{"id":648324,"date":"2013-03-27T01:35:26","date_gmt":"2013-03-27T00:35:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=648324"},"modified":"2013-03-27T18:43:41","modified_gmt":"2013-03-27T17:43:41","slug":"vorwarts-im-ruckwartsgang-insourcen-ist-profitabler-als-outsourcen-meint-it-organisationsprofi-robin-protzmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/03\/27\/vorwarts-im-ruckwartsgang-insourcen-ist-profitabler-als-outsourcen-meint-it-organisationsprofi-robin-protzmann\/","title":{"rendered":"Vorw\u00e4rts im R\u00fcckw\u00e4rtsgang &#8211; Insourcen ist profitabler als Outsourcen, meint IT-Organisationsprofi Robin Prothmann"},"content":{"rendered":"<p><strong><i>Jahrelang priesen Konzerne, IT-Dienstleister und Analysten das Outsoucen der IT. Mittlerweile gibt es jedoch prominente F\u00e4lle, in denen sich IT-Verantwortliche dagegen stemmen. Zu Recht, findet IT-Organisationsexperte Robin Prothmann, Partner der Strategieberatung SMP AG in D\u00fcsseldorf.<\/i><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_648337\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Prothmann-048_email-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-648337\" class=\"size-medium wp-image-648337\" alt=\"Ronim Prothmann, SMP AG\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Prothmann-048_email-1-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Prothmann-048_email-1-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/03\/Prothmann-048_email-1.jpg 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-648337\" class=\"wp-caption-text\">Robin Prothmann, IT-Organisationsexeprte und Partner der Strategieberatung SMP AG<\/p><\/div>\n<p>Es war ausgerechnet einer der Pioniere, der zum R\u00fcckzug blies: Im Juni 2012 beschloss der US-Autobauer General Motors (GM), seine ausgelagerten IT-Dienste fast vollst\u00e4ndig zur\u00fcckzuholen. Etwa 90 Prozent der Konzern-IT liegt bei GM in den H\u00e4nden von Outsourcing-Dienstleistern wie HP oder Capgemini, nur zehn Prozent regelt der Autobauer im eigenen Haus. Sp\u00e4testens in f\u00fcnf Jahren soll das Verh\u00e4ltnis genau umgekehrt sein: Zehn Prozent der IT soll mit Hilfe von Outsourcing, 90 Prozent hausintern abgearbeitet werden. So will es Randy Mott, GM\u2019s oberster IT-Mitarbeiter und Chief Information Officer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Plan klingt radikal und eher ungew\u00f6hnlich. Denn seit Jahrzehnten wird IT-Outsourcing als Wundermittel zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung angesehen \u2013 auch von GM-Vertretern. Motts Vorgehen mag daher einiges an Aufsehen verursachen. Verkehrt ist es aber nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das zeigen auch die Ergebnisse des Bensberger Kreises \u2013 eine IT-Benchmarking-Veranstaltung von SMP, erm\u00f6glicht IT-Verantwortlichen von Unternehmen, ihre Leistungen miteinander zu vergleichen. Da der Vergleich vertraulich und anonymisiert geschieht, gibt er ungewohnt tiefe Einblicke in konzerneigene IT-Strukturen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Trend: Ausgelagerte IT zur\u00fcckholen<\/strong><\/p>\n<p>Ein wesentliches, wie \u00fcberraschendes Resultat: Etwa die H\u00e4lfte der befragten Unternehmen hat ausgelagerte IT-Bereiche in den vergangenen f\u00fcnf Jahren wieder in die eigenen Unternehmen zur\u00fcckgeholt. Sogar fast 60 Prozent der Unternehmen geben an, Teilbereiche der IT-Infrastruktur wieder in Eigenregie zu betreiben. Eine Auslagerung in der Anwendungsentwicklung