{"id":647178,"date":"2013-01-09T00:18:10","date_gmt":"2013-01-08T23:18:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=647178"},"modified":"2013-01-09T00:39:18","modified_gmt":"2013-01-08T23:39:18","slug":"referenzen-fehlanzeige-kandidaten-googlen-och-noo-lass-man","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/01\/09\/referenzen-fehlanzeige-kandidaten-googlen-och-noo-lass-man\/","title":{"rendered":"Referenzen? Fehlanzeige? Kandidaten googlen? Och n\u00f6\u00f6, lass man"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Hirngespinst? Personaler massenhaft im Netz auf Kandidatencheck?<\/strong><\/p>\n<p>Da sinnieren Generationen von Journalisten gemeinsam mit Juristen dar\u00fcber, ob Personalchefs ihre Bewerber googlen d\u00fcrfen &#8211; doch kaum w\u00e4re genau so eine Neugier mal angebracht, googlet kein einziger. Kein Personaler, kein Vorgesetzter und offenbar auch nicht mal die \u00c4rztevermittlungsagentur, die den Arzt aus den Niederlanden an die SLK-Kliniken Heilbronn gebracht hatte. Denn der Mann hat den gr\u00f6\u00dften medizinischen Skandalfall in der Geschichte der Niederlande an der Backe &#8211; und niemand hat\u00b4s in Heilbronn gemerkt.\u00a0 Und auch nicht in den anderen zwei\u00a0 deutschen Kliniken, in der er vorher t\u00e4tig war. Die Vorw\u00fcrfe in den Niederlanden: &#8222;Er soll von 1998 bis 2003 im Krankenhaus in Enschede bei Dutzenden Patienten unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson festgestellt haben. Sie waren zum Teil jahrelang mit schweren Medikamenten behandelt worden. Ein Patient habe Selbstmord begangen, nachdem bei ihm f\u00e4lschlicherweise Alzheimer festgestellt worden war.&#8220; laut Nachrichtenagentur DPA. Damit nicht genug: &#8222;2003 hatte das Krankenhaus in Enschede den Arzt entlassen, nachdem seine Abh\u00e4ngigkeit von Medikamenten bekannt worden war. Er soll auch Rezepte gef\u00e4lscht und \u00fcber 80.000 Euro veruntreut haben. Unter Druck des Krankenhaus hatte der Arzt sich freiwillig aus dem \u00c4rzteregister streichen lassen und darf daher seit 2006 nicht mehr in den Niederlanden praktizieren.&#8220;<\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p>Das Erstaunlichste an dem Fall: &#8222;Die Welt&#8220; berichtet, dass die Klinik schon im vergangenen Jahr Hinweise auf den Skandalarzt und seine Geschichte bekam &#8211; diese aber nicht bis in die Gesch\u00e4ftsleitung vorgedrungen sein sollen. <a title=\"&quot;Die Welt&quot; zum Heilbronner Skandalarzt\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/regiolinegeo\/badenwuerttemberg\/article112442808\/Klinik-Heilbronn-hatte-2011-schon-Hinweise-auf-Skandalarzt.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/regiolinegeo\/badenwuerttemberg\/article112442808\/Klinik-Heilbronn-hatte-2011-schon-Hinweise-auf-Skandalarzt.html<\/a><\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise hat die Klinik ein organisisatorisches Problem, ein Loyalit\u00e4tsproblem mit ihrer Belegschaft oder die Meldung nach oben wurde einfach verschlampt. Jedenfalls sollte ein Unternehmen, in dem so etwas vorkommt, aufkl\u00e4ren, wie es genau soweit kommen konnte. Und daf\u00fcr Sorge tragen, dass es sich nicht wiederholt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Fall ist Anlass genug, Christian Schaaf, Sicherheitsexperte und Gr\u00fcnder der Spezial-Unternehmensberatung Corporate Trust in M\u00fcnchen, zu befragen: Wie\u00b4s die Unternehmen denn halten mit der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung neuer Mitarbeiter und was er da so erlebt hat in j\u00fcngster Zeit:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_643767\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/04\/schaaf1-e1335274113889.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-643767\" class=\"size-medium wp-image-643767\" title=\"schaaf\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/04\/schaaf1-300x270.