{"id":650261,"date":"2013-08-30T16:51:44","date_gmt":"2013-08-30T14:51:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=650261"},"modified":"2013-08-30T18:07:39","modified_gmt":"2013-08-30T16:07:39","slug":"thomas-klindt-uber-geplante-obdoleszenz-fur-ihn-eine-moderne-verschworungstheorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/08\/30\/thomas-klindt-uber-geplante-obdoleszenz-fur-ihn-eine-moderne-verschworungstheorie\/","title":{"rendered":"Thomas Klindt \u00fcber geplante Obsoleszenz &#8211; f\u00fcr ihn eine moderne Verschw\u00f6rungstheorie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geplante <a title=\"Obsoleszenz Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Obsoleszenz\" target=\"_blank\">Obsoleszenz<\/a> ist\u00a0eins der neuen, modernen M\u00e4rchen unserer Zeit, findet\u00a0Thomas Klindt, Partner bei Noerr, Professor und Experte f\u00fcr Produkthaftung (Gastbeitrag). <\/strong><\/p>\n<p>Mit den j\u00fcngsten, dem Klischee indes zuwiderlaufenden Untersuchungen der Stiftung Warentest ist &#8211; endlich &#8211; einmal ein versachlichender Ton in die Debatte um die geplante Obsoleszenz gekommen. Mit diesem zungenbrecherischen Fremdwort wird die k\u00fchne These bezeichnet, dass Industrieunternehmen ihre Produkte\u00a0 &#8211; insbesondere im Konsumg\u00fcterbereich &#8211; gezielt so designen oder fertigen, dass diese just nach Ablauf der Gew\u00e4hrleistungsfrist nicht mehr funktionieren &#8211; und der Kunde deshalb ein neues Ger\u00e4t kaufen muss.<\/p>\n<p><strong>Moderne Verschw\u00f6rungstheorien<\/strong><\/p>\n<p>Insbesondere in Online-Foren und Social-Media-Blogs schwappt eine herrlich emp\u00f6rte Welle \u00fcber dieses als sicher identifizierte, fiese Vorgehen der Industrie hinweg. Die industriellen Herstellervereinigungen haben zwar immer wieder bestritten, dass es eine solche Soll-Verfallszeit in b2c-Produkten gibt &#8211; werden aber nicht geh\u00f6rt. Oder noch schlimmer: Ihnen wird gezielte Desinformation vorgeworfen. Aber so ist es ja mit modernen Verschw\u00f6rungstheorien: Nichts st\u00f6rt diese mehr als simple Fakten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_643810\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/04\/KlindtThomas.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-643810\" class=\"size-medium wp-image-643810\" alt=\"Thomas Klindt, Partner bei Noerr, Professor und Experte f\u00fcr Produkthaftung\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/04\/KlindtThomas-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/04\/KlindtThomas-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/04\/KlindtThomas.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-643810\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Klindt, Partner bei Noerr, Professor und Experte f\u00fcr Produkthaftung<\/p><\/div>\n<p>Schauen wir uns doch einmal verschiedene dieser Fakten an:<\/p>\n<p>Um als Jurist mit juristischen \u00dcberlegungen zu beginnen: Der Vorwurf gezielten Funktionsversagens nach Ablauf der Gew\u00e4hrleistungsfrist ist schon deshalb putzig, weil diese Gew\u00e4hrleistungsfrist in den unterschiedlichsten L\u00e4ndern unterschiedlich lange dauert. Zwar ist im europ\u00e4ischen Recht die Mindest(!) &#8211; Gew\u00e4hrleistung harmonisiert, was aber nichts an sonstigen Besonderheiten des nationalen Kaufrechts (etwa in Frankreich) \u00fcber die Fortf\u00fchrung, Weitergabe oder Verl\u00e4ngerung von Gew\u00e4hrleistungsverpflichtungen \u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Gew\u00e4hrleistungsfristen sind nicht \u00fcberall dieselben<\/strong> &#8230;<\/p>\n<p>Es \u00e4ndert auch nichts an der Tatsache, dass au\u00dferhalb der EU jedes industrielle Vertriebsland eine eigene Rechtsinsel mit eigenen Gew\u00e4hrleistungsanf\u00e4ngen und -enden ist. Es \u00e4ndert schliesslich auch nichts daran, dass vor der Schuldrechtsreform die Gew\u00e4hrleistungsfrist nur 25 Prozent der heutigen betrug, viele der vom Vorwurf erfassten Produkte von der wahrscheinlichen Lebensdauer frappanterwiese aber \u00e4lter sind.