{"id":648496,"date":"2013-04-28T22:45:17","date_gmt":"2013-04-28T20:45:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=648496"},"modified":"2013-04-28T22:45:17","modified_gmt":"2013-04-28T20:45:17","slug":"anonyma-ganz-oben-cholerische-top-manager-und-wie-man-ihnen-beikommt-auszug-2-buchverlosung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/04\/28\/anonyma-ganz-oben-cholerische-top-manager-und-wie-man-ihnen-beikommt-auszug-2-buchverlosung\/","title":{"rendered":"Anonyma: \u201cGanz oben\u201d \u2013 Cholerische Top-Manager und wie man ihnen beikommt (Auszug 2) \u2013 Buchverlosung"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Manege frei! (Buchauszug 2)<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><strong>Wie ich versuche, im Machtspiel meiner Kollegen zu bestehen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_648508\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/04\/buch-anonyma.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-648508\" class=\"size-medium wp-image-648508\" alt=\"Anonyma, &quot;Ganz oben: Aus dem Leben einer weiblichen F\u00fchrungskraft&quot;; C.H. Beck 2013\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/04\/buch-anonyma-189x300.jpg\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/04\/buch-anonyma-189x300.jpg 189w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/04\/buch-anonyma.jpg 409w\" sizes=\"auto, (max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-648508\" class=\"wp-caption-text\">Anonyma, &#8222;Ganz oben: Aus dem Leben einer weiblichen F\u00fchrungskraft&#8220;; C.H. Beck 2013<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Handvoll M\u00e4nner, die in unserem Unternehmen eine vergleichbare Position bekleidet wie ich selbst, treffe ich w\u00f6chentlich auf internen Meetings. Wir kennen uns gut und sind einander eigentlich zugetan. Eigentlich. Hin und wieder kommt es vor, dass wir in einer Sachfrage unter\u00adschiedlicher Meinung sind. Die Diskussion nimmt Fahrt auf, der Ton wird lauter, es geht hei\u00df her. Dagegen habe ich erst mal nichts einzuwenden.<\/p>\n<p>Ist eine schnelle Einigung aber nicht in Sicht, weil sich nie\u00admand von den Argumenten der anderen \u00fcberzeugen l\u00e4sst, \u00e4ndert sich die Tonlage, versuchen es die Herren mit der De\u00admonstration purer Macht: \u00abDas, was du vorhast, wirst du mit mir niemals erreichen. Niemals! Dass das ein f\u00fcr alle Mal klar ist!\u00bb Je nach Typ werden einzelne Kollegen sehr pers\u00f6n\u00adlich in ihren Angriffen, sie richten ihre Zeigefinger drohend auf mich und andere, sie schlagen mit der Faust auf den Tisch, sie schreien. Mir als Frau gegen\u00fcber spielt ein au\u00dfer sich geratener Kollege seine vermeintliche Autorit\u00e4t beson\u00adders deutlich aus, in Bezug auf mich geschieht das ein St\u00fcck weit mehr von oben herab als unter M\u00e4nnern. Der Ausnah\u00admezustand scheint f\u00fcr den einen oder anderen die will\u00adkommene Gelegenheit bereitzuhalten, mir zu signalisieren, dass ich so ganz gleichberechtigt eben doch nicht bin.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4nner toben, um sich durchzusetzen<\/strong><\/p>\n<p>Ein Mann, von einem Kollegen auf \u00e4hnliche Art heraus\u00adgefordert, reagiert darauf mit einem identischen Verhalten; er b\u00e4umt sich auf und w\u00fctet m\u00f6glichst unbeherrscht. Je lau\u00adter, desto besser. Vom Tonfall her ist man von einer fest\u00adgefahrenen Verhandlung mit einem anstrengenden Kunden nicht mehr weit entfernt, doch hier geht es nicht um Geld. Hier will der Mann sich mit seinem Standpunkt durchset\u00adzen, gegen\u00fcber seinen m\u00e4nnlichen Kollegen und erst recht und auf jeden Fall gegen\u00fcber der einzigen Frau.