{"id":646932,"date":"2013-03-05T20:14:01","date_gmt":"2013-03-05T19:14:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=646932"},"modified":"2013-03-05T20:14:36","modified_gmt":"2013-03-05T19:14:36","slug":"was-tun-wenn-die-eigene-branche-keine-stellen-mehr-bieten-kann-interview-mit-headhunter-stefan-koop-von-amrop-delta-zu-branchenwechseln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2013\/03\/05\/was-tun-wenn-die-eigene-branche-keine-stellen-mehr-bieten-kann-interview-mit-headhunter-stefan-koop-von-amrop-delta-zu-branchenwechseln\/","title":{"rendered":"Was tun, wenn die eigene Branche keine Stellen mehr bieten kann. Interview mit Headhunter Stefan Koop von Amrop Delta zu Branchenwechseln."},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_646933\" style=\"width: 249px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/12\/Delta_Portrait_Koop300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-646933\" class=\"size-medium wp-image-646933\" title=\"Delta_Portrait_Koop300\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/12\/Delta_Portrait_Koop300-239x300.jpg\" alt=\"\" width=\"239\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/12\/Delta_Portrait_Koop300-239x300.jpg 239w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/12\/Delta_Portrait_Koop300.jpg 519w\" sizes=\"auto, (max-width: 239px) 100vw, 239px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-646933\" class=\"wp-caption-text\">Stefan Koop, Partner der Personalberatung Amrop Delta<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Koop, Branchenwechsel werden Arbeitnehmern in Deutschland sehr schwer gemacht. Im Zusammenhang mit den WestLB-Besch\u00e4ftigten bei der Nachfolgegesellschaft Portigon schlug die FDP-Fraktion NRW vor, <a title=\"HB Banker sollen Steuerfahnder werden WestLB Portigon\" href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/portigon-ex-westlb-banker-sollen-steuerfahnder-werden\/7834512.html\" target=\"_blank\">die vom Land bezahlten Banker in der Finanzverwaltung einzusetzen &#8211; etwa bei der Steuerfahndung oder als Dozenten<\/a>.\u00a0 <\/strong><strong><a title=\"WestLB-Banker sollen umsatteln auf Steuerfahnder\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/portigon-ex-westlb-banker-sollen-steuerfahnder-werden\/7834512.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/portigon-ex-westlb-banker-sollen-steuerfahnder-werden\/7834512.html<\/a> Der Vorschlag klang revolution\u00e4r, Gegenstimmen wurden auch prompt laut, Branchenwechsel sind in Deutschland extrem un\u00fcblich. Was w\u00fcrden Sie Akademikern empfehlen, deren Branchen v\u00f6llig dicht sind?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Sie sollten ihre F\u00e4higkeiten analysieren: Hard facts wie vertriebliche F\u00e4higkeiten etwa und sich fragen, bin ich auch Kaufmann? Was kann ich aus meinen privaten Aktivit\u00e4ten f\u00fcr berufliche Qualifikation nutzen, wie Soziales Engagement, leitende T\u00e4tigkeit in Vereinen. Sie sollten ehrlich mit sich selbst sein. Fragen Sie Ihre Frau\/Mann oder Freunde, was die Ihnen wirklich zutrauen. Seien Sie mutig mit sich selbst und kreativ. Wof\u00fcr Sie brennen, damit z\u00fcnden Sie auch ein neues Unternehmen oder neuen Chef an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Haben Sie ein Beispiel?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Es gab mal ein Friseursterben. Damals bemerkte man in der Industrie, dass Friseure ein besonderes Fingerspitzengef\u00fchl haben, im w\u00f6rtlichen Sinn. Optische Abteilungen f\u00fcr Teleskope etwa stellten dann Friseure ein, um als Feinpolierer gro\u00dfe Optiken zu bearbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und wie kommt man \u00fcber die H\u00fcrde hinweg, die in den USA beispielsweise nicht so hoch ist: Dass man aus seiner Branche nicht herauskommt, gar nicht erst die Chance bekommt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Da hilft nur Mut. Die Grundauffassung, dass man immer gerne jemanden aus seinem Bereich haben m\u00f6chte, wird noch Jahre bestehen bleiben. Dennoch mit Elan Neues probieren. Wir sind da immer noch tradiierter als die USA. In den USA bleiben die meisten zwei bis drei Jahre bei einer Firma. Das gilt bei uns als Job-Hopping und st\u00f6\u00dft immer noch ab. Dass dadurch auch viel gesehen und erlebt wird, was einem neuen Arbeitgeber n\u00fctzlich sein kann, wird bei uns nicht gesehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Soll man sich bei amerikanischen Arbeitgebern bewerben?<\/strong><\/p>\n<p>Wer flie\u00dfendes Englisch spricht &#8211; auf jeden Fall. Wer nur Kitchen English drauf hat, bitte nicht. Das zeichnet dann nur ein schlechtes Bild und verbaut anderen den Einstieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie kann man Personalchefs in Unternehmen davon \u00fcberzeugen, dass man F\u00e4higkeiten hat, die auch an anderer Stelle f\u00fcr Unternehmen n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Suchen Sie den Einstieg \u00fcber die Fachabteilung. Wenn die sie gut finden, wird Personal sich nicht sperren. Zeigen Sie auch dem Personaler, wie stark Sie sich mit dem Unternehmen identifizieren, was sie toll finden und wie Sie zum weiteren Erfolg des Unternehmens beitragen k\u00f6nnen. Fassen Sie sich kurz. Nur wer abstrahieren kann wird auch gewinnen. Wer hat schon die Zeit, sich durch zweieinhalb Seiten Anschreiben durch zu arbeiten. Bieten Sie da Lesehilfe. Eine Seite Anschreiben muss Ihnen reichen. Kennen Sie Ihre St\u00e4rken und Schw\u00e4chen. Wer auf die Frage:\u201c Was sind Ihre 3 gr\u00f6\u00dften Erfolge?