{"id":651159,"date":"2013-12-17T00:31:41","date_gmt":"2013-12-16T23:31:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=651159"},"modified":"2013-12-17T00:34:59","modified_gmt":"2013-12-16T23:34:59","slug":"schadenersatzforderungen-wenn-manager-ihre-vorganger-verklagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/12\/17\/schadenersatzforderungen-wenn-manager-ihre-vorganger-verklagen\/","title":{"rendered":"Schadenersatzforderungen: Wenn Manager ihre Vorg\u00e4nger verklagen"},"content":{"rendered":"<div>\n<h1><\/h1>\n<div>.<\/div>\n<div><strong>Der insolvente Immobilienriese IVG will vier fr\u00fchere Vorst\u00e4nde in Regress nehmen. Die H\u00f6he der Forderungen k\u00f6nnte alle bisherigen F\u00e4lle \u00fcbertreffen. Immer mehr Konzernlenker lassen ihre Vorg\u00e4nger f\u00fcr Fehler zahlen.<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\">.<\/div>\n<div>.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Wolfhard Leichnitz wollte aus dem etwas verpennten ehemaligen Staatskonzern\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0006205701\">IVG<\/a>\u00a0eine ganz gro\u00dfe Nummer im Immobiliengesch\u00e4ft machen. Mitte 2006 kam der Manager nach erfolgreichen Stationen beim Baukonzern\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0006070006\">Hochtief<\/a>\u00a0und beim Gro\u00dfvermieter Viterra zu dem privatisierten Bundesunternehmen nach Bonn. Der Neue investierte mit viel Fremdkapital in Immobilienikonen wie den Londoner B\u00fcroturm Gherkin, kaufte der<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0008404005\">Allianz<\/a>\u00a0Gewerbeimmobilien f\u00fcr 1,3 Milliarden Euro ab und steckte immer mehr Geld in das von seinem Vorg\u00e4nger initiierte Airrail-Center am Frankfurter Flughafen, das heute Squaire hei\u00dft und gr\u00f6\u00dfter Klotz am Bein der IVG ist. Statt geplanter 650 Millionen Euro kostete Squaire fast das Doppelte und ist trotz intensiver Bem\u00fchungen noch nicht verkauft.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Im Herbst 2008 erzwangen die damaligen Gro\u00dfaktion\u00e4re, das K\u00f6lner Bankhaus Sal. Oppenheim und die Schweizer Santo Holding, Leichnitz&#8216; Abschied. In gut zwei Jahren hatte er die IVG-Schulden auf \u00fcber 5 Milliarden Euro verdoppelt und den Aktienkurs halbiert. In seine Amtszeit f\u00e4llt der vermutlich entscheidende Niedergang der IVG, der im August dieses Jahres in den Insolvenzantrag m\u00fcndete. Sie hat nun f\u00fcr Leichnitz und andere Ex-IVGler wom\u00f6glich ein extrem teures Nachspiel.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Ein Tsunami von Schadenersatzforderungen gegen Ex-Manager<\/strong><\/p>\n<p><strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Denn nach Informationen der WirtschaftsWoche will der IVG-Vorstand &#8211; auf Anregung der Deutschen Schutzvereinigung f\u00fcr Wertpapierbesitz &#8211; eine Sonderpr\u00fcfung aller IVG-Gesch\u00e4fte von 2006 bis 2008 initiieren. Die Zustimmung von IVG-Sachwalter Horst Piepenburg &#8211; er \u00fcberwacht die Insolvenz in Eigenverwaltung &#8211; steht zwar noch aus. Angebote f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Pr\u00fcfung hat die IVG nach WirtschaftsWoche-Informationen aber schon eingeholt, unter anderem beim M\u00fcnchner Wirtschaftspr\u00fcfer Deloitte.<\/p>\n<p>Die Kleinen h\u00e4ngt man, die Gro\u00dfen l\u00e4sst man laufen &#8211; das war einmal. Ein Tsunami von Schadensersatzforderungen wogt durch Deutschlands Chefetagen \u201eViele Manager sehen sich zunehmend in der Haftungsfalle und sind besorgt, was ihre eigene Haftungssituation und den Zugriff auf ihr Privatverm\u00f6gen betrifft, den es fr\u00fcher so nicht gab\u201c, beobachtet Headhunterin Sabine Hansen von der Personalberatung Amrop Delta in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h2>.