<\/p>\n<p>Auch mich k\u00f6nnen vorgetragene Argumente, deren Sinn\u00adhaftigkeit sich mir nicht erschlie\u00dft, in entsprechend gelade\u00adner Atmosph\u00e4re auf die Palme bringen, besonders dann, wenn Erwiderungen nicht zugelassen werden. Im Gegen\u00adsatz zu den M\u00e4nnern kann ich meine aufkommende Wut aber nicht ungefiltert herauslassen. Eine Frau, die sich wie eine Furie auff\u00fchrt, wird abgeschrieben. Eine Frau kann einem Mann nicht drohen, ohne dass ihr dieses Verhal\u00adten dauerhaft negativ anh\u00e4ngt. Tut sie es einfach nur den M\u00e4nnern gleich und tobt in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit, f\u00fchrt das unweigerlich zur K\u00fcndigung. Ich kenne Frauen, die die\u00adsen Weg gegangen sind. Wer als Frau nicht einsehen will, dass der Habitus des wild um sich schlagenden Silber\u00adr\u00fcckens dem Mann vorbehalten ist, bezahlt das mit dem Verlust des Jobs. Ein- oder zweimal konnte ich mich ein\u00adfach nicht beherrschen und schlug w\u00fctend mit der flachen Hand auf die Tischplatte \u2013 um dann den Besprechungsraum umgehend zu verlassen. Das wirkte immerhin in dem Sinne deeskalierend, als dass an eine Fortsetzung der Diskussion an diesem Tag nicht mehr zu denken war. Ein gutes Ge\u00adf\u00fchl hat dieser eruptive Zwischenfall bei mir aber nicht hinterlassen. Ich meine eigentlich, dass ich in Konfliktsitua\u00adtionen angemessener und damit besser agieren kann als dort geschehen.<\/p>\n<p>Ich frage mich also immer wieder, wie ich als Frau auf aggressives und anma\u00dfendes Verhalten der m\u00e4nnlichen Kol\u00adlegen reagieren kann, um mit meiner Meinung im Rudel der Alphatiere zu bestehen. \u00c4ngstliches Zur\u00fcckweichen, wel\u00adches dem br\u00fcllenden Mann ein \u00abBitte tu mir nichts!\u00bb signali\u00adsieren w\u00fcrde, scheidet nicht nur aus, weil ich mich nicht klein machen will. Es w\u00fcrde den Choleriker mir gegen\u00fcber, der sich in der Position des \u00dcberlegenen w\u00e4hnt, in diesem Gef\u00fchl noch best\u00e4rken.<\/p>\n<p>Entgegnungen wie \u00abDu kannst so viel herumschreien, wie du willst. Ich weiche keinen Deut zur Seite. Was du da erz\u00e4hlst, ist kompletter Bl\u00f6dsinn. Vergiss es einfach\u00bb sind ebenfalls nicht zielf\u00fchrend. Dieser Variante bedienen sich viele M\u00e4nner, was dann dazu f\u00fchrt, dass die Aggressivit\u00e4t des anderen noch weiter angestachelt wird. Damit begibt man sich in eine Spirale der Eskalation, von der schon an anderer Stelle die Rede war. Die M\u00f6glichkeit eines Kompro\u00admisses ist dadurch f\u00fcr diesen Tag verpasst, die Gem\u00fcter m\u00fcssen sich erst mal wieder beruhigen, bevor man sich des Themas noch einmal annehmen kann. Die geringen Erfolgs\u00adaussichten einer Reaktion auf gleichem Aggressionsniveau sind aber nicht der einzige Grund daf\u00fcr, dass es aus meinem Wald nicht so herausschallt, wie hereingerufen wurde. Ich habe einfach Angst davor, was passieren k\u00f6nnte, wenn ich meinem \u00c4rger einmal freien Lauf lie\u00dfe. M\u00e4nner, die sich bis zum Scheitern des Gespr\u00e4ches verbal bek\u00e4mpfen, k\u00f6nnen n\u00e4mlich nach einer gewissen Unterbrechung weiter normal zusammenarbeiten. Ihr Verh\u00e4ltnis ist von der Konfrontation nicht dauerhaft ersch\u00fcttert worden. Bei Frauen ist das mei\u00adner Erfahrung nach anders. Wenn sie sich einmal dazu haben hinrei\u00dfen lassen, die Kontrolle \u00fcber ihr Verhalten komplett aufzugeben, bleibt hinsichtlich der Beziehung zu ihrem Gegen\u00fcber ein Dorn f\u00fcr immer. Entgleitet ihnen eine Situation, f\u00e4llt es ihnen ungeheuer schwer, den Zwischenfall nach einiger Zeit f\u00fcr sich abzuhaken und in der Beziehung zu dem oder der anderen zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckzufinden. Weil ein unangenehmes Gef\u00fchl in Bezug auf den anderen bleibt, sind Frauen bem\u00fcht, es gar nicht erst so weit kom\u00admen zu lassen. Das Wissen darum, dass nach einem von mir zu verantwortenden Dammbruch in Bezug auf einen Kol\u00adlegen nichts mehr so w\u00e4re wie zuvor, l\u00e4sst mich moderat auftreten.