{"id":644090,"date":"2012-06-02T17:41:15","date_gmt":"2012-06-02T15:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=644090"},"modified":"2014-05-13T22:58:49","modified_gmt":"2014-05-13T20:58:49","slug":"wenn-geschenkte-fusballtickets-zu-teuer-sind-um-als-harmlos-durzugehen-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/06\/02\/wenn-geschenkte-fusballtickets-zu-teuer-sind-um-als-harmlos-durzugehen-teil-1\/","title":{"rendered":"Wenn geschenkte Fu\u00dfballtickets zu teuer sind, um als harmlos durchzugehen &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anf\u00fcttern verboten: Teure Fu\u00dfballtickets an Gesch\u00e4ftspartner verschenken, wird Sponsoren wie Eingeladenen zu heikel<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_644080\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/05\/LANXESS-arena_4-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-644080\" class=\"size-medium wp-image-644080\" title=\"LANXESS arena_4 (2)\" alt=\"\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/05\/LANXESS-arena_4-2-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/05\/LANXESS-arena_4-2-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/05\/LANXESS-arena_4-2.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-644080\" class=\"wp-caption-text\">Public Viewing in Lanxess-Arena, K\u00f6ln<\/p><\/div>\n<p>Die Spieler des FC Bayern steuern Sportwagen mit den vier Ringen werbewirksam durch M\u00fcnchen, seit einem Jahr ist Audi gar mit zehn Prozent am Rekordmeister beteiligt. Vorstandschef Rupert Stadler lie\u00df sich k\u00fcrzlich vom Oldtimer-Grand Prix in Monaco zum Pokalfinale nach Berlin fliegen. Und in der Allianz-Arena in M\u00fcnchen unterh\u00e4lt das Unternehmen eine gro\u00dfz\u00fcgige Lounge, in der regelm\u00e4\u00dfig Gesch\u00e4ftspartner zu Spielen geladen werden. Doch auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine blicken die Ingolst\u00e4dter mit gemischten Gef\u00fchlen \u2013 und dies nicht aus Sorge um die Chancen der deutschen Kicker: \u201eDiesen Sommer\u201c, hei\u00dft es lapidar aus Ingolstadt, \u201eladen wir zu keinem Fu\u00dfballereignis ein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Angst, sich strafbar zu machen<\/strong><\/p>\n<p>Audi steht mit seiner vorsichtigen Haltung nicht allein: Wurden bis vor wenigen Jahren regelm\u00e4\u00dfig gro\u00dfz\u00fcgige Einladungen zu Essen in Edel-Restaurants, Konzerten, Formel-1-Rennen oder eben Fu\u00dfballspielen verteilt, ist von der einstigen Gro\u00dfz\u00fcgigkeit kaum etwas \u00fcbrig. Einladende und Eingeladene laufen Gefahr, sich der Untreue und Vorteilsannahme schuldig zu machen oder gegen unternehmensinterne Regeln zu versto\u00dfen.\u201eUnternehmen und ihre Kunden halten sich zunehmend zur\u00fcck, Einladungen auszusprechen oder anzunehmen\u201c, best\u00e4tigt Josef Stadtfeld, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Sponsorenvereinigung S20, zu der Coca-Cola, Siemens, die Allianz, die Telekom und McDonalds geh\u00f6ren: \u201eSie sind alle unsicher, wie man sich jetzt verhalten soll, weil beide Seiten im Risiko stehen und sich strafbar machen k\u00f6nnen.\u201c Sponsor Hyundai etwa fand im Fr\u00fchjahr keine Abnehmer f\u00fcr EM-Tickets .