{"id":644247,"date":"2012-06-04T21:10:26","date_gmt":"2012-06-04T19:10:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=644247"},"modified":"2012-06-04T21:10:26","modified_gmt":"2012-06-04T19:10:26","slug":"hohn-und-spott-vom-eigenen-arbeitgeber-eon-fuhrt-seine-mitarbeiter-vor-und-rat-ihnen-nach-rumanien-auszuwandern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/06\/04\/hohn-und-spott-vom-eigenen-arbeitgeber-eon-fuhrt-seine-mitarbeiter-vor-und-rat-ihnen-nach-rumanien-auszuwandern\/","title":{"rendered":"Hohn und Spott vom eigenen Arbeitgeber: EON f\u00fchrt seine Mitarbeiter vor und r\u00e4t ihnen, nach Rum\u00e4nien auszuwandern"},"content":{"rendered":"<p>Der Energiekonzern Eon braucht an keinem Ranking nach dem Motto &#8222;Wer sind die besten Arbeitgeber?&#8220; mehr teilnehmen. Wer so offen seine eigenen Mitarbeiter verspottet und vorf\u00fchrt, weckt bei den vielen anderen Kollegen, die gerade mal (noch) nicht betroffen sind, so viel Mi\u00dftrauen, dass man sich auch gleich die n\u00e4chsten Weihnachtsfeiern sparen kann. Wenn es sie \u00fcberhaupt noch gegeben hat. Das Signal ist gesendet. Die Unternehmenskultur deutlich gemacht.<\/p>\n<p>Was ist geschehen? Eon bietet mirnichtsdirnichts Angestellten in Deutschland,\u00a0 Frankreich, Spanien und anderen L\u00e4nder &#8211; so schreibt es die <a title=\"Eon bietet seinen Leuten Jobs in Rum\u00e4nien an\" href=\"http:\/\/http:\/\/nachrichten.rp-online.de\/wirtschaft\/eon-bietet-wechsel-nach-rumaenien-1.2850167\" target=\"_blank\">&#8222;Rheinische Post&#8220;<\/a> (&#8222;RP&#8220;) &#8211; an, sie k\u00f6nnten doch mal eben nach Rum\u00e4nien nach Cluj umziehen. Denn dort will will der deutsche Energieversorger &#8222;gro\u00dfe Teile seines Personal- und Rechnungswesens k\u00fcnftig in neuen T\u00f6chtern, &#8222;Business Service Centern&#8220; bearbeiten lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fliegen Sie doch ruhig die 1700 Kilometer zu ihrem neuen Arbeitsplatz<\/strong><\/p>\n<p>In einer 27-seitigen Pr\u00e4sentation wirbt die Konzernleitung laut &#8222;RP&#8220;\u00a0 f\u00fcr die rum\u00e4nische Stadt namens Cluj. Dass es von dort eine gute Flugverbindung mit Direktfl\u00fcgen nach Deutschland gebe, etwa. Mit anderen Worten: Pendeln Sie doch. Ihre Kinder brauchen sie gar nicht zuhause &#8211; M\u00fctter oder V\u00e4ter, wof\u00fcr? Man k\u00f6nnte auch sagen: Familienfreundlichkeit? Fehlanzeige.<\/p>\n<p>Googelt man, wie weit Cluj zum Beispiel von D\u00fcsseldorf entfernt ist, ergibt sich: Es sind1712 Kilometer &#8211; und die bedeuten eine Fahrzeit im Auto von 17 Stunden und 5 Minuten, rechnet Google Maps vor.<\/p>\n<p>Und Eon er\u00f6ffnet seinen Angestellten weiter: Cluj habe nur eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent. Was man damit sagen will, ist nicht so ganz klar. Vielleicht: Gehen Sie ruhig nach Cluj, wandern sie einfach aus &#8211; wenn sie dann sp\u00e4ter am Orte ine neue Stelle suchen m\u00fcssen, haben Sie gute Karten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;.. aber der Lohn wird daf\u00fcr niedriger<\/strong><\/p>\n<p>Was Eon aber auch laut &#8222;RP&#8220; gleich klar macht: Dass die Umzugswilligen in Cluj nicht mehr ihr fr\u00fcheres Gehalt bekommen sollen. Das bedeutet im Endeffekt: Wer irgendwie die \u00dcberlegung anstellt, hin und her zu fliegen, kann sich die Fl\u00fcge tats\u00e4chlich gar nicht mehr leisten.<\/p>\n<p>So, als ob Eon, nicht w\u00fc\u00dfte, wieviel sie dem einzelnen Mitarbeitern so an Gehalt \u00fcberweist? Ich vermute, sie wei\u00df das ganz genau. Auf Heller und Pfennig, wie man fr\u00fcher sagte. Oder Cent und Euro. Hat sie doch die Geh\u00e4lter sorgsam abgeglichen, ehe die Entscheidung zum Outsorcing &#8211; Offshore, da \u00fcber die Grenze &#8211; fiel. Oder ein dienstfertiger Unternehmensberater hat dies in monatelanger Arbeit mit einem teuren Team errechnet. Deren Honorare sind dann regelm\u00e4ssig so hoch, dass man sich fragt, nach wieviel Jahren das Unternehmen deren Honorar erst mal wieder eingespart hat. Und ob die ganze Aktion dann \u00fcberhaupt noch lohnt? Apropos: Weiss jemand, wer diese Unternehmensberatung war?