<\/h2>\n<h2><a title=\"IVG will Schadensersatz in Millionenh\u00f6he\" href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/boerse-maerkte\/boerse-inside\/immobilienkonzern-ivg-will-schadensersatz-in-millionenhoehe\/9186180.html\">Immobilienkonzern IVG will Schadensersatz in Millionenh\u00f6he<\/a><\/h2>\n<p>.<\/p>\n<p>Noch immer steckt der Immobilienkonzern IVG in einer tiefen Existenzkrise, die Insolvenz l\u00e4uft. Jetzt fordert der Konzern Schadensersatz von vier ehemaligen Managern wegen Fehlverhaltens \u2013 und das in Millionenh\u00f6he.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>6.000 Managerhaftungsverfahren sind anh\u00e4ngig bei den Gerichten &#8211; rund 20.000 Manager werden verfolgt\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>Vor den Gerichten sind derzeit rund 6000 Managerhaftungsverfahren anh\u00e4ngig, sch\u00e4tzt Michael Hendricks, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der auf Organ- und Managerhaftpflichtversicherungen (englisches K\u00fcrzel: D&amp;O) spezialisierten Beratung Hendricks &amp; Co in D\u00fcsseldorf. Hinzu kommen F\u00e4lle, die nicht vor Gericht landen, aber als Schadensf\u00e4lle gemeldet sind. Bei durchschnittlich zwei bis drei Beklagten pro Fall bedeutet das: Rund 20.000 Manager und Ex-Manager sind derzeit mit Schadensersatzforderungen konfrontiert, so Hendricks. Vier F\u00fcnftel der Anspr\u00fcche kommen vom Ex-Arbeitgeber, der Rest von au\u00dfen, etwa von Gl\u00e4ubigern.<\/div>\n<div>.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_646577\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/11\/hendricks.michael.offizi\u00f6s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-646577\" class=\"size-full wp-image-646577\" alt=\"Managerhaftungs-Experte Michael Hendricks\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/11\/hendricks.michael.offizi\u00f6s.jpg\" width=\"609\" height=\"433\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-646577\" class=\"wp-caption-text\">Managerhaftungs-Experte Michael Hendricks<\/p><\/div>\n<p>Bei der IVG hat der Vorstand im Herbst zun\u00e4chst durch die Kanzlei Hengeler Mueller nur den Kauf des Gherkin Towers pr\u00fcfen lassen, den die IVG zusammen mit der britischen Investmentbank Evans Randall 2007 f\u00fcr 950 Millionen Euro erwarb. Aufgrund von Fehlern, die Hengeler Mueller dabei feststellte, wurden Leichnitz und seine damaligen Vorstandskollegen Bernd Kottmann (Finanzen), Andreas Barth (Projektentwicklungen) und Georg Reul (Investment und Fonds) in diesen Tagen von Piepenburg mit Schadensersatzforderungen jeweils in H\u00f6he von 8,5 Millionen Euro plus Zinsen konfrontiert.<\/p>\n<p>Die Vorst\u00e4nde h\u00e4tten dem Evans-Randall-Fonds ein Darlehen von 52 Millionen Pfund gew\u00e4hrt, das in dieser H\u00f6he nicht vom Aufsichtsrat genehmigt war, haben die Hengeler-Mueller-Juristen herausgefunden. Sie halten wegen dieser \u201ePflichtverletzung der handelnden Vorstandsmitglieder\u201c eine Klage durch den IVG-Aufsichtsrat \u201ef\u00fcr aussichtsreich\u201c und \u201eempfehlen Klageerhebung\u201c. Die Manager haben gegen\u00fcber der WirtschaftsWoche zu den Vorw\u00fcrfen nicht Stellung genommen.<\/p>\n<\/div>\n<h2>Bei Middelhoff geht es um 175 Millionen Euro<\/h2>\n<div>\n<p>Es d\u00fcrfte f\u00fcr die vier Herren aber noch dicker kommen. Derzeit wird bei der\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0006205701\">IVG<\/a>\u00a0diskutiert, ob das Gesamtverhalten des IVG-Managements unter Leichnitz \u201eso schadensgeneigt\u201c war, dass man daraus eine allgemeine Schadensersatzpflicht ableiten k\u00f6nne. Best\u00e4tigt sich das, k\u00f6nnte die erwogene Sonderpr\u00fcfung zu einem der gr\u00f6\u00dften F\u00e4lle von Managerhaftung in der deutschen Wirtschaft eskalieren.