{"id":649218,"date":"2013-06-10T23:42:10","date_gmt":"2013-06-10T21:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=649218"},"modified":"2013-06-10T23:56:17","modified_gmt":"2013-06-10T21:56:17","slug":"ein-ubermudeter-banker-eine-bankerin-mit-ubermenschlichem-pensum-und-arbeitsrichter-die-keine-arbeit-scheuen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/06\/10\/ein-ubermudeter-banker-eine-bankerin-mit-ubermenschlichem-pensum-und-arbeitsrichter-die-keine-arbeit-scheuen\/","title":{"rendered":"Ein \u00fcberm\u00fcdeter Banker, eine Bankerin mit \u00fcbermenschlichem Pensum und Arbeitsrichter, die keine Arbeit scheuen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man fragt sich, wie es bei Banken intern zugeht. Da landete jetzt ein Fall vor Gericht, in dem der eine Baker \u00fcberm\u00fcdet am PC einschlief und zwar auf der Taste 2 &#8211; so dass aus einer \u00dcbeweisung von 64 Euro eine \u00fcber 222 Millionen Euro wurde: 222.222.222,22 Euro eben. War ein Schaden eingetreten? So wie es sich liest, nicht. Ein Kollege habe den Fehler sp\u00e4ter entdeckt.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wieso schl\u00e4ft ein Banker am Tisch vor Ersch\u00f6pfung ein?<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Was aus dem Mann wurde, teilte die Presseagenturen nicht mit. Auch nicht, warum der Mann so m\u00fcde war. Man fragt sich: Ob er ein Wochenpensum hatte, was &#8211; nach all den Entlassungen der vergangenen Jahre &#8211; f\u00fcr die verbliebenen Kollegen einfach zu viel ist?<\/p>\n<p>Noch Erstaunlicheres erf\u00e4hrt man dann aber, wenn die Pressemeldung zum Kern kommt: Denn da gehts eigentlich um die K\u00fcndigung einer anderen Bankerin, die diesen Fehler &#8211; wenn man es denn so nennen kann &#8211; des eigenickten Kollegen \u00fcbersehen hatte.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Planm\u00e4\u00dfige \u00dcberforderung?<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Die Richter des Hessischen Landesarbeitsgerichts staunten, wieviel die Frau kontrollieren musste und in wie wenig Zeit: &#8222;603 Belege jeweils in weniger als 1,4 Sekunden, 105 Belege in 1,5 bis 3 Sekunden und 104 Belege in mehr als 3 Sekunden.&#8220; Noch Fragen? K\u00f6nnen Sie das?<\/p>\n<p>&#8222;Eine vors\u00e4tzliche Sch\u00e4digung der Bank&#8220; und eine T\u00e4uschung \u00fcber ihre Arbeitsleistung\u00a0 &#8211; das hatte die Bank der Mitarbeiterin n\u00e4mlich anschlie\u00dfend vorgeworfen &#8211; konnten die Richter nicht erkennen. Ganz abgesehen davon, dass ein dritter Kollege die Fehleingabe entdeckte. Noch systemintern. Offenbar ohne dass der Bank ein Schaden verursacht worden war. Auch kein Imageschaden.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Wahrer K\u00fcndigungsgrund: das Alter des Mitarbeiters?<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Hochinteressant ist aber etwas anderes an dem Fall, was die Richter nicht thematisiert hatten &#8211; aber eine Erw\u00e4hnung wert war: Die zu untrecht fristlos gefeuerte Bankerin war &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; schon 48 Jahre alt und arbeitete bereits 27 Jahre bei ebendieser Bank.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4mien f\u00fcrs Rausdr\u00fccken von Mitarbeitern \u00fcber 40<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Was fr\u00fcher eine ausgesprochene hochanerkannte Leistung gewesen w\u00e4re, f\u00fcr die man schon eine goldene Uhr von der Bank bekommen h\u00e4tte, so hat sich diese W\u00fcrdigung und Hochachtung inzwischen ins Gegenteil verkehrt: Heute wird das Alter von Bankmitarbeitern &#8211; indirekt &#8211; zum Gegenstand der Zielvereinbarungen junger Vorgesetzter. Sie bekommen Extra-Pr\u00e4mien, wenn sie f\u00fcr eine &#8222;Verj\u00fcngung ihrer Abteilung&#8220; sorgen.