{"id":644058,"date":"2012-05-24T01:35:05","date_gmt":"2012-05-23T23:35:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=644058"},"modified":"2012-05-24T16:31:24","modified_gmt":"2012-05-24T14:31:24","slug":"die-trillerpfeife-durfen-sie-nicht-nehmen-aber-unfug-reden-wird-man-durfen-notwehrmassnahmen-gegen-call-center-anrufe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/05\/24\/die-trillerpfeife-durfen-sie-nicht-nehmen-aber-unfug-reden-wird-man-durfen-notwehrmassnahmen-gegen-call-center-anrufe\/","title":{"rendered":"Die Trillerpfeife d\u00fcrfen Sie nicht nehmen, aber Unfug reden wird man d\u00fcrfen &#8211; Notwehrmassnahmen gegen Call-Center-Anrufe"},"content":{"rendered":"<p>Wenn eine 61-j\u00e4hrige Frau aus Pirmasens sich so sehr \u00fcber l\u00e4stige, ungewollte Anrufe aus Call-Centern \u00e4rgert, dass sie sich eine Trillerpfeife besorgt, sie neben dem Telefon griffbereit h\u00e4lt und dann einsetzt, muss der \u00c4rger vorher schon tief sitzen. So ist eine Frau vorgegangen, die diese Aktion nun insgesamt 800 Euro kostet. Getroffen hat sie mit ihrem Pfiff eine Call-Center-Mitarbeiterin, die ein L\u00e4rmtrauma erlitt und jetzt von Ohrger\u00e4uschen gequ\u00e4lt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die heimt\u00fcckischen Mobilfunkanbieter-Anrufe<\/strong><\/p>\n<p>So weit so rabiat. Man kann nur vermuten, was die Frau aus Pirmasens hierzu motiviert hat. M\u00f6glicherweise hat sie mit diesen Anrufen der Call-Center miese Erfahrungen gemacht &#8211; was schnell geht und wof\u00fcr man sich nicht anstrengen muss. Nehmen Sie mal die Mobilfunkanbieter, bei denen man schon einen Vertrag hat. Wo aber ein Manager die Anordnung gegeben hat: Dass eine bestimmte Kundengruppe durchtelefoniert wird und man versucht, sie in einen ung\u00fcnstigeren Tarif zu n\u00f6tigen. Wo sie mehr Geld bezahlen m\u00fcssen als vorher und fortan nicht mal mehr Rechnungen geschickt bekommen, so dass sie es erst mal gar nicht verstehen, was da passiert ist und wieso. Und wenn der Kunde sich wehrt und sagt, er will keine Ver\u00e4nderung, kann\u00b4s ja dennoch passieren, dass der Call-Center-Mitarbeiter ein Kreuz setzt, auch ohne dass der Angerufene es wollte. Dann muss der Angerufene beweisen, dass er das nie gesagt hat, muss an den Mobilfunkanbieter schreiben und hat viel Arbeit, bis das Ganze wieder aus der Welt ist.\u00a0 All sowas kommt vor &#8211; und mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die t\u00e4uschenden Anrufe<\/strong><\/p>\n<p>Da kommen die Anrufe &#8222;Sie haben ein Handy gewonnen, geben Sie mir doch mal rasch Ihre Ausweisnummer&#8220; &#8211; und in Wirklichkeit\u00a0 liegt dem Call-Center-Mitarbeiter ein normaler Handyvertrag vor, den er selbst ausf\u00fcllt &#8211; f\u00fcr den Angerufenen. Ist mir tats\u00e4chlich schon passiert mit jemandem, der vom Buchclub Bertelsmann aus anrief &#8211; in der Redaktion. Und dass der Mitarbeiter nat\u00fcrlich eigenm\u00e4chtig gehandelt und jegliche Kompetenzen \u00fcberschritten hat. Quasi habe man gar nichts mit ihm zu tun. Ach so?