museum&#8220; gehalten.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_652422\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652422\" class=\"size-medium wp-image-652422\" alt=\"Peter Eisenberg, Professor f\u00fcr Sprachen an der Universit\u00e4t Potsdam\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Prof.-Dr.-Peter-Eisenberg-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Prof.-Dr.-Peter-Eisenberg-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Prof.-Dr.-Peter-Eisenberg-450x300.jpg 450w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Prof.-Dr.-Peter-Eisenberg.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-652422\" class=\"wp-caption-text\">Peter Eisenberg, Professor f\u00fcr Sprachen an der Universit\u00e4t Potsdam<\/p><\/div>\n<p align=\"center\">Wikipedia:\u00a0<a title=\"Wikipedia \u00fcber Professor Peter Eisenberg Linguist\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Eisenberg_(Linguist)\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Eisenberg_(Linguist)<\/a><\/p>\n<p align=\"center\"><a title=\"Professor Peter Eisenberg Uni Potsdam\" href=\"http:\/\/www.uni-potsdam.de\/u\/germanistik\/ls_dgs\/pe.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.uni-potsdam.de\/u\/germanistik\/ls_dgs\/pe.htm<\/a><\/p>\n<dl class=\"wp-caption aligncenter\" id=\"attachment_652351\" style=\"width: 760px\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><\/dt>\n<\/dl>\n<p>Zun\u00e4chst f\u00e4llt mir ein, dass ein ber\u00fchmter Komiker bei einer solchen Gelegenheit gesagt h\u00e4tte: \u201eSagen Sie jetzt nichts! Sie k\u00f6nnen nur alles verderben.\u201c Aber es ist so einfach und schlagend, an dem anzukn\u00fcpfen, was der Direktor dieses Museums, Herr W\u00e4gerl gesagt hat: \u201cWenn wir verstehen wollen, warum unsere Marke so stark ist, dann k\u00f6nnen wir auch etwas f\u00fcr ihre Zukunft tun.\u201c<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen ohne weiteres f\u00fcr \u201eMarke\u201c \u201eSprache\u201c einsetzen. Mir liegt heute nur daran, Sie davon zu \u00fcberzeugen oder Ihnen ein paar Hinweise darauf zu geben, dass es um die deutsche Sprache nicht schlecht bestellt ist, sondern sehr gut. Das ist eine sehr risikoreiche Formulierung, weil wir uns als Wissenschaftler jeder Aussage, jeder Wertung enthalten. Sprachen sind, wie sie sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wir k\u00f6nnen alles au\u00dfer Hochdeutsch&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte das, obwohl es Sie vielleicht ein bisschen nervt, an einem ganz spezifischen Punkt zur Sprache bringen, n\u00e4mlich an dem Slogan, der den Titel dieser Veranstaltung gepr\u00e4gt hat: \u201eWir k\u00f6nnen alles \u2013 au\u00dfer Hochdeutsch\u201c.<\/p>\n<p>Der ist ja in verschiedener Beziehung kommentiert worden: mit H\u00e4me, er ist abgewandelt worden, er ist bewundert worden. Er gilt als genial und geh\u00f6rt zu den Spr\u00fcchen, die in den vergangenen Jahren den gr\u00f6\u00dften Bekanntheitsgrad \u00fcberhaupt erreicht haben.<\/p>\n<p>Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begr\u00fc\u00dfe Sie sehr herzlich und entschuldige mich daf\u00fcr, dass ich nun doch mit ein paar S\u00e4tzen \u00fcber diesen Spruch anfange, um Ihnen zu zeigen, was ein Sprachwissenschaftler dazu sagt. Er sagt zum Beispiel nicht: \u201eEs gibt Leute, die den Spruch sehr gern im Munde f\u00fchren.\u201c Doch wenn man genauer hinblickt, muss man sagen: \u201eWir k\u00f6nnen alles \u2013 au\u00dfer Hochdeutsch. Englisch k\u00f6nnen wir auch nicht.\u201c Und so geht das quer durch die Spr\u00fcche hindurch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Sprachwissenschaftler will nur eines wissen: Warum entfaltet dieser Slogan so eine Wirkung? Das einfachste ist: Er muss nat\u00fcrlich die Wirkung beschreiben, aber es wird ihm nicht einfallen, daraus Wertungen \u00fcber die Sprecher abzuleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob Sie wissen, woher der Spruch kommt. Im Auftrag des Landesregierung unter Ministerpr\u00e4sident Erwin Teufel hat eine Werbeagentur ihn zur Erh\u00f6hung des Bekanntheitsgrades Ihres wundersch\u00f6nen Bundeslandes erfunden. Die haben daran gearbeitet. Das sind Leute, die ein sehr gut entwickeltes Sprachgef\u00fchl haben, was die Wirkung von Sprache betrifft; das haben sie genial gemacht. Es war kein einzelner Politiker dieses Landes, der seinen Gef\u00fchlen Ausdruck verliehen hat, sondern es war ganz gezielt. Einer der Punkte, der hier von Bedeutung ist, wenn wir uns \u00fcber die ambivalente Wirkung nach beiden Seiten unterhalten, ist Provinzialit\u00e4t einerseits und Steigerung des Bekanntheitsgrades Ihres Landes und Ihrer Sprache andererseits wie auch die Erinnerung daran, dass Ihre Regionalsprache zu denen geh\u00f6rt, die ein hohes Ansehen haben k\u00f6nnen (im Gegensatz zu einigen anderen, \u00fcber die das Deutsche auch noch verf\u00fcgt).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu gibt es sehr viel zu sagen. Ein entscheidender Punkt scheint zu sein, dass man jeden Bestandteil dieses Slogans sehr wirkungsvoll ersetzen kann, und nicht nur, wenn man aus Berlin kommt: \u201eWir k\u00f6nnen alles au\u00dfer Flughafen, Sie k\u00f6nnen alles au\u00dfer Bahn\u2026\u201c \u2013 Sie sehen schon, es geht sofort los; sobald man den Spruch im Munde f\u00fchrt, wird er produktiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sprachwissenschaft m\u00f6chte verstehen, was hier passiert, und wenn wir richtig gut sind, k\u00f6nnen wir Ihnen als interessierten Sprechern auch erkl\u00e4ren, wie es dazu kommt. Jetzt m\u00f6chte ich direkt zur Sache selbst kommen, und zwar auf folgendem Wege: Ich thematisiere drei wichtige Punkte, die nur sehr teilweise etwas miteinander zu tun haben, die aber alle auf demselben Hintergrund gelesen werden.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich Ihnen einige Zahlen mitteilen, mit sehr wenig Interpretation dar\u00fcber, wie sich unsere Sprache, das Deutsche, unter den Sprachen der Erde ausnimmt, wenn man ganz\u00a0\u00e4u\u00dferlich bleibt. Im zweiten Schritt will ich etwas \u00fcber die Stellung des Deutschen in Europa sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6.000 Sprachen gibt es weltweit<\/strong><\/p>\n<p>Sie haben alle schon geh\u00f6rt, dass es ungef\u00e4hr sechstausend Sprachen auf der Erde gibt und dass wir im Augenblick jedes Jahr f\u00fcnfzig von ihnen verlieren. Von diesen sechstausend Sprachen verf\u00fcgen etwas mehr als zweitausend \u2013 2.400 ist die Obergrenze \u2013 \u00fcber die Bibel. Das hei\u00dft: Viel weniger als die H\u00e4lfte dieser Sprachen ist soweit verschriftet, dass man ein solch ziemlich kompliziertes Buch in sie \u00fcbersetzen und niederschreiben kann. Sie sehen, wie das geht, das werden nach unten immer weniger Sprachen. 1.200 Sprachen verf\u00fcgen \u00fcber ein W\u00f6rterbuch, ein W\u00f6rterbuch, das ungef\u00e4hr tausend oder mehr Eintr\u00e4ge hat. Achthundert Sprachen haben Ans\u00e4tze f\u00fcr einen Buchmarkt, das hei\u00dft in dieser Sprache geschriebene B\u00fccher werden in der Sprachgemeinschaft vertrieben.