{"id":645417,"date":"2012-08-22T14:46:46","date_gmt":"2012-08-22T12:46:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=645417"},"modified":"2013-08-12T23:10:55","modified_gmt":"2013-08-12T21:10:55","slug":"brechen-sie-sofort-den-urlaub-ab-wenn-sie-rauch-aufsteigen-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/08\/22\/brechen-sie-sofort-den-urlaub-ab-wenn-sie-rauch-aufsteigen-sehen\/","title":{"rendered":"Brechen Sie sofort den Urlaub ab, wenn Sie Rauch aufsteigen sehen"},"content":{"rendered":"<p>Mit den Worten &#8222;Ich gehe jetzt in meinem wohlverdienten Urlaub&#8220; , verabschieden sich die Chefs heute gerne in die Sommerfrische. Das sagt man jetzt so: &#8222;Wohlverdient&#8220;. Warum das so betont werden muss? Keine Ahnung, \u00a0scheint aber Mode zu sein.<\/p>\n<p>Und ab jetzt beginnt f\u00fcr so manchen Manager eine gar nicht erholsame Zeit. Nicht nur, dass er ungewohnte Aufgaben an der Familienfront hat. Muss er doch\u00a0gleichzeitig die B\u00fcro-Front im Auge behalten &#8211; via Blackberry. Der Spagat alleine ist schon unlustig. Quengeln die Familienmitglieder doch sofort los: &#8222;Tu das Ding weg&#8220;.<\/p>\n<p>Damit nicht genug: Zerreissen sich dar\u00fcber alle m\u00f6glichen Berufenen und Unberufenen, Prsycholgen, Coaches, Krankenkassenleute oder \u00c4rzte das Maul, warum es denen angeblich nicht &#8222;gelingt&#8220;, abzuschalten. Dabei vergessen sie nur einige Fakten. Oder sie kennen sie halt nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Zeit der St\u00fchle-S\u00e4ger<\/strong><\/p>\n<p>Denn nicht nur, dass dann die Zeit der heimlichen St\u00fchle-S\u00e4ger beginnt. Also derjenigen, die feige hinterm R\u00fccken der Kollegen versuchen, die Zeit zu nutzen, um flugs irgendwelche Tatsachen zu schaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn das Chaos zu bl\u00fchen beginnt, sollten sich Chefs im Urlaub den n\u00e4chsten R\u00fcckflug sichern<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn eine Katastrophe just in dem Momement hochploppt, in dem der Verantwortliche in Urlaub ist, gibt\u00b4s heute nur noch eins: ins n\u00e4chste Flugzeug und heim ins Chaos fliegen. Nicht unbedingt\u00a0deshalb, weil ohne ihn keiner klar k\u00e4me. Sondern allein schon um des lieben PR-Anscheins willen. Der Eindruck und die Fantasievorstellung, die H\u00fctte brennt, dem Chef ist es egal und g\u00f6nnt sich\u00a0lieber Pina Colada an der Strandbar auf Hawai, ist t\u00f6dlich.<\/p>\n<p>So ging\u00b4s heute durch die Rundfunknachrichten: Rainer Schwarz, der Chef des Berliner Flughafens, m\u00fcsse wom\u00f6glich\u00a0ob der Riesen-Panne seinen Hut nehmen. Zumal er doch bei dem gr\u00f6\u00dften Chaos in Urlaub geweilt habe, schiebt der Nachrichtensprecher hinterher. Und schwupps, da war\u00b4s: Entweder h\u00e4tte der Mann gar nicht erst den Urlaub antreten d\u00fcrfen, schwingt da mit. Oder er h\u00e4tte jedenfalls sofort in das von ihm zu verantwortende Chaos zur\u00fcck eilen m\u00fcssen &#8211;\u00a0gleich als es anfing zu kokeln. Denn klar ist: Egal wie urlaubsreif der Vorgesetzte ist, egal ob\u00b4s der erste seit drei Jahren ist oder er kurz vorm Herzinfarkt steht &#8211; er liefert ein Argument, ihn abzuschiessen. Allein schon, weil\u00b4s dem Image abtr\u00e4glich sein k\u00f6nnte, wenn er nicht vor Ort ist, wenn\u00b4s rund geht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/08\/strandfoto.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-645432\" title=\"strandfoto\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/08\/strandfoto-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/08\/strandfoto-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/08\/strandfoto.