{"id":649649,"date":"2013-07-09T09:18:44","date_gmt":"2013-07-09T07:18:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=649649"},"modified":"2013-07-09T09:49:22","modified_gmt":"2013-07-09T07:49:22","slug":"frank-dopheide-uber-das-prinzessinnensyndrom-der-frauen-die-eigentlich-soldaten-sein-wollen-um-ja-nicht-personlichkeit-zu-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/07\/09\/frank-dopheide-uber-das-prinzessinnensyndrom-der-frauen-die-eigentlich-soldaten-sein-wollen-um-ja-nicht-personlichkeit-zu-zeigen\/","title":{"rendered":"Frank Dopheide \u00fcber das Prinzessinnensyndrom der Frauen, die eigentlich Soldaten sein wollen &#8211; um ja nicht Pers\u00f6nlichkeit zu zeigen"},"content":{"rendered":"<p>Vor bald drei Jahren er\u00f6ffnete Frank Dopheide eine Agentur mit einem Ziel, das man entweder nur ganz wortreich erkl\u00e4ren konnte \u2013 oder in diesen kargen vier Worten: Aus Managern Marken machen.<\/p>\n<p>An der sorgsam ausgew\u00e4hlten Adresse K\u00f6nigsallee und einem Aufzug in die Tiefgarage, der diskret die Kunden zu ihm bringt, hat er sein erstes Etappenziel jetzt erreicht: Die erste j\u00e4hrliche Umsatz-Million \u00a0kann er vorweisen und holt jetzt eine Partnerin an Bord: Marion Steffen.<\/p>\n<p>Dopheide w\u00e4re nicht Dopheide wenn die Wahl keine \u00dcberraschung w\u00e4re: Keiner aus der Werberzunft, sondern eine Professorin, die ihre erste Karriere im Handel ihre erste Karriere hinlegte, als Strategiechefin bei der Karstadt-Holding in Essen, bevor sie die Seiten wechselte und sich vor drei Jahren lieber als Marketingprofessorin jungen Menschen widmete. Nun bilden sie beide fortan ein Gegensatzpaar, sagt Dopheide: Sie, die Rationale, die Zahlen liebt und sich tief in die Materie w\u00fchlt und er, der Intuitivere.<\/p>\n<div id=\"attachment_649655\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/07\/marion_steffen_portrait_dma_business_5999.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-649655\" class=\"size-medium wp-image-649655\" alt=\"Marion Steffen, Marketingprofessorin und neue Partnerin bei Deutsche Markenarbeit\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/07\/marion_steffen_portrait_dma_business_5999-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/07\/marion_steffen_portrait_dma_business_5999-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/07\/marion_steffen_portrait_dma_business_5999.jpg 432w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-649655\" class=\"wp-caption-text\">Marion Steffen, Marketingprofessorin und neue Partnerin bei Deutsche Markenarbeit<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu Dopheides erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftigem Business: F\u00fcr 5000 Euro Tageshonorar gibt er Gr\u00f6\u00dfen der Wirtschaft und vom Sport &#8222;Supportorientierung und Hilfe&#8220;, weil es oben einsam ist. Meine Kunden sind 365 Tage im Vorhinein durchgebucht &#8211; sie haben gar keine Zeit zum Reflektieren und schon gar nicht \u00fcber sich selbst und ihre Aufgabe, erz\u00e4hlt der D\u00fcsseldorfer. Wer die Wirtschaftsbosse sind, die ihn diskret beauftragen, darf er nicht verraten. Sie kommen zu ihm, um eine Marke zu werden und ihrem Unternehmen ein Gesicht geben zu k\u00f6nnen. Denn Medienauswertungen zeigen, dass die Pers\u00f6nlichkeit des CEO unmittelbar zur Wertsteigerung des Unternehmens beitr\u00e4gt. Zum Beispiel Linde: Wenn Reitzle von Bord gehen sollte und ihn ein anderer Manager ersetzt, wird die Marke anders. Das Image eines ganzes Unternehmens \u00e4ndere sich binnen sechs Monaten mit einem CEO als Marke. 