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass es eine einzige Buchhandlung geben muss. Sie werden irgendwie vertrieben, mit den Lebensmitteln oder mit den Briefmarken oder mit irgendetwas anderem. Ich finde diese Zahl eher erstaunlich hoch. Vierhundert Sprachen geh\u00f6ren nach den Kriterien der UNESCO zu den mittelfristig nicht gef\u00e4hrdeten Sprachen. Es gibt dort ein \u00e4u\u00dferliches Kriterium \u00fcber die Zahl der Sprecher: Ungef\u00e4hr eineinhalb Millionen Sprecher, die Sprache wirklich verwenden \u2013 also sie nicht nur k\u00f6nnen, sondern sie verwenden \u2013, muss eine Sprache haben. Aber das allein gen\u00fcgt nicht; es gibt einige Zusatzkriterien. Die Sprache muss als erste Sprache verwendet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehrsprachigkeit ist auf der Erde ja sehr weit verbreitet, und wenn eine Sprache zus\u00e4tzlich noch gekonnt wird, reicht das nicht; dann ist sie schon gef\u00e4hrdet.\u00a0Rund vierhundert Sprachen also \u2013 jetzt sind wir schon bei ungef\u00e4hr acht Prozent der Sprachen, die es gibt \u2013 sind nicht gef\u00e4hrdet. 350 Sprachen haben zwei oder mehr Grammatiken. Jetzt w\u00fcrde ich Ihnen gern im Anschluss an das, was Rainer Dietrich \u00fcber die Grammatik von Jacob Grimm gesagt hat, etwas \u00fcber diese Grammatiken erz\u00e4hlen, die das Deutsche hat. Einfacher ist es bei den W\u00f6rterb\u00fcchern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>300 Fremdw\u00f6rterb\u00fccher f\u00fcrs Deutsche<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Deutsche verf\u00fcgt bis 1945 \u00fcber mehr als dreihundert Fremdw\u00f6rterb\u00fccher \u2013 und wir haben achthundert Sprachen, die nur ein W\u00f6rterbuch haben; wenn \u00fcberhaupt, dann eines, oder mehr als eins. Dreihundert Sprachen werden im Elementarunterricht verwendet; das hei\u00dft diese werden nicht nur gekonnt, sie werden nicht nur gesprochen, sondern sie werden zur Unterrichtung der folgenden Generation in den Elementarschulen zum Unterricht verwendet und gelehrt, gesprochen wie auch geschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;nur 100 Sprachen sind Staatssprachen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese dreihundert Sprachen werden also alle geschrieben. Nur hundert oder weniger Sprachen werden im terti\u00e4ren Bildungswesen, also in der so genannten h\u00f6heren Bildung, verwendet. Nur ungef\u00e4hr hundert Sprachen auf der Erde sind Staatssprachen. Das ist eine sehr \u00fcberraschend geringe Zahl. Diese Zahlen sind von Experten m\u00fchsam ermittelt worden, und hier im unteren Bereich traut sich niemand, eine genaue Zahl anzugeben, schon weil sich nat\u00fcrlich die Zahl der Sprachen etwa, die im Elementarunterricht verwendet werden oder die \u00fcber eine Software verf\u00fcgen, schnell \u00e4ndern kann. Aber die Gr\u00f6\u00dfenordnung ist auf jeden Fall richtig.<\/p>\n<p>Es gibt nur zwanzig Sprachen auf der Erde, die \u00fcber neunzig Millionen Sprecher haben. Warum die Zahl \u201eneunzig Millionen\u201c hier steht, ist klar; das ist ungef\u00e4hr die Anzahl der Sprecher des Deutschen. Und nun kommt etwas ganz Kritisches, das ich dennoch sage: Dieselbe Zahl von Sprachen bezeichnen wir, wenn auch teilweise sehr leise, als \u201eUniversalsprachen\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis vor kurzem war es politisch nicht korrekt, \u00fcberhaupt so etwas zu sagen, oder Sprachen in bestimmter Hinsicht zu vergleichen. Es ist aber klar, dass die Sprachen aufgrund ihrer Geschichte und aufgrund ihrer Verwendung in einer Sprachgemeinschaft, die sich auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung von Kultur und Technik befindet, andere Verwendung hat als eine Sprache, die im Extremfall nicht verschriftet ist. Das ist ganz klar. Und wenn man sich die Sprachen der Erde daraufhin ansieht, welche von ihnen alles haben \u2013 alles, was man sich \u00fcberhaupt vorstellen kann, eine entwickelte Literatursprache, eine gesicherte Standardsprache, Soziolekte, Regionalsprachen, eine Wissenschaftssprache, Fachsprachen unterschiedlicher Art usw. \u2013, dann ist die Zahl dieser Sprachen relativ gering.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir Zeit h\u00e4tten, w\u00fcrde ich gern dar\u00fcber diskutieren, ob man einige, die Ihnen sofort einfallen, wirklich in diesem Sinne als Universalsprachen bezeichnen kann. Was \u00fcberhaupt sprachlich m\u00f6glich ist, kann man mit solchen Sprachen \u2013 abgesehen von dem, was mit ihrer Grammatik und ihrem Vokabular im Sinne der sprachlichen Relativit\u00e4t an Beschr\u00e4nkungen existiert \u2013,kann man mit diesen Sprachen auch machen, und das Deutsche geh\u00f6rt dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsch wird weltweit gelernt<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt ungef\u00e4hr ein Dutzend Sprachen, die weltweit gelernt werden, auch dazu geh\u00f6rt das Deutsche, und wir sind uns der Tatsache bewusst, wenn wir mit solchen Zahlen operieren, dass wir hier mit Promille-Angaben rechnen. Zw\u00f6lf Sprachen sind zwei Promille von sechstausend Sprachen! Das Deutsche geh\u00f6rt also zu den am meisten ausgebauten, weitl\u00e4ufig verwendeten, vielf\u00e4ltig verwendeten, sicher standardisierten, international gut vernetzten Sprachen \u2013 zu denen wiederum nur sehr wenige Sprachen auf dem Globus geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Traum: Deutsch als Weltsprache<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ich damit sagen m\u00f6chte, ist: Wer etwas sagt wie etwa Jutta Limbach, die ehemalige Pr\u00e4sidentin des Goethe-Instituts, in ihrem Buch, das sie nach der Beendigung ihres Amtes geschrieben hat: Ja, wir Deutschen, wir haben es schlecht, der Traum von Weltsprache ist ausgetr\u00e4umt\u2026 Ich wei\u00df nicht, haben Sie schon einmal davon getr\u00e4umt, dass das Deutsche eine Weltsprache sein soll? Oder es jemals war? Sehen Sie sich bei einigen unserer Nachbarsprachen die Folgen davon an, dass sie immer noch davon tr\u00e4umen, dass ihre Sprache eine Weltsprache ist. Das sind Alptr\u00e4ume, teilweise Alptr\u00e4ume. In meiner Generation habe ich es nicht erlebt, dass ein erheblicher Teil der deutschen Sprachgemeinschaft davon getr\u00e4umt hat, das Deutsche sei eine Weltsprache.\u00a0 Aber es ist eine der gro\u00dfen Sprachen und eine der am weitesten ausgebauten Sprachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsch ist nach Englisch die gr\u00f6\u00dfte Lernersprache weltweit<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was die EU betrifft, hier nur einige Fakten. Auch da wird ja viel geredet. Deutsch ist mit Abstand die gr\u00f6\u00dfte Sprache in der Europ\u00e4ischen Union. Ich bin sehr oft in Frankreich; wenn ich dies am Abend einmal fallen lasse, sie glauben es mir nicht. Sie glauben es einfach nicht, dass das Deutsche \u2013 in der EU \u2013 ein Drittel mehr Sprecher hat als das Franz\u00f6sische.