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Korruptionsvorw\u00fcrfe, Kartelldelikte, Fehlspekulationen &#8211; immer massiver werden Unternehmen f\u00fcr Compliance-Verst\u00f6\u00dfe zur Kasse gebeten. Und immer mehr von den Bu\u00dfen und Wiedergutmachungszahlungen holen sie sich von verantwortlichen Managern zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Versicherungsnehmer bei D&amp;O-Policen ist das Unternehmen. Es schlie\u00dft sie zum Schutz des Privatverm\u00f6gens der Manager ab &#8211; als Vertrag zugunsten Dritter. Dass die Manager die Rechte aus der Police geltend machen, wenn ihr Arbeitgeber von ihnen Schadensersatz fordert, hilft aber auch der Firma: Sie bekommt Geld nicht nur im Rahmen des Privatverm\u00f6gens ihrer F\u00fchrungskr\u00e4fte zur\u00fcck, sondern bis zur Deckungssumme in oft zwei- oder dreistelliger Millionenh\u00f6he.<\/p>\n<\/div>\n<div>.<\/div>\n<div><strong>Keine Zahlen verf\u00fcgbar: D&amp;O-F\u00e4lle<\/strong><\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>\n<p>Genaue Zahlen gibt es nicht, denn D&amp;O-F\u00e4lle werden dem Versicherungsverband nicht gemeldet. Unstrittig ist aber: Das Gesch\u00e4ft boomt. Zahlten deutsche Unternehmen laut Berater Hendricks von 2001 bis 2005 insgesamt eine Milliarde Euro an D&amp;O-Versicherungspr\u00e4mien, erwartet er f\u00fcr 2011 bis 2015 schon 3,5 Milliarden Euro. Auszahlungen und R\u00fcckstellungen der Versicherer haben sich im selben Zeitraum auf vier Milliarden Euro verdoppelt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Als Ex-Siemens-CEO Heinrich von Pierer angegangen wurde, brach ein Damm<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Die Forderungen machen vor keinem wirtschaftlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger mehr halt, seit\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0007236101\">Siemens<\/a>\u00a0infolge seines Mega-Korruptionsskandals Ex-Vorstandschef Heinrich von Pierer in Haftung nahm. Der Doyen der deutschen Wirtschaft einigte sich mit dem Siemens-Aufsichtsrat vor vier Jahren auf Zahlung von f\u00fcnf Millionen Euro Schadensersatz an Siemens, Nachfolger Klaus Kleinfeld opferte zwei Millionen Euro.<\/p>\n<p>Die geforderten Summen werden immer h\u00f6her. So verlangt der Stahlriese\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0007500001\">Thyssen-Krupp<\/a>\u00a0von einem fr\u00fcheren Spartenvorstand wegen illegaler Preisabsprachen im Eisenbahngesch\u00e4ft 103 Millionen Euro Schadensersatz. Beim fr\u00fcheren\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0005937031\">MAN<\/a>-Chef Hakan Samuelsson geht es um 237 Millionen Euro und beim Ex-Chef der fr\u00fcheren Karstadt-Mutter\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0006275001\">Arcandor<\/a>, Thomas Middelhoff, um 175 Millionen. Die fordert der Insolvenzverwalter von Middelhoff, weil dessen Vorvorg\u00e4nger Wolfgang Urban einst beim Verkauf von Karstadt-Immobilien ung\u00fcnstige Vertr\u00e4ge abgeschlossen haben soll und Middelhoff nicht dagegen vorging. Daf\u00fcr wiederum sei er selbst haftbar, was Middelhoff bestreitet.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Der Fall Arag brachte die Lawine ins Rollen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Dass Manager grunds\u00e4tzlich schadensersatzpflichtig sein k\u00f6nnen, auch mit hohen Summen, stellte der Bundesgerichtshof schon 1997 im Arag-Fall klar. Bei dem Rechtsschutzversicherer hatte der Finanzvorstand mit unerlaubten Transaktionen Millionenverluste eingefahren. Zwei zerstrittene Familienst\u00e4mme hinter der Arag fochten die Frage, ob der Mann verklagt werden sollte, bis in die letzte Instanz aus. Ergebnis: Aufsichtsr\u00e4te m\u00fcssen Schaden vom Unternehmen abwenden &#8211; auch durch Schadensersatzprozesse gegen eigene Manager. Der Arag-CFO wurde zu 55 Millionen Mark Schadensersatz und viereinhalb Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt.