{"id":649971,"date":"2013-08-03T15:52:49","date_gmt":"2013-08-03T13:52:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=649971"},"modified":"2013-08-03T15:52:49","modified_gmt":"2013-08-03T13:52:49","slug":"mobbing-unternehmen-haften-fur-ihre-fuhrungskrafte-und-das-langer-als-bisher-gastbeitrag-von-cornelia-marquardt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/08\/03\/mobbing-unternehmen-haften-fur-ihre-fuhrungskrafte-und-das-langer-als-bisher-gastbeitrag-von-cornelia-marquardt\/","title":{"rendered":"Mobbing: Unternehmen haften f\u00fcr ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte &#8211; und das l\u00e4nger als bisher. Gastbeitrag von Cornelia Marquardt"},"content":{"rendered":"<p><i id=\"yui_3_7_2_1_1375386683527_1697\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-649972 alignright\" alt=\"cv_150_150_marquardt_cornelia-3200\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/08\/cv_150_150_marquardt_cornelia-3200.jpg\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/i><\/p>\n<p><i>\u00a0<\/i><\/p>\n<p><b id=\"yui_3_7_2_1_1375477592282_46904\">Arbeitgebern droht st\u00e4rkere Haftung f\u00fcr Mobbingf\u00e4lle<\/b><\/p>\n<p><strong>Gastbeitrag von Cornelia Marquardt, Arbeitsrechtlerin bei Norton Rose Fulbright<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat \u2013 relativ unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit &#8211; die Position von Mobbing-Opfern gest\u00e4rkt (Aktenzeichen <a title=\"Vertragliche Verfallklausel Arbeitsrecht\" href=\"http:\/\/beck-aktuell.beck.de\/news\/bag-vertragliche-verfallklausel-f-r-anspr-che-aus-arbeitsverh-ltnis-gilt-nicht-f-r\" target=\"_blank\">8\u00a0AZR280\/12<\/a>):<\/p>\n<p>1. Mobbing-Opfer k\u00f6nnen von ihrem Ex-Arbeitgeber Schmerzensgeld oder auch Entsch\u00e4digung f\u00fcr l\u00e4ngere Arbeitsunf\u00e4higkeit auch dann noch verlangen, wenn die arbeitsvertraglichen Ausschlussfristen vorbei sind. Und zwar insbesondere dann, wenn sie von ihrem Vorgesetzten schikaniert wurden. Unternehmen m\u00fcssen also l\u00e4nger als bisher mit Schadenersatzprozessen rechnen.\u00a0<a title=\"BAG Verfallklausel Arbeitsrecht Vertrag\" href=\"http:\/\/beck-aktuell.beck.de\/news\/bag-vertragliche-verfallklausel-f-r-anspr-che-aus-arbeitsverh-ltnis-gilt-nicht-f-r\" target=\"_blank\">http:\/\/beck-aktuell.beck.de\/news\/bag-vertragliche-verfallklausel-f-r-anspr-che-aus-arbeitsverh-ltnis-gilt-nicht-f-r<\/a><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Doof, bl\u00f6d und unf\u00e4hig&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Im konkreten Fall hatte die Mitarbeiterin einer Tankstelle ihre&#8220; Arbeitgeberin, die P\u00e4chterin auf mindestens 5000 Euro Schmerzensgeld verklagt, weil sie \u00fcber l\u00e4ngere Zeit von ihrem Chef gemobbt worden sei: Er habe sie beispielsweise fast t\u00e4glich als \u201edoof\u201c, \u201ebl\u00f6d\u201c oder \u201eunf\u00e4hig\u201c beschimpft. Er habe sie Arbeiten verrichten lassen, die nicht in ihrem Arbeitsvertrag standen und er habe ihr bewusst wahrheitswidrig unterstellt, \u00dcberstunden zu Unrecht abgerechnet zu haben.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Unternehmen haften f\u00fcr ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>2. Doch vor allem haben nach diesem BAG-Urteil Arbeitgeber h\u00f6here Haftungsrisiken als bisher, so dass Unternehmen Mobbingvorw\u00fcrfe unbedingt ernst nehmen sollten.