machten 43 Prozent der Unternehmen r\u00fcckg\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Warum? Weil die Unternehmen mit der Reintegration \u00a0vor allem die Qualit\u00e4t ihrer IT-Organisation wieder steigern wollen. \u00a0Weitere Gr\u00fcnde f\u00fcr die R\u00fcckkehr zum Do-It-Yourself: reduzierte Reisekosten, flexiblerer Arbeitszeiten sowie Sprachbarrieren und kulturelle Unstimmigkeiten mit den Outsourcing-Partnern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies wird h\u00e4ufig nicht gesehen, wenn es um Outsourcing geht. Nach wie vor wird das Auslagern von IT-Diensten vor allem mit geringeren Kosten f\u00fcr Konzerne gleichgesetzt. Daher honoriert es die B\u00f6rse immer wieder, wenn ein Unternehmen Outsourcing ank\u00fcndigt: Sinkt die Zahl der eigenen Mitarbeiter, steigt ganz oft Aktienkurs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kostensenkungspotenziale des Outsourcings meist schon gehoben<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fcher m\u00f6gen Konzerne mit Outsourcing tats\u00e4chlich effizienter geworden sein. Doch heute sind die Potenziale zur Kostensenkung weitgehend gehoben. Erforderlich ist keine Gesamtkostenbetrachtung (Total Cost of Ownership, TCO), um sich f\u00fcr oder gegen Outsourcing zu entscheiden. Vielmehr ist es sinnvoll, ein Unternehmen in Teilbereichen zu analysieren. Dementsprechend tendieren bereits einige IT-Verantwortliche zu einer hohen internen Fertigungstiefe \u2013 bei gleichzeitiger gezielter Auslagerung einzelner Leistungsbereiche wie etwa der der Arbeitsplatzbetreuung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Bensberger Kreises best\u00e4tigen dies. Zumal das Benchmarking-Netzwerk in den neun Jahren seit seinem Start so viele Daten von IT-Organisationen gesammelt hat, dass sich auf der Grundlage sehr gehaltvolle Aussagen machen lassen: Beispielsweise zeigen die Ergebnisse speziell f\u00fcr national ausgerichtete IT-Organisationen eine kontinuierlich geringe Outsourcing-Quote von unter zehn Prozent. Zum Vergleich: Unternehmen, die im gro\u00dfen Stil IT-Outsourcing betreiben, lassen in Deutschland teilweise mehr als 50 Prozent der Arbeit von Fremdanbietern erledigen. International d\u00fcrfte die Quote \u00e4hnlich, zum Teil noch deutlich h\u00f6her ausfallen wie das Beispiel GM zeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IT-Organisationen fokussieren sich auf ihre wertsch\u00f6pfenden und differenzierenden Leistungen wie die Entwicklung von Anwendungen, die f\u00fcr Organisation und Prozesse der Kunden ma\u00dfgeschneidert werden. Lediglich Bereiche, die nicht zum Kerngesch\u00e4ft geh\u00f6ren, werden an externe Dienstleister vergeben. Der wichtigste Grund: Konzentration auf die eigenen Kernkompetenzen. Damit verbunden ist die Reduktion der internen Komplexit\u00e4t \u2013 ein weiterer wichtiger Faktor f\u00fcr Entscheider. Doch m\u00f6gliche Kosteneinsparungspotenziale werden erst an dritter Stelle genannt.<\/p>\n<p>Kommt es zum Outsourcing, so konzentrieren sich die Auftraggeber gerne auf wenige IT-Partner. 