{"id":650608,"date":"2014-02-20T01:44:53","date_gmt":"2014-02-20T00:44:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=650608"},"modified":"2014-02-20T02:01:08","modified_gmt":"2014-02-20T01:01:08","slug":"buchauszug-jennifer-bentz-einfach-mal-klarkommen-wenn-der-konkurrenzdruck-ubermachtig-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/02\/20\/buchauszug-jennifer-bentz-einfach-mal-klarkommen-wenn-der-konkurrenzdruck-ubermachtig-wird\/","title":{"rendered":"Buchauszug Jennifer Bentz &#8222;Einfach mal klarkommen&#8220;: Wenn der Konkurrenzdruck \u00fcberm\u00e4chtig wird"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn allein die Angst, im Job zu versagen, umhaut &#8211; Jennifer Bentz hat dar\u00fcber geschrieben. Im Folgenden ein Buchauszug von ihrem Werk &#8222;Einfach mal klarkommen&#8220;. Die junge Frau &#8222;sieht keine Generation Y&#8220;. Sie kennt auch niemanden, der jung und in der Situation ist, Forderungen gegen\u00fcber Unternehmen stellen zu k\u00f6nnen. In ihrem ganzen Freudeskreis kein einziger.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_650733\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Jennifer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-650733\" class=\"size-medium wp-image-650733\" alt=\"Autorin Jennifer Bentz\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Jennifer-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Jennifer-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Jennifer.jpg 406w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-650733\" class=\"wp-caption-text\">Autorin Jennifer Bentz<\/p><\/div>\n<p>\u00bbWer sind Sie und was wollen Sie hier?\u00ab, schrie mein neuer Chef, als ich mich am ersten Arbeitstag in seinem B\u00fcro vorstellte. Ich erkl\u00e4rte, wer ich war und was ich wollte. \u00bbFrau Bentz also! Aha! Die neue Praktikantin! Guuut f\u00fcr Sie! Aber wieso stehen Sie hier so unt\u00e4tig rum?\u00ab Sein Tonfall steigerte sich zum Ende des Satzes hin zu einer merkw\u00fcrdigen Mischung aus Wut und Weinerlichkeit. \u00bbMein Gott, starren Sie nicht so, Sie arbeiten nicht nur nichts, Sie halten <i>mich<\/i> auch noch auf!\u00ab Er r\u00fcttelte nerv\u00f6s an dem nichtssagenden Brillengestell, das auf seiner spitzen Nase sa\u00df und fuhr sich mehrmals mit den H\u00e4nden durch die Haare, obwohl er keine mehr hatte.<\/p>\n<p>Ich schloss die T\u00fcr. H\u00f6lzern ging ich den Weg zur\u00fcck durch den Flur, um im Anschluss eine halbe Stunde verdutzt und regungslos in der Mitte meines kleinen B\u00fcros zu stehen. Danach setzte ich mich an den Computer und nahm meinen urspr\u00fcnglichen Plan wieder auf, als Praktikantin der Spielfilm-Abteilung einer TV-Produktionsfirma \u00fcberdurchschnittlich gute Arbeit zu leisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zwei von f\u00fcnf sollten \u00fcbernommen werden<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von den f\u00fcnf Praktikanten, so hie\u00df es, w\u00fcrden zwei in ein einj\u00e4hriges Ausbildungsprogramm \u00fcbernommen \u2013 und ich wollte dabei sein. So sa\u00df ich noch im B\u00fcro, als alle anderen schon l\u00e4ngst gegangen waren, und arbeitete an einer \u00dcbungskalkulation, eine Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme, die vermutlich eigens f\u00fcr die Praktikanten erstellt worden war. Damit waren meine verkl\u00e4rt-romantischen Vorstellungen, gleich am ersten Arbeitstag durch einen genialen Geistesblitz zur gefeierten Heldin der gesamten Filmcrew zu werden, h\u00f6hnisch lachend an der Realit\u00e4t zerschellt. Au\u00dferdem war ich mir sicher gewesen, dass derartige, fingierte Textaufgaben zeitgleich mit dem Uni-Abschluss aus meinem Leben verschwinden w\u00fcrden. Und Platz machten f\u00fcr <i>echte<\/i>, verantwortungsvolle Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Kehraus macht die Putzfrau<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas deprimiert arbeitete ich weiter, bis eine Putzfrau in blauem Kittel mit be\u00e4ngstigend schlechter Laune um mich herumwischte und dabei energisch auf Polnisch redete. Es klang so, als w\u00fcrde sie sich bei sich selbst \u00fcber mich beschweren. Anschlie\u00dfend warf sie mich raus, weil sie abschlie\u00dfen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Cover-3D.