<\/p>\n<p>Deutsch ist nach Englisch die gr\u00f6\u00dfte Lernersprache in der EU und hat das Franz\u00f6sische \u00fcberfl\u00fcgelt. Deutsch ist die Sprache, in die weltweit am meisten \u00fcbersetzt wird. Das Deutsche verf\u00fcgt sozusagen \u00fcber eine \u201e\u00dcbersetzerriege\u201c, die sich mit jeder anderen auf der Erde messen kann. Das gilt f\u00fcr literarische \u00dcbersetzungen genauso wie f\u00fcr wissenschaftliche \u00dcbersetzungen, f\u00fcr \u00dcbersetzungen in der Technik und so weiter. Nach dem Deutschen kommt \u00fcbrigens an zweiter Stelle mit gro\u00dfem Abstand nicht das Englische, sondern das Spanische. Es gibt keine verl\u00e4sslichen Zahlen \u00fcber die Dichte der Medien, der Printmedien, aber das Deutsche geh\u00f6rt auf jeden Fall zu den Sprachen mit der \u2013 immer noch \u2013 allergr\u00f6\u00dften Printmediendichte, das hei\u00dft mit f\u00fcnfzehn Millionen Lesern t\u00e4glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>100.000 Buchtitel auf deutsch &#8211; pro Jahr<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Wende waren es mehr, da waren es 18,5 bis 19\u00a0Millionen. Wenn wir uns nicht etwas \u00fcberlegen, wird diese Zahl weiter zur\u00fcckgehen. Im Augenblick aber ist es tats\u00e4chlich so, dass wir \u00fcber dieses riesige Reservoir an Printmedien verf\u00fcgen. Im Deutschen werden jedes Jahr \u00fcber hunderttausend Buchtitel ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Wenn man also \u00fcber Sprache spricht und sagt: \u00fcbermorgen sei sie tot, sie w\u00fcrde vom Englischen \u00fcberrannt, sie werde von ihren Sprechern nicht geliebt, sie verkomme zur Freizeitsprache, ihr Knochenbau sei bereits faul\u2026 \u201eMachen wir uns nichts vor, es geht bergab mit der deutschen Sprache!\u201c Das sagt der Nestor der deutschen Journalistenausbildung, Wolf Schneider. Die deutsche Sprache sei in ihrem Tiefencode besch\u00e4digt. Sie habe keine Kraft zur Assimilation. Eine Sprache, die nicht assimilationsf\u00e4hig f\u00fcr Fremdes ist, sei eine tote Sprache \u2013 das sagt der langj\u00e4hrige Chef des Feuilletons der <i>ZEIT.<\/i> Aber wir verf\u00fcgen nat\u00fcrlich \u00fcber so etwas. Es gibt eine Horrorsammlung von solchen Aussagen \u00fcber die deutsche Sprache, dass man sich manchmal wundert, dass sie nicht einfach zusammengest\u00fcrzt ist, wenn man aufwacht.<\/p>\n<div id=\"attachment_652351\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652351\" class=\"size-medium wp-image-652351\" alt=\" Sprachprofessor Peter Eisenberg im Rahmen der Veranstaltungsreihe &quot;Dialog im Museum&quot;\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Daimler.stiftung.2.eisenberg-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Daimler.stiftung.2.eisenberg-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Daimler.stiftung.2.eisenberg-450x300.jpg 450w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/Daimler.stiftung.2.eisenberg.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-652351\" class=\"wp-caption-text\"><br \/>Sprachprofessor Peter Eisenberg im Rahmen der Veranstaltungsreihe &#8222;Dialog im Museum&#8220;<\/p><\/div>\n<dl class=\"wp-caption aligncenter\" id=\"attachment_652351\" style=\"width: 310px\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\"><\/dd>\n<\/dl>\n<p><strong>Die S\u00fcnde, sich nicht um unsere Sprache zu k\u00fcmmern<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch in aller K\u00fcrze auf die Idee zu sprechen kommen, die ich hier vertrete: \u201eLieben Sie Ihre Sprache?\u201c \u2013 Sie haben keine andere, Sie kriegen keine andere, und wir m\u00fcssen uns um sie k\u00fcmmern, denn wenn wir uns nicht um sie k\u00fcmmern, begehen wir eine S\u00fcnde, die ihr tats\u00e4chlich irgendwann einmal schaden kann. Darauf komme ich nachher noch zu sprechen.<\/p>\n<p>Das erste sind die Anglizismen. Die Anglizismen sind ein Reizthema allererster G\u00fcte. Man liest immer wieder, das Deutsche habe \u00fcber siebentausend \u00fcberfl\u00fcssige Anglizismen, die deutsche Grammatik werde durch die Anglizismen zerst\u00f6rt, die Anglizismen f\u00e4nden sich in der deutschen Sprache nicht zurecht. Wir wissen nicht, ob wir \u201egedownloadet\u201c sagen sollen oder \u201edowngeloadet\u201c\u2026 und jetzt fragen Sie sich mal, ob Sie \u201egestaubsaugt\u201c oder \u201estaubgesaugt\u201c sagen m\u00fcssen, oder \u201egebauspart\u201c oder \u201ebaugespart\u201c undsoweiter.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, wir sehen es auf diesem Gebiet Probleme, die gar nichts mit Anglizismen zu tun haben. Das wei\u00df der Grammatiker, und er m\u00f6chte gern, dass alle es wissen und dass alle, oder so gut wie alle, solchen Unsinn einfach nicht glauben. Das ist eben sprachwissenschaftliche Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<div id=\"attachment_652352\" style=\"width: 760px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652352\" class=\"size-full wp-image-652352\" alt=\"Vortag...\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/daimler.stiftung.3.jpg\" width=\"750\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/daimler.stiftung.3.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/daimler.stiftung.3-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/04\/daimler.stiftung.3-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><p id=\"caption-attachment-652352\" class=\"wp-caption-text\">Daimler-Benz-Museum, Stuttgart: &#8222;Latein hat dem Deutschen mehr geschadet als \u00a0Angliszismen&#8220;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Wortschatz der deutschen Sprache wird immer geringer? Eher nicht<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit der Union der Deutschen Wissenschaftsakademie hat die Deutsche Akademie f\u00fcr Sprache und Dichtung ein gro\u00dfes Projekt gestartet, an dem wir fast f\u00fcnf Jahre lang gearbeitet haben und das im Sp\u00e4therbst dem Publikum vorgestellt worden ist. Es hei\u00dft: \u201eErster Bericht zur Lage der deutschen Sprache\u201c, was bedrohlicherweise auf einen zweiten hinweist, \u00fcber den wir uns gerade viele Gedanken machen. Dieser \u201eErste Bericht zur Lage der deutschen Sprache\u201c geht einigen Thesen \u00fcber unsere Sprache nach, die in der \u00d6ffentlichkeit seit langem vertreten werden.<\/p>\n<p>Zu diesen Thesen geh\u00f6rt beispielsweise,<\/p>\n<p>&#8211; dass der Wortschatz des Deutschen immer geringer wird.<\/p>\n<p>Zu diesen Thesen geh\u00f6rt,<\/p>\n<p>&#8211; dass die Fremdw\u00f6rter dem Deutschen schaden (die jeweils h\u00e4ufigen sind damit gemeint).