{"id":650927,"date":"2013-11-15T18:08:42","date_gmt":"2013-11-15T17:08:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=650927"},"modified":"2013-11-15T23:14:14","modified_gmt":"2013-11-15T22:14:14","slug":"exklusiv-bbc-produzentin-ruth-shurman-warum-die-dreharbeiten-fur-eine-bbc-doku-uber-die-bankenskandale-so-schwierig-waren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/11\/15\/exklusiv-bbc-produzentin-ruth-shurman-warum-die-dreharbeiten-fur-eine-bbc-doku-uber-die-bankenskandale-so-schwierig-waren\/","title":{"rendered":"Exklusiv: BBC-Produzentin Ruth Shurman \u00fcber die besonderen Schwierigkeiten beim Dreh einer BBC-Doku \u00fcber die Bankenskandale"},"content":{"rendered":"<p><strong><a title=\"Bankers Serie BBC\" href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/n27vnh45\" target=\"_blank\"><i>Bankers<\/i> ist eine dreiteilige Dokumentarreihe auf BBC World News <\/a>, die\u00a0in Interviews mit Bankenchefs, Regulierungsbeamten und Politikern herauszufinden versucht, was in einer Branche schief lief, die f\u00fcr unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. BBC-Journalistin Ruth Shurman berichtet exklusiv im Management-Blog von den besonderen Schwierigkeiten\u00a0bei den Dreharbeiten mit den Verantwortlichen und Zeitzeugen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_650928\" style=\"width: 268px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/11\/BBC.ruth_shurman.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-650928\" class=\"size-medium wp-image-650928\" alt=\"Ruth Shurmann von der BBC\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/11\/BBC.ruth_shurman-258x300.jpg\" width=\"258\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/11\/BBC.ruth_shurman-258x300.jpg 258w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/11\/BBC.ruth_shurman.jpg 363w\" sizes=\"auto, (max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-650928\" class=\"wp-caption-text\">Ruth Shurmann von der BBC<\/p><\/div>\n<p><strong><i>Ruth Shurman ist Produzentin im BBC-Produktionsteam f\u00fcr Geschichts- und Wirtschaftsthemen. In j\u00fcngster Zeit arbeitete sie an Dokumentationen \u00fcber Steve Jobs, Toyota, \u00fcber \u201cFrauen in der Wirtschaft\u201d und zum Thema \u201cWelche Lehren man aus Fehlern in der Wirtschaft ziehen sollte\u201c.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich Kollegen davon erz\u00e4hlte, dass ich eine dreiteilige Serie \u00fcber die Bankenkrise produzieren werde, runzelten sie auf besorgte Art und Weise die Stirn und w\u00fcnschten mir \u201eviel Gl\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Komplex, juristisch problematisch, und ohne visuell darstellbare Action ist das Thema kaum geeignet f\u00fcrs Fernsehen zur besten Sendezeit. Mehr noch, die Entwicklungen, die wir nachzeichnen wollten, setzten sich noch w\u00e4hrend der Produktionszeit in nicht vorhersehbaren Wendungen fort.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wie erkl\u00e4rt man normalen Bankkunden die Skandale?<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Unser Plan war es, die in den letzten Jahren aufgetretene ungew\u00f6hnliche Serie von Skandalen, n\u00e4mlich die Libor-Manipulation bei Investment-Banken in aller Welt und den gro\u00dfangelegten \u201eMisselling-Skandal\u201c von Finanzprodukten,\u00a0ganz normale Bankkunden zu erkl\u00e4ren.\u00a0Was wir dabei allerdings vermeiden wollten, war ein simples \u201eBank Bashing\u201c. Wir wollten die Ereignisse in den gr\u00f6\u00dferen Kontext stellen, der zu dieser Entwicklung f\u00fchrte. Was dabei auffiel, war die Tatsache einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Abh\u00e4ngigkeit vom Bankensektor, die sich in den letzten 30 Jahren manifestiert hatte.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck waren die meisten Top-Akteure der Bankenwelt aufgeschlossen, als wir ihre m\u00f6gliche Teilnahme bei der Serie ansprachen. F\u00fcr manche, so stellte es sich heraus, war das Thema dann doch zu hei\u00df. Aber auch die, die sich grunds\u00e4tzlich zu einer Teilnahme bereit erkl\u00e4rt hatten, wollten sich nicht auf einen Termin f\u00fcr die Fernsehinterviews festlegen lassen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Alle warten darauf, dass sich der Staub wieder legt.