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-650734\" alt=\"Bentz.Cover 3D\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Cover-3D-221x300.jpg\" width=\"221\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Cover-3D-221x300.jpg 221w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Cover-3D-755x1024.jpg 755w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/10\/Bentz.Cover-3D.jpg 479w\" sizes=\"auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"center\"><a title=\"Einfach mal klar kommen, Jennifer Bentz\" href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Einfach-mal-klarkommen-Praktikum-Geschichte\/dp\/3944296028\/ref=sr_1_fkmr1_1?ie=UTF8&amp;qid=1392856371&amp;sr=8-1-fkmr1&amp;keywords=lieber+mal+klarkommen\" target=\"_blank\">http:\/\/www.amazon.de\/Einfach-mal-klarkommen-Praktikum-Geschichte\/dp\/3944296028\/ref=sr_1_fkmr1_1?ie=UTF8&amp;qid=1392856371&amp;sr=8-1-fkmr1&amp;keywords=lieber+mal+klarkommen<\/a><\/p>\n<p align=\"center\">234 Seiten, Verlag Eden Books 2013, 12,95 Euro<\/p>\n<p align=\"center\">*<\/p>\n<p>\u00bbFrau Beeentz\u00ab, h\u00f6rte ich eine ungew\u00f6hnlich hohe M\u00e4nnerstimme rufen, als ich am n\u00e4chsten Morgen \u00fcberm\u00fcdet aus dem Aufzug im sechsten Stock des Firmengeb\u00e4udes stieg.<\/p>\n<p>\u00bbJa?\u00ab Mein Blick fiel auf einen kleinen, dunkelh\u00e4utigen Mann mit modischer Frisur und edlem Anzug, der eiligen Schrittes auf mich zuging und bereits seine Hand ausstreckte, als er noch f\u00fcnf Meter von mir entfernt war.<\/p>\n<p>\u00bbLandmeier mein Name, Online-Marketing und Personal, hallo\u00ab, stellte er sich vor und sch\u00fcttelte freudestrahlend meine Hand. \u00bbIch war gestern au\u00dfer Haus und konnte Sie nicht pers\u00f6nlich begr\u00fc\u00dfen. Jetzt aber! Wie f\u00fchlt man sich denn so in den ersten Tag am neuen Arbeitsplatz?\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie f\u00fchlt man sich&#8230;.?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tja, wie f\u00fchlt man sich, wenn man jahrelang studiert hat, um danach als Junior-Producerin oder Redaktionsvolont\u00e4rin zu arbeiten und letztendlich wieder nur als Praktikantin endet? Und wenn man au\u00dferdem am ersten Tag von einem br\u00fcllenden Chef und einer mies gelaunten Putzfrau empfangen wird? Wie f\u00fchlt man sich also? Beschissen nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>\u00bbGut\u00ab, sagte ich und l\u00e4chelte Herrn Landmeier an. Er war mir trotz allem sympathisch. Eine T\u00fcr weiter stellte er mich der ersten Sekret\u00e4rin, Frau Segm\u00fcller, vor. Eine freundlich aussehende, etwa f\u00fcnfzigj\u00e4hrige Dame mit auberginefarbenem Kurzhaarschnitt und einer silbernen Brille, die sie aber nicht auf der Nase, sondern an einer Kette um den Hals trug. Sie blickte interessiert auf.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist Frau Bentz\u00ab, sagte Herr Landmeier, \u00bbunsere neue Praktikantin. Sie hat gerade in diesem Monat ihr Studium beendet.\u00ab\u00a0Ich sp\u00fcrte einen pochenden Kopfschmerz, wahrscheinlich vom Schlafmangel der letzten Nacht.<\/p>\n<p>\u00bbNa, dann hei\u00dfe ich Sie herzlich Willkommen\u00ab, begr\u00fc\u00dfte mich Frau Segm\u00fcller mit einem freundlichen L\u00e4cheln und sch\u00fcttelte meine Hand. \u00bbSie sind also frisch gebacken von der Universit\u00e4t? Und haben alle Pr\u00fcfungen geschafft?\u00ab<\/p>\n<p>Ich nickte.