<\/p>\n<p>Ohne Unternehmensberater hat das Eon-Management dieses Vorhaben kaum ausgeheckt, soll der doch im Fall der F\u00e4lle der Buhmann sein. Falls die Entscheidung nicht der Stein der Weisen war &#8211; und die Top-Manager doch nicht wegen so etwas ihren Job verlieren wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum spielt Eon nicht direkt mit offenen Karten? Macht Fair Play?<\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum eigentlichen Thema: Gewollt ist, dass die betreffenden Mitarbeiter Geld nehmen und gehen. Ab daf\u00fcr. Und warum sagt man das nicht gleich? Das w\u00e4re doch im Zeitalter der Transparenz allemal die bessere Alternative. Warum so tun, als riete man den Leuten zum Umzug, wenn die Farce ohnehin klar ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorbild Nokia<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Nokias Abwanderung nach Rum\u00e4nien &#8211; die ziehen da \u00fcbrigens auch schon wieder weg, vielleicht sollte Eon-Manager Marcus Schenck &#8211; seines Zeichens Finanzvorstand &#8211; sich erst mal bei den Nokia-Kollegen schlau machen, warum &#8211; kennt man so ein Unternehmensverhalten in NRW. Echt geholfen hat die Deutschland-Flucht Nokia nicht, wie ein Blick auf die sp\u00e4tere Unternehmensberichterstattung zeigt. Und was Nokia nebenbei auch geschafft hat: dass mancher Konsument die Marke meidet und bei freier Wahl dann vielleicht doch lieber zum Konkurrenzprodukt greift. Nach dem Motto: Wer ein Nokia-Handy kauft, braucht auch keinen fair gehandelten Kaffee mehr nehmen. Setzten die Manager &#8211; abgesehen von ihrem Auftreten in Bochum und dem Desinteresse des finnischen Gesamtbetriebsrats an den deutschen Kollegen &#8211; doch in Rum\u00e4nien auf Mitarbeiter, die 60 Wochenarbeitsstunden schaffen sollten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/http:\/\/nachrichten.rp-online.de\/wirtschaft\/eon-bietet-wechsel-nach-rumaenien-1.2850167\" target=\"_blank\"><strong>http:\/\/nachrichten.rp-online.de\/wirtschaft\/eon-bietet-wechsel-nach-rumaenien-1.2850167<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Passend zum Thema, erinnere ich an ein Interview mit Management-Guru Reinhard Sprenger, der vor acht Jahren &#8211; im Mai 2004 im &#8222;Handelsblatt&#8220; &#8211; ein wegweisendes Interview gab:<\/p>\n<p><a title=\"Reinhard-Sprenger-Interview\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/management\/strategie\/handelsblatt-interview-besser-ihr-waert-nicht-da\/2327916.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/management\/strategie\/handelsblatt-interview-besser-ihr-waert-nicht-da\/2327916.html<\/a><\/p>\n<h1><em><\/em>\u201eBesser, Ihr w\u00e4rt nicht da&#8220;<\/h1>\n<p><strong>Management-Autor Reinhard Sprenger \u00fcber Manager mit der falschen Dauerbotschaft an die Belegschaft.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><strong>Herr Sprenger, die Belegschaften der Unternehmen erleben harte Zeiten nach den Entlassungen der vergangenen Jahre. Die Mitarbeiter kommen kaum gegen die Arbeit an, viele sind demotiviert. Was k\u00f6nnen die F\u00fchrungskr\u00e4fte jetzt tun?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sprenger: In der letzten Zeit lautet die Dauerbotschaft von der Unternehmensspitze vielfach: \u201eWir brauchen Euch nicht. Eigentlich w\u00e4re es besser, Ihr w\u00e4rt gar nicht da.\u201c Diese Aussage ist in ihrer Klarheit und Entschiedenheit neu. Und sie hat Konsequenzen f\u00fcr die Bindungswilligkeit der Menschen. F\u00fchrung darf nicht glauben, sie bes\u00e4\u00dfe ein Zauberschwert, das die Wunden wieder heilt, die es schl\u00e4gt. Und dass die Zeit alle Wunden heilt, wird im Regelfall \u00fcbersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p><strong>Kennt man das nicht, innere K\u00fcndigung, Demotivation?