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sch\u00e4dliche Einfl\u00fcsse: erst Latein, dann Franz\u00f6sisch\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fcher war das einmal der Einfluss des Lateinischen \u2013 die Latinismen \u2013, dann war es nat\u00fcrlich der Einfluss des Franz\u00f6sischen, der ganz \u201efurchtbar sch\u00e4dlich\u201c war, heute ist es der des Englischen. Wir haben uns in einem weiteren Teilprojekt Gedanken dar\u00fcber gemacht, ob das Deutsche verarmt, was seinen Formenreichtum angeht, und schlie\u00dflich, ob es im Nominalstil erstarrt.<\/p>\n<p>Ich selbst habe das Projekt zu den Anglizismen geleitet und m\u00f6chte Ihnen gern ein paar Fakten dazu mitteilen, wie es um die Anglizismen im Deutschen bestellt ist. Das Deutsche \u00fcbernimmt seit dem 17.\u00a0Jahrhundert W\u00f6rter aus dem Englischen in sichtbarer Zahl. Mit unterschiedlicher Motivation hat sich die \u00dcbernahme verst\u00e4rkt. Das war zun\u00e4chst das politische System des Englischen, das uns zum Vorbild gereicht hat, dann im 19.\u00a0Jahrhundert nat\u00fcrlich die Technik \u2013 denken Sie an das Eisenbahnwesen, nicht an die Automobiltechnik, und an viele weitere Bereiche der Technik. Von dort wurde viel aus dem Englischen auf interessante Weise \u00fcber das Franz\u00f6sische entlehnt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts war Englisch die Sprache der feinen Leute und hat das Franz\u00f6sische auf diesem Gebiet abgel\u00f6st \u2013 aufgrund der bekannten Probleme zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich. Die B\u00fcrger haben ihre T\u00f6chter zur Erziehung nach England geschickt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Flut der Anglizismen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann kam die Flut: Wir haben zehn Millionen Textw\u00f6rter in Texten der geschriebenen deutschen Standardsprache zu Beginn des 20.\u00a0Jahrhunderts. Was ich im Folgenden sage, gilt alles f\u00fcr die deutsche Standardsprache; dort haben wir schon genug komplizierte Probleme und brauchen uns nicht auf die gesprochene Sprache zu st\u00fcrzen, diese ist noch wesentlich komplizierter. Wir haben also zehn Millionen Textw\u00f6rter des Standarddeutschen am Beginn des 20.\u00a0Jahrhunderts untersucht und etwas mehr am Ende des 20.\u00a0Jahrhunderts. Das rein zahlenm\u00e4\u00dfige Ergebnis sehen Sie hier; mit \u201eLemma\u201c sind einfach W\u00f6rter gemeint. Ich habe dies, so wie es hier steht, aus dem Bericht \u00fcbernommen und einige Fachbegriffe verwendet, die aber nicht beunruhigend sind. Lemma also sind die W\u00f6rter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;die dann doch keine ist<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Zeitscheibe ist um 1900 \u2013 Sie sehen, wenn Sie dies addieren, kommen Sie auf ungef\u00e4hr 1.300\u00a0Anglizismen, die wir unter dieser Menge der W\u00f6rter in diesen zehn Millionen Textw\u00f6rtern finden. Ein Jahrhundert sp\u00e4ter, das sehen Sie in der dritten Zeitscheibe, hat sich diese Zahl verzehnfacht. Die Zahl hat sich verzehnfacht, das hei\u00dft wir haben weit \u00fcber 13.000\u00a0Anglizismen in diesen Texten gefunden. Das ist ungef\u00e4hr auch das, was man sich im Allgemeinen vorstellt. Man muss eine solche Tabelle aber lesen k\u00f6nnen \u2013 wenn man sie richtig liest, dann sieht man, dass von den 1.300\u00a0Anglizismen um das Jahr 1900 nur drei mehr als zweihundert Mal vorkommen und nur f\u00fcnf ungef\u00e4hr zweihundert Mal und nur elf um die hundert Mal. Das hei\u00dft: Die Zahl der W\u00f6rter, die oft verwendet wurden, ist sehr, sehr gering. Nicht weniger als 833\u00a0Anglizismen wurden genau ein Mal verwendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H\u00e4lt man dem &#8222;Spiegel&#8220; seine Anglizismendichte vor, ist er beleidigt\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dasselbe Bild ergibt sich zu Ende des Jahrhunderts: Die Zahl der h\u00e4ufig vorkommenden Anglizismen ist nach wie vor sehr gering \u2013 wenn wir nicht Texte nehmen, das ist ein weiterer Punkt, der in der Anglizismendebatte eine gro\u00dfe Rolle spielt, in denen wir eine H\u00e4ufung von Anglizismen zu erwarten haben. Ein sch\u00f6nes Beispiel: Der &#8222;<i>Spiegel&#8220;<\/i> bringt ja alle paar Jahre ein Heft \u00fcber den Verfall des Deutschen und schreibt dann einen gro\u00dfen Horrorbericht \u00fcber die Anglizismen. Wir wissen nat\u00fcrlich, dass sich die Anglizismen im &#8222;<i>Spiegel&#8220;<\/i> sehr dicht finden, weit \u00fcber die Durchschnittstexte des Geschriebenen hinaus. Das ist erhoben worden, und wenn man dem &#8222;<i>Spiegel&#8220;<\/i> das sagt, ist er beleidigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es hat aber keinen Sinn, nach den Texten zu suchen, in denen die Anglizismen geh\u00e4uft sind und sich hinterher hinzustellen und zu sagen: Das Deutsche ist bedroht! Die Sprache des &#8222;<i>Spiegel&#8220;<\/i> ist mehrfach genau untersucht worden. Sie ist nicht identisch mit der Sprache des geschriebenen Deutschen; es ist eine ganz besondere Auspr\u00e4gung, \u00fcber die die Sprachwissenschaft viel zu sagen hat, nicht nur Gutes. Wenn man diese Tabelle also richtig liest, sieht es ganz anders aus, als man \u00fcblicherweise h\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der ersten Zeitscheibe habe ich Ihnen eine interessante Zahl hingeschrieben. Sie sehen, dass sind die Hauptwortarten. Wir entlehnen sowieso nur aus den Hauptwortarten, bevor wir eine Pr\u00e4position oder eine Konjunktion entlehnen. Beim Lateinischen gibt es das, aber beim Englischen nicht. \u00dcber 90 Prozent der Anglizismen sind Substantive. Nur drei Prozent sind Adjektive, weniger als zwei Prozent sind Verben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der dritten Zeitscheibe ist das auch nicht anders. Was bedeutet das; warum ist das so wichtig? Das ist deshalb so wichtig, weil die Substantive, was die Grammatik betrifft, ganz andere Eigenschaften haben als die Verben; nicht nur ganz andere, sondern auch qualitativ ganz andere. Gr\u00f6\u00dfere Wortsch\u00e4tze haben ungef\u00e4hr 60 Prozent Sub\u00adstantive.<\/p>\n<p>Bei den Anglizismen sind es \u00fcber 90 Prozent und daran hat sich im 20.\u00a0Jahrhundert auch nichts ge\u00e4ndert. Das Substantiv hat die einfachste Grammatik. Das Substantiv hat ein paar Attribute, es hat ein grammatisches Geschlecht, und die Anglizismen finden mit traumwandlerischer Sicherheit ihr grammatisches Geschlecht, das sie ja nicht haben, wenn sie hier ankommen, das sie aber haben m\u00fcssen, sonst k\u00f6nnen sie nicht mit einem Artikel verwendet werden. Die Anglizismen werden in die Grammatik der Substantive sozusagen eingegliedert, sie flektieren wie die anderen, da gibt es \u00fcberhaupt keine Probleme. Bei den Verben ist dies um einiges komplizierter, aber die schaffen es auch, wenn es auch manchmal l\u00e4nger dauert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Integrationsprozesse laufen beiSubstativen ganz schnell<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde Ihnen sehr gern etwas \u00fcber diese Integrationsprozesse erz\u00e4hlen. Es ist richtig interessant, wie ein Adjektiv wie \u201erecycelt\u201c zuerst geschrieben wurde, mit \u201e-ed\u201c hinten, wie das englische Partizip. Irgendwann wird es dann flektiert, und wir sagen: \u201edas recycelte Papier\u201c \u2013 schon ist das \u201e-ed\u201c weg, und das \u201et\u201c ist da. Das geht mit traumwandlerischer Sicherheit, aber es dauert eine Weile; bei den Substantiven geht es meistens ganz schnell. \u00dcber 90 Prozent also sind grammatisch von vorneherein v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich. Das ist die Grundthese, die ich in meinem Aufsatz entfalte; ich gebe Ihnen gleich noch mehr Hinweise dazu.