<\/p>\n<\/div>\n<h2>.<\/h2>\n<h2>Viele Schadensf\u00e4lle nach Zusammenbruch des Neuen Markts<\/h2>\n<div>\n<p>.<\/p>\n<p>Das Arag-Urteil war nur der Auftakt. Rechtsversch\u00e4rfungen verbreiterten die Basis f\u00fcr Compliance-Streitsachen. 1999 verbot das Strafrecht Bestechung, die bis dahin steuerlich abzugsf\u00e4hig war. Es folgte der Corporate Governance Kodex, sp\u00e4ter versch\u00e4rfte der Gesetzgeber das Aktienrecht. \u201eDie erste gr\u00f6\u00dfere Welle von Schadensf\u00e4llen folgte auf den Zusammenbruch des Neuen Markts und seiner Stars\u201c, erinnert sich D&amp;O-Anwalt Oliver Sieg von der Kanzlei Noerr in D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Es folgte eine lange Reihe von aufgedeckten Kartellen. \u201eImmer mehr heimliche Preisabsprachen kommen heraus, seit Unternehmen, die als Whistleblower voranpreschen, Rabatte bei den Millionenbu\u00dfen oder sogar Straffreiheit bekommen k\u00f6nnen\u201c, sagt Anwalt Oliver Maa\u00df von der Kanzlei Heisse Kursawe in M\u00fcnchen. Die verh\u00e4ngten Bu\u00dfgelder und die Schadensersatzzahlungen an die Kartellopfer holen sich die Unternehmen von den einst verantwortlichen F\u00fchrungskr\u00e4ften zur\u00fcck.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Acht bis zehn Jahre laufen Managerhaftungsf\u00e4lle im Schnitt<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Den n\u00e4chsten gro\u00dfen Schwung von Managerhaftungsf\u00e4llen bescherte die Finanzkrise. Der Gesetzgeber hat die Verj\u00e4hrungsfristen zur Verfolgung der Finanzbosse 2011 auf zehn Jahre verdoppelt &#8211; dauern diese F\u00e4lle im Schnitt doch acht bis zehn Jahre. Die D&amp;O-Anbieter HDI, VOV und\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=FR0000120628\">Axa<\/a>\u00a0versichern wegen des hohen Risikos keine Finanzdienstleister mehr.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Insolvenzverwalter st\u00fcrzen sich als erstes auf die D&amp;O-Policen<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Auch Insolvenzverwalter haben D&amp;O-Policen f\u00fcr sich entdeckt: als Verm\u00f6genswert, den sie realisieren k\u00f6nnen. Eine Sonderpr\u00fcfung bei der\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0006205701\">IVG<\/a>\u00a0w\u00e4re die erste im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. \u201eViele Manager, die versuchen, Firmen zu sanieren, werden hinterher vom Insolvenzverwalter verfolgt\u201c, klagte j\u00fcngst Ex-Arcandor-Grande Middelhoff.<\/p>\n<p>Gerne halten sich Insolvenzverwalter auch an den Aufsichtsrat &#8211; \u201einsbesondere, wenn dort solvente Leute sitzen\u201c, sagt der D\u00fcsseldorfer Insolvenzverwalter Dirk Andres. Er habe schon erlebt, \u201ewie ein Aufsichtsrat 100 000 Euro aus der Privatschatulle zahlen musste\u201c, weil er Zahlen des Wirtschaftspr\u00fcfers nicht hinterfragt hatte.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Aufsichtsr\u00e4te sind J\u00e4ger wie Gejagte<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Aufsichtsr\u00e4te sind in Sachen Schadensersatz J\u00e4ger und Gejagte. Die juristische Schlachtordnung in vielen Unternehmen hei\u00dft heute jeder gegen jeden: Aufsichtsr\u00e4te gegen Vorstand, Vorstand gegen Aufsichtsrat, Aufsichtsr\u00e4te gegeneinander.