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Schon, aber die Krise greift tiefer. Das Vertrauen ist erodiert, wenn nicht gar oft zerst\u00f6rt. Die meisten Menschen wollen zun\u00e4chst und vor allem \u201edazugeh\u00f6ren\u201c. Sie wollen \u201eaufgenommen\u201c werden, sie wollen eine berufliche Heimat. Wenigstens eine Zeit lang. Diesen Menschen muss man ein Mindestma\u00df an Sicherheit und Verl\u00e4sslichkeit entgegenbringen. Sonst sind sie niemals mit dem Herzen bei der Sache, sondern schielen fortw\u00e4hrend nach dem Notausgang. Dennoch gilt: Rein statistisch k\u00fcndigen immer noch mehr Arbeitnehmer als gek\u00fcndigt werden.<\/p>\n<p><strong>Personalberater werben schon damit, dass viele gute Leute jetzt wechselbereit sind.<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Auch da darf man die Dinge nicht verwechseln: Menschen verlassen nicht schlecht gef\u00fchrte Unternehmen, sondern schlecht f\u00fchrende Vorgesetzte. Das Thema wird also vorrangig im Mikrobereich entschieden. Und da gibt es immer noch viele F\u00fchrungskr\u00e4fte, die unter schwierigen Bedingungen eine vertrauensvolle Arbeitsatmosph\u00e4re aufrecht erhalten. Aber der Ergebnishunger des Kapitalmarktes macht es ihnen nicht leicht. Was sie nicht aus der Verantwortung nimmt. Der Markt ist ja auch nicht schuld, wenn die Gewinne in den Himmel schie\u00dfen. Das reklamieren Manager ja auch f\u00fcr sich. Man muss also kein bekennender Christ sein, um zu sp\u00fcren: So sollte es nicht sein! Deshalb widern uns die Durchgeknallten, die Beiseite-Schieber und Maximalprofiteure an.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Zum Beispiel?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Ganz aktuell etwa eine gro\u00dfe ausl\u00e4ndische Bank in Deutschland, die sich zum Ziel gesetzt hat, 15 Prozent Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften. Sie hat nur 11 Prozent geschafft und will deshalb 400 Leute an die Luft setzen. Wo doch jeder, der ein Sparbuch hat, wei\u00df, 11 Prozent sind richtig gut. Hier sind Mitte und Ma\u00df verloren gegangen. Es geht offenbar nicht mehr darum, das \u00dcberleben zu sichern. Es geht nicht mehr um die Werte-Balance, sondern ausschlie\u00dflich darum, die Interessen der Kapitaleigner zu bedienen. Wer aber als Manager die Herzen der Menschen erreichen will, sie zum Dabeibleiben und Mitmachen bewegen will, der muss eine \u00d6konomie f\u00fcr das ganze Haus schaffen. Wenn beispielsweise das Verhalten des Unternehmens sich nicht auf einen breiten Konsens der Mitarbeiter st\u00fctzen kann, emigrieren sie nach innen oder fliehen.<\/p>\n<p><strong>&#8230;sobald sie k\u00f6nnen und wieder nachgefragt werden.<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Genau. Es gibt leider zu viele F\u00fchrungskr\u00e4fte, die nichts Ungesetzliches machen und dennoch das brechen, was in jedem Vertrag implizit steckt \u2013 das Wohlwollen, die R\u00fccksicht, das Vertrauen. Sie nehmen die Bereitschaft der Menschen zur Bindung nicht verantwortungsvoll auf und nutzen jede legale M\u00f6glichkeit, um die Kapitalinteressen zu priorisieren. Jetzt, wo die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften wieder steigt, wird dieses Verhalten hoffentlich bestraft.<\/p>\n<p><strong>Und das werden die Falschen sein, die gehen? Diejenigen, die als erste interessant sind f\u00fcr die Konkurrenz?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sprenger: Das ist zu erwarten. Wenn die guten Leute abhauen und die demographisch bedingte Knappheit greift, werden die Unternehmen gezwungen, um ihre Mitarbeiter zu werben. Zum Beispiel die Organisation f\u00fcr den Einzelnen zu flexibilisieren oder st\u00e4rker auf die Lebensbedingungen von Frauen einzugehen. Kein Unternehmen kann es sich leisten, seine Mitarbeiter \u00fcber den Tisch zu ziehen, ohne einen Preis daf\u00fcr zu zahlen. Schon Kant sagte, moralisch handelt, wer den Menschen nicht nur als Mittel, sondern auch als Zweck ansieht. Wer diesen Gedanken mit F\u00fc\u00dfen tritt, handelt auch betriebswirtschaftlich schon mittelfristig unintelligent.