40 Kandidaten lie\u00dfen sich bei ihm schon beraten und davon waren nur drei Frauen.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Das Prinzessinnensyndrom <\/strong><\/p>\n<p>Erst einen weiblichen Vorstand hatte Deutsche Markenarbeit als Klientin. Und dass &#8222;man den gro\u00dfen Unterschied zu den M\u00e4nnern merkt. Denn die haben kein Problem, nach der Macht zu greifen&#8220;.\u00a0 Frauen dagegen haben das &#8222;Prinzessinensyndrom und warten darauf, entdeckt zu werden.&#8220; Dass sie jemand in den Sattel setzt. Statt ihre Vorteile offensiv zu verkaufen. Denn ihre Wettbewerbsvorteile k\u00f6nnten Empathie, Hartn\u00e4ckigkeit, ja sogar Zickigkeit und Leidenschaftlichkeit sein, beschreibt Dopheide.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wenn\u00b4s nur um Machtspiele geht<\/strong><\/p>\n<p>Woran er das festmacht? Etwa am Beispiel einer Law Firm. Wenn in der finalen Verhandlungsrunde eines Deals sich je acht Anw\u00e4lte auf jeder Seite gegen\u00fcber sitzen und beide Mandanten dabei sind. Wenn es &#8211; wie so oft &#8211; nur um Machtspiele gehe, um Siegen und Verlieren. &#8222;Unfassbar, wie solche Meetings laufen&#8220;, sagt Dopheide. Wo nur den Klienten gezeigt werden soll, wie toll sie seien. Oft stehe nur die scheinbare Performance im Vordergrund. Wenn eine Frau dabei sei, w\u00e4re es anders: &#8222;Eine Anw\u00e4ltin ist in der Lage, Zwischent\u00f6ne zu erkennen und kann viel schneller L\u00f6sungen finden, die andere gar nicht sehen.&#8220;\u00a0 Wenn sie in festgefahrenen Situationen, einfach etwas in die Runde werfen, was die anderen nicht sehen. Nachdem sie selbstverst\u00e4ndlich \u00fcber die Leistungskomponente dort angekommen seien.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Erst freiwillig zur\u00fccktreten &#8211; um dann ungl\u00fccklich zu sein, nicht gesehen zu werden<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem der Karrierefrauen ist es, dass sie keine Pers\u00f6nlichkeit zeigen wollen. Leidenschaften, Hobbys, Vorliegen preisgeben? Nie und nimmer. Ein auff\u00e4lliges Kleidungsst\u00fcck tragen oder Schmuck, der Blicke auf sich zieht? Bloss kein Charisma zeigen. Anders als US-Kolleginnen wie Cheryl Sandberg wollen sie hierzulande nur \u00fcber ihre Leistung wahrgenommen werden. Ja keine Bevorzugung, bitte, und schon gar nicht wegen ihres Geschlechts. Am liebsten z\u00f6gen sie Uniformen an. Sie wollen gleicher sein und treten sogar freiwillig zur\u00fcck &#8211; um anschlie\u00dfend unzufrieden zu sein, dass sie nicht wahrgenommen werden. Sie verzichten freiwillig auf alles Pers\u00f6nliche und Weibliche, nehmen Wettbewerbsnachteile in Kauf und schr\u00e4nken ihre eigene Gestaltungskraft ein. &#8222;Diese Frauen treten so auf, als brauchten sie nur ein Gehirn &#8211; und sonst nichts.&#8220;<\/p>\n<p>Eins der Probleme der Karriere-Frauen ist auch, dass sie keine Vorbilder haben. Zumindest nicht in der Wirtschaft. Doch wenn man nur ein wenig weiter guckt, kommen etliche daher &#8211; im Show Biz: Heidi Klum, Barbara Sch\u00f6neberger, Anke Engelken oder Maria Furtw\u00e4ngler sind nur einige, die sich nicht zu grauen M\u00e4usen machen (und sich auch nicht zu der Riege der austauschbaren Tausendsch\u00f6nchen gesellen).<\/p>\n<p>Wer daran schuld hat? Ganz oft sind es die direkten Vorgesetzten der Business-Ladys, die sie kleiner machen als sie sind.