{"id":652112,"date":"2014-03-22T02:24:16","date_gmt":"2014-03-22T01:24:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652112"},"modified":"2014-03-22T02:24:16","modified_gmt":"2014-03-22T01:24:16","slug":"wer-sich-nur-uber-beruf-oder-nur-uber-familie-definiert-ist-von-gestern-gastbeitrag-uber-skandinavien-von-ex-ceo-klaus-danhamer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/03\/22\/wer-sich-nur-uber-beruf-oder-nur-uber-familie-definiert-ist-von-gestern-gastbeitrag-uber-skandinavien-von-ex-ceo-klaus-danhamer\/","title":{"rendered":"&#8222;Wer sich nur \u00fcber Beruf oder nur \u00fcber Familie definiert, ist von gestern&#8220; &#8211; Gastbeitrag \u00fcber Skandinavien von Ex-CEO Klaus Danhamer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der M\u00fcnchner Personalberater Klaus Danhamer, Ex-CEO von Manroland Nordic skizziert, was Skandinavien so besonders macht beim Thema\u00a0Familie, Frauen und Karriere.<\/strong><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<div id=\"attachment_652172\" style=\"width: 196px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652172\" class=\"size-full wp-image-652172\" alt=\"Klaus Danhamer\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/danhammer.jpg\" width=\"186\" height=\"256\" \/><p id=\"caption-attachment-652172\" class=\"wp-caption-text\">Klaus Danhamer<\/p><\/div>\n<p><strong><span style=\"color: #000000\"><i>Danhamer war bis Ende 2012 CEO des deutschen Industriekonzerns Manroland Nordic in Skandinavien und ist heute Partner bei Hunting\/Her,\u00a0<\/i><a href=\"http:\/\/www.huntingher.com\"><span style=\"color: #000000\"><i>der ersten Personalberatung, die auf Frauen spezialisiert ist<\/i><\/span><\/a><i>. <\/i><\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000\"><i>Der 56-j\u00e4hrige erz\u00e4hlt hier im Management-Blog \u00fcber seine Erfahrungen und zeigt, wie sich Kinder und Karriere in Skandinavien vereinen lassen:\u00a0\u00a0<\/i><\/span><\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&#8222;Obgleich ich bis dato auf meinen Karrierestationen schon viele Auslandseins\u00e4tze auf der Uhr habe,\u00a0 erinnere ich mich noch gut an meinen ersten Arbeitstag nach meiner Ernennung zum CEO unseres skandinavischen Tochterkonzerns. Denn: Der Tag verlief schon\u00a0 etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Bereits nach meiner obligatorischen Vorstellung bei meiner neuen Mannschaft, kurz und pr\u00e4gnant in deutscher Manier, kamen auffallend viele Fragen auch pers\u00f6nlicher Natur. Dass man sich hier direkt und hierarchie\u00fcbergreifend mit dem Vornamen anspricht, hatte ich zwar geh\u00f6rt. Doch ich empfand es zun\u00e4chst als ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stellen Sie uns doch bitte Ihre Ehefrau vor!<\/strong><\/p>\n<p>Meine Mitarbeiter interessierten sich sehr \u2013 typisch skandinavisch \u2013 nicht nur f\u00fcr meine gesch\u00e4ftlichen \u00dcberlegungen sondern auch f\u00fcr meine Familie, mein soziales Engagement und meine Freizeitaktivit\u00e4ten. Wo ich denn wohne, wann meine Familie mit nach Kopenhagen ziehe, ob meine Frau schon die Sprache erlernt und einen Arbeitsplatz gefunden h\u00e4tte, was ich gedenke, hier ehrenamtliches zu tun. Ich wurde auch mehrfach gebeten, meine Frau bald vorzustellen, denn sie wollen schon wissen, mit wem der Chef nun verheiratet ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauenanteil in der F\u00fchrung: Auch Headhunter in der Pflicht <\/strong><\/p>\n<p>Fragen, die ich so nicht erwartete. Offen angesprochen wurde auch der Wunsch, das Unternehmen nicht typisch deutsch in Befehl- und Gehorsam-Manier zu leiten, das ginge in Skandinavien einfach nicht.\u00a0 Auch unsere Personalberater mahnten zum Ma\u00dfhalten; Standesd\u00fcnkel und Anwesenheitskultur w\u00e4ren in hohem Ma\u00dfe kontraproduktiv und Flexibilit\u00e4t auf beiden Seiten gefragt.