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Sehen Sie Rettung?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sprenger: Die Zuwanderungsquote m\u00fcsste schon exorbitant hoch schnellen, um die demographische Entwicklung aufzufangen: Es werden zu wenig Menschen geboren, zu viele zu fr\u00fch aufs Altenteil geschickt, die Lebenserwartung steigt. Zudem nimmt die Abwanderung gut ausgebildeter Leute ins Ausland zu. Es ist aberwitzig, wie viel Kapital und Arbeitspl\u00e4tze Deutschland momentan t\u00e4glich verliert. Wir k\u00f6nnen fast von einer De-\u00d6konomisierung Deutschlands sprechen. Der Wohlstandsverlust ist nicht unmittelbar sp\u00fcrbar, kommt aber mit einer gewissen Zeitverz\u00f6gerung umso dramatischer.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Das w\u00e4re wann?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Ich sch\u00e4tze in zehn, zw\u00f6lf Jahren. Gegenw\u00e4rtig jedenfalls vers\u00fcndigen sich nicht nur eskalierte Unternehmensf\u00fchrer und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Politiker an den Grundfesten unseres Wohlstands. Auch die deutsche Mentalit\u00e4t hat sich gewandelt. Unter den Fittichen des Staates haben es sich viele warm, nett und mittelm\u00e4\u00dfig eingerichtet. Unser alter Ehrgeiz, ganz nach vorne zu wollen, ist weg. Zweiter Sieger zu sein, das gilt jetzt als in Ordnung. Wir haben vielfach unseren Biss verloren, wollen nicht mehr um jeden Preis erfolgreich sein. Es dominiert eine mild-resignative Zur\u00fcckgelehntheit.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck zu den F\u00fchrungskr\u00e4ften: Was raten sie denen?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: F\u00fchrung ist Beziehung, und Beziehung ohne Vertrauen ist unm\u00f6glich. Ist es einmal zerst\u00f6rt, l\u00e4sst es sich nur schwer wieder aufbauen. Dazu m\u00fcsste eine F\u00fchrungskraft sich aktiv verwundbar machen, also von der Leistung seiner Mitarbeiter abh\u00e4ngig machen, das Kontrollsystem abbauen. Die meisten Manager tun aber genau das Gegenteil. Es ist also vorrangig eine Frage des Personal-Einsatzes: Wer als Manager den Ruf eines Kostenkillers hat, der ist in einer Aufbauphase eine Fehlbesetzung. Er war vielleicht wichtig, als es um die \u00dcberlebenssicherung ging. In einer Turnaround-Situation. In der nun ver\u00e4nderten Situation muss er andere Aufgaben erhalten.<\/p>\n<p><strong>Sie fordern also, dass sie mit dem Aufschwung abdanken?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sprenger: Eine Menge Manager haben so viel Raubbau an ihrer Glaubw\u00fcrdigkeit getrieben, dass sie als F\u00fchrungskr\u00e4fte diskreditiert sind. Sie haben den Kontakt verloren. Die Menschen folgen ihnen nicht mehr. Es gibt jedoch etwas, das ihnen m\u00f6glicherweise entgegen kommt: Die Gegenwart hat das Gef\u00fchl f\u00fcr die Unterscheidung von Stabilit\u00e4t und Krise verloren. Wir haben die Mentalit\u00e4t von Dauerschiffbr\u00fcchigen entwickelt. Deshalb bleibt alles provisorisch, allenfalls mittelfristig.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Heute ist es Praxis, jedes m\u00e4\u00dfigende Argument mit dem Kn\u00fcppel-aus-dem-Sack der Globalisierung zu erschlagen. Schaute man fr\u00fcher bei Entlassungen noch betreten zur Seite, so ist man heute forsch und selbstbewusst, weist im Pontius-Pilatus-Tonfall auf Systemzw\u00e4nge, und dass der internationale Markt nun mal gnadenlos sei. Die Dauer-Krise ist ein Dukatenesel f\u00fcr Notwendigkeiten. Da brauche ich gar nicht mehr zu gestalten, nicht kreativ zu sein, sondern lasse nur noch den Kostenvernichtungsscharfsinn warm laufen. Aber daf\u00fcr sind die meisten Manager \u00fcberbezahlt.<\/p>\n<p><strong>Manager heute verprellen also nicht nur die Leute, sie bekommen &#8211; gemessen an ihrer Leistung &#8211; \u00fcberdurchschnittlich viel Geld?