\u00a0 Indem sie ihnen einreden, sie seien zu konservativ oder zu zickig. Auch denen, die die tats\u00e4chlich \u00fcberdurchschnittlich gut sind. &#8222;Sie bleuen ihnen ein falsches Selbstbildnis ein&#8220;, beobachtet Dopheide. Denn irgendwann werde man nur noch vom direkten Vorgesetzten gespiegelt. Und die reden ihnen ein, dass sie eine Kneifzange sind. Dopheides Aufgabe ist es dann, dieses falsche Bild zu korrigieren.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Und wie? &#8222;Wir reden mit Kollegen, Ex-Kollegen, Wettbewerbern und auch denen, die sie gar nicht kennen&#8220;, so der Ex-Grey-Chef. Denen zeigen sie ihr Foto und fragen: Was macht die Dame wohl von Beruf? Dann kommen Antworten wie `Die sieht nett aus, sie macht bestimmt was mit Menschen\u00b4 &#8211; und die Karrieristinnen haben ein Aha-Erlebnis \u00fcber sich selbst. Hinzu kommt ein eigenes Auswertungstool namens CEO Reputation Score, das M\u00e4nnern wie Frauen dann die Augen \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Schwierig genug, wenn die Damen der Sch\u00f6pfung nicht als Mensch daher kommen m\u00f6gen. Wenn sie es hassen, mit dem Thema konfrontiert zu werden, dass Frauen Vorteile haben.\u00a0 Top-Managerinnen stehen sich dann selbst im Weg. Eine der wenigen Ausnahmefrauen findet sich \u00fcbrigens in der Politik: Ursula von der Leyen &#8211; mit ihrer weiblichen Art, sich durchzusetzen und durchaus willens, Pers\u00f6nliches herauszulassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_644602\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/06\/dopheide3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-644602\" class=\"size-medium wp-image-644602\" alt=\"Frank Dopheide, Gr\u00fcnder und Chef der Agentur Deutsche Markenarbeit\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/06\/dopheide3-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/06\/dopheide3-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/06\/dopheide3.jpg 433w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-644602\" class=\"wp-caption-text\">Frank Dopheide, Gr\u00fcnder und Chef der Agentur Deutsche Markenarbeit<\/p><\/div>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Draufhauen als \u00fcbliche Methode<\/strong><\/p>\n<p>Viele Manager seien getrieben von ihrer eigenen Organisation, erz\u00e4hlt Dopheide weiter. Schmerzfreiheit und Draufhauen geh\u00f6rt heute angeblich bei manchen zum Job, doch das ist nur ein scheinbares Qualit\u00e4tskriterium. Die Realit\u00e4t ist anders herum: niemand will mies behandelt werden. Und dann stehen auch die Mitarbeiter vor der Alternative: K\u00fcndigen und ihr eigenes Ding machen oder sie h\u00e4ngen sich rein. Oft hebele dann die Arbeitsmannschaft ihren Chef aus, indem sie ihn ins Leere laufen l\u00e4sst. &#8222;Und wenn alle nur zehn Prozent weniger arbeiten aus einer Trotzhaltung heraus, weil sie innerlich gek\u00fcndigt haben, funktioniert der ganze Laden nicht mehr.&#8220;<\/p>\n<p>Das Problem der Top-Manager heute ist: Ihre eigenen Leute folgen ihnen nicht. Sie bekommen ihre Kraft gar nicht erst auf die Strasse, wie es heute heisst. Denn ihre Belegschaft ist viel zu weit weg von ihnen und stellt sich Fragen wie &#8222;Wer ist der Mann an der Spitze?&#8220; oder &#8222;Warum sollte ich ihm zuh\u00f6ren?&#8220; Denn alles geht streng hierarchisch zu, die Nachrichten vom Big Boss kommen \u00fcber -zig Stufen zu ihnen, so wie beim Stille-Post-Spiel. Und wie das gel\u00f6st wird, darauf bin ich gespannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor bald drei Jahren er\u00f6ffnete Frank Dopheide eine Agentur mit einem Ziel, das man entweder nur ganz wortreich erkl\u00e4ren konnte \u2013 oder in diesen kargen vier Worten: Aus Managern Marken machen. 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