<\/p>\n<p>\u00bbDas ist doch mal ein Grund, den Sekt aufzumachen, der schon seit Wochen im K\u00fchlschrank liegt!\u00ab, rief Frau Segm\u00fcller begeistert aus. Dass sich eine v\u00f6llig fremde Person so enthusiastisch \u00fcber meinen Abschluss zeigte, \u00fcberraschte und ber\u00fchrte mich zugleich, also stimmte ich l\u00e4chelnd zu. Sp\u00e4ter sollte ich lernen, dass beinahe jeden Tag eine Flasche Sekt getrunken werden musste, die schon seit Wochen im K\u00fchlschrank lag und daf\u00fcr permanent neue Gr\u00fcnde gefunden werden mussten. Nichtsdestotrotz freute ich mich dar\u00fcber, solch nette Kollegen zu haben. Auch die anderen Praktikanten, Christian, Timo, Michael und Florian waren sehr nett (selbst wenn ich sie notgedrungen als Konkurrenten betrachten musste).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Chef haut gegen die Wand<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Chef an sich wurde nicht netter. Dummerweise hatte ich das B\u00fcro genau neben seinem erwischt und wenn er \u00bbDenken!\u00ab oder \u00bbLesen!\u00ab musste, lag er auf seiner Couch, knetete zur Beruhigung seiner Nerven einen kleinen Knetball und wartete angestrengt auf irgendwelche Ger\u00e4usche. Drangen diese dann aus meinem oder einem anderen Nachbarb\u00fcro, etwa in Form eines zusammengekn\u00fcllten Papiers oder eines nicht unterdr\u00fcckbaren Niesens in sein B\u00fcro, sprang er von seiner Couch auf, schlug mit der Faust gegen die Wand und schrie so laut, dass sich seine Stimme \u00fcberschlug. Meistens hielt ich mir die Ohren zu und bekam nur Satz- und Wortfetzen mit, die ich der Etikette wegen hier nicht wiederholen m\u00f6chte.<\/p>\n<p align=\"center\">*<\/p>\n<p>Ich verlie\u00df jeden Abend als Letzte das B\u00fcro und rauchte noch eine Zigarette mit Mimi, der polnischen Putzfrau, auf der Feuerleiter. Sie sprach gebrochen Deutsch und hatte mir mittlerweile glaubw\u00fcrdig versichert, dass ihr w\u00fctendes Selbstgespr\u00e4ch am ersten Abend nicht von mir, sondern vom miserablen Frauengeschmack ihres \u00e4ltesten Sohnes gehandelt hatte. Zu Hause angekommen wickelte ich w\u00e4hrend des Duschens das t\u00e4gliche Streitgespr\u00e4ch mit meinem Freund am Telefon ab und machte mich wieder an die Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn der Chef nachfragt<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als besonders wichtig hatte es sich erwiesen, jedes Drehbuch, das mein Chef in der engeren Auswahl hatte, besonders gut zu kennen. Beinahe t\u00e4glich suchte er mich n\u00e4mlich in meinem B\u00fcro auf und wollte meine Meinung zu einem der Stoffe wissen. Das Ganze war vom Ablauf her h\u00f6chst standardisiert: Er riss die T\u00fcr auf, steckte den Kopf rein \u2013 um den ganzen K\u00f6rper in ein fremdes B\u00fcro zu bewegen, war einfach zu wenig Zeit \u2013 und stellte mir eine Frage, ohne vorher zu erkl\u00e4ren, worum es ging. Antwortete ich nicht innerhalb von zwei Sekunden sinnvoll und folgerichtig, rollte er mit den Augen, schlug die T\u00fcr scheppernd wieder zu und lie\u00df mich mit einem Rekordstand an Adrenalin im K\u00f6rper zur\u00fcck. Anfangs fiel mir erst ein bis zwei Stunden nach seiner Attacke ein, auf welches Drehbuch sich seine Frage bezogen haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schockmoment bis Erkenntnisfindung<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zeitspanne von Schockmoment bis Erkenntnisfindung wurde aber immer k\u00fcrzer und ich werde nie den Tag vergessen, als ich direkt eine Antwort parat hatte. Es war am Ende der ersten Woche und wieder einmal bellte er schon los, bevor die T\u00fcr richtig offen und sein Kopf im Zimmer war: \u00bb&#8230;das jetzt ein Schwulen-Ding oder eher \u2019ne Vater-Sohn-Geschichte?\u00ab, h\u00f6rte ich nur noch. Ich wusste, worum es ging und hatte eine Meinung. Jetzt blo\u00df nicht in Details verlieren, obwohl sie durchaus angebracht w\u00e4ren. Kurz, pr\u00e4zise und ohne Umschweife antworten. Los.