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: An dem Wort Leistung lutschen alle herum wie Kinder an bunten Zuckerstangen. Die Messbarkeit der Management-Leistung ist ein Mythos. Es gibt es keine einzige Studie weltweit, die eine positive Korrelation zwischen Managementgeh\u00e4ltern und Unternehmenswert- Entwicklung nachgewiesen h\u00e4tte. Belegen l\u00e4sst sich vielmehr die umgekehrte Korrelation. Nein, Manager tun, was alle tun w\u00fcrden, wenn sie die M\u00f6glichkeit dazu h\u00e4tten. Ihnen das vorzuwerfen, ist naiv. Wenn man da etwas verhindern will, muss man das System ver\u00e4ndern. Das k\u00f6nnen nur die Shareholder. Aber die wehren sich nicht. Im Gegenteil: Sie glauben weiterhin blind an den Zusammenhang von Kursentwicklung und Management-Verg\u00fctung. Vergessen wird: Manager bekommen ihr Geld f\u00fcr nichts \u2013 f\u00fcr das, was noch nicht ist. Nicht f\u00fcr die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Nicht f\u00fcr die Verwaltung des Status Quo, sondern f\u00fcr die langfristige \u00dcberlebenssicherung des Unternehmens.<\/p>\n<p><strong>Also der Vergleichsma\u00dfstab war der falsche?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sprenger: Es ist fast unm\u00f6glich, vern\u00fcnftig dar\u00fcber zu sprechen, weil Deutschland eine Neidgesellschaft ist. Aber nehmen wir das Beispiel des Herrn Ackermann. Ich f\u00fcrchte, dass er zutiefst davon \u00fcberzeugt ist, angemessen zu verdienen. Und im unternehmensinternen Rang steht er ja nicht einmal unter den ersten 10. Er hat aber einen Ma\u00dfstab angelegt, der schwer zu legitimieren ist: Er orientiert sich am Gehalt amerikanischer oder Schweizer Bank- Chefs. Das ist naiver Universalismus. Man kann das Lokale und Traditionale nicht so schn\u00f6de ignorieren. Alle Zukunft braucht Herkunft.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Dass wir in einer globalisierten Welt arbeiten, wollen Sie ignorieren?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Das Problem liegt tiefer. Wir haben im Moment keine Antwort auf den Paradigmenwechsel vom Eigent\u00fcmer- zum Managerkapitalismus. All die Fragen, die wir diskutieren, wie die Legitimit\u00e4t der Geh\u00e4lter, der Nachhaltigkeit, der Angemessenheit, der gesellschaftlichen Verantwortung und des Vertrauens \u2013 all diese Stichworte h\u00e4ngen damit zusammen. Der Eigent\u00fcmer-Unternehmer hat eine ganz andere Grundposition als der Manager. Der Eigent\u00fcmer war stolz, wollte sich ein Denkmal setzen. Er wollte das Unternehmen \u00fcber Generationen erhalten und vor allem &#8211; er riskierte sein eigenes Geld. Das ist beim angestellten Manager anders. Der verwaltet das Geld anderer Leute. Und als Mitglied der unternehmens\u00fcberspannenden Abfindungskartelle riskiert er nicht mal Geld. Das scheint mir die Sollbruchstelle der gegenw\u00e4rtigen kapitalistischen Phase zu sein.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie den Unternehmen raten, zu tun, um das Positivimage wieder zu erhalten?<\/strong><\/p>\n<p>Sprenger: Jede Management-Entscheidung ist wertgetr\u00e4nkt, hat eine moralische Dimension. Moral ist Sache des Publikums. Au\u00dferhalb und innerhalb des Unternehmens, als Kunde und Mitarbeiter. Viele Manager aber verwechseln legal und legitim. Sie verhalten sich legal, aber gesellschaftlich abgekoppelt.<\/p>\n<p><strong>Eine pers\u00f6nliche Frage am Schluss: Wen bewundern sie unter den Managern? Unter den Unternehmern?<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Sprenger: Bewundern ist nicht meine Sache, aber Herr Wiedeking von Porsche, Herr Scheiff von DIS und Herr Werner als Inhaber des dm-Drogeriemarkts machen schon einen ziemlich guten Job.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Energiekonzern Eon braucht an keinem Ranking nach dem Motto &#8222;Wer sind die besten Arbeitgeber?&#8220; mehr teilnehmen. 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