{"id":647879,"date":"2013-03-05T23:47:41","date_gmt":"2013-03-05T22:47:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=647879"},"modified":"2013-03-06T10:44:09","modified_gmt":"2013-03-06T09:44:09","slug":"vorstande-zweifeln-an-den-eigenen-aufsichtsraten-gastbeitrag-boyden-ceo-jorg-kasten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/03\/05\/vorstande-zweifeln-an-den-eigenen-aufsichtsraten-gastbeitrag-boyden-ceo-jorg-kasten\/","title":{"rendered":"Vorst\u00e4nde zweifeln an den eigenen Aufsichtsr\u00e4ten &#8211; Gastbeitrag von J\u00f6rg Kasten, Managing Partner der Personalberatung Boyden"},"content":{"rendered":"<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_647897\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/02\/Boyden.J\u00f6rg.Kasten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-647897\" class=\"size-medium wp-image-647897\" title=\"Boyden.J\u00f6rg.Kasten\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/02\/Boyden.J\u00f6rg.Kasten-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/02\/Boyden.J\u00f6rg.Kasten-200x300.jpg 200w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/02\/Boyden.J\u00f6rg.Kasten.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-647897\" class=\"wp-caption-text\">J\u00f6rg Kasten, Managing Partner der Personalberatung Boyden<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Porsche, der Berliner Gro\u00dfflughafen, ThyssenKrupp \u2013 aktuelle Beispiele f\u00fcr Unternehmen, deren Aufsichtsr\u00e4te schwer in der Kritik stehen. Mitarbeiter, Vorstand und die \u00d6ffentlichkeit schauen heutzutage sehr viel genauer hin als noch vor wenigen Jahren. Zum einen sind die fachlichen Anforderungen an die oberste Kontrollinstanz beispielsweise mit Einf\u00fchrung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes deutlich erh\u00f6ht. Zum anderen sind auch die Erwartungen des Top-Managements wesentlich gr\u00f6\u00dfer. Aufsichtsr\u00e4te, die sich aus den Unternehmensbelangen weitestgehend heraushalten und alle vorgelegten Entscheidungen einfach unkritisch abnicken, sind nicht mehr gefragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine unserer Studien, \u201eDie neue Rolle des Aufsichtsrates\u201c (2011), ergab, dass die H\u00e4lfte der befragten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Vorst\u00e4nde sch\u00e4tzt, dass nur h\u00f6chstens 60 Prozent der ihnen bekannten Aufsichtsr\u00e4te die n\u00f6tige Kompetenz aufweisen, um ihre Aufgabe qualifiziert ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Die Mehrheit der Top-Manager in deutschen F\u00fchrungsetagen ist demnach also nicht von der Qualifikation ihrer Aufsichtsr\u00e4te \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Studie befasst sich auch mit der Vergabe-Praxis. Eine wichtige Frage war, ob Aufsichtsratsmitglieder nur wegen ihres publizit\u00e4tstr\u00e4chtigen Namens im Kontrollgremium sitzen. Immerhin 12 Prozent gaben an, dass mindestens mehr als die H\u00e4lfte der Aufsichtsr\u00e4te ihrer Meinung nach nur wegen ihres Namens berufen worden seien. Nur ein Drittel sch\u00e4tzt den Anteil auf 20 Prozent und weniger ein. Wie die Mandate vergeben werden, st\u00f6\u00dft bei den Befragten also auf wenig Vertrauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben einer kritischen Haltung verdeutlicht die Studie aber auch, dass viele F\u00fchrungskr\u00e4fte mehr von ihren Aufsichtsr\u00e4ten erwarten. Stolze 72 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit Einf\u00fchrung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilmoG) eine Professionalisierung des Aufsichtsrates erwarten. Auch spricht sich die Mehrheit f\u00fcr die