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gar nicht erst annehmen<\/strong><\/p>\n<p>Eink\u00e4ufer sollten geschenkte Tickets von Lieferanten und anderen Gesch\u00e4ftspartnern f\u00fcr die Fu\u00dfball-EM oder die Olympischen Spiele in London ablehnen. Sonst k\u00f6nnten sie sich der Vorteilsannahme strafbar machen, warnt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). \u201eEinladungen zu so begehrten Veranstaltungen, deren Karten nur sehr teuer oder nicht mehr zu haben sind, sollen ja gerade eine Vertrauensbasis zwischen Einladendem und Gast herstellen. Und dann liegt der Interessenskonflikt nah\u201c, sagt Sebastian Schr\u00f6der, Chefjurist beim BME.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was fr\u00fcher niemanden gest\u00f6rt hat, ist heute ein heikles Thema: Seit sich der Ex-EnBW-Chef Utz Claassen vor dem Bundesgerichtshof verantworten musste, nachdem er sieben Spitzenpolitikern in Berlin und Stuttgart Tickets f\u00fcr die Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2006 geschickt hatte, sind die Unternehmen hellh\u00f6rig geworden. Die Korruptionsf\u00e4lle bei Siemens und Daimler dienen zumindest den Dax-Unternehmen als warnendes Beispiel. Und die Bestechungs-Aff\u00e4re des Ex-Bundespr\u00e4sident Christian Wulff schreckte die Letzten auf.<\/p>\n<p>\u201eUnbesorgt kann man niemanden in eine EM-Fu\u00dfballloge einladen. Nicht mal einen Firmeninhaber, denn selbst wer anscheinend alleiniger Inhaber eines Familienunternehmens ist, kann ja tats\u00e4chlich nur ein Teil einer komplizierten Gesellschafterstruktur sein\u201c, erkl\u00e4rt Tim Wybitul von der Anwaltskanzlei Hogan Lovells .\u201c Und man kann ja nicht bei jedem Unternehmen hinter die Kulissen schauen.<\/p>\n<p>Jedenfalls: &#8222;Je mehr der Eingeladene selbst verdient, umso geringer die Wahrscheinlichkeit, dass er sich wegen Peanuts einwickeln oder schmieren l\u00e4sst\u201c skizziert der Jurist. Einen Vorstand kann man daher eher zu einem EM-Spiel einladen als einen Mitarbeiter &#8211; wenn es nicht gerade im Zusammenhang mit einem konkreten Auftrag geschieht, so Wybitul. &#8222;Doch selbst Vorst\u00e4nde winken heute meistens ab.&#8220;<\/p>\n<p>Der LKW-Hersteller MAN ist nach einer Korruptionsaff\u00e4re nicht nur vorsichtig geworden, sondern auch \u00f6ffentlichkeitsfreudig: Nachdem die Karten des Champions-League-Finales in M\u00fcnchen bei der Uefa 3650 Euro pro Karte kosten sollten, lud er weder G\u00e4ste noch Mitarbeiter auf einen seiner zw\u00f6lf Logensitze ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aus Unsicherheit verschwiegen &#8211; statt Transparenz zu demonstrieren<\/strong><\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Sportsponsoren reagieren bereits: Zwar bleiben sie Sponsoren und unterst\u00fctzen die Vereine weiter. &#8222;Aber etliche Firmen mieten in den Stadien keine Logen mehr, weil sie niemanden mehr sinnvollerweise dorthin einladen k\u00f6nnen. Auch wenn sie es nicht \u00f6ffentlich kommunizieren&#8220;, berichtet Verbandsjurist Schr\u00f6der. Auch Josef Stadtfeld, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Sponsorenvereinigung S20, deren Mitglieder die gro\u00dfen Sponsoren wie Coca-Cola, Bayer, Siemens, Allianz, Telekom oder McDonalds sind, beobachtet: &#8222;Die Unternehmen verschlie\u00dfen sich, sie sind alle unsicher, wie man sich jetzt verhalten soll.&#8220; Und weiter: &#8222;Die Sponsoren setzen Geld in den Sand, indem sie die Tickets ihrer Sponsoren-Kontigente nicht mehr abrufen. &#8222;Zumal stets beide Seiten im Risiko stehen und sich strafbar machen k\u00f6nnen: der Einladende wie der Eingeladene&#8220;, warnt Stadtfeld.