\u201c erst drei Minuten nachdenken muss, ist raus. Bereiten Sie sich auf sich selber so gut vor, wie es sonst auch bei Pr\u00e4sentationen f\u00fcr Projekte getan haben. Nur wer sich selbst kennt, kann auch andere von sich \u00fcberzeugen. Und Sie glauben gar nicht, wie wenig Sie von sich wissen. Also ran an die Aufgabe: Ich lerne mich jetzt selbst erst mal kennen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie Journalisten raten, f\u00fcr die es immer weniger Jobs gibt. Wo k\u00f6nnen die noch arbeiten, denn die k\u00f6nnen ja auch mehr als Schreiben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Die k\u00f6nnen zun\u00e4chst mal mit Sprache umgehen. Sie k\u00f6nnen Sachverhalte recherchieren, Fragen stellen und vor allem eins: zeitgenau abliefern. Das ist schon mal viel, was nicht jeder kann.<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen unter Stress arbeiten und hartn\u00e4ckig sein. Sie sind gewohnt, im Team zu funktionieren und m\u00fcssen schnelle Entscheidungen treffen und dabei ihren intellektuellen \u00dcberblick permanent ausbauen. Schon kann man \u00fcber andere Branchen au\u00dferhalb der Medien nachdenken, wo diese F\u00e4higkeiten auch gefragt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;zum Beispiel wo konkret?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Denken wir an den Bereich Financial Services. Hier in den Bereichen Risikomanagement oder Market Research. Da sind vergleichbare F\u00e4higkeiten gefragt. Wenn man ganz breit denkt kommen nat\u00fcrlich auch die Polizei, Bundeswehr, Ministerien und Nachrichtendienste in den Sinn. Hier gilt es auch, eigene Barrieren im Kopf zu \u00fcberwinden. Welcher Journalist hat sich schon einmal bei einer Top Unternehmensberatung beworben. Auch hier muss analysiert, recherchiert, bewertet und geschrieben werden. Themen wie Marktforschung sind nat\u00fcrlich auch naheliegend. Doch auch im eigenen Umfeld gibt es noch Wachstumsbranchen. Die Welt der Fachverlage und Fachpublikationen w\u00e4chst und hat den Wechsel in die online Welt besser geschafft als der klassische Verlagsbereich. Hier gibt es zu tun. Auch die Selbst\u00e4ndigkeit kann eine interessante Alternative sein, wenn man einen eigenen USP hat. Die Redaktionen werden immer kleiner und brauchen dringend Unterst\u00fctzung von au\u00dfen. Wichtig ist, auch in der eigenen Gehaltsfindung flexibel zu sein. Der Journalist z\u00e4hlt immer noch zu den besser bezahlten Gruppen. Da sollte man sich interessante Neueinstiege mit Perspektive nicht verbauen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt ja auch Journalisten, die sich in ganz anderen Feldern beweisen wie Manfred Ertel vom &#8222;Spiegel&#8220; als Aufsichtsrat beim Hamburger HSV\u00a0 <a class=\"smarterwiki-linkify\" href=\"http:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article113042272\/Spiegel-Redakteur-Ertel-kontrolliert-nun-den-HSV.html?wtmc=nl.wdwbsport\">http:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article113042272\/Spiegel-Redakteur-Ertel-kontrolliert-nun-den-HSV.html?wtmc=nl.wdwbsport<\/a> oder &#8222;Zeit&#8220;-Redakteurin Susanne Gaschke, als Oberb\u00fcrgermeisterin von Kiel <a title=\"Susanne Gaschke als Oberb\u00fcrgermeisterin von Kiel\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/schleswig-holstein-gaschke-ist-oberbuergermeisterin-in-kiel-1.1520657\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/schleswig-holstein-gaschke-ist-oberbuergermeisterin-in-kiel-1.1520657<\/a>. Wie kann man F\u00e4higkeiten, die man hat, aber nicht im Job einsetzen konnte, abgleichen mit dem Bedarf in anderen Branchen &#8211; die man vielleicht gar nicht kennt. An die man nie gedacht hat?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Koop:<\/strong> Man sollte lesen, sprechen, fragen, googeln, Social Media erkunden, aber auch Foren, Kongresse und Alumni-Treffen besuchen. \u00a0Googeln sie mal den Begriff \u201eZielfahnder\u201c und sie werden viele \u00dcberschneidungen sehen zum Investigativ-Journalisten. Gerade der Wirtschaftsjournalist hat einen guten \u00dcberblick \u00fcber das wirtschaftliche Geschehen, dieses gilt es zu nutzen. Nutzen sie auch das\u00a0 Out- oder Newplacement. Da helfen ihnen Experten, wie der Suchprozess gestaltet werden muss. Ich habe gerade mit einer Personalleiterin gesprochen, die mit 51 den Job verloren hat. Obwohl schon lange im Gesch\u00e4ft, hatte sie bestimmte Branchen wie Verb\u00e4nde\/ Organisationen und Dienstleistungsunternehmen \u00fcberhaupt nicht im Visier. Da hat ein zehnmin\u00fctiges Gespr\u00e4ch schon geholfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Herr Koop, Branchenwechsel werden Arbeitnehmern in Deutschland sehr schwer gemacht. 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