<\/p>\n<p>\u00bbAlso so lange das <i>so<\/i> endet, ist es wohl eher \u2019ne Vater-Sohn-Geschichte, f\u00e4ngt aber als Film \u00fcber Homosexualit\u00e4t an. Also nicht stringent genug\u00ab, sagte ich, so schnell es mit einem Viertel Frischk\u00e4se-Roggenbr\u00f6tchen im Mund m\u00f6glich war, ohne undeutlich zu sprechen. Erst runterschlucken h\u00e4tte zu viel Zeit gekostet. Nach dem typischen \u00bbhmpfgrmlgrml\u00ab schlug mein Chef ohne ein weiteres Wort die T\u00fcr zu und stampfte davon. Meine Antwort hatte ihn offenbar nicht \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rasch antworten&#8230;damit der Chef es als seine Antwort verkaufen kann<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Exakt zehn Sekunden sp\u00e4ter h\u00f6rte ich jedoch nebenan im B\u00fcro seine schnarrende Stimme schimpfen:\u00a0\u00bbAlso, ich habe den <i>ganzen<\/i> Morgen nachgedacht und so lange das <i>so<\/i> endet, ist es wohl eher \u2019ne Vater-Sohn-Geschichte, f\u00e4ngt aber als Film \u00fcber Homosexualit\u00e4t an. Also nicht stringent genug. \u00c4ndern Sie das!\u00ab<\/p>\n<p>Dann h\u00f6rte ich, wie ein zu bedauernder Telefonh\u00f6rer w\u00fctend und ger\u00e4uschvoll in seine Gabel geknallt wurde. Endlich hatte Herr Speeks meine Kompetenzen erkannt. W\u00e4re ich konzentrierter gewesen, h\u00e4tte ich das viel fr\u00fcher erreichen k\u00f6nnen. Ich \u00e4rgerte mich \u00fcber die unz\u00e4hligen Male, bei denen ich nicht schnell genug reagiert hatte. Vielleicht lag es daran, dass ich mich seit einigen Tagen irgendwie m\u00fcde und ger\u00e4dert f\u00fchlte. Es war das Gef\u00fchl einer sich anbahnenden Erk\u00e4ltung. Meine k\u00f6rperliche Verfassung war mir zwar egal, aber es sollte auf keinen Fall so weit kommen, dass mich jemand f\u00fcr schwach oder unbelastbar halten k\u00f6nnte. Ich hatte nur wenige Wochen Zeit, um mit \u00fcberragender Arbeit zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Das h\u00e4tte ich m\u00f6glicherweise sogar geschafft, w\u00e4re ich nicht durch einen mehr als d\u00e4mlichen Zufall in eine verzwickte Doppelrolle geraten: Kurz vor Feierabend kamen Frau Segm\u00fcller und mein Chef zusammen in mein B\u00fcro, schlossen die T\u00fcr hinter sich und bauten sich stillschweigend-theatralisch mit ernsten Minen vor meinem Schreibtisch auf.<\/p>\n<p>\u00bbIst irgendwas?\u00ab, fragte ich.\u00a0\u00bbJa, also, ich, \u00e4h&#8230;\u00ab, stammelte Frau Segm\u00fcller, \u00bbhatte vor zwei Jahren mal einen Bandscheibenvorfall, das ist alles gut verheilt, mein Arzt sagt sogar, ich w\u00e4re&#8230;\u00ab\u00a0\u00bbKomm zum Punkt, Erika!\u00ab, zeterte mein Chef. \u00bbDie Kurzfassung bitte!\u00ab\u00a0Die Kurzfassung war, dass Frau Segm\u00fcller von nun an jeden Morgen zur Krankengymnastik musste und ich in den n\u00e4chsten Wochen t\u00e4glich vier Stunden als Ersatzsekret\u00e4rin in Herrn Speeks Vorzimmer instrumentalisiert werden sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Chef lief rot an und schrie<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine vorsichtige Frage, ob ich mir diese Aufgabe mit den anderen Praktikanten teilen d\u00fcrfte \u2013 das w\u00fcrde f\u00fcr jeden von uns nur einen Morgen in der Woche bedeuten \u2013 verursachte das sofortige Hervortreten einer be\u00e4ngstigend dicken Vene am Hals meines Chefs, die stark pulsierend Blut in seinen Kopf pumpte. Er lief rot an. Dann begann er zu schreien. Es sei \u00bbRein logisch\u00ab, dass er f\u00fcr diesen Dienst \u00bbein Frollein!\u00ab brauchte, denn \u00bbein Mann als Sekret\u00e4rin, das glaubt ja kein Mensch!