<\/p>\n<p>In der Folgezeit habe ich mich sehr schnell an die offene, intensive und direkte Art der Kommunikation gew\u00f6hnt &#8211; und sie dabei auch sch\u00e4tzen gelernt.\u00a0 Dabei empfand ich es als \u00e4u\u00dferst konstruktiv und angenehm, in gemischten Teams zu arbeiten. Unsere Frauenquote im Management lag bei etwa 30 Prozent und auch auf den Shortlists unserer Headhunter und Personalberater fanden sich stets mindestens ebenso viele Frauen wieder.<\/p>\n<p>Ein Headhunter, der &#8211; wie in Deutschland lange die Regel &#8211; ausschlie\u00dflich oder fast ausschlie\u00dflich m\u00e4nnliche Kandidaten pr\u00e4sentieren w\u00fcrde, ist in Nordic kaum vorstellbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Firmenfeste selbstverst\u00e4ndlich nur mit Lebenspartnern<\/strong><\/p>\n<p>Privates und berufliches wird oft &#8211; im positiven Sinne &#8211; vermengt, denn es erleichtert das Miteinander. Ganz wichtig sind die Firmenfeste oder Weihnachtsfeiern, die als absolutes Muss selbstverst\u00e4ndlich nur zusammen mit den Lebenspartnern der Kollegen stattfinden. Nat\u00fcrlich wollen auch die Partner der Mitarbeiter den Chef und dessen Frau pers\u00f6nlich kennen lernen und dasselbe wird von dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer erwartet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><\/b><strong>Familie und Beruf sind gleichrangig<\/strong><\/p>\n<p>Was sagen uns diese Alltagsbeispiele \u00fcber die Gesellschaft? Ganz wichtig ist f\u00fcr alle Skandinavier die Gleichrangigkeit von Beruf und Familie, dies gilt f\u00fcr M\u00e4nner ebenso wie f\u00fcr Frauen.<\/p>\n<p>Eine Ausschlie\u00dflichkeit Karriere <i>oder <\/i>Familie, wie sie bei uns in Deutschland oft vorherrscht, habe ich nirgendwo anders erlebt. Gerade die Frauen sind in Skandinavien sehr stolz auf ihre gute Ausbildung und ihre absolute Gleichberechtigung auch in finanzieller Hinsicht. Dies fordern sie nat\u00fcrlich auch ein, beruflich wie privat. Auch die M\u00e4nner wollen ganz \u00fcberwiegend am Familienleben aktiv teilnehmen und fordern auch die notwendige Zeit daf\u00fcr ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kinder und Karriere ist gemeinsame Elternsache<\/strong><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich k\u00fcmmern sich beide Elternteile gleichrangig um die Kinder. Mann bringt sie morgens in den Kindergarten, frau holt sie abends ab. Einen Platz in der Krippe oder im Kindergarten stehen ja jedem zur Verf\u00fcgung. Auffallend ist auch, dass die Anzahl der Kinder-Betreuerinnen und -Betreuer sich in etwa die Waage h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das Wort Rabenmutter existiert in Skandinavien nicht, es ist gesellschaftlich vollkommen in Ordnung, wenn beide Elternteile arbeiten und Geld verdienen.<\/p>\n<p>Es gibt weit weniger Teilzeitjobs als bei uns &#8211; und sie werden auch nicht nachgefragt.<\/p>\n<p>Als meine Frau nach Kopenhagen zog und nicht gleich einen Job hatte, sprachen Nachbarn sie darauf an und unterst\u00fctzen sie bei der Suche. Es ist einfach nicht \u00fcblich, dass sich Frauen `nur\u00b4 um Familie und Haushalt k\u00fcmmern. Das wird beiden Partnern abverlangt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>V\u00f6llig akzeptiert: Wenn F\u00fchrungsk\u00e4fte um 17 Uhr Meetings verlassen, um Kiddies abzuholen<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Selbstverst\u00e4ndnis beeinflusst die Organisation des Gesch\u00e4ftslebens: Eine Besprechung nach 16.30 Uhr ansetzen, ist kaum m\u00f6glich, da ja die Kinder von der Kinderkrippe abgeholt werden m\u00fcssen &#8211; und Kinder gibt es viele in Skandinavien. Es kommt vor, dass sich auch ein leitender Mitarbeiter um 17.00 Uhr aus einem Meeting verabschiedet, weil er zur Kinderkrippe muss, um das Kind abzuholen. Dieses ist vollkommen akzeptiert.