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>So wie im Fall der Apobank in D\u00fcsseldorf. Die fordert 66 Millionen Euro von Ex-Vorst\u00e4nden: Mehrere Top-Manager hatten Finanzgesch\u00e4fte zugelassen, die zu Millionensch\u00e4den w\u00e4hrend der Subprime-Krise gef\u00fchrt hatten. Die verklagten Manager verweisen f\u00fcr den Fall, dass ihnen Fehler nachgewiesen werden, auf den Aufsichtsrat: Der habe alles gewusst. Kein Wunder, dass es inzwischen auch D&amp;O-Policen f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te gibt.<\/p>\n<\/div>\n<h2>.<\/h2>\n<h2>Karrieren gehen selten auf hohem Niveau weiter<\/h2>\n<div>\n<p>.<\/p>\n<p>\u201eAuch immer mehr mittelst\u00e4ndische Unternehmen verklagen ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte\u201c, beobachtet Versicherungsmakler Hendricks. So sollten die ehemaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der deutschen Tochtergesellschaften eines italienischen M\u00f6belherstellers jeweils 2,5 bis 15 Millionen Euro Schadensersatz zahlen &#8211; bei fr\u00fcheren Jahresgeh\u00e4ltern von 100.000 bis 200.000 Euro.<\/p>\n<p>Der Grund: Von ihrer Konzernmutter hatten die Manager die Anweisung bekommen, eilig hohe Betr\u00e4ge nach Italien zu schicken, und das auch gemacht. Die \u00dcberweisungen h\u00e4tten aber angesichts der Insolvenzgefahr zu dem Zeitpunkt wohl nicht mehr erfolgen d\u00fcrfen. Nach vier Jahren Rechtsstreit einigte sich der Anwalt der Ex-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer mit Insolvenzverwalter, Banken und D&amp;O-Versicherern. Die Manager kamen bei dem Millionenvergleich mit Selbstbeteiligungen zwischen 5000 und 20.000 Euro davon.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Bis zu 70 Prozent der ausgezahlten Summen der D&amp;O-Versicherer flie\u00dfen an Anw\u00e4lte, WP\u00b4s, Gutachter und Gerichte<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Von den 300 bis 400 Millionen Euro, die D&amp;O-Versicherer in Deutschland pro Jahr derzeit auszahlen, flie\u00dft ein gro\u00dfer Teil an die am Verfahren beteiligten Dienstleister. Experte Hendricks sch\u00e4tzt, \u201edass 50 bis 70 Prozent der Auszahlungen der D&amp;O-Versicherer in den vergangenen 15 Jahren nicht auf die Regulierung der Sch\u00e4den selbst entfallen, sondern Abwehrkosten der Verteidigung der Manager f\u00fcr Anw\u00e4lte, Wirtschaftspr\u00fcfer, Gutachter und Gerichte sind\u201c. Die Stundenhonorare bei Compliance-Anw\u00e4lten liegen f\u00fcr Partner zwischen 320 und 400 Euro &#8211; je nach Disziplin. Kartellrechtler sind teurer als Arbeitsrechtler. Renommierte Compliance-Experten kassieren sogar 600 Euro pro Stunde.<\/p>\n<p>Am Fall\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0007236101\">Siemens<\/a>\u00a0etwa verdiente die Wirtschaftspr\u00fcfung Deloitte rund 235 Millionen Euro und der US-Anwaltsriese Debevoise &amp; Plimpton mindestens 95 Millionen Euro. Insgesamt soll die Aufkl\u00e4rung der Korruptionsaff\u00e4re Siemens 474 Millionen Euro gekostet haben plus 239 Millionen Euro Strafen in Deutschland und 520 Millionen Euro Steuernachzahlungen. 100 Millionen erhielt Siemens von einem D&amp;O-Konsortium unter\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0008404005\">Allianz<\/a>-F\u00fchrung als Schadensersatz zur\u00fcck. Gefordert hatte der Konzern 250 Millionen Euro. Prozessual abgeschlossen ist die Aff\u00e4re sieben Jahre nach ihrem Beginn aber noch nicht. Der fr\u00fchere Finanzvorstand Heinz-Joachim Neub\u00fcrger bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorw\u00fcrfe und prozessiert weiter mit Siemens. Neub\u00fcrger ist eine Ausnahme. \u201e90 Prozent der Managerhaftungsf\u00e4lle enden mit einem Vergleich\u201c, sch\u00e4tzt Heisse-Kursawe-Anwalt Maa\u00df.<\/p>\n<p>Denn Gegenwehr ist schwierig. Einer der vier ehemaligen\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0006205701\">IVG<\/a>-Manager, gegen den das Unternehmen nun vier Jahre nach seinem Abschied vorgeht, ist ratlos: \u201eIch habe keine Akten und bin komplett von den alten Informationen abgeschnitten.