\u00ab<\/p>\n<p>Dass ich mich nun tendenziell in meiner Weiblichkeit diskriminiert f\u00fchlte, sagte ich nicht. Stattdessen gab ich ein debiles Stottern befremdlicher Verbl\u00fcffung von mir, welches mein Chef umgehend zum Anlass nahm, wortlos aus meinem B\u00fcro zu verschwinden. Wahrscheinlich war ich unter vier Jungs ohnehin nur die Quotenfrau. Somit war es logisch, dass ich zum Sekretariatsdienst antreten musste, offensichtlich interessierte sich niemand f\u00fcr meine eigentliche Arbeit. Das galt es zu \u00e4ndern. Meine mittelfristige Strategie war es, meine Sekretariatsarbeit zun\u00e4chst dem\u00fctig und stillschweigend anzunehmen. Langfristig jedoch wollte ich parallel dazu mit \u00fcberragender Leistung im Produktionsbereich punkten, um mir meinen Platz im Ausbildungsprogramm zu sichern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Grad an Absurdit\u00e4t,in dem keine Steigerung mehr m\u00f6glich war\u00a0<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">\n<p align=\"center\">So sa\u00df ich bereits am n\u00e4chsten Morgen im Vorzimmer und bewunderte die Ironie meines Schicksals: Um einer solchen T\u00e4tigkeit zu entgehen, hatte ich mich in den letzten Jahren von der f\u00fcr mich vorgesehenen B\u00fcrolaufbahn in der Autowerkstatt meiner Eltern erst zum Abitur und dann zur Universit\u00e4t stetig nach oben gek\u00e4mpft. Nur um nun wieder als Schreibkraft zu enden, und diesmal sogar ohne Bezahlung. Irgendwie schien es meine unumg\u00e4ngliche Bestimmung zu sein. Um Rechnungen abzuheften und Briefe zu \u00f6ffnen, wurde ich nun offiziell von all meinen anderen Arbeiten freigestellt. Laut Chef war es aber meine wichtigste Aufgabe \u00bbAnrufe anzunehmen und durchzustellen!\u00ab Das k\u00f6nnte auch meine Katze. Zu allem \u00dcberfluss erkl\u00e4rte mir Frau Segm\u00fcller vor meinem ersten Einsatz ausschweifend, dass Telefonate grunds\u00e4tzlich <i>nicht <\/i>durchgestellt w\u00fcrden, denn das st\u00f6re den kreativen Flow unseres Chefs. Es sollte aber Name und Nummer notiert werden und er w\u00fcrde sich zur\u00fcckmelden, wenn die Muse gerade ausgewandert war. Jetzt k\u00f6nnte es sogar die Prostata meiner Katze. Aber immerhin hatte meine Situation einen so hohen Grad an Absurdit\u00e4t erreicht, dass keine Steigerung mehr m\u00f6glich war. Dachte ich.<\/p>\n<p>Bereits f\u00fcnf Minuten nachdem Frau Segm\u00fcller am Montagmorgen gegangen war, stellte ich fest, dass ich die Anforderungen ihres Jobs ma\u00dfgeblich untersch\u00e4tzt hatte. Nach jedem Anruf, zu dem ich Name und Nummer notiert hatte, kam mein Chef hektisch ins Vorzimmer gerast. Man sah ihm dabei an, dass er eigentlich schnell rennen wollte, aber sich noch so weit im Griff hatte, dass es letzten Endes eine Mischung aus Laufen und Gehen war, wobei er sich nicht selten an einer aus Zeitmangel nicht richtig ge\u00f6ffneten T\u00fcr irgendwelche K\u00f6rperteile anstie\u00df. Dann kratzte er die Kurve, stemmte mit durchgedr\u00fcckten Armen die F\u00e4uste auf meinen Schreibtisch und blickte mich aus zusammengekniffenen Augen eindringlich an. Er wollte sofort s\u00e4mtliche Informationen: Wer am Telefon gewesen war, was er wollte, was ich gesagt und ob ich die Nummer notiert hatte. Dann rechtfertigte er sich vorwurfsvoll, er habe schlie\u00dflich keine Zeit, alle Anrufe selbst entgegen zu nehmen und das k\u00f6nne bei seinem geleisteten Arbeitspensum auch niemand von ihm erwarten. Das Ganze h\u00f6rte sich an wie ein entschuldigendes Selbstgespr\u00e4ch und dabei lief er, so schnell er konnte, geb\u00fcckt um meinen Tisch und fuhr sich mit den H\u00e4nden durch die nicht vorhandenen Haare. Eigentlich h\u00e4tte er in dieser Zeit den Anruf selbst annehmen, die Sache kl\u00e4ren und zus\u00e4tzlich noch eine ganze Zeit lang seinen kleinen Knetball kneten k\u00f6nnen. Aber ich h\u00fctete mich, ihm das zu sagen. Stattdessen gab ich ihm recht und er trottete selbstzufrieden zur\u00fcck in sein B\u00fcro. So lief es, wenn alles gut lief. Leider gab es Ausnahmen. Zum Beispiel, als ich mir ein einziges Mal erlaubt hatte, die Nummer eines Anrufers f\u00fcr meinen Chef nicht zu notieren, da es sich um seine Mutter handelte. Leichtsinnig war ich davon ausgegangen, dass man die Nummer der eigenen Mutter einfach besitzt. Das wurde mir von Herrn Speeks sogar best\u00e4tigt, allerdings ging es \u00bbUms Prinzip!