<\/p>\n<p>Hier sehen Sie die um 1900 h\u00e4ufigsten W\u00f6rter. Es ist sehr interessant, diese mit den h\u00e4ufigsten W\u00f6rtern am Ende des 20.\u00a0Jahrhunderts zu vergleichen. Kulturpolitisch, kulturhistorisch kommt man nat\u00fcrlich ins Gr\u00fcbeln. Vielleicht tun Sie es sich mal an, die beiden miteinander zu vergleichen, aber Sie k\u00f6nnen sich ganz gut vorstellen, warum diese W\u00f6rter so h\u00e4ufig sind. Sie sehen, das h\u00e4ufigste Substantiv kommt weit \u00fcber dreihundert Mal vor, und das h\u00e4ufigste Verb, das wir auch gar nicht erwarten, kommt gerade drei\u00dfig Mal vor.<\/p>\n<p>Sie sehen hier in der ersten Zeitscheibe eine Eigenschaft des Deutschen, die es nur mit sehr wenigen Sprachen gemeinsam hat. Wir sehen n\u00e4mlich die Kraft, die das Deutsche entwickelt, um Komposita (Zusammensetzungen) zu entwickeln. Wir haben ganz wenige Komposita, die wir um 1900 dem Englischen entnehmen, W\u00f6rter wie \u201eSelfmademan\u201c, \u201eBabysitter\u201c gab es auch schon \u2013 die haben zwei anglizistische Bestandteile. Die weitaus meisten Komposita sind so genannte \u201eHybridformen\u201c, die als ersten Bestandteil einen Anglizismus haben und als zweiten Bestandteil ein klassisches Fremdwort: \u201eJobberidee\u201c zum Beispiel. Dann gibt es das Umgekehrte: \u201eFamiliendiner\u201c. \u201eFamilie\u201c ist ja ein Latinismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorne Anglizismus und hinten das Kennwort<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als dritte gro\u00dfe Gruppe gibt es die vorn einen Anglizismus haben und hinten ein so genanntes \u201eKernwort\u201c \u2013 das ist der Kernwortschatz, der gar nichts Fremdes enth\u00e4lt, der f\u00fcr den Sprachgebrauch, das Sprachenlernen eine besondere Rolle spielt. Zu dieser Gruppe geh\u00f6ren \u201eBabystuhl\u201c oder \u201eCodewort\u201c, bei denen vorn ein Anglizismus steht. Dann gibt es wiederum das Umgekehrte: \u201eGeldtrust\u201c, \u201eRiesenbaby\u201c. Das hei\u00dft:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die meisten Anglizismen sind erst im Deutsche gebildet<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sofort f\u00e4llt das Deutsche \u00fcber die Anglizismen her und nimmt sie in diesen produktiven Prozess auf. Warum das auch theoretisch so wichtig ist: Diese Komposita, diese Zusammensetzungen, machen die Mehrheit der Anglizismen \u00fcberhaupt aus. Wir wissen: Schon zu Beginn des 20.\u00a0Jahrhunderts ist die Mehrheit unserer Anglizismen nicht entlehnt. Sie ist nicht entlehnt, sondern sie ist im Deutschen gebildet. Wenn ich das einem dieser Anglizismen-Kritiker richtig deutlich erkl\u00e4re, ger\u00e4t er vollkommen in Panik! Er will es nicht h\u00f6ren, dass die Mehrheit der Anglizismen gar nicht entlehnt ist, sondern als W\u00f6rter im Deutschen gebildet ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Universit\u00e4tspr\u00e4sident gab\u00b4s weder im Lateinischen noch im Griechischen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr Latinismen. Das Deutsche entlehnt dem Lateinischen schon lange nichts mehr oder kaum noch etwas. Fast alle neuen Latinismen und Gr\u00e4zismen sind im Deutschen gebildet, die gab es im Lateinischen gar nicht. Nehmen Sie ein Wort wie \u201eUniversit\u00e4tspr\u00e4sident\u201c \u2013 alles fremde Bestandteile. Und suchen Sie so ein Wort im Griechischen oder im Lateinischen, Sie werden nichts finden. Das Deutsche hat also schon lange die Kraft entwickelt, mit den fremden Bestandteilen selbst produktiv umzugehen. Das ist eine der ganz wichtigen Erkenntnisse, dieser Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich will Ihnen das noch an einem weiteren Beispiel aus der dritten Zeitscheibe zeigen. Sie finden dies alles in dem gro\u00dfen Papier und in dem Buch, das ich \u00fcber Fremdw\u00f6rter geschrieben habe, \u201eDas Fremdwort im Deutschen\u201c, vor zwei Jahren ver\u00f6ffentlicht. Dort ist dies alles im Einzelnen ausgef\u00fchrt. Ich glaube, man bekommt sofort eine Idee, wenn man sich einige schlagende Fakten ansieht. Hier ist die dritte Zeitscheibe; wir haben die W\u00f6rter nat\u00fcrlich hin und her gedreht, nach allen m\u00f6glichen Eigenschaften untersucht: Wie werden sie geschrieben? Wie werden sie ausgesprochen? Wo sind fremde Laute, wo sind fremde Silben? Und wo sind fremde Affixe; hier: Suffixe. Am Ende des 20.\u00a0Jahrhunderts sind das die h\u00e4ufigsten; W\u00f6rter wie \u201edam<b>age<\/b>\u201c, \u201erevolut<b>ion<\/b>\u201c, \u201estate<b>ment<\/b>\u201c \u2013 alle anderen kommen viel weniger vor. Aber dann kommen die drei h\u00e4ufigsten. Das ist: \u201e-ing\u201c (\u201ekidding\u201c), \u201e-y\u201c (\u201ebaby\u201c) und \u201e-er\u201c (\u201ecomputer\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie sehen, dass diese drei, die mit Abstand die h\u00e4ufigsten sind, alle sehr nahe Verwandte im deutschen Kernwortschatz haben. F\u00fcr \u201e-y\u201c gibt es \u201eStudi\u201c usw., das \u201e-er\u201c ist das gemeinsame historische Erbe, das kommt aus dem Lateinischen und viele Sprachen haben Derivate davon; das Deutsche kennt hier \u201eAngler\u201c und \u201eB\u00e4cker\u201c. Die Latinismen haben \u201e-or\u201c, und die Anglizismen auch das \u201e-er\u201c. Zu \u201e-ing\u201c m\u00f6chte ich etwas mehr sagen, weil man hier sch\u00f6n sieht, dass dieses Suffix inzwischen im Deutschen anders verwendet wird als im Englischen. Es ist angepasst worden und hat sehr gute Voraussetzungen dazu. Es ist etymologisch, das hei\u00dft historisch verwandt mit \u201e-ung\u201c und verh\u00e4lt sich im Prinzip ganz \u00e4hnlich wie \u201e-ung\u201c im Gegenwartsdeutschen \u2013 nur: das \u201e-ung\u201c operiert auf heimischen, also auf Kernst\u00e4mmen (wie \u201eSt\u00f6r<b>ung<\/b>\u201c, Befrei<b>ung<\/b>\u201c), und das \u201e-ing\u201c operiert auf fremden St\u00e4mmen, das ist der einzige Unterschied.