<\/p>\n<p>Au\u00dfer den strafrechtlichen Vorschriften, laufen Angestellte gro\u00dfer Unternehmen Gefahr, gegen Firmenregeln zu versto\u00dfen. Gerade die Gro\u00dfunternehmen haben in den vergangenen Jahren Compliance-Abteilungen aufgebaut und zuweilen sogar Compliance-Vorstandsposten geschaffen so wie Daimler f\u00fcr Christine Hohmann-Dennhardt. Bei einer der vier Gro\u00dfbanken befassen sich Hunderte von Mitarbeitern mit Compliance. Wird einer ihrer Banker eingeladen zu einem Firmen-Event, gucken die Compliance-Kollegen jedenEinzelfall dreimal an und stimmen sich obendrein noch mit der Rechtsabteilung ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anf\u00fcttern verboten<\/strong><\/p>\n<p>Die Gro\u00dfunternehmen haben in den vergangenen Jahren meist rigide, firmeninterne Regeln aufgestellt &#8211; nach denen die Mitarbeiter auch keine teuren Fu\u00dfballtickets annehmen d\u00fcrfen. Die Bagatellgrenzen f\u00fcr Geschenke liegen meist bei 20 Euro, wei\u00df Jurist Markgraf. &#8222;Bekommt aber jemand jede Woche von einem Unternehmen solch eine Gabe, hei\u00dft das Anf\u00fcttern und ist ebenso wenig erlaubt&#8220;, vergleicht der D\u00fcsseldorfer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Mehrheit der Unternehmen hat f\u00fcr sich noch keine Compliance-Regeln aufgestellt<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunlich viele Unternehmen haben keine solche Guidelines: 69 Prozent der Unternehmen mit weniger als 250 Millionen Euro Umsatz haben keinen firmeninternen Compliance-Kodex, erforschte das Institut f\u00fcr Demoskopie Allensbach im Auftrag der Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting k\u00fcrzlich. \u00dcber der H\u00e4lfte dieser Unternehmen scheuen den Aufwand. Zu teuer ist es vielen allemal. Die Folge beschreibt Gerd Kerkhoff, der Inhaber der Beratung: &#8222;Manager und Eink\u00e4ufer wissen manchmal gar nicht, gegen welche rechtliche Regelung sie gerade versto\u00dfen.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Ausweg, den manche Unternehmen aus dem derzeitigen Dilemma w\u00e4hlen, schildert Jochen Markgraf, Anwalt bei Glade Michel Wirtz in D\u00fcsseldorf: &#8222;Sponsoren geben die Tickets aus ihren Kontingenten Gesch\u00e4ftspartnern zum Selbstkostenpreis weiter &#8211; und auch der kann locker 1000 Euro je Karte ausmachen.&#8220; Bietet ein Unternehmen seinen Gesch\u00e4ftspartnern aber Tickets zum aufgedruckten Preis an, die gar nicht in den Handel kommen, k\u00f6nnte auch das riskant sein, schr\u00e4nkt Anwalt Wybitul ein. Manches Unternehmen wie die Werbeagentur Jung von Matt l\u00e4dt wegen all dieser Unsicherheiten sicherheitshalber nur noch die eigenen Mitarbeiter in ihre Loge beim FC St. Pauli in Hamburg ein, beteuert man dort.<\/p>\n<p>Ein v\u00f6lliges No-Go auf Einladungslisten f\u00fcr teure Fu\u00dfball-Events sind jedenfalls Beamte. Und zu denen z\u00e4hlen manchmal auch Berufe, von denen man es spontan nicht gedacht h\u00e4tte: Redakteure beim \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk etwa oder wer eine Leitungsfunktion in einem Versorgungswerk wie dem der Rechtsanw\u00e4lte innehat. Beide F\u00e4lle wurden bereits vom Bundesgerichtshof f\u00fcr Strafsachen schon im Jahre 2009 entsprechend abgeurteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Geheimnistuerei schadet nur<\/strong><\/p>\n<p>Wichtig ist f\u00fcr Unternehmen, Transparenz herzustellen, um sich gar nicht erst angreifbar zu machen. Die Gefahr: Selbst wenn sich ein Anfangsverdacht gegen einen Mitarbeiter sp\u00e4ter als unberechtigt erweist und vom Staatsanwalt fallen gelassen wird, ist