<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Banken, Beh\u00f6rden, Zentralbanken, Ermittler und Kommentatoren \u2013 alle warteten ungeduldig auf die Ver\u00f6ffentlichungen der Beh\u00f6rdenberichte, auf die Verh\u00e4ngung von Strafen, die Einreichung von Klagen. Und darauf, dass sich der Staub wieder legte.<\/p>\n<p>Wenn sie sich nicht dar\u00fcber Sorgen machten, wie sie die Auswirkungen der desastr\u00f6sen Serie von Skandalen eind\u00e4mmen k\u00f6nnten, waren sie emsig damit besch\u00e4ftigt, ihre seit\u00a0 dem Finanzskandal schwer angeschlagenen Organisationen neu zu strukturieren und wieder aufzubauen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Die Drehtermine wurden permanent verschoben &#8211; wegen der Banken<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Monatelang hatte es den Anschein, dass jedes m\u00f6gliche Drehdatum, das in unserem Produktionsb\u00fcro auf dem White-Board notiert wurde, unweigerlich mit der Abk\u00fcrzung \u201cto be confirmed\u201c (tbc)\u201d versehen werden musste. Das Produktionsteam \u00fcbte sich in Geduld und besch\u00e4ftigte sich mit dem Dreh von Stadtansichten, Gespr\u00e4chen mit Analysten\u00a0 und dem Gr\u00fcbeln \u00fcber Fu\u00dfnoten.<\/p>\n<p>Ein sehr erfahrener Produzent, der berufsbedingt oft in Kriegsgebieten und gef\u00e4hrlichen Staaten unterwegs ist, kam zu dem Schluss, dass bisher kein Projekt in seiner Laufbahn von so gro\u00dfer Unsicherheit gepr\u00e4gt war. Weitere m\u00f6gliche Drehtermine folgten, und sie wurden wieder und wieder verschoben.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>In diesem Jahr musste sich nicht nur der Bankensektor Skandalen und kritischen Fragen im Hinblick auf seine Glaubw\u00fcrdigkeit stellen, auch die Kirche, die Politik und sogar die Medien waren betroffen. Die ohnehin konfliktreiche Frage, ob die Banken der Gesellschaft Schaden zugef\u00fcgt hatten, gewann damit noch an Signifikanz. Jeder vom Schatzkanzler bis zum Erzbischof von Canterbury hatte eine Meinung dazu.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Die Komplexit\u00e4t war die Herausforderung<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Wochen vergingen, behielten wir die Nerven und konzentrierten uns auf die Herausforderung der Komplexit\u00e4t. Von gro\u00dfer Wichtigkeit war es, die Ereignisse vollst\u00e4ndig zu verstehen, damit wir uns unserer Fairness und journalistischen Exaktheit sicher sein konnten. Genauso wichtig war es, richtig dar\u00fcber zu entscheiden, wie viele Detailinformationen unsere Zuschauer brauchen w\u00fcrden oder verarbeiten wollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere Frage, die sich stellte war: Wie konnten wir die Konzeption der Serie am besten visualisieren? War die Zerst\u00f6rung der K\u00fcste von New Jersey durch den Hurrikan Sandy eine passende Metapher, um die globalen Auswirkungen der Finanzkrise zu symbolisieren? Wir hatten das Gef\u00fchl, damit richtig zu liegen. Hatte doch Alan Greenspan die Tumulte an den M\u00e4rkten mit einem Tsunami verglichen. Wie konnten wir die schwindelerregende Gr\u00f6\u00dfenordnung der riskanten Bondk\u00e4ufe von MF Global darstellen?<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Mengen chinesischer Laternen anz\u00fcnden &#8211; zum Visualisieren<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung brachte eine gro\u00dfe Warenlieferung chinesischer Laternen, die wir anz\u00fcndeten und filmten, w\u00e4hrend sie unaufhaltsam h\u00f6her und h\u00f6her in den Nachthimmel \u00fcber einer verlassenen Royal Airforce Base entschwanden. Die etwas abgelegene Ortswahl wurde durch verschiedene Gesundheits- und\u00a0 Sicherheitsregelungen der BBC im Zusammenhang mit pyrotechnischen Gefahren bedingt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Geplatzte Deadlines in Serie<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Dankenswerterweise hatten die Entscheider bei der BBC akzeptiert, dass dieses Projekt den Deadlines trotzte. Nach vielen Monaten wurden endlich alle relevanten Berichte im Vereinigten K\u00f6nigreich und in den USA ver\u00f6ffentlicht. Kontrolleure und Banker konnten sich endlich vor die Kamera stellen und reden. Das Warten hat sich gelohnt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Folge 2 <i>\u2018Bankers \u2013 Risking it all\u2019 <\/i><\/b>erz\u00e4hlt die Geschichte\u00a0 zweier in j\u00fcngster Zeit aufgetretener Milliarden Pfund schwerer B\u00f6rsendesaster in der Finanzmetropole London.