<\/p>\n<p>Im Klartext: Wenn sie erfolgreich sind im Herausdr\u00fccken von Kollegen jenseits der &#8211; sagen wir mal &#8211; 45 Jahre, gibt\u00b4s Extra-Knete.<\/p>\n<p>Kommen da solche Pannen im Umfeld einer 48-j\u00e4hrigen Kollegin nicht sehr gelegen?<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Ist alt, wer noch 21 Arbeits-Jahre vor sich hat?<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich: Dass die Rentengrenze auf 67 Jahre hochgesetzt ist, ist bei Personalchefs der Banken noch nicht angekomen?<\/p>\n<p>Dass die &#8211; rechtswidrig &#8211; gefeuerte Dame also noch 21 Jahre vor sich hat und wirklich nicht als alt angesehen werden kann?\u00a0 Und dass die Demografie bald zuschl\u00e4gt und wom\u00f6glich auch die Banken nicht mehr ohne Ende genug Auswahl an tollen Super-Mitarbeitern haben? Und dass Banker sich ob ihrer Profession sch\u00e4men und das auf Partys gleich bei der Gespr\u00e4chser\u00f6ffnung sagen &#8211; mit Bedauern und entschuldigend . Ehe es die andere G\u00e4ste selbst herausfinden. Einsam bleiben sie danach ohnehin oft genug, so am Stehtisch mit Husse und dicker Schleife &#8211; h\u00f6chstens der Gattin an ihrer Seite.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Fleissige Richter vom Hessischen Landesarbeitsgericht<\/strong><\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall h\u00e4tte erst mal eine Abmahnung gereicht statt einer<b> <\/b>K\u00fcndigung, so die hessischen Richter. Und was sie auch ablehnten und sich damit sogar die M\u00fche machten, ein Urteil zu schreiben: Eine Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses. Und das w\u00e4re ja genau das Endziel des Geldhauses gewesen. Und es w\u00e4re sicher bei vielen anderen Gerichten damit auch durchgekomen, denn mehr als 95 Prozent aller K\u00fcndigungsschutzklagen gehen zu Ende, ohne dass die Richter ein Urteil schreiben m\u00fcssen. Mit einem Vergleich und einer Geldzahlung des Unternehmens, von dem zuerst mal das Finanzamt und die Sozialversicherungstr\u00e4ger profitieren.<\/p>\n<p>Am Rande bemerkt: Wer mitbekommt, wie sehr sich Banker jenseits der 45 Jahre \u00e4ngstigen, sind die \u00c4rzte. Zu ihnen kommen sie, um Krankheiten als Behinderungen attestiert zu bekommen. Um K\u00fcndigungsschutzpunkte zu sammeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gef\u00e4lligkeitsgutachten sind die Zeiten bei Medizinern aber auch schon lange vorbei. Haften sie doch pers\u00f6nlich gegen\u00fcber den Arbeitgebern.<\/p>\n<p>Wie hat sich das Bild gewandelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hessisches Landesarbeitsgericht: Aktenzeichen 9 Sa 1315\/12<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"Landesarbeitsgericht Hessen Bankmitarbeiterin gek\u00fcndigt\" href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/panorama\/banker-faellt-in-sekundenschlaf-aus-62-40-euro-werden-222-222-222-22-euro-id8054662.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.derwesten.de\/panorama\/banker-faellt-in-sekundenschlaf-aus-62-40-euro-werden-222-222-222-22-euro-id8054662.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Man fragt sich, wie es bei Banken intern zugeht. 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