{"id":652231,"date":"2014-05-06T00:35:20","date_gmt":"2014-05-05T22:35:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652231"},"modified":"2014-05-06T14:23:44","modified_gmt":"2014-05-06T12:23:44","slug":"deutsche-firmen-af-dem-ruckzug-aus-china-gastbeitrag-von-trainer-patrick-sourek","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/05\/06\/deutsche-firmen-af-dem-ruckzug-aus-china-gastbeitrag-von-trainer-patrick-sourek\/","title":{"rendered":"Deutsche Firmen auf dem R\u00fcckzug aus China &#8211; Gastbeitrag von Trainer Patrick Sourek"},"content":{"rendered":"<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong><em>Immer mehr deutsche Firmen kehren aus China zur\u00fcck &#8211; entt\u00e4uscht. Was schief l\u00e4uft, analysiert\u00a0Patrick Sourek. Er leitet\u00a0und konzipiert bei den Carl Duisberg Centren interkulturelle Trainings f\u00fcr Unternehmen, die mit China Gesch\u00e4fte machen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u00a0<\/em><\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_648924\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-648924\" class=\"size-medium wp-image-648924\" alt=\"Patrik Sourek, interkultureller Trainer und China-Experte bei den Carl Duisburg Centren\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/05\/sourek_patrik_lr-300x214.jpg\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/05\/sourek_patrik_lr-300x214.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/05\/sourek_patrik_lr.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-648924\" class=\"wp-caption-text\">Patrick Sourek, interkultureller Trainer und China-Experte bei den Carl Duisberg Centren<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Illoyale, undankbare und dialogunwillige Chinesen?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir waren v\u00f6llig \u00fcberrascht, dass mehr als die H\u00e4lfte der Belegschaft nach dem chinesischen Neujahrsfest nicht mehr zur Arbeit erschien. Dabei haben wir doch jedem Mitarbeiter seinen Obolus in einem roten Umschlag zugesteckt\u201c, sagte ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der mehr als zehn Jahren F\u00fchrungserfahrung im Ausland hatte. Mangelnde Loyalit\u00e4t der Mitarbeiter, das Gef\u00fchl der Undankbarkeit und eine oft vermisste Dialogbereitschaft nennen entt\u00e4uschte Unternehmen als h\u00e4ufigste Gr\u00fcnde f\u00fcr ein gest\u00f6rten Verh\u00e4ltnis zwischen deutschen Arbeitgebern und chinesischen Angestellten.<\/p>\n<p>Arbeitgeber, die ihre China-Aktivit\u00e4ten mittlerweile wieder herunterfahren &#8211; oder zumindest auf Eis legen -, machen dies meist wegen des Personals. \u201eSchwer zug\u00e4nglich\u201c, \u201elernresistent\u201c und \u00a0\u201eignorant\u201c sind noch die h\u00f6flichsten Adjektive, die sie anf\u00fchren.<\/p>\n<p>Bei einem Verhandlungstraining machte ein mittelst\u00e4ndischer deutscher Maschinenbauer aus dem Schw\u00e4bischen seinem \u00c4rger \u00fcber chinesische Mitarbeiter Luft: \u201eDie wollen gar nichts lernen, nur das schnelle Geld machen und dann zieht die Karawane wieder weiter.\u201c Oder: \u201eF\u00fcr eine Handvoll Reis \u00a0wechseln die chinesischen Arbeiter das Unternehmen -manchmal auch zweimal im Jahr\u201c, beschwert sich ein anderer.<\/p>\n<p>Diese und viele weitere Erfahrungen h\u00f6re ich in der interkulturellen Vor- und Nachbearbeitung immer \u00f6fter. Was ist passiert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selbstkritik? Fehlanzeige<\/strong><\/p>\n<p>Beim Blick auf\u00a0 die Entwicklung der \u00a0deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen zeigen sich drei Dekaden: Erst der Aufbruch, dann die Zeit der Goldgr\u00e4berstimmung und nun die Konsolidierung. Fast k\u00f6nnte man meinen, Zeit der Resignation w\u00e4re der bessere Titel f\u00fcr diese Epoche. Ob Google, <a title=\"Gruner &amp; Jahr China\" href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/companiesNews\/idDEBEEA1F03620140216\" target=\"_blank\">Gruner &amp; Jahr<\/a>, der Kochgeschirrhersteller <a title=\"Berndes verl\u00e4sst Asien\" href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/arnsberg\/berndes-holt-produktion-zurueck-aus-asien-id4259511.htm\" target=\"_blank\">Berndes<\/a> oder der Stofftierproduzent <a title=\"Steiff verl\u00e4sst China S\u00fcddeutsche Zeitung\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/stofftiere-steiff-verlaesst-china-der-teddy-kommt-zurueck-1.30480\" target=\"_blank\">Steiff.<\/a> Sie alle haben ihre Lektionen im Land der Mitte lernen m\u00fcssen. Manche haben sich komplett zur\u00fcckgezogen, andere holen ihre Produktion teilweise wieder zur\u00fcck &#8211; und f\u00fcr viele war diese Lektion keine Einfache. Neben einer Abk\u00fchlung der Konjunktur, b\u00fcrokratischer H\u00fcrden oder steigenden Kostendruck kommt ein Faktor h\u00e4ufig zum Tragen, der nicht gerade zu den St\u00e4rken deutscher Unternehmer geh\u00f6rt: Ein kritischer Blick auf das Selbstbild.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entwicklungshelfer-Mentalit\u00e4t ist unangebracht<\/strong><\/p>\n<p>In vielen K\u00f6pfen geistert immer noch eine gewisse Entwicklungshelfer-Mentalit\u00e4t: \u201eWenn wir nicht hier w\u00e4ren, w\u00fcrden die alle immer noch Reis anpflanzen\u201c. So der O-Ton eines deutschen Unternehmers vor vier Jahren, der in S\u00fcdchina eine Produktionsst\u00e4tte f\u00fcr Sportartikel betreibt.