<\/p>\n<p><strong>&#8230;.aber die hergestellten Produkte schon<\/strong><\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist der Blick au\u00dferhalb der EU der besonders spannend: Denn industrielle Wertsch\u00f6pfung funktioniert bei seriell hergestellten G\u00fctern ja gerade \u00fcber eine m\u00f6glichst kosteneffiziente, skalen-optimierte Produktfertigung mit weltweiten Absatzchancen. Das erkl\u00e4rte den Erfolg international harmonisierter technischer Standards wie ISO-Normen. W\u00fcrde n\u00e4mlich die Industrie kleinteilig und von Land zu Land unterschiedlich fertigen m\u00fcssen, sind Margeneffekte schnell verbraucht und selbst die beste Verschw\u00f6rungstheorie wird nicht so weit gehen wollen, der Industrie das Desinteresse an Margenst\u00e4rke zu unterstellen. Von juristischer Verschw\u00f6rungssicht aus w\u00fcrde also jedes Bauteil auf die Gew\u00e4hrleistungsfrist des geplanten Vertriebslandes in der Sollbruchstelle abzustimmen sein &#8211; das ist eine ersch\u00f6pfend m\u00fchevolle Vorstellung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber auch betriebswirtschaftlich schaut es nicht besser aus, und das habe ich ja bereits angedeutet. Unternehmen wollen skaleneffizient fertigen, nicht kleinteilig, ja f\u00fcr hom\u00f6opathische M\u00e4rkte. Viel offensichtlicher aber ist: Die meisten der Haushaltsartikel, insbesondere aus dem Elektroger\u00e4tebereich, f\u00fcr die dieser Obsoleszenz-Vorwurf munter erhoben wird, verf\u00fcgen \u00fcber immense Reparaturplanungen in den Unternehmens-Budgets: Es gibt dazu eigene Servicelinien, Hotlines und elektrotechnisch geschultes Personal im Wartungsbereich.<\/p>\n<p>Und es gibt ungeheuer gro\u00dfe Bewirtschaftungszentren f\u00fcr eine umfassende Ersatzteilversorgung auch l\u00e4ngst ausgelisteter Produkte. Die verschlingen enorme EDV- und Logistikkosten, um ein diffiziles Produktportfolio in seine potentiell wartungsrelevanten Einzelgegenst\u00e4nde zu zerlegen. Hinter all dieser Bevorratung steckt &#8211; selbstredend &#8211; ebenfalls ein unternehmensinterner Margendruck. In der Instrie werden dabei bestimmt keine Potemkinschen D\u00f6rfer aufgebaut, sondern handfeste Wertsch\u00f6pfungserwartungen in der Zweitberechnung gegen\u00fcber dem Erstkunden sichtbar.<\/p>\n<p><strong>Ein Obsoleszenz-Wunder<\/strong><\/p>\n<p>Wer je bei einem beliebigen namhaften Industrieunternehmen eine solche Ersatzteil-Bewirtschaftung gesehen hat, kann nur \u00fcber die Idee schmunzeln, dem Hersteller sei ausschlie\u00dflich am schnellen Neuverkauf des planm\u00e4\u00dfig kaputten Ger\u00e4ts gelegen. Und dass gerade der derart planm\u00e4ssig\u00a0frustrierte Kunde in der Neuanschaffung m\u00fchsam markentreu akquiriert und wiedergewonnen werden muss, z\u00e4hlt noch zu den eher marginalen Sonderheiten des Obsoleszenz-Wunders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein guter Freund aus der Industrie hat letztens beim Wein die Gegenthese aufgestellt, dass moderne Partnerschaften und auch Ehen unter dem Obsoleszensvorbehalt eingegangen werden. Leider nicht T\u00e4tigkeitsbereich der <a title=\"Stiftung warentest Obsoleszenz\" href=\"http:\/\/www.test.de\/Geplante-Obsoleszenz-Gerade-gekauft-und-schon-wieder-hin-4596260-0\/\" target=\"_blank\">Stiftung Warentest<\/a>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Stiftung Warentest zu geplanter Obsoleszenz<\/strong>: <a href=\"http:\/\/www.test.de\/Geplante-Obsoleszenz-Gerade-gekauft-und-schon-wieder-hin-4596260-0\/\">http:\/\/www.test.de\/Geplante-Obsoleszenz-Gerade-gekauft-und-schon-wieder-hin-4596260-0\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Obsoleszenz Wikipedia<\/strong>: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Obsoleszenz\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Obsoleszenz<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geplante Obsoleszenz ist\u00a0eins der neuen, modernen M\u00e4rchen unserer Zeit, findet\u00a0Thomas Klindt, Partner bei Noerr, Professor und Experte f\u00fcr Produkthaftung (Gastbeitrag). Mit den j\u00fcngsten, dem Klischee indes zuwiderlaufenden Untersuchungen der Stiftung Warentest ist &#8211; endlich &#8211; einmal ein versachlichender Ton in &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/08\/30\/thomas-klindt-uber-geplante-obdoleszenz-fur-ihn-eine-moderne-verschworungstheorie\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[2703,2702,2704,1627],"class_list":["post-650261","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-obsoleszenz","tag-produkthaftung","tag-stiftung-warentest","tag-thomas-klindt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/650261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=650261"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/650261\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=650261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=650261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=650261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}