{"id":650717,"date":"2013-11-07T02:10:45","date_gmt":"2013-11-07T01:10:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=650717"},"modified":"2017-12-28T12:43:14","modified_gmt":"2017-12-28T11:43:14","slug":"warum-der-chef-wichtig-ist-fur-mitarbeiter-wie-unternehmen-interview-marco-nink-von-gallup","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/11\/07\/warum-der-chef-wichtig-ist-fur-mitarbeiter-wie-unternehmen-interview-marco-nink-von-gallup\/","title":{"rendered":"Warum sich gute Chefs f\u00fcr Unternehmen rechnen &#8211; und so viele Mitarbeiter unter schlechten leiden. Interview mit Marco Nink von Gallup"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Marco Nink vom Marktforscher Gallup \u00fcber die\u00a0<\/strong><strong>neue Gallup-Analyse, die zeigt,<\/strong>\u00a0<strong><a title=\"Gallup-Studie Besser arbeitslos als mit miesem Jobumfeld\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/05\/exklusiv-gallup-analyse-lieber-arbeitslos-und-glucklich-als-mit-job-und-miesem-arbeitsumfeld\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dass Arbeitslose gl\u00fccklicher und gesunder sind als Angestellte mit schlechtem Arbeitsumfeld. <\/a>Bisher ging man davon aus,\u00a0<\/strong><strong>dass Arbeit f\u00fcr die Menschen sinnstiftend ist, dass sie sich durch ihre Arbeit definieren und daraus gesellschaftliche Anerkennung ziehen. Und dass Arbeitslose eher depressiv werden als Menschen in Lohn und Brot. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/05\/exklusiv-gallup-analyse-lieber-arbeitslos-und-glucklich-als-mit-job-und-miesem-arbeitsumfeld\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/05\/exklusiv-gallup-analyse-lieber-arbeitslos-und-glucklich-als-mit-job-und-miesem-arbeitsumfeld\/<\/a><\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<div id=\"attachment_650597\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Marco-Nink.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-650597\" class=\"size-medium wp-image-650597\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Marco-Nink-300x150.jpg\" alt=\"Marco Nink vom Marktforscher Gallup\" width=\"300\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Marco-Nink-300x150.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Marco-Nink-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Marco-Nink-500x250.jpg 500w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Marco-Nink.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-650597\" class=\"wp-caption-text\">Marco Nink vom Marktforscher Gallup<\/p><\/div>\n<p><strong>Herr Nink, stellen die neuen Gallup-Erkenntnisse alle bisherigen Annahmen auf den Kopf?<\/strong><\/p>\n<p>Arbeit ist der Schl\u00fcssel zur Einbindung in die Gesellschaft. Das zeigt die <a title=\"Marienthal-Studie\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Arbeitslosen_von_Marienthal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ber\u00fchmte Marienthal-Studie<\/a> sehr deutlich. h<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Arbeitslosen_von_Marienthal\">ttp:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Arbeitslosen_von_Marienthal<\/a>\u00a0Diese untersuchte schon 1933 die Folgen der Arbeitslosigkeit w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise. Nachdem eine Textilfabrik im \u00f6sterreichischen Marienthal schloss, traf die Arbeitslosigkeit fast alle Familien im Ort. Die Folgen waren gravierend:\u00a0Die Energie und Vitalit\u00e4t der Menschen gingen verloren. Die Arbeitslosigkeit f\u00fchrte zu innerer Leere und Vernachl\u00e4ssigung. Beispielsweise verwilderte der Park, obwohl nun gen\u00fcgend Zeit zur Pflege da gewesen w\u00e4re. In der &#8211; kostenlosen &#8211; B\u00fccherei wurden kaum noch B\u00fccher ausgeliehen, da die Leute andere Sorgen im Kopf hatten.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Die Marienthaler litten so sehr unter ihrer Arbeitslosigkeit, dass sie quasi wie gel\u00e4hmt waren?