\u00a0 Jon Corzine, von MF Global, fr\u00fcherer CEO von Goldman Sachs und Gouverneur von New Jersey, und JP Morgans so genannte \u201eWhale Trades\u201c zeigen, wie risikofreudig Banker nach dem Crash vor f\u00fcnf Jahren immer noch sind.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Auf BBC World News <\/b>am<b> Samstag, den 16.November <\/b>um<b> 02.10, 16.10 Uhr MEZ <\/b>und<b> Sonntag, 17.November <\/b>um<b> 10.10 <\/b>und<b> 21.10 Uhr MEZ.<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Folge 3 <i>\u2018Bankers \u2013 Payback time\u2019<\/i><\/b> erkl\u00e4rt, wie es zu dem Multi-Milliarden Pfund schweren \u201eMisselling\u201c-Skandal (Verkauf von Versicherungspolicen unter Vorgabe falscher oder irref\u00fchrender Behauptungen) in Gro\u00dfbritannien kam. Anhand mehrerer pers\u00f6nlicher Schilderungen von Bankenchefs, Verk\u00e4ufern, Politikern und Kunden macht der Film deutlich, wie sehr sich britische Gro\u00dfbanken in den letzten 30 Jahren ver\u00e4ndert haben.<b><\/b><\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><strong>Sendetermine: BBC World News am Samstag, den 23.November um 02.10, 16.10 Uhr MEZ und Sonntag, 24.November um 10.10 und 21.10 Uhr MEZ.<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Folge 2 <i>\u2018Bankers<\/i><i> \u2013 Risking it all\u2019 <\/i><\/strong>erz\u00e4hlt die Geschichte\u00a0 zweier in j\u00fcngster Zeit aufgetretener Milliarden Pfund schwerer B\u00f6rsendesaster in der Finanzmetropole London.\u00a0 Jon Corzine, von MF Global, fr\u00fcherer CEO von Goldman Sachs und Gouverneur von New Jersey, und JP Morgans so genannte \u201eWhale Trades\u201c zeigen, wie risikofreudig Banker nach dem Crash vor f\u00fcnf Jahren immer noch sind.<\/p>\n<p><strong>Folge 3 <i>\u2018Bankers<\/i><i> \u2013 Payback time\u2019<\/i> <\/strong>erkl\u00e4rt, wie es zu dem Multi-Milliarden Pfund schweren \u201eMisselling\u201c-Skandal (Verkauf von Versicherungspolicen unter Vorgabe falscher oder irref\u00fchrender Behauptungen) in Gro\u00dfbritannien kam. Anhand mehrerer pers\u00f6nlicher Schilderungen von Bankenchefs, Verk\u00e4ufern, Politikern und Kunden macht der Film deutlich, wie sehr sich britische Gro\u00dfbanken in den letzten 30 Jahren ver\u00e4ndert haben.<b><\/b><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Die Serie kann auch unter diesem Link mitverfolgt werden: <\/strong><strong><a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/n27vnh45\">http:\/\/www.bbc.co.uk\/programmes\/n27vnh45<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bankers ist eine dreiteilige Dokumentarreihe auf BBC World News , die\u00a0in Interviews mit Bankenchefs, Regulierungsbeamten und Politikern herauszufinden versucht, was in einer Branche schief lief, die f\u00fcr unsere Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. BBC-Journalistin Ruth Shurman berichtet exklusiv im Management-Blog &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/11\/15\/exklusiv-bbc-produzentin-ruth-shurman-warum-die-dreharbeiten-fur-eine-bbc-doku-uber-die-bankenskandale-so-schwierig-waren\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2894,2449,2892,2893,2895],"class_list":["post-650927","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-bankenskandale","tag-bbc","tag-doku","tag-ruth-shurman","tag-tv-seire"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/650927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=650927"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/650927\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=650927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=650927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=650927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}