\u00ab und wenn ich die Anweisung hatte, \u00bbjede Nummer zu notieren!\u00ab, dann sollte ich eben auch \u00bbjede Nummer notieren!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5-4-3-2-1 und der \u00a0Chef kommt gerast<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einem halben Jahr in diesem Verein war man wahrscheinlich automatisch f\u00fcr sinnloses Handeln nach vorgegebenen Schritten in der h\u00f6heren Beamtenlaufbahn qualifiziert. Aber ich sollte lernen, dass es ganz so einfach doch nicht war. Es gab n\u00e4mlich genau einen Ausnahmefall, in dem man den Namen auf keinen Fall notieren durfte \u2013 und zwar bei Prominenten. Diese k\u00f6nnten sich dann n\u00e4mlich nicht erkannt und damit diskreditiert f\u00fchlen. Bl\u00f6d nur, wenn man die Promis wirklich nicht kennt. Einmal rief ein sehr netter Herr namens Walter Plathe an. Ich notierte Namen und Nummer und erz\u00e4hlte das alles meinem Chef, als er nach 5-4-3-2-1 Sekunden aus seinem B\u00fcro gest\u00fcrmt kam. Das war nicht gut.<\/p>\n<p>\u00bb<i>Ein<\/i> Walter Plathe hat angerufen? <i>Eiiin<\/i> Walter Plathe? Sie wollen in der Filmbranche arbeiten und kennen Walter Plathe nicht?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbNein, tut mir Leid, Chef.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbHaben Sie nie <i>Derrick<\/i> gesehen? Oder <i>Der Landarzt<\/i>?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbNein, tut mir Leid, Chef. Das ist nicht mein Geschmack. Jeder hat so seine Favoriten, oder? Also, h\u00e4tte Josh Hartnett angerufen, h\u00e4tte ich gewusst wer\u2018s ist.\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbWer zum Teufel ist Josh Hartnett?\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbSehen Sie?\u00ab<\/p>\n<p>Mit einem diesmal lautstarken \u00bb<b>hmpfgrmlgrml<\/b>\u00ab verschwand er wieder; durch den Schock hatte er sogar vergessen, geb\u00fcckt um den Tisch zu laufen. Daf\u00fcr kam er wenige Minuten sp\u00e4ter zur\u00fcck in mein B\u00fcro gest\u00fcrmt, um mir zu sagen, dass er sich \u00fcber Josh Hartnett informiert hatte.<\/p>\n<p>\u00bb\u2026 aber der wird f\u00fcr unsere Produktionen zu teuer sein, Frau Bentz. Also seien Sie bitte nicht entt\u00e4uscht, wenn er niemals hier anruft!\u00ab<\/p>\n<p>\u00bbDas dachte ich mir schon, Chef\u00ab, sagte ich und erkl\u00e4rte stolz, dass ich mich in der Zwischenzeit auch \u00fcber Walter Plathe informiert hatte.<\/p>\n<p>\u00bbGut so!\u00ab, bellte mein Chef und st\u00fcrmte wieder davon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline\">Die Generationsthematik<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte Berufsausbildung und Studium schnell und gut abgeschlossen, die unverzichtbaren Auslandserfahrungen gesammelt und langj\u00e4hrig unbezahlt als Praktikantin oder freie Mitarbeiterin in den Redaktionen der ganzen Nation geschuftet. Die Welt wartete nur auf mich, da war ich mir sicher. Tat sie aber nicht. Es gab kaum Stellenangebote in meinem Bereich, noch weniger Einladungen zu Vorstellungsgespr\u00e4chen und auf Initiativbewerbungen reagierten die meisten Firmen noch nicht einmal mit einer Eingangsbest\u00e4tigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Garnichtlohn-Sektor<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich wie die Grille, die hungrig in der K\u00e4lte sitzt, weil sie den Sommer \u00fcber gesungen hat, anstatt, wie die flei\u00dfige Ameise, Nahrung f\u00fcr den Winter zu sammeln. Paradox daran war: Ich hatte gar nicht gesungen, sondern gesammelt, und zwar f\u00fcr zehn Ameisen, stand aber trotzdem mit leeren H\u00e4nden