{"id":645287,"date":"2012-08-05T19:27:03","date_gmt":"2012-08-05T17:27:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=645287"},"modified":"2012-08-05T23:22:08","modified_gmt":"2012-08-05T21:22:08","slug":"wenn-eine-sparmethode-die-nachste-untergrabt-reise-nach-jerusalem-spiele-bei-sap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/08\/05\/wenn-eine-sparmethode-die-nachste-untergrabt-reise-nach-jerusalem-spiele-bei-sap\/","title":{"rendered":"Wenn eine Sparmethode die n\u00e4chste untergr\u00e4bt. &#8222;Reise-nach-Jerusalem&#8220;-Spiele bei SAP?"},"content":{"rendered":"<p>Bislang konnten Manager relativ einfach Karriere machen und sich zumindest eine Zeitlang auf ihren Posten halten: Kostensparen war das Zauberwort, das jahrelang gereicht hat. Das, was jede Putzfrau kann &#8211; genaugenommen. Zum Streichen geh\u00f6rt n\u00e4mlich nicht so viel. Und wer als Manager\u00a0dann doch noch Angst hatte, seinen Job f\u00fcr die Entlassungsma\u00dfnahmen zu verlieren, holt rasch Unternehmensberater. M\u00f6glichst namhafte &#8211; die man diesselbe Entlassungsrunde dann vorschlagen l\u00e4sst und denen man sp\u00e4ter die Schuld in die Schuhe schieben kann. F\u00fcr die unpopul\u00e4re Ma\u00dfnahme, die bald so viel kostet, dass man auch die Leute an Bord lassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Mit den Entlassungen einher gingen oft die\u00a0Einrichtungen von Gro\u00dfraumb\u00fcros &#8211; um Miete zu sparen. Eins der griffigen Argumente, was \u00fcblicherweise kommt, geht so:\u00a0Man brauche schon gar nicht mehr so viele Arbeitspl\u00e4tze wie man Mitarbeiter hat. Erz\u00e4hlte mir doch j\u00fcngst <a title=\"Management-Blog zur neuen Vodafone-Zentrale\" href=\"http:\/\/https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/06\/06\/schone-neue-vodafone-welt-in-lorick\/\" target=\"_blank\">Vodafone<\/a>-Personalchef Dirk Barnard, er sei 60 (oder gar 80?) Prozent seiner Arbeitszeit unterwegs\u00a0und brauche in der Zeit auch keinen Schreibtisch in der neuen Zentrale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der neue alte Streichposten: Dienstreisen<\/strong><\/p>\n<p>Wenn\u00b4s mal bei der Rechnung bleibt. Denn der Finanzchef von SAP Werner Brandt hat f\u00fcr sich &#8211; vor dem Hintergrund von mehr als 5 Milliarden Euro Betriebsergebnis in 2012 (2011: 4,7 Milliarden Euro) &#8211; einen neuen Streichposten entdeckt, um die internen Ziele zu erreichen. Und f\u00fcr den sollen die Mitarbeiter ihren Beitrag leisten forderte er im Intranet von SAP, aus dem mein WiWo-Kollege Michael Kroker gestern zitierten: \u201eAnstatt zu reisen, sollte jeder nach M\u00f6glichkeit unsere Videokonferenz-Technik und Telepresence nutzen.\u201c <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/it\/sap-finanzchef-brandt-will-dienstreisen-vermeiden\/6956822.html\">http:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/it\/sap-finanzchef-brandt-will-dienstreisen-vermeiden\/6956822.html<\/a><\/p>\n<p>Alles klar, f\u00fcr Mitarbeiter ist das jedenfalls die famlienfreundlichere Variante. Man muss sie nur noch offensiv auch als solche verkaufen. Ist die Pressestelle dar\u00fcber schon informiert? Und der Betriebsrat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Reise nach Jerusalem&#8220; in Walldorf?<\/strong><\/p>\n<p>Ich frage mich jetzt nur eins: Spielen Sie nun bald &#8222;Reise nach Jerusalem&#8220; bei SAP? Wenn bei Neubauten und Umstrkturierungen die Sitzpl\u00e4tze f\u00fcr Mitarbeiter so knapp kalkuliert werden, dass mit Kranken, Urlaubern und Dienstreisenden fest gerechnet wird, wird\u00b4s immer enger. Kranke kommen heute bekanntermassen krank zur Arbeit &#8211; das Ph\u00e4nomen ist erkannt und hei\u00dft Pr\u00e4sentismus. Oder wollen auch die in Wirklichkeit vielleicht nur verhindern, dass Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes der Stuhl unterm Po weggezogen wird? Dienstreisende, die jetzt im Kostenspar-Wahn zuhause bleiben, ben\u00f6tigen jedenfalls jetzt auch ihren Stuhl. Und f\u00fcr l\u00e4nger dauernde Concerence-Calls und \u00e4hnliches ist das Gro\u00dfraumb\u00fcro nicht immer der geeigneteste Raum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Not-Sitze in den Unternehmen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Kreative Ideen haben Sp\u00f6tter l\u00e4ngst genug auf Lager: Man k\u00f6nne die zweite Schicht doch um 18 Uhr antreten lassen. Andere fragten sich schon immer, ob bei der Ausrechnung der Quadratmeter pro B\u00fcro-Mensch, die Toiletten heraus- oder miteingerechnet waren? Sitzan kann man da ja auch. Dass Kantinen im K\u00fcchenduft und bei fr\u00f6hlichen Begr\u00fc\u00dfungen und Sp\u00e4\u00dfen der Kantinenkollegen zu Not-Konferenzr\u00e4umen mutieren, ist auch nichts Neues mehr. Hauptsache man findet eine Sitzgelegenheit und Platz f\u00fcr Block und Stift oder moderneres Ger\u00e4t. Besonders lustig und diskret sind auch die G\u00e4stesofas, die \u00fcblicherweise auf G\u00e4ngen dekorationshalber verblieben sind: Wer hier mit Externen Platz nimmt, ist verbl\u00fcfft, wen die so alles aus dem Kollegenkreis kennen, wer zum Schw\u00e4tzchen stehen bleibt.<\/p>\n<p>Wenn nichts mehr hilft, gibt\u00b4s auch noch kleine Klappst\u00fchle aus Holz. Gabs immer g\u00fcnstig bei dem schwedischen M\u00f6belhaus &#8211; und das l\u00e4sst sich bestimmt auch bei den Werbungskosten absetzen. Bei Glaubhaftmachung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bislang konnten Manager relativ einfach Karriere machen und sich zumindest eine Zeitlang auf ihren Posten halten: Kostensparen war das Zauberwort, das jahrelang gereicht hat. Das, was jede Putzfrau kann &#8211; genaugenommen. Zum Streichen geh\u00f6rt n\u00e4mlich nicht so viel. 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