Internationalisierung der Aufsichtsratsgremien entsprechend der internationalen Profilierung des Unternehmens aus. Immerhin 64 Prozent gaben an, dass sie f\u00fcr eine internationale Besetzung der Aufsichtsr\u00e4te sind und sprachen sich damit f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur ein Wunschbild: Aufsichtsrat als Sparringpartner<\/strong><\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00fcnschen 23 Prozent der Befragten, dass sich der Aufsichtsrat vom reinen Kontrolleur zum Mitunternehmer entwickeln sollte. Die Mehrheit der deutschen F\u00fchrungskr\u00e4fte fordert also eine st\u00e4rkere Professionalisierung des Aufsichtsrates, nicht zuletzt auch, um die Wettbewerbsf\u00e4higkeit deutscher Unternehmen zu sichern. Viele Top-Manager erwarten ge\u00e4nderte Machtverh\u00e4ltnisse und w\u00fcnschen sich, im Aufsichtsrat einen kompetenten Sparringspartner auf Augenh\u00f6he zu finden. Es scheint also Handlungsbedarf in den Aufsichtsratsgremien zu geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Vorst\u00e4nde ihren Kontrolleuren potemkinsche D\u00f6rfer zeigen<\/strong><\/p>\n<p>Kein Zweifel: die Anforderungen sind hoch. Nicht nur Klaus Wowereit, ein Politiker, der nicht die erforderliche Management-Expertise mitbringt, ist als Aufsichtsratsvorsitzender gescheitert. Auch Gerhard Cromme, ein erfahrener Top-Manager, ist bei ThyssenKrupp als Aufsichtsratsvorsitzender derzeit heftig umstritten. Und er m\u00fcsste doch eigentlich wissen, worauf es ankommt. Hier stellt sich die Frage, wie viel Einfluss ein Chef-Kontrolleur \u00fcberhaupt hat, wenn er von seinem operativen Vorstand nur potemkinsche D\u00f6rfer zu sehen bekommt. Wenn das Management den Aufsichtsrat hintergeht, wird der Aufsichtsrat f\u00fcr Vorg\u00e4nge gescholten, die er nur bedingt beeinflussen kann.<\/p>\n<p>Der Aufsichtsrat kann seine Aufgabe nur sinnvoll erf\u00fcllen, wenn er auf ein starkes, kompetentes operatives Management bauen kann, das ihn richtig informiert. Aber was genau hei\u00dft es heute \u00fcberhaupt, ein Unternehmen zu f\u00fchren? Harvard-Professor John P. Kotter beschreibt bereits in den 90-ern (&#8222;A Force For Change: How Leadership Differs From Management&#8220;) den Unterschied zwischen Managern und Leadern: Manager sind Verwalter, Leader eher Vision\u00e4re.<\/p>\n<p>Management ist f\u00fcr ihn die F\u00e4higkeit, Prozesse optimal zu steuern, zu kontrollieren und einzusetzen. Leadership bedeutet hingegen die F\u00e4higkeit, anderen eine Vision und Richtung zu geben. Erfolgreiche F\u00fchrungskr\u00e4fte brauchen beides. Einen Kandidaten zu identifizieren, der genau die richtige Mischung mitbringt, ist eine Kunst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur wenige neue Top-Spieler sind geeignete Aufsichtsr\u00e4te f\u00fcr den Flughafen Berlin &#8211; die erste Spielzeit ist allzu verfahren<\/strong><\/p>\n<p>Bei ambitionierten Vorhaben wie dem Berliner Gro\u00dfflughafen wird die Suche nach einem Top-Manager immer schwieriger. Wer kann denn noch das immer komplexere Profil des neuen Flughafen-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers ausf\u00fcllen? Neben der technisch-fachlichen Qualifikation soll er auch die entsprechenden Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale mitbringen. Hier sind neben au\u00dfergew\u00f6hnlichem Engagement, Intelligenz, Flexibilit\u00e4t, strukturiertem Denken und herausragendem Organisationstalent vor allem Fingerspitzengef\u00fchl und der gekonnte Umgang mit der Politik gefragt. Hinzu kommt, dass bei diesem Projekt die Visibilit\u00e4t sehr hoch ist. Ganz Deutschland sowie das Ausland schaut genau hin, wie sich das Projekt