\u201c Auch ein Ex-Siemensianer klagt, er habe \u201enicht die M\u00f6glichkeit gehabt, sich zu verteidigen, weil man nicht an die Beweise herankommt, die einen entlasten\u201c.<\/p>\n<p>Ein D&amp;O-Fall \u201eist wie ein Berufsverbot\u201c, sagt der Frankfurter Managerhaftungsanwalt Rolf Cyrus. Nur selten geht die Karriere auf hohem Niveau weiter: Ex-MAN-Lenker Samuelsson f\u00fchrt jetzt die Gesch\u00e4fte von\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=SE0000115420\">Volvo<\/a>. Der fr\u00fchere Siemens-Chef Kleinfeld ist Chef des US-Aluminiumriesen\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=US0138171014\">Alcoa<\/a>. Den EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer hat der Aufsichtsrat sogar trotz laufender 70-Millionen-Euro-Schadensersatzklage des Energieversorgers gegen ihn wieder ins F\u00fchrungsgremium geholt. Und der streitbare Ex-Siemens-Vorstand Neub\u00fcrger wurde im Mai 2012 in den Aufsichtsrat der Deutschen B\u00f6rse gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Manche Manager schlie\u00dfen eigene D&amp;O-Versicherungen ab<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Manche Manager schlie\u00dfen neuerdings zus\u00e4tzlich eigene, pers\u00f6nliche D&amp;O-Policen ab. Kostenpunkt: 5000 bis 30 000 Euro im Jahr. Die k\u00f6nnen gut investiert sein, etwa wenn die Deckungssumme nicht ausreicht. Schlie\u00dflich steht die nur einmal im Jahr f\u00fcr s\u00e4mtliche Manager eines Konzerns zur Verf\u00fcgung und nicht f\u00fcr jeden Fall neu.<\/p>\n<\/div>\n<h2>.<\/h2>\n<h2>Unternehmen fordern meist Maximalsummen<\/h2>\n<div>\n<p>.<\/p>\n<p>Der Spielraum f\u00fcr die aktuell Verantwortlichen, Forderungen gegen Ex-Kollegen unter den Tisch fallen zu lassen, ist seit dem Arag-Urteil klein. Die Folge beschreibt einer der Beklagten in den\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0007236101\">Siemens<\/a>-Verfahren: \u201eWenn immer mehr Manager vor dem Strafrichter landen, kann die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nicht mehr vertrauensvoll sein.\u201c<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Da Beklagte mit anderen Mitgliedern des Vorstands oder Aufsichtsrats gesamtschuldnerisch haften, fordern die Unternehmen meist von jedem Maximalsummen. Beim Vergleich zahlen die D&amp;O-Versicherungen den Gro\u00dfteil des Schadensersatzes, fordern aber von den S\u00fcndern Selbstbehalte &#8211; umso mehr, je h\u00f6her das Jahresgehalt ist. So schreiben es die Versicherer den Aktiengesellschaften in die Policen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wenn Versicherer Konsortien bilden<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Um Deckungssummen von 500 Millionen Euro und mehr zu garantieren, tun sich oft 20 bis 30 D&amp;O-Versicherer zwecks Risikoteilung zusammen. Ausschlussklauseln in den Policen etwa f\u00fcr Kartell- oder Korruptionsvergehen sind nicht selten. Dann haftet der Vorstand mit seinem Privatverm\u00f6gen, wenn im Unternehmen Schmiergeldzahlungen auffliegen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>D&amp;O als Blackbox f\u00fcr Manager<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Top-Manager ist das Thema D&amp;O eine Blackbox. Allenfalls \u201ejeder zehnte kennt wenigstens den Namen des D&amp;O-Versicherers\u201c, wundert sich Eckhard Schmid, Chef-Arbeitsrechtler bei CMS Hasche Sigle in M\u00fcnchen. \u201eNur wirklich Aufgeweckte kennen den Inhalt der Policen oder haben Kopien von der aktuellen Vertragsversion.