da. Jahrelang hatte ich mich abgerackert, mir keine Pause geg\u00f6nnt. Die Grille, die wenigstens im Sommer ihr Leben genossen hatte und die Ameise, der es gelungen war, etwas Verwertbares zu sammeln, lachten mich beide h\u00e4misch aus. Stattdessen wieder ein Praktikum. Wie viele meiner Exkommilitonen musste ich weiterhin alle m\u00f6glichen Stationen des Niedrig- und Garnicht-Lohnsektors durchlaufen. Immer noch musste ich mich beweisen, hatte Pr\u00fcfungen zu bestehen. Und es war kein Ende in Sicht. Selbst das Ausbildungsprogramm, auf das ich hinarbeitete, war befristet. Obwohl ich die ganze Debatte um die Generation Drei\u00dfig hasste, steckte ich mittendrin.: Wir sorgen f\u00fcr viel Diskussionsstoff. Als Gesellschaftsgruppe, die sich abrackert und trotzdem auf der Stelle tritt, als Generation Praktikum, als wissenschaftliches Prekariat. Vor allem aber als Menschen, die innerlich zerrissen sind zwischen alten Werten und vermeintlicher Freiheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Vorg\u00e4ngergeneration der Meinung ist, wir sollten doch aufh\u00f6ren zu jammern. Sie hat gut reden. Damals hatte man mit drei\u00dfig feste Geh\u00e4lter, Haus und Familie. Und obwohl ich das viel zu spie\u00dfig finde, \u00e4rgert es mich doch, dass selbst, wenn ich wollte, es einfach nicht machbar w\u00e4re. Die Ausbildungswege sind lang, ein Studienabschluss f\u00fchrt nicht mehr zu einem sicheren Job oder zumindest nicht gleich. Die Finanzkrise hat dieser ganzen Entwicklung nur noch das Sahneh\u00e4ubchen aufgesetzt. Sie ist zwar sang- und klanglos wieder verschwunden, aber die Zukunftsangst, die sie uns mitgebracht hatte, die durften wir behalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0Motiviert und bedingungslos flexibel sein m\u00fcssen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber darf man aber nicht sprechen. Motiviert m\u00fcssen wir sein, offen f\u00fcr die Welt, wir sollen es gro\u00dfartig finden, bedingungslos flexibel und mobil zu sein und f\u00fcr jedes Praktikum oder Volontariat die Stadt zu wechseln \u2013 ohne zu wissen, wie lange wir diesmal bleiben d\u00fcrfen oder ob es diesmal zu einem befristeten Vertrag f\u00fchrt. Wieder eine andere WG, wieder andere Mitbewohner, wieder ein Nebenjob bei Starbucks, wieder ein Techtelmechtel, das keine Aussichten auf Zukunft hat. Mit 24 ist das aufregend, mit drei\u00dfig einfach anstrengend. Und obwohl ich zurzeit in meinem gewohnten Umfeld bin, f\u00fchle ich mich prophylaktisch heimatlos. Wer wei\u00df, wann und wie schnell es mich irgendwo anders hin verschl\u00e4gt. Es gibt nur noch Aufbruch, kein Ankommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daran zerbrechen Freundschaften und Beziehungen: Der eine muss nach dem Abschluss f\u00fcr ein Praktikum ins Ausland, der andere wird f\u00fcr sein Lehramtsreferendariat nach Castrop-Rauxel berufen. Fernbeziehung oder Trennung? In dieser Reihenfolge. Solche \u00dcberlegungen lassen mich mein Studium bereuen. F\u00fcr eine Stelle werde ich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wieder die Stadt wechseln m\u00fcssen und damit weiterhin Job \u00fcber Wahlheimat, Freunde und Beziehung stellen. H\u00e4tte ich mich f\u00fcr eine Laufbahn als Krankenschwester oder Rechtsanwaltsfachangestellte entschieden, k\u00f6nnte ich nun \u00fcberall arbeiten. Und mir erlauben, mein Privatleben wichtig zu nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Familie gr\u00fcnden geht nur als Sekret\u00e4rin<\/strong><\/p>\n<p>Eine Familie gr\u00fcnden gilt nur f\u00fcr Akademikerfrauen als sozialer Fauxpas gegen\u00fcber dem Arbeitgeber. Eine Sekret\u00e4rin darf das. Und bekommt noch Blumen vom Chef dazu. Auch wenn das Feuilleton geschlossen dar\u00fcber sinniert, wie sich Gesetze und Ehem\u00e4nner besser einbringen k\u00f6nnen, auf die Welt gebracht werden m\u00fcssen Kinder weiterhin