{"id":647180,"date":"2013-01-06T20:35:26","date_gmt":"2013-01-06T19:35:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=647180"},"modified":"2013-01-06T21:03:08","modified_gmt":"2013-01-06T20:03:08","slug":"vorstellungsgesprache-in-zeiten-der-quote-und-von-antidiskriminierungsregeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/01\/06\/vorstellungsgesprache-in-zeiten-der-quote-und-von-antidiskriminierungsregeln\/","title":{"rendered":"Vorstellungsgespr\u00e4che in Zeiten von Frauenquote und Antidiskriminierungsregeln"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;H\u00e4tten Sie nicht dazugeschrieben \u00b4Betreuung gesichert\u00b4, h\u00e4tte ich Sie gar nicht eingeladen zum Vorstellungsgespr\u00e4ch&#8220;, sagte der Chef eines kleinen Verbands zu der Mittdrei\u00dfigerin. Und seine Einladung kam flugs, drei Tage nach Abschicken der Bewerbung &#8211; noch f\u00fcr denselben Tag. So viel zum Thema Familien- oder Frauenfreundliche Unternehmen. Was in der Presse von Unternehmen hochheilig versichert wird, ist allzu oft nur geschicktes Marketing, um sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen, hat aber mit der Realit\u00e4t nichts zu tun. Man darf es eben nur nicht offen sagen, wg politisch unkorrekt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weniger Lohn bei berufst\u00e4tigem Ehemann?<\/strong><\/p>\n<p>Dass die Akademikerin mit zehn Jahres Berufserfahrung und in ungek\u00fcndigter Position eine marktgerechte Gehaltsvorstellung hatte &#8211; und ein Profil, das idealtypisch f\u00fcr die offene Stelle war- , fand der Manager ganz bl\u00f6d. Und was sagte er als \u00fcberraschende Begr\u00fcndung? Die Bewerberin habe doch einen Arzt als Ehemann. Und er lie\u00df durchblicken, dass sie ruhig weniger verlangen k\u00f6nnen. Motto: Wenn der Ehemann arbeitet und vielleicht sogar dem Uraltklischee nach zu den privilegierten Medizinern geh\u00f6rt, der halbwegs verdient, k\u00f6nne doch seine Company davon profitieren und er der Dame weniger Lohn zahlen. Logo?<\/p>\n<p>Schon vor vier Jahren musste Lydia Schrempp allen Ernstes diese Art von Vorw\u00fcrfen \u00f6ffentlich ertragen, als sie eine Abfindung von Daimler erhielt nach mehr als 15 Jahren Betriebsangeh\u00f6rigkeit bei dem Stuttgarter Autobauer.\u00a0 <a title=\"Lydia Schrempps Abfindung von Daimler - und warum sie sie verlangen darf und muss\" href=\"http:\/\/https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2008\/02\/26\/keine-abfindung-von-daimler-nur-weil-hexle-verheiratet-ist\/\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2008\/02\/26\/keine-abfindung-von-daimler-nur-weil-hexle-verheiratet-ist\/<\/a><\/p>\n<p>Doch es gab und gibt &#8211; gerade nach \u00c4nderung des Scheidungsrechts &#8211; genug Gr\u00fcnde, bei solche Ansinnen gleich auf Durchzug zu stellen. Abgesehen davon, dass sie aus Business-Behave-Aspekten respektlos und unangemessen sind und sich schon deshalb verbieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was auch in 2013 nur Frauen gefragt werden im Einstellungsgespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p>Drehen Sie den Spiess doch mal um: Hat je ein Mann auf seine Abfindung verzichten sollen, weil seine Frau &#8211; sagen wir mal &#8211; geerbt hat? Oder erfolgreiche Gesch\u00e4ftsrfrau ist? Oder hat je ein Mann gesagt bekommen, er bek\u00e4me aus dem Grunde kein marktgerechtes Gehalt, sondern weniger? Ob der Gatte der Kanzlerin, Herr Sauer, je Gehaltsabstriche abverlangt wurden, weil seine Frau schlie\u00dflich Kanzlerin ist?<\/p>\n<p>Zumindest kenne ich keinen Mann mit berufst\u00e4tiger Ehefrau, dem diese Ansinnen von seinen Vorgesetzten schon mal angetragen worden ist.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu dem Vorstellungsgespr\u00e4ch der Mittdrei\u00dfigerin: Der Manager gab schon konkrete Pflegehinweise im Vorfeld bekannt. Also wenn er Freitagsmorgens sagen w\u00fcrde, am selben Abend sei eine Veranstaltung, zu der man eigentlich hin m\u00fcsste, dann sei Folgendes gemeint: Sie gehen heute abend dahin und Widerrede oder Diskussionen gibt es dann nicht.<\/p>\n<p>Die Dame hingegen schaute sich das Spiel gelassen an, legte schon mal im Kopf bei jeder seiner Ungeschicklichkeiten ein paar Hundert Euro auf ihre Forderung drauf und \u00fcberlegte sich anschlie\u00dfend: Manchmal ist es nicht so \u00fcbel, bei dem zu bleiben, was man hat &#8211; wenn\u00b4s da seit mehreren Jahren schon immerhin so familienfreundlich zugeht, dass sie ein Homeoffice hat und freie Wahl der Arbeitszeit.<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Vorstellungsgespr\u00e4ch w\u00e4re es wom\u00f6glich kl\u00fcger, zu sagen, der G\u00f6ttergatte sei arbeitssuchend. Oder nach einem Unfall berufsunf\u00e4hig &#8211; einer der anderen F\u00e4lle, f\u00fcr den frau stets vorsorgen und sich nicht ins berufliche Abseits schieben lassen sollte. Auch nicht bei betrieblichen Entlassungsrunden, bei denen gerade Frauen mit dem Hinweis gerne in die Enge gedr\u00e4ngt und zum Unterschreiben einer Abfindungsvereinbarung gen\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p>Denn klar ist ja auch: Die Abfrage des Berufs des Ehepartners ist ja auch nur eine Momentaufnahme. Ob der morgen durchbrennt, stirbt, Insolvenz anmeldet oder schwerbehindert ist, das heute noch wei\u00df niemand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;H\u00e4tten Sie nicht dazugeschrieben \u00b4Betreuung gesichert\u00b4, h\u00e4tte ich Sie gar nicht eingeladen zum Vorstellungsgespr\u00e4ch&#8220;, sagte der Chef eines kleinen Verbands zu der Mittdrei\u00dfigerin. Und seine Einladung kam flugs, drei Tage nach Abschicken der Bewerbung &#8211; noch f\u00fcr denselben Tag. 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