{"id":652263,"date":"2014-08-10T11:44:56","date_gmt":"2014-08-10T09:44:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652263"},"modified":"2014-08-10T15:29:46","modified_gmt":"2014-08-10T13:29:46","slug":"ein-teller-tintenfisch-salat-mit-patrick-cowden-firmen-sparen-sich-ins-nirwana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/08\/10\/ein-teller-tintenfisch-salat-mit-patrick-cowden-firmen-sparen-sich-ins-nirwana\/","title":{"rendered":"Ein Teller Tintenfisch-Salat mit Patrick Cowden:  Firmen sparen sich ins Nirwana"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Sie werden mich erkennen&#8220;, hatte Patrick Cowden am Telefon gesagt. Und nach einer Kunstpause: &#8222;An meinem breiten Grinsen&#8220;. Und so war es. Und noch leichter war es, weil er mir schon entgegenkam. Nicht nur mit einem breiten Lachen, sondern mit ausladender Geste &#8211; so freundlich, wie man eben jemand willkommen hei\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Kaum dass Cowden &#8211; er ist nicht nur Management-Coach und Buchautor, sondern auch Ex-Deutschland-Chef von Dell und Hitachi -, seinen Salat mit Tintenfisch bestellt hat, sind wir in binnen Sekunden mitten im Gespr\u00e4ch: Er beschwert sich, dass die Menschen im Arbeitsleben keine Zeit mehr f\u00fcrs Miteinander haben. \u00dcber die &#8222;\u00dcberfokussierung der Unternehmen nur auf den Profit&#8220;, dass die &#8222;Ergebnisorientierung zum Mittelpunkt wurde&#8220; und &#8222;Kostenreduktion nur eine Effizienzma\u00dfnahme&#8220; ist. Und das das ganze System an einem wesentlichen Faktor vorbeischrammt: Am Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_652264\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652264\" class=\"size-medium wp-image-652264\" alt=\"Cowden\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/cowdenpatrick-300x224.jpg\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/cowdenpatrick-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/cowdenpatrick-400x300.jpg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/cowdenpatrick.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-652264\" class=\"wp-caption-text\">Patrick Cowden, Gr\u00fcnder und Chef von Beyond-Leadership.de, Buchautor und Ex-Chef von Dell und Hitachi<\/dd>\n<dd class=\"wp-caption-dd\"><\/p><\/div>\n<p>Nun aber, nach jahrzehntelangen, immer wieder kehrenden Sparappellen, Restrukturierungsma\u00dfnahmen undsoweiter, w\u00fc\u00dfte der normale Top-Manager nun nicht mehr weiter. &#8222;Aber so lange keiner ausbricht aus der Zahlen-Manie, f\u00e4llt auch keiner auf&#8220;, urteilt Cowden.<\/p>\n<p>Cowden beobachtet, dass die Top-Manager nicht mehr weiter kommen, mit ihren bisherigen Ma\u00dfnahmen. Sie treten auf der Stelle, erz\u00e4hlt er. Wissen nicht, wie es weiter gehen soll. Und dass er noch nie geh\u00f6rt habe, dass ein Dax-Vorstand seine Malaise zugibt und einfach mal sagt: &#8222;Ich habe keine Ahnung.&#8220;\u00a0 Aber das zuzugeben, sei der Anfang des n\u00e4chsten Schritts. Einem Dax-Vorstand, den Cowden beraten sollte, verliess er deshalb schon nach der H\u00e4lfte der geplanten Zeit &#8211; ergebnislos. Der Betroffene war so verbohrt und beratungsresistent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Angst der Top-Manager vor der Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p>Was er genau meine, frage ich nach. Und da nimmt Cowden nimmt kein Blatt vor den Mund: &#8222;Die Unternehmenslenker haben Angst vor der Wahrheit&#8220;. Und dass sie keinesfalls wissen wollen, was die Belegschaft denkt. &#8222;Die Leute hassen ihre Top-Manager f\u00fcr die 18. Kostensenkung, Reduzierungs- statt Motivationsma\u00dfnahmen. &#8222;Wir m\u00fcssen das Potenzial, das da ist, reaktivieren&#8220;, heisst Cowdens L\u00f6sungvorschlag. Und er spart nicht mit Kritik: &#8222;Die Top-Manager stellen nicht einmal die Frage, ob in den Mitarbeitern das Potenzial steckt.&#8220; W\u00fcrde sich ein Dax-Kapit\u00e4n hinstellen und sagen, dass er zu seinen Kollegen steht, er alles tun w\u00fcrde, um sie &#8211; die wichtigste Ressorce &#8211; zu motivieren, alles\u00a0 tun, damit das Unternehmen die besten Leute der Branche h\u00e4tte und er ihnen das beste Arbeitsumfeld geben, h\u00e4tte derjenige die engagiertesten Mitarbeiter der ganzen Branche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber Cowdens Essen, einen Salat mit Tintenfisch, sprechen wir gar nicht mehr. Wir kommen gar nicht dazu. Doch sein Teller wird trotz der angeregten Unterhaltung leer, so dass es ihm im Basils vermutlich schmeckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_652261\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652261\" class=\"size-medium wp-image-652261\" alt=\"Tintenfisch im Basils\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/tintenfisch.jorzig.lunch_-300x224.jpg\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/tintenfisch.jorzig.lunch_-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/tintenfisch.jorzig.lunch_-400x300.jpg 400w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/tintenfisch.jorzig.lunch_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-652261\" class=\"wp-caption-text\">Salat mit Tintenfisch im Basils<\/p><\/div>\n<p>Cowdens Generalkritik: Heute werde schon optimiert, wo es sinnlos sei. Mitarbeiter lehnten Beraterhilfe ab mit dem Argument: Sie brauchten heute 30 Minuten, wof\u00fcr sie drei Minuten brauchten &#8211; und dagegen machtlos sind. &#8222;Wir sparen uns ins Nirwana, reduzieren uns aufs Nichts.