weiterentwickelt &#8211; ein enorm hoher Erfolgsdruck. Bei einer derart verfahrenen ersten Spielzeit, bieten sich jetzt wohl wenige neue Top-Spieler an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbst wenn sich ein &#8211; hoffentlich geeigneter &#8211; Kandidat finden l\u00e4sst, muss auch noch die Chemie zum Aufsichtsrat stimmen, damit das Vorhaben vorankommt. Denn oft liegen die Vers\u00e4umnisse in der mangelnden Kommunikation zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Es ist eine Gratwanderung f\u00fcr alle Beteiligten. Auf der einen Seite kann der Aufsichtsrat seine Kontrollfunktion nur wirklich aus\u00fcben, wenn der Vorstand ihn umfassend \u00fcber die wirklichen Verh\u00e4ltnisse im Unternehmen informiert. Auf der anderen Seite braucht ein Leader auch Freiheiten, um sich entfalten und unternehmerisch handeln zu k\u00f6nnen. Der Aufsichtsrat muss dem Vorstand also auch immer einen gewissen Vertrauensvorschuss einr\u00e4umen als Basis f\u00fcr eine erfolgreiche Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aufsichtsr\u00e4te k\u00f6nnen heute leichter belangt werden<\/strong><\/p>\n<p>Wenn der Karren bereits im Dreck steckt, ist das nat\u00fcrlich sehr viel verlangt. Vor allem, da sich gerade im Hinblick auf Compliance-Anforderungen die Lage f\u00fcr Aufsichtsr\u00e4te deutlich versch\u00e4rft hat. Mit neuen gesetzlichen Regelungen wie dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilmoG) oder dem Gesetze zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) ist es heute deutlich einfacher, Aufsichtsratsmitglieder f\u00fcr falsche gesch\u00e4ftspolitische Entscheidungen juristisch zu belangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aufsichtsratsposten sind keine Belohnung<\/strong><\/p>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen brauchen wir Aufsichtsr\u00e4te, die den Herausforderungen gewachsen sind. Der Ruf nach professionellen Aufsichtsr\u00e4ten ist in vielen Vorstandsetagen deutlich vernehmbar. Sitze in Aufsichtsr\u00e4ten sollten nicht als Belohnung an Vorst\u00e4nde vergeben werden, sondern auf Grundlage des passgenauen Profils eines Kandidaten. Nicht ein gro\u00dfer Name sollte den Ausschlag geben, sondern nur das erforderliche Pers\u00f6nlichkeitsprofil und die fachliche Eignung.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> In Kooperation mit der WHU-Otto Beisheim School of Management, hatten wir 315 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Vorst\u00e4nde deutscher b\u00f6rsennotierter Unternehmen befragt. Unter den angeschriebenen Konzernen, Gro\u00dfunternehmen und f\u00fchrenden Mittelst\u00e4ndlern, finden sich zahlreiche DAX-Unternehmen, unter anderem die Allianz, BASF, Bayer, BMW, Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank, Henkel und Lufthansa. Die R\u00fccklaufquote lag bei etwa 30 Prozent. Die Ergebnisse der Umfrage sind f\u00fcr die Aufsichtsrats-Thematik besonders aussagekr\u00e4ftig, da nur Manager der ersten F\u00fchrungsebene teilnahmen.<\/p>\n<p>\u00dcber J\u00f6rg Kasten, Boyden: <a title=\"Boyden CEO J\u00f6rg Kasten\" href=\"http:\/\/www.boyden.de\/germany\/de\/associates\/jrg-kasten-2372\/index.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.boyden.de\/germany\/de\/associates\/jrg-kasten-2372\/index.html<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Porsche, der Berliner Gro\u00dfflughafen, ThyssenKrupp \u2013 aktuelle Beispiele f\u00fcr Unternehmen, deren Aufsichtsr\u00e4te schwer in der Kritik stehen. Mitarbeiter, Vorstand und die \u00d6ffentlichkeit schauen heutzutage sehr viel genauer hin als noch vor wenigen Jahren. 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