{"id":647610,"date":"2013-01-31T13:35:47","date_gmt":"2013-01-31T12:35:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=647610"},"modified":"2013-01-31T23:41:58","modified_gmt":"2013-01-31T22:41:58","slug":"ein-strafverteidiger-plaudert-aus-dem-nahkastchen-uber-top-manager-maximale-verdranger-und-paniker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/01\/31\/ein-strafverteidiger-plaudert-aus-dem-nahkastchen-uber-top-manager-maximale-verdranger-und-paniker\/","title":{"rendered":"Ein Strafverteidiger plaudert aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen \u00fcber Top-Manager: Maximale Verdr\u00e4nger und Paniker"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hat sich \u00fcber den unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Polizeieinsatz w\u00e4hrend einer Gro\u00dfrazzia beschwert. Die Staatsanw\u00e4lte weisen das entschieden zur\u00fcck,\u201c schrieb Joachim Jahn diese Tage in der \u201eFAZ\u201c. Was sind relativ unauff\u00e4llig liest, ist dann aber doch sehr interessant. Der Co-Chef der Deutschen Bank, J\u00fcrgen Fitschen, hatte offenbar verbreitet, dass die Staatsanwaltschaft seiner Bank wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung mit Hubschraubern und ganz gro\u00dfem Kino zuleibe ger\u00fcckt sei. Teils sogar vermummt, mit Maschinenpistolen und allein 500 Polizisten im Foyer der Deutschen Bank. V\u00f6llig \u00fcberzogen jedenfalls.<\/p>\n<p>Doch in dem \u201eFAZ\u201c-St\u00fcck wies die Staatsanwaltschaft \u2013 und die sollte es wissen \u2013 \u00fcberraschenderweise genau das als unwahr zur\u00fcck<strong>: <\/strong>\u00a0\u201eKein Polizist hat eine Maschinenpistole getragen\u201c. S\u00e4mtliche Aussagen Fitschens stimmten nicht. Auch nicht die mit dem Hubschrauber.\u00a0 <a title=\"&quot;FAZ&quot; Joachim Jahn \u00fcber die Unwahrheiten der Deutschen Bank\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/deutsche-bank-staatsanwaelte-werfen-fitschen-falsche-angaben-ueber-razzia-vor-12033110-l1.html\" target=\"_blank\">http:\/\/http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/deutsche-bank-staatsanwaelte-werfen-fitschen-falsche-angaben-ueber-razzia-vor-12033110-l1.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Top-Manager im Elfenbeinturm?<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnliche Eindr\u00fccke entstanden, als Fitschen in heller Aufregung anschlie\u00dfend sich \u00fcber den Einsatz bei Ministerpr\u00e4sident Volker Bouffier beschweren wollte. Was sollte nun das Ausland \u00fcber die Deutsche Bank denken und was die jungen hei\u00df umk\u00e4mpften Nachwuchs-Talente, die nun von der Bank als Arbeitgeber abgeschreckt w\u00fcrden. <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/nach-der-razzia-in-der-deutschen-bank-fitschen-bedauert-anruf-bei-bouffier-11998137.html\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/nach-der-razzia-in-der-deutschen-bank-fitschen-bedauert-anruf-bei-bouffier-11998137.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie bitte, staunt da der geneigte Leser? Zum einen\u00a0sind genau solche Imagesch\u00e4den immer der Fall, wenn die Staatsanwaltschaft aufmarschieren l\u00e4sst. Zum anderen konnte die Deutsche Bank ihre Imageprobleme respektive ihre wenig noblen Aktionen seit Jahren in der Tagespresse im einzelnen nachlesen\u00a0\u2013 auch in der US-Presse und selbst in TV-Dokumentationen in \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern. \u00a0Manche Vorw\u00fcrfe treffen nur sie, andere die ganze Branche \u2013 jedenfalls sind es so viele, dass Banker sich auf Parties schon vorstellen mit den Worten \u201eIch wei\u00df, ich bin so ein bl\u00f6der Banker\u2026\u201c Wie Fitschen darauf kam, dass dieser Polizeieinsatz gerade den Kohl noch fett machte? Vermutlich war nur er es, der dies so empfand und irgendwie pl\u00f6tzlich aufwachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Spezies der maximalen Verdr\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p>Dazu passt diese Erkenntnis eines erfahrenen Anwalts: Wenn Manager von Staatsanw\u00e4lten vor den Kadi gebracht werden, entpuppen sich zwei verschiedene Typen: Die einen werden panisch, bekommen einen Schluckauf und k\u00f6nnen nicht mehr denken. Das sind ungef\u00e4hr 20 Prozent, sch\u00e4tzt ein sehr renommierter Strafverteidiger, der aber ob seiner ungewohnt offenen Worte ungenannt bleiben will.