es f\u00fcr das Unternehmen, das pl\u00f6tzlich als korrupt in der Presse erscheint, so oder so rufsch\u00e4digend. Deshalb sollten die Einladungen sollten immer nur an die Dienstadresse verschickt werden. Wer eingeladen wird, sollte erst mal die Compliance-Abteilung fragen und sich alles genehmigen lassen. &#8222;Manche Unternehmen stellen sogar Zuwendungsverzeichnisse \u00f6ffentlich ins Internet&#8220;, erz\u00e4hlt Wybitul. Der Pharmaproduzent B\u00f6hringer Ingelheim ist einer von ihnen, wenngleich nat\u00fcrlich keine Namen einzelner G\u00e4ste zu Events dort stehen, aber immerhin welche Organisationen wieviel gespendet bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schmallippige Konzerne<\/strong><\/p>\n<p>Doch anders als sonst werden derzeit Unternehmen beim Thema Sponsoring &#8211; schmallippig. Die Commerzbank etwa informiert nur soviel: Als Namenssponsor der Commerzbank-Arena in Frankfurt und Premium-Partner des Deutschen Fu\u00dfball-Bunds habe die Bank &#8222;entsprechende Ticketkontingente, die zur Einladung von Kunden und Gesch\u00e4ftspartnern genutzt werden&#8220;, wolle sich jedoch &#8222;zur detaillierten Nutzung der Tickets&#8220; nicht \u00e4u\u00dfern. Bei der UEFA-Fu\u00dfball-Europameisterschaft sei man jedenfalls kein Sponsor. Auch Daimler verweist nur auf seine &#8222;sehr strengen Compliance-Regelungen&#8220; und r\u00e4umt lediglich ein, &#8222;Ticketkontingente den Fachbereichen mit direktem Kundenkontakt und Vetriebsorganisationen zur Verf\u00fcgung zu stellen&#8220;. Diese w\u00fcrden anhand der Compliance-Richtlinien die Einzuladenden aus und &#8222;\u00fcbernehmen die Versteuerung des geldwerten Vorteils&#8220;. Mehr habe man dem &#8222;nicht hinzuzuf\u00fcgen&#8220;.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme stellt Adidas dar. Der Sportartikelkonzern l\u00e4dt weiterhin externe G\u00e4ste ein zu Fu\u00dfballgro\u00dfereignissen, weil er eine Ausnahme unter den Sponsoren darstelle. Bei Adidas\u00b4 Business gehe es ja gerade um das Thema Sport. Und aus demselben Business seien auch\u00a0 die G\u00e4ste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was Einladende und Eingeladene aus juristischer Sicht unbedingt beachten sollen, erkl\u00e4rt Compliance-Anwalt Jochen Markgraf: <a title=\"Rechtstipps von Compliance-Experte und Anwalt Jochen Markgraf\" href=\"http:\/\/https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-admin\/post.php?post=644160&amp;action=edit&amp;message=6\" target=\"_blank\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-admin\/post.php?post=644160&amp;action=edit&amp;message=6<\/a><\/p>\n<p>Do\u00b4s and dont\u00b4s in Sachen Behaviour bei der Fu\u00dfball-EM: <a title=\"To Do\u00b4s and Not-to-Do\u00b4s bei Fu\u00dfball-EM in Polen\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/europa\/do-s-und-don-ts-fuer-die-fussball-em-2012-in-polen-und-der-ukraine-a-834521.html#ref=nldt\" target=\"_blank\">http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/europa\/do-s-und-don-ts-fuer-die-fussball-em-2012-in-polen-und-der-ukraine-a-834521.html#ref=nldt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anf\u00fcttern verboten: Teure Fu\u00dfballtickets an Gesch\u00e4ftspartner verschenken, wird Sponsoren wie Eingeladenen zu heikel Die Spieler des FC Bayern steuern Sportwagen mit den vier Ringen werbewirksam durch M\u00fcnchen, seit einem Jahr ist Audi gar mit zehn Prozent am Rekordmeister beteiligt. 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