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Dem Br\u00fcllen Sachlichkeit entgegen setzen<\/strong><\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen, in einem aggressiven Um\u00adfeld zu bestehen, sind also begrenzt. Ich habe gute Erfah\u00adrungen damit gemacht, auf die laut auf mich einbr\u00fcllenden Kollegen mit Ruhe zu reagieren. Je lauter sie schreien, desto leiser werde ich. Ich versuche, mein Gegen\u00fcber zu beruhi\u00adgen, indem ich m\u00f6glichst sachlich bleibe und das uns in die\u00adser Sachfrage Verbindende hervorhebe. Ich verweise dann zum Beispiel darauf, dass es uns sicher gelingen werde, eine gemeinsame L\u00f6sung zu finden \u2013 wie uns das in den vergan\u00adgenen Jahren ja auch immer gegl\u00fcckt sei. Er kann schreien, so viel und so lang er mag: Ich spreche in ruhigem Ton zu ihm, lege Redepausen ein und halte immer Blickkontakt. Ich best\u00e4tige ihn weder in seinem Standpunkt, noch stelle ich seine Position als per se inakzeptabel hin, denn ist er ge\u00adrade besonders echauffiert, macht es keinen Sinn, ihn mit meinen Argumenten zu konfrontieren, die er in seinem jetzigen Erregungszustand in Bausch und Bogen vom Tisch fegen w\u00fcrde. Wenn ich nur ruhig bleibe, ersch\u00f6pft sich seine Wut nach einiger Zeit wie von selbst. Was \u00fcbrig bleibt, sind seine Argumente, die ich dann erst aufgreife. Wir beide ge\u00adhen aus der Konfrontation ohne Gesichtsverlust heraus; ich habe mein Gegen\u00fcber als ernst zu nehmende Person trotz seines unbeherrschten Verhaltens nicht in Frage gestellt, ohne mich ihm selbst unterzuordnen. Wenn es ihm nicht mehr prim\u00e4r darum geht, mich als Gespr\u00e4chspartnerin zu vernichten, k\u00f6nnen wir uns n\u00e4mlich dem eigentlichen Streit\u00adthema zuwenden. Dann hat er vielleicht auch wieder f\u00fcr meine Sicht der Dinge ein offenes Ohr.<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p><strong>Cholerische Top-Manager<\/strong><\/p>\n<p>Der Weg zu dieser Art des kontrollierten Verhaltens ist mir nicht leichtgefallen. Von meinem Temperament her bin ich ziemlich emotional veranlagt, und in der Vergangenheit ist es besonders in meinem Privatleben manchmal vorge\u00adkommen, dass ich laut und unbeherrscht aufgetreten bin. Im Job habe ich das schnell als inakzeptabel erkannt. Ich kann mich zur\u00fcckhalten, auch wenn mir eigentlich nach Auf-den-Tisch-Hauen w\u00e4re. Hilfreich war f\u00fcr diese Entwick\u00adlung sicher auch mein cholerisch veranlagter Vater, der innerhalb von Sekunden v\u00f6llig au\u00dfer sich geraten und dann auch handgreiflich werden konnte. Meine Br\u00fcder ergriffen die Flucht, meine Mutter schrie zur\u00fcck. Beruhigt hat ihn weder das eine noch das andere Verhalten. Ich habe alles M\u00f6gliche versucht im Umgang mit ihm, vieles davon ging schief. \u00dcber die Jahre kristallisierte sich die Methode heraus, mit der es mir gelang, ihn innerhalb k\u00fcrzester Zeit zu be\u00adruhigen. Irgendwann funktionierte das so gut, dass meine Mutter und meine Geschwister mich sofort riefen, wenn mein Vater die Kontrolle \u00fcber sich selbst zu verlieren drohte. Diese Methode erweist mir heute gute Dienste, wenn es um den Umgang mit tempor\u00e4r cholerischen Topmanagern geht. Wozu es manchmal gut ist.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Manege frei!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.chbeck.de\/Anonyma-Ganz-oben\/productview.aspx?product=11255946\">http:\/\/www.chbeck.de\/Anonyma-Ganz-oben\/productview.aspx?product=11255946<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Interview gab Frau Anonyma den Kollegen:\u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/karriere\/0,2828,druck-891962,00.html\">http:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/karriere\/0,2828,druck-891962,00.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Manege frei! (Buchauszug 2) Wie ich versuche, im Machtspiel meiner Kollegen zu bestehen \u00a0 &nbsp; Die Handvoll M\u00e4nner, die in unserem Unternehmen eine vergleichbare Position bekleidet wie ich selbst, treffe ich w\u00f6chentlich auf internen Meetings. 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