&#8220; Am Ende spart man sich um die eigene Existenz. Doch wo kein Mensch mehr ist, findet keine Menschlichkeit statt &#8211; und auch keine soziale Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unattraktiver Firmenalltag &#8211; au\u00dfer f\u00fcr Top-Manager<\/strong><\/p>\n<p>Er vermisst die Tassen mit Firmenlogo, Kekse in Meetings, stattdessen gebe es nur einlagiges Toilettenpapier und die Hydrokulturpflanzen bek\u00e4men kein Wasser mehr. &#8222;Der gelebte Firmenalltag ist nicht mehr attraktiv &#8211; au\u00dfer in der Chefetage&#8220;.<\/p>\n<p>Die Call-Center de Unternehmen etwa laufen nur nach vorgegebenen Prozessen &#8211; sie k\u00f6nnen nicht tun, was sie k\u00f6nnten. Das System sei h\u00f6herwertig als der Mensch. Und das System will nicht dulden, dass eine Alternative nicht in Excel-Tabellen vorkommt. Man wolle aber so kontrollieren. Die Excel-Tabelle sage: Vertrau nicht dem Menschen.&#8220; Dabei ist gerade der gesunde Menschenverstand Herz und Kopf&#8220;, sagt der Managementprofi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die meist-geachteten Berufsbilder<\/strong><\/p>\n<p>Und dann spricht Cowden \u00fcber diese Rankings der beliebtesten Berufe. &#8222;Wer ist am meisten geachtet und respektiert?&#8220; fragt er. Und beantwortet es gleich selbst: &#8222;Der Feuerwehrmann&#8220; &#8211; und zwar in allen L\u00e4ndern weltweit. Die Pl\u00e4tze zwei bis 20 in diesen Rankings, die \u00e4ndern sich von Land zu Land. Aber wer immer oben stehe, sei der Feuerwehrmann. Warum? Weil der bereit ist, sein Leben zu geben.<\/p>\n<p>Cowden spricht nicht einfach in der Rolle des Beraters, der selbst nie in der Verantwortung war. Auch wenn er irgendwann auch mal bei der Beratung Cap Gemini war. In 30 Jahren hat er in zehn Unternehmen gearbeitet, darunter als Manager bei Bertelsmann, war jeweils Deutschland-Chef bei Dell und Hitachi &#8211; bis vor gut zwei Jahren. F\u00fcr ihn als Sohn einer Deutschen und einem amerikanischen Soldaten war die Ver\u00e4nderung zeitlebens Programm: insgesamt ist er schon 33 mal umgezogen und hat zw\u00f6lf Schulen besucht.rechnet er mir vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Stolz, gefeuert worden zu sein<\/strong><\/p>\n<p>Und dann kommt der Satz, den ich nur selten so zu h\u00f6ren bekomme: &#8222;Viermal wurde ich im Leben meinem gefeuert&#8220;, erz\u00e4hlt Cowden richtig stolz. Stolz? Genau. Weil er &#8222;nein&#8220; zu\u00a0 M\u00fctterh\u00e4usern mit ihren Reduzierungspl\u00e4nen undsoweiter sagte. Man wollte ihn mit der \u00fcblichen Sprachregelung &#8222;in gegenseitigem Einvernehmen&#8220; loswerden. Doch er konterte: &#8222;Bullshit, Ihr feuert mich trotz Rekordgewinnen.&#8220; Und nach seinem Weggang seien die Zahlen denn auch engebrochen.<\/p>\n<p>Er erinnert sich, wie ihm in seiner Manager-Zeit mal ein Europachef offen auf den Kopf zusagte: &#8222;Ich hasse es, wie Du arbeitest &#8211; aber es geht so verdammt gut, die Sache mit dem Vertrauen.&#8220; Leute wie der seien immer nur zahlenfixiert. Denen geht es ums Standardisieren der Prozesse und um Kontrolle &#8211; um sicherzustellen.<\/p>\n<p>Seine Gegenthese dazu sei: &#8222;Der Mench ist selbstmotiviert, wenn er die richtige Umgebung hat&#8220;.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><a title=\"Leadership Beyond, Patrick Cowden\" href=\"www.leadership-beyond.de\" target=\"_blank\">www.beyond-leadership.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Buchauszug von Patrick Cowdens &#8222;Neustart&#8220; im Management-Blog:<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Buchauszug, Patrick Cowden, Management-Blog, &quot;Neustart&quot;\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/11\/12\/management-autor-patrick-d-cowdens-neustart-sinnloser-optimierungswahn-bei-siemens-co-der-am-ende-milliardenschaden-auslosen-buchauszug\/\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/11\/12\/management-autor-patrick-d-cowdens-neustart-sinnloser-optimierungswahn-bei-siemens-co-der-am-ende-milliardenschaden-auslosen-buchauszug\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Sie werden mich erkennen&#8220;, hatte Patrick Cowden am Telefon gesagt. 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