von Frauen, daran kann auch die Politik nichts \u00e4ndern. Und die Arbeitgeber wissen das. Aber den M\u00e4nnern geht es nicht besser, nur anders. Die Phase fester Jobs und berechenbarer Geh\u00e4lter verschiebt sich auch f\u00fcr sie nach hinten. Und damit auch die Zeit, in der sie als traditioneller Versorger eine Familie ern\u00e4hren k\u00f6nnten, wie es der Vater vorgelebt hat. Selbst wenn es heute nicht mehr gefragt ist, dass der Mann alleine f\u00fcr den Unterhalt sorgt, so kratzt die Vorstellung, dass er es auch gar nicht k\u00f6nnte, doch am m\u00e4nnlichen Stolz. Aber was sollen wir dagegen tun? Sich wehren, hei\u00dft es von \u00bboben\u00ab. Aber was will man von einer Generation erwarten, die ausgerechnet durch die Angst vor Sozialversagen in die Opferrolle der leicht Ausbeutbaren getrieben wird? Ich glaube nicht, dass unsere Eltern und Gro\u00dfeltern, die uns Flei\u00df und soziale Sicherheit als h\u00f6chstes Gut eingetrichtert haben, das wollten. Aber die Gesellschaft hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Da helfen nun auch keine Vorw\u00fcrfe. Wir sind nicht zu 68-ern erzogen worden. Nat\u00fcrlich m\u00fcssten wir uns wehren. Eine derart streitbare Lebenslage m\u00fcsste mich eigentlich herausfordern. Meinen Kampfgeist wecken, das Problem siegessicher anzugehen und allem \u00dcbel den Todessto\u00df zu versetzen. Aber im Augenblick schaffte ich es noch nicht einmal, meine W\u00e4sche zu sortieren. (&#8230;)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf der Suche nach Strukturen<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einerseits suchte ich nach festen Strukturen und Sicherheit, andererseits traute ich mich nicht, selbst einen soliden Standpunkt anzunehmen. Aus Angst, mich falsch zu entscheiden. Jede Entscheidung f\u00fcr ein bestimmtes Lebensmodell ist gleichzeitig eine Entscheidung gegen viele andere. Welcher Weg war jetzt richtig? Womit w\u00fcrde ich am gl\u00fccklichsten? In welcher der St\u00e4dte wartete langfristig der beste Job? Die gro\u00dfe Liebe? Die sch\u00f6nste Zukunft? Genau deswegen werden wir zynisch \u00bbGeneration Maybe\u00ab genannt, ein Haufen unentschlossener Optimierer, die \u00bbvielleicht\u00ab sagen und im \u00bbSowohl-Als-Auch\u00ab leben. Das klingt, als w\u00e4ren wir schrecklich verw\u00f6hnte Spa\u00dfmenschen, die vors\u00e4tzlich entscheidungsgehemmt nicht erwachsen werden wollen. Aber so ist es nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Selten etwas Haltbares<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei dieser Vielzahl an M\u00f6glichkeiten, hinter denen sich selten etwas Haltbares verbirgt, scheint mir absolute und freie Selbstbestimmung nicht immer ein Segen zu sein. Man springt gedanklich und k\u00f6rperlich im Zickzack, nur um nicht die Chance zu verpassen, irgendwann Ruhe und Sicherheit zu finden \u2013 und verpasst sie auf diese Weise erst recht. Es kommt mir so vor, als k\u00f6nne das Hirn durch dieses jahrelang verlangte Hin und Her nicht mehr stillstehen. Bietet sich dann tats\u00e4chlich eine M\u00f6glichkeit, geradlinig einen Weg zu verfolgen, \u00e4ndern wir schon von selbst die Richtung \u2013 weil wir die Ruhe nicht mehr ertragen, sie erscheint uns verd\u00e4chtig. Stillstand kann nichts Gutes bedeuten in einer Zeit, in der das Sammeln von Lebenslaufstationen zum Selbstzweck geworden ist. Wir k\u00f6nnen nicht mehr anhalten. Wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal losl\u00e4uft und vor lauter Unbeholfenheit von selbst immer schneller wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn allein die Angst, im Job zu versagen, umhaut &#8211; Jennifer Bentz hat dar\u00fcber geschrieben. Im Folgenden ein Buchauszug von ihrem Werk &#8222;Einfach mal klarkommen&#8220;. Die junge Frau &#8222;sieht keine Generation Y&#8220;. 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