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf dem sicheren Boden der geschriebenen deutschen Standardsprache<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich zeige Ihnen gleich ein paar Gruppen davon. Dann gibt es den \u00dcbergang von \u201e-ing\u201c zu \u201e-ung\u201c \u2013 aber niemals von\u00a0\u201e-ung\u201c zu \u201e-ing\u201c. Das hei\u00dft, wir haben \u201eStyl<b>ing<\/b>\u201c und h\u00f6ren inzwischen auch \u201eStyl<b>ung<\/b>\u201c. Aber wir finden niemals etwas wie \u201eSt\u00f6r<b>ung<\/b>\u201c und \u201eSt\u00f6r<b>ing<\/b>\u201c. Wir finden das schon \u2013 aber wo? Wir finden das in der Sprache der Jugend. Die haben begriffen, dass das nicht geht und treiben ihr Spiel damit. Aber wir bewegen uns aus dem sicheren Boden der geschriebenen deutschen Standardsprache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn Sie jetzt die Bedeutungsgruppen hier betrachten \u2013 ich habe drei herausgegriffen \u2013, sehen Sie, dass dieses \u201e-ing\u201c auf anglizistischen St\u00e4mmen operiert. Die obere Gruppe bezeichnet Ergebnisse von Vorg\u00e4ngen, die zweite Gruppe bezeichnet Ereignisse und die dritte etwas Konkretes, Gegenst\u00e4ndliches. Man kann das verfeinern und andere Gruppen oben draufsetzen. Sie sehen bei \u201e-ung\u201c genau dasselbe: genau dieselben Bedeutungsgruppen. Im Englischen sind sie teilweise anders, und bei vielen W\u00f6rtern auf \u201e-ing\u201c wissen wir heute gar nicht mehr, wo sie herkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei so genannten Extremsportarten ist ja \u201e-ing\u201c weit verbreitet: \u201eSlacklining\u201c, oder bei Rentnern \u201eAirsnipping\u201c. Diejenigen, die diese Begriffe bilden, interessiert es \u00fcberhaupt nicht, ob es sie im Englischen gibt und ob \u201eCanyoning\u201c zuerst im Englischen oder im Deutschen oder in anderen Sprachen da war. Das ist sehr schwer festzustellen. Es interessiert einfach nicht. Die h\u00f6chste Produktivit\u00e4t, die das Englische hat, n\u00e4mlich das englische \u201e-ing\u201c, das so genannte Progressiv, spielt bei den Anglizismen \u00fcberhaupt keine Rolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die englischen Worte werden hier einfach zu Substantiven gemacht &#8211; was es im Englischen gar nicht gibt<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was wir aber mit ihnen machen, ist etwas, was das Englische gar nicht hat: Wenn wir \u201eBabysitting\u201c haben, dann bilden wir davon den substantivierten Infinitiv \u201eBabysitten\u201c \u2013 das kann das Deutsche ganz systematisch machen. Wir haben zum Beispiel \u201edie Zerst\u00f6rung\u201c, aber wir haben auch \u201edas Zerst\u00f6ren\u201c. Das ist im Deutschen ein sehr produktiver und wichtiger Wortbildungsprozess, dieses Bilden von Substantiven und substantivierten Infinitiven. Und mit den Anglizismen machen wir das gnadenlos auch. Das Englische hat das nicht; es ist auf diesem Gebiet v\u00f6llig anders strukturiert. Das Englische macht andere Dinge mit dem Infinitiv, die wir auch machen, aber mit den Anglizismen eben nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Wir ziehen die W\u00f6rter auf \u201e-ing\u201c in die deutsche Grammatik herein. Was das Englische hier kann und tut, das interessiert die deutsche Sprache im Allgemeinen nicht. \u2013 Ein Grammatiker sagt niemals \u201enie\u201c, und er sagt auch niemals \u201eimmer\u201c, sondern er sagt immer nur: \u201eim Allgemeinen\u201c; es gibt n\u00e4mlich zu allem Ausnahmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Anglizismen sind keine Bedrohung f\u00fcr die deutsche Sprache<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Soviel also zu den Anglizismen. Die Anglizismen sind keine Bedrohung f\u00fcr die Struktur des Deutschen, was nicht hei\u00dft \u2013 das m\u00f6chte ich deutlich dazusagen \u2013 dass es keine berechtigte Kritik an der Verwendung von Anglizismen gibt. Ich rede nur \u00fcber die Sprache. Ich sage: Unsere Sprache ist in der Beziehung nicht bedroht. Etwas anderes ist \u00fcber den Sprachgebrauch zu sagen. Wenn also im Bankwesen Anglizismen in gro\u00dfer Zahl dazu verwendet wurden, um die Leute zu verwirren, dann ist dies ein sch\u00e4dlicher Gebrauch, den man mit allen Mitteln bek\u00e4mpfen sollte. Der Globalismus, die ganze Angeberei mit den <i>global players<\/i> undsowweiter geh\u00f6rt mindestens zum Teil auch dazu, die Werbung zum Teil ebenso.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da gibt es nat\u00fcrlich kritikw\u00fcrdige Verwendung von Anglizismen, die zum Teil v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich sind. (Es gibt aber auch Kernw\u00f6rter, die ganz unverst\u00e4ndlich sind, das muss man immer ber\u00fccksichtigen.) Dass diese W\u00f6rter unverst\u00e4ndlich sind, ist eine Eigenschaft, die ihnen zugeschrieben wird, die ihnen bewusst intentional beigegeben wird, zu bestimmten kommunikativen Zwecken. Das muss man kritisieren, auch als Sprachwissenschaftler, aber auch als sprachwissenschaftlicher Laie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Latein hat die deutsche Sprache viel mehr beeinflusst als das Englische<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ungem\u00fctlich werden wir Sprachwissenschaftler erst, wenn so getan wird, als w\u00fcrde die deutsche Sprache daran sterben. Rainer Dietrich hat vorhin vom \u201eSprachsystem\u201c gesprochen. Die deut\u00adsche Sprache ist vom Lateinischen viel, viel st\u00e4rker beeinflusst worden als von den Anglizismen. Der strukturelle Einfluss der Anglizismen ist bisher nahe null. Er kann nur mit allergr\u00f6\u00dfter M\u00fche \u00fcberhaupt gesehen werden \u2013 doch bei den Latinismen gibt es ganz viel Einfluss auf die deutsche Grammatik. Denken Sie nur an bestimmte Infinitivkonstruktionen wie den AcI und an die Wortbildung. Ein deutsches Kernwort ist im Allgemeinen in einen Stamm, ein Pr\u00e4fix und ein Suffix zerlegbar, zum Beispiel \u201eunkindlich\u201c. Hier hat man das freie Morphem \u201eKind\u201c, vorne ein Pr\u00e4fix, hinten ein Suffix, und nun zerlegen Sie mal so einen einfachen Latinismus wie \u201ePr\u00e4sident\u201c. Da steht vorn das Pr\u00e4fix \u201epr\u00e4-\u201c, hinten das Suffix \u201e-ent\u201c und in der Mitte das \u201e-sid-\u201c. Das ist keine zuf\u00e4llige Eigenschaft, sondern die Latinismen im Deutschen verwenden in gro\u00dfem Umfang so genannte Konfixe; das sind St\u00e4mme, die eben nicht als W\u00f6rter frei herumlaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Englische ist v\u00f6llig harmlos<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So etwas gab es vorher im Deutschen nicht; das ist ein riesiger neuer Zug, den das Lateinische ins Deutsche gebracht hat. Das Englische ist im Vergleich dazu v\u00f6llig harmlos in der Beziehung.<\/p>\n<p>Jetzt m\u00f6chte ich noch einige wenige S\u00e4tze \u00fcber Deutsch als Wissenschaftssprache sagen. Das ist ja ein Thema, das die \u00d6ffentlichkeit sehr bewegt; Sie wissen alle, dass es hier interessante Entwicklungen gibt, etwa in der Industrie, was Porsche gemacht hat und was Porsche jetzt macht. Das Deutsche war als Wissenschaftssprache eine m\u00e4chtige Sprache. Gegen Ende des 19.\u00a0Jahrhunderts, zu Beginn des 20. war das Deutsche in vielen wissenschaftlichen Disziplinen die <i>lingua franca.