<\/p>\n<p>Deutlich wird daraus die Haltung vieler chinesischer Arbeiter, die nicht l\u00e4nger nur als einfache Handlanger herhalten wollen oder als billige Arbeitskr\u00e4fte die ber\u00fchmte Werkbank der Welt bedienen.<\/p>\n<p>China ist eben mehr als nur die Hard facts. Dieser lange gepflegte Dualismus zwischen Hard- und Soft facts, die nicht nur in der Budgetierung von Auslandsaktivit\u00e4ten eine sehr unterschiedliche Behandlung erfahren, macht sich auch bei den Hintergr\u00fcnden f\u00fcr einen R\u00fcckzug gro\u00dfer wie kleinerer Unternehmen aus China bemerkbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verschiedene Vorstellungen von Zeit und Qualit\u00e4t sind vorhersehbar<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sind Wechselkursschwankungen oder Rezessionen vielleicht schicksalhaft, so sind die hohe Fluktuation von Mitarbeitern, unterschiedliche Auffassungen von Qualit\u00e4t und Zeit jedenfalls kulturell vorhersehbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unvorbereitete Mitarbeiter lassen Investments in China scheitern<\/strong><\/p>\n<p>Doch sich mit diesen Ph\u00e4nomenen auseinander zu setzen \u2013 dazu sind nur die wenigsten Firmen bereit. Ursache seien meist Zeit und Geld, aber gerade am Faktor Zeit kranken viele Unternehmungen: sei es die Zeit, die f\u00fcr die Vorbereitung von Mitarbeiten zur Verf\u00fcgung steht oder die Zeit, die in den gesamten Prozess des Auslandsengagements gesteckt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine Geduld und kein Geld f\u00fcr Crashkurse in interkultureller Kommunikation<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Firmen bringen erst gar nicht die n\u00f6tige Geduld auf, allen Beteiligten zumindest einen Crashkurs in interkultureller Kommunikation mit zu geben. \u201eIrgendwie wird das schon gut gehen\u201c oder \u201edaf\u00fcr haben wir jetzt gar keine Zeit mehr \u2013 der Mitarbeiter war mehrmals im europ\u00e4ischen Ausland, der wird das schon schaukeln\u201c. Solche Zitate h\u00f6rt man immer wieder von Personalchefs oder Abteilungsleitern von Firmen spreche, die sich auf ein Engagement im Ausland vorbereiten. Doch gerade an dieser Haltung scheitern leider viele Firmen, gerade in China.<\/p>\n<p>Eine Studie, die das Beratungshaus PwC bereits vor vier Jahren unter Managern kleinerer und mittlerer Unternehmen aus dem Maschinenbau und dem Handel, zeigt, dass der Anteil interkulturell bedingten Kosten an den Gesamtkosten des Auslandsengagements nicht einmal zehn Prozent betragen. Daran d\u00fcrfte sich auch nichts ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lieber verschleiern, als Soft facts anerkennen<\/strong><\/p>\n<p>Doch ziehen sich Unternehmen dann resigniert vom chinesischen Markt zur\u00fcck, verschleiern sie das aus Angst vor Prestigeverlust. Sie sprechen von &#8222;unkalkulierbaren Risiken&#8220; statt kulturell bedingten Differenzen, weil sich keiner eingestehen will, dass geplatzte Gesch\u00e4fte und unerf\u00fcllte Erwartungen ausgerechnet mit diesen Soft facts zusammen h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Berndes:<\/strong>\u00a0<a title=\"Berndes verl\u00e4sst Asien \" href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/arnsberg\/berndes-holt-produktion-zurueck-aus-asien-id4259511.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/arnsberg\/berndes-holt-produktion-zurueck-aus-asien-id4259511.htm<\/a>l<\/p>\n<p><strong>Steiff<\/strong>: <a title=\"Steiff verl\u00e4sst China, S\u00fcddeutsche Zeitung\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/stofftiere-steiff-verlaesst-china-der-teddy-kommt-zurueck-1.30480\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/stofftiere-steiff-verlaesst-china-der-teddy-kommt-zurueck-1.30480<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gruner &amp; Jahr<\/strong>: <a title=\"Gruner &amp; Jahr China R\u00fcckzug erwogen\" href=\"http:\/\/de.reuters.com\/article\/companiesNews\/idDEBEEA1F03620140216\" target=\"_blank\">http:\/\/de.reuters.com\/article\/companiesNews\/idDEBEEA1F03620140216<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Immer mehr deutsche Firmen kehren aus China zur\u00fcck &#8211; entt\u00e4uscht. Was schief l\u00e4uft, analysiert\u00a0Patrick Sourek. Er leitet\u00a0und konzipiert bei den Carl Duisberg Centren interkulturelle Trainings f\u00fcr Unternehmen, die mit China Gesch\u00e4fte machen. \u00a0 &nbsp; Illoyale, undankbare und dialogunwillige Chinesen? &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/05\/06\/deutsche-firmen-af-dem-ruckzug-aus-china-gastbeitrag-von-trainer-patrick-sourek\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3386,2456,224,474,3385,2983,3383,3384],"class_list":["post-652231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-berndes","tag-carl-duisberg-centren","tag-china","tag-google","tag-gruner-jahr","tag-patrick-sourek","tag-ruckzug-aus-china","tag-steiff"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652231"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652231\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}