{"id":646285,"date":"2012-10-23T21:48:27","date_gmt":"2012-10-23T19:48:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=646285"},"modified":"2012-10-23T21:48:27","modified_gmt":"2012-10-23T19:48:27","slug":"kalifornien-bekommt-die-europaische-sparpolitik-zu-spuren-gastbeitrag-von-cnn-kultmoderator-richard-quest-exklusiv-fur-den-management-blog-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/10\/23\/kalifornien-bekommt-die-europaische-sparpolitik-zu-spuren-gastbeitrag-von-cnn-kultmoderator-richard-quest-exklusiv-fur-den-management-blog-3\/","title":{"rendered":"&#8222;Kalifornien bekommt die europ\u00e4ische Sparpolitik zu sp\u00fcren&#8220; &#8211; Gastbeitrag von CNN-Kultmoderator Richard Quest exklusiv f\u00fcr den Management-Blog (3)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Von Richard Quest, International Business Correspondent bei CNN und Moderator von\u00a0 &#8222;Quest Means<\/strong><br \/>\n<strong>Business&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben San Francisco erreicht, das Ende unserer fast 4000 Kilometer langen Reise, die in Chicago begann. Hier werde ich Willie Brown treffen, der von 1996 bis 2004 B\u00fcrgermeister der Stadt und zuvor 15 Jahre lang Sprecher der gesetzgebenden Versammlung in Kalifornien war. Das Wetter ist fabelhaft. Es hat etwas \u00fcber 20 Grad Celsius, was f\u00fcr diese Jahreszeit ungew\u00f6hnlich warm ist. Die Golden Gate Bridge glitzert in der Sonne. San Francisco ist sicherlich die sch\u00f6nste aller St\u00e4dte. Und doch darf einen die Sch\u00f6nheit nicht \u00fcber die finanzielle Misere hinwegt\u00e4uschen, in der der Bundesstaat steckt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_0549-11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-646294\" title=\"DSC_0549 - 1\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_0549-11-300x204.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_0549-11-300x204.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_0549-11.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nSollte Pr\u00e4sident Barack Obama diesen Staat an Mitt Romney verlieren, k\u00e4me das einem Wahldebakel gleich. Seit 1988 hat Kalifornien keinen republikanischen Pr\u00e4sidentschaftskandidaten mehr gew\u00e4hlt. Doch der Pr\u00e4sident (und das Land) sollten die Entwicklung beobachten, die der Staat gerade durchlebt, denn die Geschichte beweist: Was in Kalifornien beginnt, breitet sich oft im Rest des Landes aus. Au\u00dferdem stehen entscheidende Wahlen f\u00fcr den Kongress an. Sollten die Demokraten hier schlecht abschneiden, k\u00f6nnte es f\u00fcr die Liberalen knapp werden, weiterhin die Mehrheit im Senat zu stellen. Den B\u00fcrgern Kaliforniens bereiten vor allem die Wirtschaft und die Situation auf dem Arbeitsmarkt gro\u00dfe Sorgen. Die Arbeitslosenquote betr\u00e4gt 10,2 Prozent und ist damit die dritth\u00f6chste des Landes. Auch die Einwanderungs- und Gesundheitspolitik z\u00e4hlen zu den zentralen Themen des Bundesstaates. Doch die B\u00fcrger hier sind auch an einen h\u00f6heren Lebensstandard und ein ausgezeichnetes Bildungssystem gewohnt \u2212 das langsam erste Risse zeigt.<\/p>\n<p>Das Haushaltsdefizit des Staates w\u00fcrde vielleicht sogar Europa die Schamesr\u00f6te ins Gesicht treiben. Im Mai meldete Jerry Brown, der Gouverneur Kaliforniens, das Defizit liege momentan bei 16 Milliarden Dollar und drohe, noch gr\u00f6\u00dfer zu werden, falls nicht bald Gegenma\u00dfnahmen eingeleitet w\u00fcrden. So pr\u00e4sentiert sich das heutige Kalifornien langsam wie das von Sparma\u00dfnahmen gebeutelte Europa.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06461.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-646298\" title=\"DSC_0646\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06461-300x156.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06461-300x156.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06461.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sehen wir uns die Fakten doch einmal genauer an: In den letzten Jahren gab es in Kalifornien tiefe Einschnitte im Bildungssektor und im sozialen Bereich. Um Geld zu sparen, wurden sogar Gef\u00e4ngnisinsassen fr\u00fchzeitig entlassen. Zudem brachte man den Vorschlag auf, die Einkommens- und die Mehrwertsteuer zu erh\u00f6hen, um das gef\u00e4hrlich gro\u00dfe Haushaltsloch zu stopfen, das nicht verschwinden wird, solange die Wirtschaft stagniert.<\/p>\n<p>Es gibt weitere \u00c4hnlichkeiten. War Kalifornien fr\u00fcher harten Zeiten ausgesetzt, konnte man doch stets auf den Rest des Landes z\u00e4hlen, schlie\u00dflich ist die US-Wirtschaft eine einzige, gro\u00dfe Wachstumslokomotive.<br \/>\nErlebte ein Bundesstaat in der Vergangenheit wirtschaftlich schlechte Zeiten, konnten die anderen Staaten normalerweise das Schlimmste abfedern. Das wird dieses Mal nicht passieren, da es im ganzen Land keinen wirtschaftlichen Aufschwung gibt, der dazu beitragen k\u00f6nnte, die Flaute zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>In der Eurozone bietet sich das gleiche Bild: Nicht einmal die deutsche Wirtschaft, der Wachstumsmotor Europas, kann die anderen aus der Rezession rei\u00dfen. Wie der Internationale W\u00e4hrungsfonds in seinem neuesten Weltwirtschaftsausblick festh\u00e4lt, versuchen momentan alle Staaten gleichzeitig, ihre Defizite zu reduzieren, was die Situation weiter verschlimmert.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06621.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-646299\" title=\"DSC_0662\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06621-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06621-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/10\/DSC_06621.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kalifornien wurde ebenso Opfer dieser Umst\u00e4nde wie die europ\u00e4ischen L\u00e4nder. Allerdings m\u00f6chte ich diese Analogie auch nicht zu weit treiben. Kaliforniens Wirtschaft ist grunds\u00e4tzlich in einem wesentlich besseren Zustand als die vieler EU-L\u00e4nder. Es sei nur darauf hingewiesen, dass die Sparpolitik Europas, die Amerika bislang kaum getroffen hat, inzwischen angekommen ist. Dieser Staat, der oft dem Rest des Landes die Zukunft weist, ist einer der ersten, der die l\u00e4ngerfristigen Auswirkungen zu sp\u00fcren bekommt, die zweifelsohne auf das ganze Land \u00fcbergreifen werden \u2212 ganz gleich, wer die Wahl am Ende gewinnt.<br \/>\nDie Sparma\u00dfnahmen in Kalifornien sind ein kleiner Ausblick auf die Zukunft Amerikas. Der Rest des Landes, der noch von den verschwenderischen Wahlkampfversprechen geblendet ist, hat es nur noch nicht mitbekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Richard Quest, International Business Correspondent bei CNN und Moderator von\u00a0 &#8222;Quest Means Business&#8220; Wir haben San Francisco erreicht, das Ende unserer fast 4000 Kilometer langen Reise, die in Chicago begann. 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