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem das Gef\u00fchl des Nicht-Gebrauchtwerdens setzte ihnen stark zu. Trotz finanzieller Beihilfen empfinden die Menschen Arbeitslosigkeit als unertr\u00e4glichen Zustand. Auch unser Gallup-Engagement-Index zeigt: Sieben von zehn Arbeitnehmern w\u00fcrden auch weiter arbeiten gehen, wenn sie gen\u00fcgend Mittel h\u00e4tten, ein finanzielles sorgenfreies Leben zu f\u00fchren. Das gilt im \u00dcbrigen auch f\u00fcr zwei Drittel der Mitarbeiter, die kurz vor dem Ruhestand stehen.\u00a0Viele unserer Studien, wie die World Poll, zeigen, wie relevant\u00a0 ein guter Job f\u00fcr die Menschen ist.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>&#8230; also nicht irgendein Job&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Ja, das Wort \u00b4gut\u00b4 ist dabei wichtig. Es gen\u00fcgt nicht, einfach nur einen Job zu haben. Aber: Wenn das Arbeitsumfeld nicht stimmt, kann dies dazu f\u00fchren, dass der Mitarbeiter seine Lebenssituation dennoch genauso negativ empfindet wie jemand ohne Arbeit. Jene berichten h\u00e4ufiger \u00fcber negative Gef\u00fchle wie Stress, Wut, Sorgen oder Traurigkeit. Umgekehrt empfinden sie weniger positive Gef\u00fchle wie Gl\u00fcck, Spa\u00df und sie haben weniger gelacht oder gel\u00e4chelt als Arbeitslose. Vor allem haben sie sich weniger respektvoll behandelt gef\u00fchlt.<\/p>\n<p><b>.<\/b><\/p>\n<p><strong>Wenn nun die Innerlichen K\u00fcndiger und die Wegducker nach Ihrer Analyse 85 Prozent ausmachen: dann bedeutet dies, dass die allermeisten Arbeitspl\u00e4tze ohnehin quasi vergiftet sind und die Menschen dort leiden. Mit der Folge, dass ein Stellenwechsel gar keine echte Alternative ist &#8211; wenn\u00b4s woanders auch nicht besser ist, richtig?<\/strong><\/p>\n<p><b>.<\/b><\/p>\n<p>Von vergiftet w\u00fcrde ich nicht sprechen: sechs von zehn Mitarbeitern machen immerhin noch Dienst nach Vorschrift. Das hei\u00dft, das Arbeitsumfeld ist O.K, aber nicht perfekt. Allerdings: Hierdurch verschenken die Unternehmen viel Potential. Denn wenn das Umfeld so gestaltet werden w\u00fcrde, dass es den Bed\u00fcrfnissen der Mitarbeiter mehr entgegenkommt, w\u00fcrden sich dies positiv auf die Leistungsf\u00e4higkeit der Teams auswirken.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen gibt es in ein und derselben Firma oft verschiedene Arbeitsbedingungen: Auch innerhalb eines Unternehmens, wo mein direktes Arbeitsumfeld nicht stimmt, kann es einen Flur weiter schon ganz anders aussehen. Die gro\u00dfe Frage ist: Was wird auf dem anderen Flur anders gemacht und l\u00e4sst sich das auf andere Arbeitspl\u00e4tze und Teams \u00fcbertragen?<\/p>\n<p><b>.<\/b><\/p>\n<p><strong>Wie lautet also Ihr Rat f\u00fcr Unternehmen?<\/strong><b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><b>.<\/b><\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese mangelnde emotionale Bindung ist meistens der direkte Vorgesetzte mit seinem F\u00fchrungsverhalten. Dort m\u00fcssen Unternehmen ansetzen: Sie m\u00fcssen F\u00fchrungskr\u00e4fte dazu bef\u00e4higen, ihr eigenes F\u00fchrungsverhalten zu reflektieren und zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>&#8230;und wie?<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen in Mitarbeiterbefragungen messen, ob die zentralen Bed\u00fcrfnisse der Mitarbeiter erf\u00fcllt werden, dann die Ergebnisse als Grundlage f\u00fcr den Dialog zwischen F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mitarbeitern heranziehen und anschlie\u00dfend Ma\u00dfnahmen ableiten und umsetzen. F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten nicht nur an Finanzkennzahlen gemessen werden, sondern auch an der Qualit\u00e4t ihrer Mitarbeiterf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Und Firmen sollten infrage stellen, nach welchen Kriterien sie Mitarbeiter zu F\u00fchrungskr\u00e4ften machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welchen Unternehmen gelingt das gut?