{"id":652044,"date":"2014-03-24T19:47:08","date_gmt":"2014-03-24T18:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=652044"},"modified":"2014-03-25T08:47:50","modified_gmt":"2014-03-25T07:47:50","slug":"top-manager-riskieren-gefangnisstrafen-und-berufsverbot-wenn-sie-produktruckrufe-einfach-sein-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/03\/24\/top-manager-riskieren-gefangnisstrafen-und-berufsverbot-wenn-sie-produktruckrufe-einfach-sein-lassen\/","title":{"rendered":"Top-Manager riskieren Gef\u00e4ngnisstrafen und Berufsverbot, wenn sie Produktr\u00fcckrufe einfach sein lassen, warnt Thomas Klindt von Noerr"},"content":{"rendered":"<p><i>Welches\u00a0Minenfeld Top-Manager beschreiten, wenn\u00a0sie\u00a0Produktr\u00fcckrufe bleiben lassen, beschreibt Thomas Klindt, Produktr\u00fcckrufexperte und Partner bei Noerr &#8211; sei es aus Kostenspargr\u00fcnden, Angst vor Imagesch\u00e4den oder einfach Sorglosigkeit:\u00a0 <\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_652216\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-652216\" class=\"size-medium wp-image-652216\" alt=\"Thomas Klindt, Produktr\u00fcckrufexperte von Noerr\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/klindt.l\u00e4chelnd-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/klindt.l\u00e4chelnd-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2014\/03\/klindt.l\u00e4chelnd.jpg 333w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><p id=\"caption-attachment-652216\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Klindt, Produktr\u00fcckrufexperte von Noerr<\/p><\/div>\n<dl class=\"wp-caption aligncenter\" id=\"attachment_652045\" style=\"width: 234px\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><strong>\u00a0<\/strong><\/dt>\n<\/dl>\n<p><strong>Produktr\u00fcckrufe einfach erst mal lassen &#8211; die Strategie kann Manager ins Gef\u00e4ngnis bringen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Produktr\u00fcckrufe haben m\u00e4chtig zugenommen: F\u00fcr Autos und Arzneimittel, Spielzeug, Kleidung, Haushaltsgegenst\u00e4nde, Elektroartikel oder Medizinprodukte, kurz s\u00e4mtliche Produktgruppen.<\/p>\n<p>In den USA ermitteln die Beh\u00f6rden, nachdem 13 t\u00f6dliche Unf\u00e4lle geschahen und General Motors (GM) 1,6 Millionen Fahrzeuge zur\u00fcck gerufen hat. Denn: M\u00f6glicherweise fahren die Top-Manager von GM ein hohes pers\u00f6nliches Risiko. Geht es doch um die Frage, ob sich Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Vorst\u00e4nde strafbar machen, wenn sie Produktr\u00fcckrufe zu sp\u00e4t oder sogar \u00fcberhaupt nie starten.<\/p>\n<p>In der Tat ist dieses Risiko\u00a0Realit\u00e4t &#8211; und kein erfundenes Hirngespinst: Gerade die deutsche Wirtschaft erinnert sich noch an das aufr\u00fcttelnde Erdal-Lederspray-Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1990: Damals wurden mehrere Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bestraft, die trotz Kenntnis eines &#8211; nicht zu leugnenden, aber unerwarteten &#8211; toxischen Risikos eines Leder-Impr\u00e4gniersprays diese Sprayformulierung zwar weiteren internen Testreihen unterworfen. Aber\u00a0zu keiner Zeit hatten sie\u00a0einen externen Produktr\u00fcckruf ausgerufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bestrafung wegen Vorsatztat &#8211; plus Verbot, als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer weiter zu arbeiten<\/strong><\/p>\n<p>Der Bundesgerichtshof (BGH)\u00a0bestrafte die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer deshalb nicht nur\u00a0wegen fahrl\u00e4ssiger K\u00f6rperverletzung, sondern sogar wegen vors\u00e4tzlicher Vergiftung &#8211; und damit insgesamt als Vorsatztat. Und das zwingt die Richter zu drastisch h\u00f6heren Strafen &#8211; selbst wenn diese auf Bew\u00e4hrung ausgesetzt sein sollten. Ausserdem\u00a0sperrt die deutsche Gewerbeordnung die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in solchen F\u00e4llen wegen Unzuverl\u00e4ssigkeit f\u00fcr jede zuk\u00fcnftige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrert\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Minenfeld pers\u00f6nlicher Haftung<\/strong><\/p>\n<p>Denn\u00a0strafbar kann man sich nicht nur machen, wenn man aktiv etwas Falsches, Verbotenes tut, \u00a0sondern wenn man gar nichts tut &#8211; aber eben dazu verpflichtet gewesen w\u00e4re. Weil man eine sogenannte\u00a0Garantenstellung hat. Und die hat eben derjenige, der Produkte herstellt, die ein Sicherheitsrisiko f\u00fcr die\u00a0Verwender darstellen. Bleiben Manager also unt\u00e4tig, obwohl sie um ein Produktrisiko wissen, laufen sie \u00fcber ein Minenfeld pers\u00f6nlicher Haftung.