\u201c Die Policen laufen nur ein Jahr, dann \u00e4ndern sich die Bedingungen, oft kommen neue Ausschl\u00fcsse hinzu. Muss ein Manager von einer Minute auf die andere den Schreibtisch r\u00e4umen, ist ihm der Zugang zu den Policen versperrt. Manche Unternehmen beginnen gar einen Rosenkrieg mit ihrem Ex-Manager und lassen sich auf Herausgabe des Versicherungsscheins verklagen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Bei Vorsatz steigt der D&amp;O-Versicherer sofort aus<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Schutzlos steht im Regen, wer den Schaden mit Absicht verursacht hat. Das wirft das Oberlandesgericht M\u00fcnchen der Deutschen Bank und ihrem Ex-Chef Rolf Breuer vor. Mit seiner \u00c4u\u00dferung zur Kreditf\u00e4higkeit des Medienunternehmers Leo Kirch vor elf Jahren habe er Kirch vors\u00e4tzlich gesch\u00e4digt. Die H\u00f6he des Schadens &#8211; je nach Interessenlage 120 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro &#8211; sollen nun Gutachter kl\u00e4ren. \u201eBei dieser Konstellation braucht kein D&amp;O-Versicherer einzuspringen\u201c, sagt Experte Hendricks. M\u00fcsse die\u00a0<a href=\"http:\/\/finanzen.handelsblatt.com\/include_suchbox.htn?sektion=portrait&amp;suchbegriff=DE0005140008\">Deutsche Bank<\/a>\u00a0Regress an die Kirch-Erben leisten, k\u00f6nne Breuer \u201epers\u00f6nlich im schlimmsten Fall bis zur Pf\u00e4ndungsfreigrenze von 1030 Euro pro Monat\u201c zur Rechenschaft gezogen werden.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Unprofitables D&amp;O-Gesch\u00e4ft in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Bei vielen der aktuellen Verfahren werden die Versicherer aber zahlen m\u00fcssen. Sie bilden deshalb zurzeit R\u00fcckstellungen, die zusammen mit den Auszahlungen die j\u00e4hrlichen Pr\u00e4mieneinnahmen von rund 700 Millionen Euro um \u201edas Doppelte \u00fcbersteigen\u201c, sch\u00e4tzt Hendricks. Trotz Wachstum sei deshalb das D&amp;O-Gesch\u00e4ft \u201ein Deutschland f\u00fcr die Versicherer schon seit Jahren nicht profitabel\u201c &#8211; immer neue Wettbewerber dr\u00e4ngten in den Markt und verd\u00fcrben die Preise. Angesichts der weiter steigenden Schadenssummen erwartet Hendricks dennoch: \u201eDie Zeit der g\u00fcnstigen D&amp;O-Pr\u00e4mien ist bald vorbei.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>Quelle:\u00a0<a title=\"WirtschaftsWoche\" href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"\">WirtschaftsWoche<\/a><\/p>\n<div>von\u00a0<a>Henryk Hielscher<\/a>,\u00a0<a>Harald Schumacher<\/a>\u00a0und\u00a0<a>Claudia T\u00f6dtmann<\/a><\/div>\n<p><a>\u00a0<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>. Der insolvente Immobilienriese IVG will vier fr\u00fchere Vorst\u00e4nde in Regress nehmen. Die H\u00f6he der Forderungen k\u00f6nnte alle bisherigen F\u00e4lle \u00fcbertreffen. Immer mehr Konzernlenker lassen ihre Vorg\u00e4nger f\u00fcr Fehler zahlen. . . Wolfhard Leichnitz wollte aus dem etwas verpennten ehemaligen &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/12\/17\/schadenersatzforderungen-wenn-manager-ihre-vorganger-verklagen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1736,246,271,513,2967,2969,1362,2968,1735],"class_list":["post-651159","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arcandor","tag-do","tag-deutsche-bank","tag-hengeler-mueller","tag-ivg","tag-leo-kirch","tag-michael-hendricks","tag-rolf-breuer","tag-thomas-middelhoff"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/651159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=651159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/651159\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=651159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=651159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=651159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}