<\/i> Das hei\u00dft, es gab weltweit in der Wissenschaft Deutschkenntnisse, es wurde auf Deutsch publiziert, es wurde viel auf Deutsch geschrieben, manche Disziplinen waren vollkommen vom Deutschen beherrscht. Das ist vorbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und nun gibt es bei der Diskussion um Deutsch als Wissenschaftssprache zwei Diskurszweige: Der eine klagt \u00fcber diesen Verlust an internationaler Bedeutung. Das kann man stundenlang machen, aber es \u00e4ndert nichts.<\/p>\n<p>Der andere Diskurszweig behauptet, und das ist viel ernster, \u00a0das Deutsche sei als Wissenschaftssprache schon nicht mehr zu verwenden. Dem Deutschen wird also die vorhin von mir kurz angedeutete Eigenschaft, Universalsprache zu sein, bereits abgesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das deutsche System ist nicht gef\u00e4hrdet<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der konkrete Bezug, der dahintersteht, ist die Tatsache, dass wir in vielen Disziplinen schon lexikalische L\u00fccken im Deutschen haben. Ganz vorn in einigen Disziplinen gibt es Begriffsgeb\u00e4ude, die nur im Englischen existieren. Die gibt es weder im Deutschen noch im Franz\u00f6sischen, im Russischen sieht es ein bisschen anders aus. Das erste ist aber: Es trifft nicht nur das Deutsche, es trifft alle vergleichbaren Sprachen. Das zweite ist, dass, selbst wenn es solche L\u00fccken gibt, das Sprachsystem bisher nicht tangiert ist. Das Deutsche hat also immer noch die F\u00e4higkeit, alle diese Ausdr\u00fccke selbst zu bilden, wenn sie denn gebildet werden sollen. Zum allergr\u00f6\u00dften Teil sind dies Fremdw\u00f6rter \u2013 Latinismen, Gr\u00e4zismen: \u201epoly\u201c, \u201eturbo\u201c etc. \u2013 aber das Deutsche kann bisher noch alle Begriffe bilden, auch wenn es sie nicht mehr hat. Auf diesen Punkt kommt es an: Das deutsche System ist nicht gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Helfen Sprachgesetze &#8211; wie in Schweden?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotzdem stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, was wir tun k\u00f6nnen. Gestern Abend haben wir zu dritt in der Brandenburgischen Akademie, mit Wolfgang Klein und einem Mitglied der schwedischen Nobelpreis-Kommission zusammengesessen und uns dar\u00fcber unterhalten, ob man in dieser Frage weiterkommt, wenn man ein Sprachgesetz erl\u00e4sst. Das Schwedische hat ein Sprachgesetz, aber etwas v\u00f6llig anderes als die <i>Loi Toubon<\/i> im Franz\u00f6sischen. Der schwedische Kollege meinte: Versucht es doch. Ich glaube, ehrlich gesagt, dass die deutsche Sprachgemeinschaft vom letzten Eingriff des Staates in die deutsche Sprache so traumatisiert ist \u2013 das ist meine ehrliche \u00dcberzeugung \u2013, dass wir von einem Sprachgesetz besser die Finger lassen. Vorl\u00e4ufig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rektorenkonferenz: In der ersten Studiums-Phase alles auf Deutsch<\/strong><\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir tun? Diese Kultusministerkonferenz k\u00f6nnte doch auch mal etwas Vern\u00fcnftiges tun. Sie k\u00f6nnte nicht nur den Bologna-Prozess in Deutschland durchsetzen, sondern sich doch auch zu einer einfachen Ma\u00dfnahme entschlie\u00dfen, zu einer Empfehlung, der man politisch einen Nachdruck verleihen k\u00f6nnte. Ich schlie\u00dfe mich hier weitgehend, nicht ganz, an eine Forderung der Rektorenkonferenz an, die lautet so, wie es hier steht: W\u00e4hrend der ersten Phase des Studiums, egal ob es sich um das Vorphysikum oder die Zwischenpr\u00fcfung in geisteswissenschaftlichen F\u00e4chern handelt, wird die gesamte Lehre an den deutschen Universit\u00e4ten auf Deutsch veranstaltet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn Sie das durchbuchstabieren, dann sehen Sie, dass es nur Vorteile hat, dass es nichts kostet und keine Nachteile hat. Die Muttersprachler finden leichter ins Studium; die Dozenten m\u00fcssen ihre wissenschaftliche Terminologie an das Deutsche r\u00fcckbinden; Studierende anderer Muttersprachen haben Anlass, wenn sie hier das Studium beginnen, Deutsch zu lernen, was in einigen Teilen der akademischen Ausbildung schon nicht mehr der Fall ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Dialog zwischen Wissenschaft und \u00d6ffentlichkeit wird wesentlich einfacher, und dieser wird aus verschiedenen Gr\u00fcnden immer wichtiger \u2013 das ist ein sehr interessantes Thema, \u00fcber das ich gern mehr sagen w\u00fcrde. Das Deutsche bliebe so in allen Disziplinen pr\u00e4sent, wenn auch nicht unbedingt mit dem Vokabular, das die Spitzenforschung hinter den Max-Planck-Instituten verwendet \u2013 doch das Deutsche bliebe in allen Disziplinen als Wissenschaftssprache pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Ich finde, dies ist eine Forderung, die man konkret vertreten kann, wenn einem am Deutschen als einer Wissenschaftssprache gelegen ist, und sogar vertreten muss. Ich habe dies in der &#8222;<i>Frankfurter Allgemeinen Zeitung&#8220;<\/i> einmal zu Geh\u00f6r gebracht, und dann ging es gleich los: \u201eDas kann die KMK [Kultusministerkonferenz] niemals durchsetzen!\u201c \u2013 Nun, wer die Rechtschreibreform und den Bologna-Prozess durchsetzen kann, der kann das auch, wenn er will. Jedenfalls sollte sich die Wissenschaft und die \u00f6ffentliche Diskussion in so eine praktische Richtung entwickeln und nicht an der \u201eKlagemauer\u201c stehen bleiben und \u00fcber den Verlust des Deutschen an internationaler Verwendung klagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Deutsch bl\u00fchte auf als Wissenschaftssprache im Deutschen Reich<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im 19.\u00a0Jahrhundert hat sich, ganz besonders nach Gr\u00fcndung des kleindeutschen Reiches \u2013 und das muss man sich immer vor Augen f\u00fchren \u2013, die Wissenschaft mit der Technik und mit der Industrie sehr schnell entwickelt. So wurden die Kaiser-Wilhelm-Institute gegr\u00fcndet, die Vorl\u00e4ufer der Max-Planck-Institute, und das Deutsche ist als Wissenschaftssprache im Deutschen Reich aufgebl\u00fcht. Erst danach \u2013 oder deshalb \u2013 hat es seine internationale Bedeutung erlangt, nicht etwa umgekehrt. Stellen wir uns vor, das Deutsche w\u00fcrde jetzt durch die gute Hand einer Fee, die man sich gar nicht vorstellen kann, eine internationale Bedeutung erlangen. Das w\u00fcrde ihm als Wissenschaftssprache \u00fcberhaupt nicht helfen; wir w\u00fcrden ein Idiom erhalten, das mit der Sprache von Helmholtz oder Heisenberg nicht das Geringste zu tun h\u00e4tte. Das w\u00e4re etwas wie \u201ebasic simple English\u201c, und wir h\u00e4tten dar\u00fcber zu klagen, was mit dem Deutschen aufgrund seiner internationalen Verwendung gemacht wird. Dies sind ganz einfache \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nicht hinnehmbar: Schlechtes Englisch an der Uni &#8211; aus reiner Eitelkeit<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber man muss es nicht auf Dauer hinnehmen, finde ich, dass bestimmte Kreise der Hochschullehrer aus reiner Eitelkeit ein schlechtes Englisch an den Universit\u00e4ten praktizieren, das kein Student richtig versteht. Da muss man sich etwas \u00fcberlegen; meinen Vorschlag habe ich beschrieben.