\u00a0Arbeitgeber haften zwar nicht nur f\u00fcr sein eigene Mobbing-Handlungen, sondern auch die von Mitarbeitern, also F\u00fchrungskr\u00e4ften wie Kollegen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Das systematische Schikanieren ist entscheidend<\/strong><\/p>\n<p>Immer vorausgesetzt, es liegt tats\u00e4chlich ein Mobben vor, wie es die Arbeitsgerichte definieren: Also ein systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminieren von Arbeitnehmern durch Vorgesetzte oder Kollegen. Ein einmaliges Fehlverhalten gen\u00fcgt nicht. Mobbing ist noch lange nicht jede, allt\u00e4gliche Konfliktsituation und Auseinandersetzung im Job. Nicht jeder schlechte Kollegen-Witz und nicht jede Anweisung vom Chef, die ein Mitarbeiter unfair findet, ist gleich Mobbing.\u00a0In einem \u00a0Prozess muss der betroffene Mitarbeiter zudem die einzelnen Mobbingsituationen sehr konkret vortragen und beweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach diesem Urteil haben Arbeitgeber ein h\u00f6heres Haftungsrisiko als bisher, so dass Unternehmen Mobbingvorw\u00fcrfe von Mitarbeitern unbedingt ernst nehmen sollten.<\/p>\n<p><strong><em>.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><b>Folgen f\u00fcr den Unternehmensalltag<\/b><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Erhebt jemand Mobbingvorw\u00fcrfe, sollten Unternehmen sie in jedem Fall ernst nehmen und zur Wahrung des Betriebsfriedens beziehungsweise zur Vermeidung negativer Auswirkungen auf die Leistung der Mitarbeiter Ma\u00dfnahmen treffen, um Mobbing zu unterbinden. Gespr\u00e4che mit den Betroffenen \u2013 wom\u00f6glich samt dem Betriebsrat \u2013 sind dabei ein erster Schritt zur Aufkl\u00e4rung der Situation. Stellt sich heraus, dass ein Mitarbeiter tats\u00e4chlich gemobbt wird, muss der Arbeitgeber sofort reagieren, weil er F\u00fcrsorge- und Schutzpflichten hat. Gegebenenfalls muss er den Verursacher abmahnen, um- beziehungsweise versetzen und in Extremf\u00e4llen sogar k\u00fcndigen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Massnahmen f\u00fcr mobbingfreie Zonen<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Damit Mobbing schon im Keim erstickt wird, sind\u00a0klare Arbeitsorganisationen, gute Informations- und Kommunikationspolitik sowie Schulungen zur Mitarbeiterf\u00fchrung hilfreich.Wichtig ist,\u00a0allen F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mitarbeitern deutlich zu vermitteln, dass das Unternehmen als Arbeitgeber Mobbing nicht duldet und aktiv eine diskriminierungsfreie Arbeitsumgebung propagiert und unterst\u00fctzt. Das Ziel ist eine angstfreie Kultur, in der Mitarbeiter rechtzeitig Hilfe und Unterst\u00fctzung suchen, bevor sich eine nachhaltige Mobbingsituation aufbaut.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p id=\"yui_3_7_2_422_1375477592282_976\">Den Fall des Tankstellenp\u00e4chters verwies das Bundesarbeitsgericht zwar an das Landesarbeitsgericht als untere Instanz zur\u00fcck, um noch offene Fakten zu kl\u00e4ren. Doch seine Ausf\u00fchrungen in dieser Entscheidung sind richtungsweisend.<\/p>\n<p><strong>http:\/\/beck-aktuell.beck.de\/news\/bag-vertragliche-verfallklausel-f-r-anspr-che-aus-arbeitsverh-ltnis-gilt-nicht-f-r<\/strong><\/p>\n<p><strong>Cornelia Marquardt ist Partnerin und Leiterin des Standorts M\u00fcnchen:<\/strong> \u00a0<a title=\"Cornelia Marquardt Norton Rose Fulbright\" href=\"http:\/\/www.nortonrosefulbright.com\/people\/50543\/cornelia-marquardt\" target=\"_blank\"><strong>http:\/\/www.nortonrosefulbright.com\/people\/50543\/cornelia-marquardt\u00a0<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Arbeitgebern droht st\u00e4rkere Haftung f\u00fcr Mobbingf\u00e4lle Gastbeitrag von Cornelia Marquardt, Arbeitsrechtlerin bei Norton Rose Fulbright &nbsp; Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat \u2013 relativ unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit &#8211; die Position von Mobbing-Opfern gest\u00e4rkt (Aktenzeichen 8\u00a0AZR280\/12): 1. 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