<\/p>\n<p>Die anderen geh\u00f6ren zur Spezies der maximalen Verdr\u00e4nger, die halten sich f\u00fcr grunds\u00e4tzlich unverwundbar. Das ist die weit gr\u00f6\u00dfere Anzahl und der oben erw\u00e4hnte Strafrechtler sch\u00e4tzt sie auf 60 Prozent. Der Rest geht objektiv und angemessen mit der Situation um.<\/p>\n<p>Viele sind regelm\u00e4\u00dfig v\u00f6llig erstaunt, dass so ein Prozess sogar negative Folgen f\u00fcr ihre Firma hat. Ihre Grundhaltung ist diese, schildert der Jurist, der auch an einer Uni lehrt: \u201eKriminell sind immer nur die anderen \u2013 denn ihnen selbst ist in ihrem Leben ja bislang augenscheinlich alles gegl\u00fcckt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Augenma\u00df und Bescheidenheit<\/strong><\/p>\n<p>Und genau die Eigenschaften, die solche Top-Manager an die Spitze gebracht haben, bringen sie sp\u00e4ter auch zu Fall. \u201eDen meisten von ihnen fehlen schlicht zwei Eigenschaften, die die meisten auch vers\u00e4umen, sich im Laufe ihrer Karriere anzueignen: Augenma\u00df und Bescheidenheit\u201c, berichtet er und bilanziert: \u201eDer Erfolg ist so gesehen ein charakterlicher Defekt.\u201c<\/p>\n<p>Was Top-Manager n\u00e4mlich haben, ist die F\u00e4higkeit, zu simplifizieren. Und in ihrer Welt brauchen sie nur mit Vorstandsvorlagen umgehen \u2013 die passen stets auf eine Seite \u00a0in gro\u00dfer Schrift. Sie sind lediglich darauf angewiesen, dass die Informationskette von unten nach ganz oben zu ihnen selbst in der Hierarchie funktioniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie die Top-Manager es blo\u00df schaffen, tagaus tagein fast in einer Parallelwelt zu leben? Und vor allem den Glauben zu besitzen: Wo ich bin, ist das Recht. Selbst Anw\u00e4lte f\u00fcr Gesellschaftsrecht staunen \u00fcber diese vorherrschende Haltung im Management: Sich dem Recht beugen, das muss ich nie \u2013 das m\u00fcssen h\u00f6chstens die anderen. Ich stehe quasi dar\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eSie passen die \u00e4u\u00dfere Welt ihrer eigenen inneren an\u201c, philosophiert mein Informant. &#8222;Sind es doch stets die Charismatiker &#8211; jene Sorte Menschen, die einen Raum betreten, ihn sofort ausf\u00fcllen und ihn besetzt halten, auch ohne etwas zu sagen.\u201c<\/p>\n<p>Nur: Dieselben Entscheider sitzen dann \u2013 im Falle der F\u00e4lle, wenn ihnen Straftaten vorgeworfen werden \u2013 vor ihrem Verteidiger und begreifen nicht, dass ihnen ihr Charisma im Gericht nicht hilft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gesundheitliche Folgen von Strafprozessen<\/strong><\/p>\n<p>Dabei erw\u00e4hnt der anonyme Strafverteidiger noch ein ganz wichtiges Faktum: Niemanden l\u00e4sst solch ein Strafprozess unber\u00fchrt, auch wenn er ihn scheinbar ignoriert, alles wegdelegiert, was geht, ihn ausblendet oder in hektischen Aktionismus verf\u00e4llt. 60 Prozent der verfolgten Manager bekommen einen Tinnitus, Depressionen oder ihr Immunsystem bricht zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Ko-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hat sich \u00fcber den unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Polizeieinsatz w\u00e4hrend einer Gro\u00dfrazzia beschwert. 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