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"270\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-643767\" class=\"wp-caption-text\">Christian Schaaf, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Corporate Trust, M\u00fcnchen<\/p><\/div>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&#8222;Leider wird der Auswahlprozess h\u00e4ufig nur unter Ber\u00fccksichtigung der fachlichen Qualifikation und nur in den wenigsten F\u00e4llen auch eine Pr\u00fcfung des einwandfreien Leumunds durchgef\u00fchrt. Bewerber wollen sich im Einstellungsprozess von ihrer besten Seite zeigen. Da wird dann auch gerne mal die Vita gesch\u00f6nt, Zeiten von Arbeitslosigkeit verschwiegen oder Zeugnisse frisiert. Werden kritische Punkte in der Vergangenheit verschwiegen wie zum Beispiel Vorstrafen oder \u00dcberschuldung, und der neue Arbeitgeber pr\u00fcft nicht genau nach, kann dies fatale Folgen haben. Leider sehen wir solche Vorg\u00e4nge immer wieder.<\/p>\n<p><strong>Zum Beispiel:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im selben Konzern ungest\u00f6rt weiter klauen<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; Bei einem international agierenden Handelsunternehmen fiel bei einer Tochtergesellschaft im Raum Wiesbaden auf, dass der Schwund im Lager ungew\u00f6hnlich hoch war. Nach intensiven Ermittlungen konnte der Leiter Warenlager \u00fcberf\u00fchrt werden. Er hatte drei Jahre lang angelieferte Waren verkehrt oder gar nicht eingebucht und privat an einen Hehler verkaufte. Als er gefeuert wurde, bewarb er sich bei einem anderen Tochterunternehmen des Handelskonzerns nur einen Kilometer weiter und fing dort f\u00fcnf Wochen sp\u00e4ter wieder im Lager an. Dies war m\u00f6glich, weil es keinen Austausch der Personaldaten beziehungsweise auff\u00e4lliger Mitarbeiter unter den Tochtergesellschaften des Konzerns gab. Nat\u00fcrlich kam es auch dort nach kurzer Zeit zu einer ungew\u00f6hnlichen H\u00e4ufung von Diebst\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Uni-Absolvent einer Kaderschmiede des chinesischen Nachrichtendienstes\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; In einem anderen Fall wollte ein Maschinenbauunternehmen nach China expandieren und dort eine Produktionsstra\u00dfe f\u00fcr neue Bauteile aufbauen. Daf\u00fcr suchten sie qualifizierte Ingenieure vor Ort. Die Bewerbung eines Aspiranten war besonders interessant, weil er nicht nur Zeugnisse der n\u00f6tigen Studieng\u00e4nge vorweisen konnte, sondern auch einige Zusatzqualifikationen hatte, die genau zu den neuen Produktionsabl\u00e4ufen gepasst h\u00e4tten. Ein \u00dcberpr\u00fcfung des Bewerbers zeigte jedoch, dass die Vita vermutlich speziell auf die Unternehmensanforderungen angepasst wurde, um dort eingestellt und so leichten Zugriff auf die neuen Entwicklungsdaten zu bekommen. Die Zeugnisse f\u00fcr die Zusatzqualifikationen waren teilweise Totalf\u00e4lschungen und ein intensives Screening zur Person zeigte, dass die besuchte Universit\u00e4t in China als Kaderschmiede des chinesischen Nachrichtendienstes bekannt war und er dort bereits f\u00fcr die Spionage bei westlichen Unternehmen rekrutiert wurde. \u00dcber diesen Weg f\u00e4llt es leicht, an sensible Informationen zu gelangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Trainierte Methode: Frauen anbaggern<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; In einem dritten Fall ging ein IT-Dienstleister eine Partnerschaft mit einem britischen Spezialisten f\u00fcr IT-Sicherheit ein, der freiberuflich f\u00fcr das Unternehmen t\u00e4tig wurde. Nach einiger Zeit legt der Mann jedoch soziale Verhaltensweisen gegen\u00fcber einzelnen Mitarbeiterinnen an den Tag, die sich weit au\u00dferhalb der gesellschaftlich akzeptierten Normen befanden. Er wurde einigen Kolleginnen gegen\u00fcber