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise kommt der Mitarbeiter dann am sp\u00e4teren Abend wieder zur\u00fcck ins B\u00fcro oder arbeitet im Home-Office weiter, wenn Dringendes zu erledigen ist. Flexibilit\u00e4t fordern und f\u00f6rdern beide Seiten. Alles ist viel offener und entspannter und meistens findet man einen Weg, beides unter einen Hut zu bringen. Am Freitag Nachmittag ab 16 Uhr schlie\u00dflich ist kaum noch jemand bei der Arbeit anzutreffen, weil die meisten dann in ihr Sommerhaus fahren, um dort das Wochenende zu verbringen. Oder man ist zum Golfspielen verabredet, Life Balance eben.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>\u00c4ltere Mitarbeiter als Bereicherung<\/strong><\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass es den bei uns weit verbreiteten Jugendwahn so in Nordeuropa nicht gibt. Ein Karrierestart mit 40 oder 50 Jahren ist deutlich \u00f6fters anzutreffen. Personalberater schlagen auch immer wieder \u00e4ltere Mitarbeiter vor. Die gesunde Mischung ist immer das Beste. Wir werden alle gl\u00fccklicherweise immer \u00e4lter, brauchen dringend erfahrene Fachkr\u00e4fte und wollen uns dann selber nicht mehr besch\u00e4ftigen, wo ist die Logik? In der Rente mit 63?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur Mitleid mit Karrieristen<\/strong><\/p>\n<p>Jemand der sich in Skandinavien ausschlie\u00dflich um seine Karriere k\u00fcmmert, wird von Gesellschaft, Vorgesetzten und Personalberatern eher mitleidig betrachtet. Ehrgeiz und Flei\u00df sind genauso wichtig wie bei uns, nur ist Verbissenheit viel seltener zu finden, ein Streben nach einem ausgeglichenen Leben und nach pers\u00f6nlicher Freiheit und Konsens ist \u00fcberall zu sp\u00fcren. Auch gibt es deutlich weniger Menschen mit Burn Out als bei uns.<\/p>\n<p>Die\u00a0D\u00e4nen sollen ja die gl\u00fccklichsten Menschen in Europa sein. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass sich ein ausbalanciertes Leben sehr positiv auf die Leistungsf\u00e4higkeit und Zufriedenheit\u00a0 auswirkt, im Beruf sowie im Privaten.<\/p>\n<p>Allein schon diese Beispiele zeigen, dass es einfach nicht ausreicht, eine gesetzliche Frauenquote f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te bestimmter Unternehmen einzuf\u00fchren und dann zu erwarten, dass sich dadurch der Frauenanteil in den F\u00fchrungspositionen grundlegend \u00e4ndert. Egal wie viele\u00a0wir Spitzenpositionen wir hierzulande mit Frauen besetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer sich nur \u00fcber Beruf oder nur \u00fcber Familie definiert, ist von gestern<\/strong><\/p>\n<p>Es m\u00fcssen sich vielmehr\u00a0 gesellschaftliche Strukturen, unsere Arbeitsorganisation und auch das Selbstverst\u00e4ndnis von Mann und Frau \u00e4ndern.\u00a0Wer sich ausschlie\u00dflich \u00fcber den Beruf oder \u00fcber die Familie definiert, ist dabei gestern. Nur wenn hier etwas geschieht, werden sich der Frauenanteil und auch die Geburtenrate\u00a0 ins Positive \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der M\u00fcnchner Personalberater Klaus Danhamer, Ex-CEO von Manroland Nordic skizziert, was Skandinavien so besonders macht beim Thema\u00a0Familie, Frauen und Karriere. \u00a0 Danhamer war bis Ende 2012 CEO des deutschen Industriekonzerns Manroland Nordic in Skandinavien und ist heute Partner bei Hunting\/Her,\u00a0der &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/03\/22\/wer-sich-nur-uber-beruf-oder-nur-uber-familie-definiert-ist-von-gestern-gastbeitrag-uber-skandinavien-von-ex-ceo-klaus-danhamer\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[365,405,428,609,3242,3244,3243],"class_list":["post-652112","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-familie","tag-frauen","tag-gastbeitrag","tag-karriere","tag-klaus-danhamer","tag-manroland-nordic","tag-skandinavien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652112"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652112\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}