60 Prozent der Befragten haben maximal ein bis zwei Service-Provider. So werden eine aufw\u00e4ndige interne Providersteuerung sowie un\u00fcberschaubare Service-Level-Vereinbarungen vermieden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kurze Vertragslaufzeiten um Abh\u00e4ngigkeiten zu vermeiden<\/strong><\/p>\n<p>Zudem bevorzugen IT-Organisationen kurzfristige Vertragslaufzeiten mit ihren Partnern. Etwa 80 Prozent der Vertr\u00e4ge laufen weniger als f\u00fcnf Jahre. Ein Drittel erstreckt sich sogar nur auf maximal zwei Jahre. So wollen die IT-Verantwortlichen in der Vergangenheit getroffene Entscheidungen der regelm\u00e4\u00dfigen Kontrolle unterziehen und gegebenenfalls auch wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen k\u00f6nnen. Dadurch reagieren IT-Organisationen flexibel auf Anforderungen ihrer Kunden, die sich schnell ver\u00e4ndern und wirken Abh\u00e4ngigkeiten zu externen Unternehmen entgegen.<\/p>\n<p><b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Selbst das Argument, ohne Outsourcing seien die Personalkosten zu hoch, entkr\u00e4ften dieses Benchmarking Bensberger Kreis. Viele Unternehmen mit einer hohen internen Fertigungstiefe haben sehr wettbewerbsf\u00e4hige Personalkosten. Im Durchschnitt liegen die Personalkosten dieser Organisationen bei rund 60.000 Euro f\u00fcr eine Vollzeitstelle im Jahr. Sie produzieren dabei ebenso effizient wie IT-Organisationen, die sich f\u00fcr so genanntes Near- \u00a0(Nahverlagerung) oder Offshoring entscheiden. Wer in Nearshore- oder Offshore-Center auslagert, hat zwar durchschnittliche Personalkosten zwischen 53.000 und 46.000 Euro \u2013 erfahrungsgem\u00e4\u00df ist daf\u00fcr aber eine sehr gro\u00dfe Organisation notwendig, die insgesamt mehr als 70.000 externe Personenarbeitstage pro Jahr\u00a0 zukauft. Dies ist in der Regel erst bei IT-Organisationen mit mehr als 1000 Mitarbeitern der Fall. Organisationen mit deutlich weniger Personalbedarf bleiben jedoch weit von solch geringen Personalkosten entfernt. Zudem wird der Kostenvorteil durch deutlich h\u00f6heren Aufwand f\u00fcr die notwendige Steuerung und Koordination der Dienstleister relativiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alternativen: Eifel und Allg\u00e4u<\/strong><\/p>\n<p>Alternativen zum Ausland gibt es zum Beispiel im nahe gelegenen Umfeld von Ballungszentren; in Frage kommen etwa die Eifel oder das Allg\u00e4u. Die dort ans\u00e4ssigen regionalen IT-Dienstleister bieten bei deutlich geringeren Tagess\u00e4tzen ein sehr hohes Qualifikationsniveau und starke Dienstleistungsbereitschaft. Gleichzeitig sind die Reisezeiten etwa im Vergleich zu Osteuropa deutlich k\u00fcrzer, die Sprachbarriere entf\u00e4llt ebenfalls. Auf diese Weise gewinnen alle Beteiligten: Der regionale IT-Dienstleister schafft es, sein Personal auf lange Sicht gut auszulasten. Das auslagernde Unternehmen konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den K\u00f6nigsweg beim Outsourcing gibt es also nicht. Es w\u00e4re aber schon viel gewonnen, wenn man das Outsourcing nicht per se positiv sieht und interne IT-Organisationen negativ \u2013 oder umgekehrt. Denn weder komplett in noch out ist generell richtig. In Zukunft kommt es vor allem auf den Mix an aus hoher eigener Leistung, strategischen Partnerschaften mit ausgew\u00e4hlten Dienstleistern und klassischem Outsourcing.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der richtige Mix h\u00e4ngt schlie\u00dflich vom Einzelfall ab. Generell sollte man sich aber immer fragen, wer neben den Analysten und den IT-Dienstleistern (die davon profitieren) das Outsourcing eigentlich in den Himmel lobt &#8211; und vor allem auch warum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrelang priesen Konzerne, IT-Dienstleister und Analysten das Outsoucen der IT. Mittlerweile gibt es jedoch prominente F\u00e4lle, in denen sich IT-Verantwortliche dagegen stemmen. 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