regelrecht obsessiv und manipulierte eine von Ihnen auf perfide Art und Weise. Eine \u00dcberpr\u00fcfung seines Hintergrunds, eine Business Risk Diligence, wurde daher in Auftrag gegeben. Diese ergab, dass der Mann in den USA bereits sechs Jahre zuvor von einer ehemaligen Kollegin, einer Chefsekret\u00e4rin eines High-Tech-Unternehmens, wegen obsessiver, sexueller Bel\u00e4stigung erfolgreich verklagt worden war. Weitere Nachforschungen ergaben, dass der Mann diese Techniken bewusst nutzte, um an gesch\u00fctzte Insider-Informationen in den jeweiligen Unternehmen zu gelangen. Er horchte die weiblichen Kollegen gezielt aus und manipulierte deren Abwehrmechanismen. Wie sich herausstellte, war er von einem ausl\u00e4ndischen Nachrichtendienst f\u00fcr diese Vorgehensweise gezielt ausgebildet worden. Ein Background-Check zu seiner Person h\u00e4tte im Vorfeld der Gesch\u00e4ftspartnerschaft unter anderem die US-Klageschrift hervorgebracht, und es w\u00e4re vermutlich nie zu der Partnerschaft gekommen, die dann mit gro\u00dfen finanziellen Verlusten wieder aufgel\u00f6st werden musste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kick-Back-Zahlungen f\u00fcr den neuen Einkaufsleiter<\/strong><\/p>\n<p>&#8211; Der Schaden kann f\u00fcr das Unternehmen umso h\u00f6her sein, je h\u00f6her die Position in der Hierarchie angesiedelt ist. Ein produzierendes Unternehmen aus der chemischen Industrie hatte nach einigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten einen neuen Leiter f\u00fcr den Einkauf eingestellt. Man war froh, trotz schwieriger Lage endlich einen fachlich geeigneten Kandidaten gefunden zu haben und wollte daher auch bei den pers\u00f6nlichen Angaben gar nicht zu genau nachbohren. Der neue Mitarbeiter machte zu Anfang seine Sache gut, blieb jedoch mittelfristig mit seinen Leistungen hinter den Erwartungen der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung zur\u00fcck. Erst als durch ein anonymes Schreiben eines ehemaligen Mitarbeiters bekannt wurde, dass er sich vor allem beim Auslandsgesch\u00e4ft mehrfach bestechen lie\u00df und sogenannte Kick-back-Zahlungen erhielt, wurde die Unternehmensleitung hellh\u00f6rig. Die Recherchen durch eine Business Risk Diligence brachten hervor, dass er nicht nur korrupt war und von Lieferanten im sechsstelligen Bereich Schmiergeld erhielt, sondern auch bei einem fr\u00fcheren Arbeitgeber wegen genau einem solchen Vorfall gehen musste. Auch dort hatte er sich im Ausland bestechen lassen, was bereits zu zwei Anklagen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Straft\u00e4ter sind in Compliance-Datenbanken gelistet<\/strong><\/p>\n<p>Solche F\u00e4lle werden in der Regel in weltweiten Compliance-Datenbanken oder Pressearchiven gef\u00fchrt, die \u00fcber das Vorleben von Bewerbern sehr genau Auskunft geben k\u00f6nnen. Um die Reputation des Unternehmens zu wahren und sich vor Ermittlungen deutscher oder internationaler Beh\u00f6rden zu sch\u00fctzen, sollten Firmen daher vor der Einstellung genau pr\u00fcfen, ob es bereits Auff\u00e4lligkeiten diesbez\u00fcglich gab. Weil sich jedoch gerade f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Unternehmen der permanente Zugang zu solchen Datenbanken oftmals nicht lohnt, gibt es Dienstleister, die solche strukturierten Screenings anbieten. Damit kann man einen Gro\u00dfteil der Risiken bei der Einstellung von neuen Bewerbern vermeiden und ist auch in Hinblick auf Compliance-Verfehlungen auf der sicheren Seite.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Hirngespinst? Personaler massenhaft im Netz auf Kandidatencheck? Da sinnieren Generationen von Journalisten gemeinsam mit Juristen dar\u00fcber, ob Personalchefs ihre Bewerber googlen d\u00fcrfen &#8211; doch kaum w\u00e4re genau so eine Neugier mal angebracht, googlet kein einziger. 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