<\/p>\n<p>Wenn also im GM-Fall die US-Beh\u00f6rden aufgrund eines solchen Anfangsverdachts ermitteln, sollte man dies nicht als ein weiteres Beispiel typisch US-amerikanischer \u00dcberstrenge einordnen. Unternehmensinternes Wissen darf in solchen F\u00e4llen den kosumenten nicht verschwiegen werden, auch nicht in Deutschland oder sonstwo.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pflichtt zum Selbstanschw\u00e4rzen bei der eigenen \u00dcberwachungsbeh\u00f6rde<\/strong><\/p>\n<p>Manager sollten sich in solchen F\u00e4llen um\u00a0ein zweites, ebenso verstecktes Risiko k\u00fcmmern:\u00a0In vielen Produktgattungen ordnet das Gesetz\u00a0mittlerweile eine sogenannte Notifikationspflicht an. Gemeint ist damit die Selbstanschw\u00e4rzung des Unternehmens gegen\u00fcber seiner \u00dcberwachungsbeh\u00f6rde, sobald es\u00a0von einem ausgelieferten Produktrisiko erf\u00e4hrt. Mit der Notifikation soll der Beh\u00f6rde auf den Plan gerufen werden,\u00a0um weitere Gefahrabwendungsmassnahmen\u00a0des Unternehmens zu monitoren.<\/p>\n<p>Fast \u00fcberall drohen Bu\u00dfgelder,\u00a0wenn Unternehmen sich nicht selbst den Beh\u00f6rden stellen, aber die Beh\u00f6rde sp\u00e4ter aber auf anderem Wege von der Sache Wind bekommen. Auch wer sich zu sp\u00e4t bei der Beh\u00f6rde meldet, begeht eine\u00a0Ordnungswidrigkeit, riskiert hohe Bu\u00dfgelder &#8211;\u00a0was insbesondere in den USA ein signifikantes Risiko darstellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt nur eine Konsequenz: Hat eine Firma\u00a0Hinweise auf Produktrisiken, muss sie\u00a0diese schnell, l\u00fcckenlos und umfassend aufkl\u00e4ren. Am Ende der Aufkl\u00e4rung steht die Erkenntnis, ob sich der b\u00f6se Anfangsverdacht best\u00e4tigt oder nicht.\u00a0Wenn ja,\u00a0hei\u00dft es gegensteuern und einen R\u00fcckruf starten. Darauf zu hoffen, dass es schon gut gehen wird, w\u00e4re\u00a0der erste Schritt vors Strafgericht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf\u00a0Do&#8217;s and Dont&#8217;s f\u00fcr Top-Manager:<\/strong><\/p>\n<p>1. Immer den Sachverhalt schonungslos aufkl\u00e4ren: welche Produkte, welche Charge, welche Kunden, welche Vertriebsregionen, welches Problem, welche L\u00f6sung? Indianer kennen keinen Schmerz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Kl\u00e4ren: Welche Beh\u00f6rden muss ich laut Gesetz informieren und in welchen Staaten? Late notifying kann teuer werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Kl\u00e4ren: Wer weiss schon davon? Wer weiss nur Ger\u00fcchte? Wer sollte dringend davon wissen (Mitarbeiter, Kunden, Shareholder, Wettbewerber, Branchenverb\u00e4nde, NGOs undsoweiter)? Man kann nicht nicht kommunizieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4. Verantwortlichkeit festlegen: Wer beobachtet die Social-Media-Kan\u00e4le? Und wer reagiert? Twitter abschalten gelingt selten unauff\u00e4llig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>5. Warnung vor\u00a0Checklisten:\u00a0Produktr\u00fcckrufe sind Massarbeit, wie eine Operation am offenen Gehirn. Da schaut man auch nicht ins Anatomiebuch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welches\u00a0Minenfeld Top-Manager beschreiten, wenn\u00a0sie\u00a0Produktr\u00fcckrufe bleiben lassen, beschreibt Thomas Klindt, Produktr\u00fcckrufexperte und Partner bei Noerr &#8211; sei es aus Kostenspargr\u00fcnden, Angst vor Imagesch\u00e4den oder einfach Sorglosigkeit:\u00a0 &nbsp; \u00a0 Produktr\u00fcckrufe einfach erst mal lassen &#8211; die Strategie kann Manager ins Gef\u00e4ngnis bringen\u00a0 &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/03\/24\/top-manager-riskieren-gefangnisstrafen-und-berufsverbot-wenn-sie-produktruckrufe-einfach-sein-lassen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[154,3256,3205,3255,813,1584,1627,3254],"class_list":["post-652044","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-berufsverbot","tag-erdal","tag-gefangnisstrafe","tag-gm","tag-noerr","tag-produktruckruf","tag-thomas-klindt","tag-vorsatztat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652044","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=652044"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/652044\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=652044"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=652044"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=652044"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}