<\/p>\n<p>Was bedeutet diese Ma\u00dfnahme nicht? Die Wissenschaft w\u00fcrde nicht in die Provinz Deutschlands versinken; sie koppelt sich keinesfalls vom internationalen Wissenschaftsbetrieb ab. Das hei\u00dft, die Graduierten haben weiter freien Zugang. Wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich schon im Grundstudium fremd\u00ad\u00adsprachliche Lehrb\u00fccher verwenden, daran wird nicht ger\u00fcttelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ja nur gut, wenn die Studierenden schon von Anfang an franz\u00f6sische, chinesische und japanische Lehrb\u00fccher zur Kenntnis nehmen: dagegen sagt kein Mensch etwas. Doch die internationale Stellung der deutschen Wissenschaft w\u00fcrde nicht gef\u00e4hrdet, in keiner Weise. Der Zugang von Graduierten und jungen Wissenschaftlern zur deutschen Hochschule w\u00fcrde nicht erschwert. Wir haben eine sehr gro\u00dfe Zahl von ausl\u00e4ndischen graduierten jungen Wissenschaftlern und auch eine wachsende Zahl von <i>Undergraduates,<\/i> die, wenn sie m\u00fcssen, sehr schnell dabei sind, das Deutsche zu lernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Druck, Englisch sprechen zu k\u00f6nnen sinkt dadurch nicht<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und noch etwas: Der Druck zum Erwerb des Englischen wird nicht abgebaut; die deutsche Sprachgemeinschaft ist aufgerufen, das Englische besser zu beherrschen. Wir haben gestern Abend mit dem schwedischen Kollegen ausf\u00fchrlich dar\u00fcber gesprochen, dass es in Schweden eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ist, als Durchschnittssprecher einigerma\u00dfen Englisch zu sprechen. Als akademisch gebildeter Schwedischsprecher spricht und schreibt man gut Englisch. Alle kleinen Sprachen in Europa \u2013 das Schwedische hat achteinhalb Millionen Sprecher \u2013 sind auf diesem Gebiet besser als das Deutsche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denken Sie daran, wie gut die Niederl\u00e4nder oder die D\u00e4nen im Durchschnitt Englisch k\u00f6nnen; von den Finnen wollen wir gar nicht reden. Unter den gro\u00dfen Sprachen allerdings, wenn Sie nach Italien oder nach Frankreich blicken, liegt das Deutsche vorn. Unter den gro\u00dfen Sprachen ist das Deutsche neben dem Englischen am weitesten verbreitet, aber sicher nicht weit genug. Das hei\u00dft nicht, dass wir aufh\u00f6ren, Englisch zu lernen \u2013 gerade, wenn wir das Englische beherrschen, k\u00f6nnen wir uns auch dem Deutschen zuwenden, und wir sind hier auch auf einem guten Weg. \u2013 Soviel also zu diesen beiden Reizthemen.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sprachloyalit\u00e4t ist ein hohes Gut<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Schluss will ich noch einige Bemerkungen anf\u00fcgen, die noch einmal zum Anfang meines Vortrags zur\u00fcckkehren. Es ist ein sehr hohes Gut, wenn eine Sprache von ihren Sprechern gesch\u00e4tzt wird, wenn in einer Sprachgemeinschaft die Sprachloyalit\u00e4t entwickelt wird. Diese Sprachloyalit\u00e4t wird systematisch untergraben, wenn man den Deutschen erz\u00e4hlt, ihre Sprache tauge nichts, ihre Sprache sei halb tot und die Sprecher der j\u00fcngeren Generation seien noch immer traumatisiert von der Verwendung des Deutschen im Nationalsozialismus. All diese Thesen \u00fcber das Deutsche werden mit gro\u00dfer Verve in den Feuilletons \u2013 nicht nur in Berliner Lokalbl\u00e4ttern, sondern auch in &#8222;<i>S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220;<\/i> ebenso wie in der &#8222;<i>Frankfurter Allgemeinen&#8220;<\/i> und erst recht in der &#8222;<i>ZEIT&#8220;<\/i> \u2013 vertreten, und sie schaden der deutschen Sprache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn man so oft im Ausland gearbeitet hat wie ich und sich andauernd anh\u00f6ren muss, dass die Romanisten es gut haben, weil die Franzosen ihre Sprache so lieben und die Germanisten permanent mit schlechten Nachrichten aus Deutschland versorgt werden, dann wird es einem schon ein bisschen unheimlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Loyalit\u00e4t zur Sprache muss sich bessern<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber das gilt auch f\u00fcr uns hier in Deutschland. Wir haben keine andere Sprache. Keine Sprache ist gut, keine Sprache ist schlecht; alle Sprachen sind so, wie sie sind. Was man verbessern muss, ist der Sprachgebrauch, und was man verbessern kann und verbessern sollte, ist die Loyalit\u00e4t der Sprecher zu ihrer Sprache. Ich will gar nicht davon tr\u00e4umen, dass Sie das Deutsche lieben\u2026 aber das Deutsch ist schon eine ganz, ganz tolle Sprache! Genauso toll wie das Franz\u00f6sische und genauso toll wie die indigenen Sprachen in Australien. \u2013 Vielen Dank!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>\u00a0Peter-Eisenberg-Vortrag auf youtube<\/strong>:\u00a0<strong><a title=\"Eisenberg-Vortrag auf youtube\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K4O5GA154e4\" target=\"_blank\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K4O5GA154e4<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong><strong>Wikipedia:\u00a0<a title=\"Wikipedia \u00fcber Professor Peter Eisenberg Linguist\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Eisenberg_(Linguist)\" target=\"_blank\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Peter_Eisenberg_(Linguist)<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong><\/strong><strong>Peter Eisenberg, Uni Potsdam:\u00a0<a title=\"Professor Peter Eisenberg Uni Potsdam\" href=\"http:\/\/www.uni-potsdam.de\/u\/germanistik\/ls_dgs\/pe.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.uni-potsdam.de\/u\/germanistik\/ls_dgs\/pe.htm<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vortragender: Prof. Dr. Peter Eisenberg, Universit\u00e4t Potsdam, Institut f\u00fcr Germanistik<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>. . \u201eAlles, auch Hochdeutsch \u2013 wie zukunftsf\u00e4hig ist unsere Sprache?\u201c von Peter Eisenberg ist Professor (em.) f\u00fcr deutsche Sprache der Gegenwart am Germanistischen Institut der Universit\u00e4t Potsdam. Am\u00a01.\u00a0April\u00a02014 hat er diesen Vortrag im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart\u00a0im Rahmen der Veranstaltungsreihe &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/04\/07\/die-anglizismen-sind-gar-keine-bedrohung-fur-die-deutsche-sprache-sagt-sprachprofessor-eisenberg\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3306,3307,323,3304,3305],"class_list":["post-652349","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-deutsch","tag-deutsche-sprache","tag-englisch","tag-peter-eisenstein","tag-wolf-schneider"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652349"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652349\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}