<\/strong><\/p>\n<p>Denen, die erkannt haben, dass sie zun\u00e4chst ihren F\u00fchrungskr\u00e4ften einen Spiegel vorhalten m\u00fcssen. Das hei\u00dft, sie m\u00fcssen F\u00fchrungskr\u00e4fte dazu bef\u00e4higen, ihr eigenes F\u00fchrungsverhalten zu reflektieren &#8211; und zu ver\u00e4ndern. <a href=\"https:\/\/www.businesscoaching-duesseldorf.com\/\">Dabei brauchen sie Trainings und Coachings<\/a>.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Personalberater berichten, dass Mitarbeiter bei Befragungen l\u00fcgen. Mit dem einen Ziel, ja nicht aufzufallen. Um ja nicht identifizierbar zu sein. Oder sie antworten nicht &#8211; um dann von Managern als die Zufriedenen gez\u00e4hlt zu werden. Denn andernfalls w\u00fcrden sie ja mitmachen, so die Manager-Logik. Dann geht es immer weiter wie bisher: Unternehmenslenker verkennen die Motive ihrer Mitarbeiter und ahnen nichts von deren wahrer Unzufriedenheit?<\/strong><\/p>\n<p><b>.<\/b><\/p>\n<p>Das mag es im Einzelfall geben. Die Befragungen sind aber anonym. F\u00fchrungskr\u00e4fte erhalten ihre Ergebnisse nur in aggregierter Form und nur dann, wenn mindestens f\u00fcnf aus ihrem Teams mitgemacht haben. Damit nicht nachvollziehbar ist, wer was geantwortet hat. Und\u00a0Mitarbeiter nutzen durchaus die gesamte Bandbreite unserer Skala, und zwar je nach Aspekt durchaus sehr unterschiedlich. Also es ist nicht so, dass die Mitarbeiter alle gute Noten geben, aus Furcht vor Konsequenzen.\u00a0Die Mitarbeiter der Unternehmen, f\u00fcr die Gallup arbeitet, machen von den Instrumenten viel Gebrauch. Wir haben in Deutschland unter den Mitarbeitern Beteiligungsquoten von rund 85 Prozent.\u00a0Die Ergebnisse sind Ausgangspunkt f\u00fcr den Dialog zwischen F\u00fchrungskr\u00e4ften und Teams \u00fcber die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen im Arbeitsumfeld. Hier k\u00f6nnen dann die Motive f\u00fcr das positive oder negative Abschneiden er\u00f6rtert werden.\u00a0Wenn die Mitarbeiter sehen, dass sich auch etwas ver\u00e4ndert, steigt ihr Vertrauen in das Instrument Mitarbeiterbefragung. Die Beteiligungsquoten in den folgenden Befragungswellen steigen unserer Erfahrung nach kontinuierlich an.<\/p>\n<p><strong>Mehr zur neuen Gallup-Studie<\/strong>:\u00a0<a title=\"Gallup-Studie 2013\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/05\/exklusiv-gallup-analyse-lieber-arbeitslos-und-glucklich-als-mit-job-und-miesem-arbeitsumfeld\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/05\/exklusiv-gallup-analyse-lieber-arbeitslos-und-glucklich-als-mit-job-und-miesem-arbeitsumfeld\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Zw\u00f6lf Kriterien guter F\u00fchrung<\/strong>:\u00a0<a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/07\/gallup-zwolf-kriterien-guter-fuhrung-der-mitarbeiter-das-unbekannte-wesen\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/10\/07\/gallup-zwolf-kriterien-guter-fuhrung-der-mitarbeiter-das-unbekannte-wesen\/<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Gallup-Studie vom Fr\u00fchjahr 2013 \u00fcber mangelnde Mitarbeiter-Loyalit\u00e4t &#8211; dieser Blogbeitrag wird in einem Schulbuch \u00fcbernommen werden:<\/strong>\u00a0\u00a0<a title=\"Loyalit\u00e4ts-Studie Gallup Fr\u00fchjahr 2013\" href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/03\/06\/gallup-studie-nur-15-prozent-der-mitarbeiter-in-deutschland-lieben-ihre-company-die-hauptschuldigen-daran-sind-die-mittelmanager\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/03\/06\/gallup-studie-nur-15-prozent-der-mitarbeiter-in-deutschland-lieben-ihre-company-die-hauptschuldigen-daran-sind-die-mittelmanager\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Marco Nink vom Marktforscher Gallup \u00fcber die\u00a0neue Gallup-Analyse, die zeigt,\u00a0dass Arbeitslose gl\u00fccklicher und gesunder sind als Angestellte mit schlechtem Arbeitsumfeld. 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