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Anschein reicht v\u00f6llig<\/strong><\/p>\n<p>Der Anschein reicht da oft schon. Dazu kommen muss die entsprechende Stimmungsmache gegen ihn, da braucht es nicht mehr viel Schuld und er ist f\u00e4llig. Erfahrene Wirtschaftsanw\u00e4lte wie Thomas Klindt, Partner bei Noerr Stiefenhofer und Experte f\u00fcr Produkr\u00fcckrufe raten ihren Mandanten, sofort den Urlaub abzubrechen und umzudrehen.<\/p>\n<p>&#8222;Denn dieses Risikothema schiebt sich in der Priorit\u00e4t vor alles andere.\u00a0Im \u00fcbrigen kann es als Signal gewertet werden und ein verheerender Image-Schaden entstehen: Erinnern Sie sich bitte an die Briefbogen-Aff\u00e4re des Ex-Wirtschaftsministers J\u00fcrgen M\u00f6llemann \u2013 die gar keine Aff\u00e4re geworden w\u00e4re, wenn der Politiker sofort aus dem Urlaub zur\u00fcck geeilt w\u00e4re an seinen Schreibtisch, um pers\u00f6nlich Rede und Antwort zu stehen. Dass er aber ungest\u00f6rt seinen Karibik-Urlaub fortsetzte, kam bei der \u00d6ffentlichkeit so an, als sei er arrogant und sei sie ihm nicht wichtig <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Briefbogen-Aff%C3%A4re\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Briefbogen-Aff%C3%A4re<\/a> . Auch der Ex-BP-Manager Tony Hayward <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tony_Hayward\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tony_Hayward<\/a> setzte sich kr\u00e4ftig in die Nesseln, als er w\u00e4hrend der wochenlang andauernden Katastrophe an nur einem einzelnen Tag an einem Wochenende an einer Segelragatta teilnahm und sich der \u00d6ffentlichkeit dabei zeigte.\u00a0 <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/06\/20\/wie-kann-er-nur-segeln-gehen-wenn-in-der-firma-die-holle-los-ist\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/06\/20\/wie-kann-er-nur-segeln-gehen-wenn-in-der-firma-die-holle-los-ist\/<\/a>\u00a0&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unerreichbar im Kloster? Vergessen Sie\u00b4s<\/strong><\/p>\n<p>Verstehen Sie jetzt, warum der Kontakt zur Bodenstation auch im Urlaub wichtig ist? Warum es heute f\u00fcr Top-Manager riskant ist, wohin zu fahren, wo\u00b4s keinen Netzempfang gibt?<\/p>\n<p>Mir ist nur ein Beispiel gel\u00e4ufig, wo es ander herum lief: Da hatte ein GmbH-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer seinem Co-Chef ein Kuckucksei produziert und kurz vor seinem Urlaub ins Nest gerollt. In der Zeit als es gerade mal Fax gab, war er angeblich unerreichbar in einem Kloster war, drei Wochen lang. Ob\u00b4s wirklich so war? Keine Ahnung. Die Bombe ging hoch, ausbaden musste die Chose den Firmeneignern gegen\u00fcber der andere. Es wurde ein hochpolitisches Thema, das ihm die letzten Nerven raubte. Als der eigentliche Bombenleger zur\u00fcck kam und den Unschuldsengel gab, dauerte es nicht mehr lange, bis der andere weg war. Er k\u00fcndigte selbst, hatte die Nase voll.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Der Bombenleger hatte die n\u00e4chsten zehn Jahre alleine das Sagen.<\/p>\n<p>Doch das funktioniert heute nicht mehr. keiner macht mehr drei Wochen Urlaub &#8211; und unerreichbar sein auf dem Kloster, das zieht auch nicht mehr. Und wenn es tats\u00e4chlich unerreichbar ist, muss sich eben das Urlaubsziel \u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den Worten &#8222;Ich gehe jetzt in meinem wohlverdienten Urlaub&#8220; , verabschieden sich die Chefs heute gerne in die Sommerfrische. Das sagt man jetzt so: &#8222;Wohlverdient&#8220;. Warum das so betont werden muss? Keine Ahnung, \u00a0scheint aber Mode zu sein. 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