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die &#8222;Sie-haben-einen-Gutschein&#8220;-Anrufe<\/strong><\/p>\n<p>Und dann die Gutschein-Huber: &#8222;Sie haben bei uns einen Gutschein von 5 Euro&#8220; oder haben eine &#8222;versandkostenfreie Bestellung gut&#8220; aus dem neuen Katalog eines Textilversenders. Sie riechen den Braten, vertagen die Besprechung, bis sie &#8222;den Katalog erst mal gesehen haben&#8220;. Das ist sicher die h\u00f6flichste Variante, wenn man eigentlich meint: &#8222;N\u00f6, lassen wir\u00b4s.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer verletzt hier die Privatsph\u00e4re anderer?<\/strong><\/p>\n<p>Doch wenn man mal die Lage sortiert, ist es so: Der Angerufene wird unterbrochen bei irgendeiner T\u00e4tigkeit &#8211; er wird auch nur selten gefragt, ob er eigentlich grade Zeit hat f\u00fcr solche Nonsens-Anrufe. Ob drei Leute um ihn herumstehen, ob er gerade im Ausland ist und f\u00fcr den Anruf auf dem Mobiltelefon selbst teuer zahlen muss, ob er in der Strassenbahn ist, wo ihm lauter Fremde zuh\u00f6ren oder ob er \u00fcberhaupt gest\u00f6rt werden will. Der Inhaber des Call-Centers aber setzt genau darauf, dass die Angerufenen trotzdem h\u00f6flich bleiben. Weil sie so erzogen sind &#8211; also d\u00e4mlich sind in seinen Augen: dass sie nicht gleich einh\u00e4ngen. Dass Sie ein paar freundliche Worte zusammen suchen und schwupps, schon ins Gespr\u00e4ch verwickelt sind &#8211; und am Ende dumm aus der W\u00e4sche gucken, was sie da bestellt oder veranlasst haben sollen. Die Call-Center-Betreiber setzen also auf die gute Erziehung der Angerufen, nutzen dieses Handicap aus &#8211; und schicken ihre Telefontruppen vor. Die sind n\u00e4mlich so gar nicht h\u00f6flich, sondern dringen zun\u00e4chst mal indie Privatsph\u00e4re anderer ein und stehln ihnen vor allem wertvolle Lebenszeit. Und am liebsten zapfen sie auch ihr Portemonnai an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Anonymus am anderen Ende der Leitung<\/strong><\/p>\n<p>Die Call-Center-Mitarbeiter sind &#8211; Verzeihung f\u00fcr den Ausdruck &#8211; die Werkzeuge dieses Call-Center-Betreibers. Sie arbeiten vorgegebene B\u00f6gen ab und haben sowieso keinerlei Spielraum. Die Namen die sie beim Vorstellen nennen, d\u00fcrften kaum stimmen. Und wenn doch, ist es nicht gewollt, dass sie sich genau den Namen merken &#8211; schlie\u00dflich hat man selten zweimal mit demselben Call-Center-Telefonisten zu tun. Und ich vermute schwer, die Betroffenen wollen auch weder erkannt noch wiedererkannt noch auffindbar werden. Nur: Er sitzt wom\u00f6glich vor einem PC mit ganz vielen Daten \u00fcber Sie. er ist eindeutig im Wissens-Vorteil.<\/p>\n<p>Dass man nicht mirnichtsdirnichts dem ersten Call-Center-Mitarbeiter fast das Trommelfell zerst\u00f6rt sollte klar sein. Die Strafe im beschriebenen Fall ist nicht exorbitant hoch, d\u00fcrfte aber einen Denkzettel darstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Notwehrmassnahmen gegen sinnlose, zeitraubende Call-Center-Anrufe<\/strong><\/p>\n<p>Was also h\u00e4tte die Dame aus Pirmasens machen k\u00f6nnen? Sie h\u00e4tte einfach direkt wieder einh\u00e4ngen k\u00f6nnen nach dem Motto \u00b4war das was?`Ohne den Anrufer erst richtig zu Worte kommen zu lassen.<\/p>\n<p>Oder man `setzt eins drauf\u00b4. Jemand, der Ihnen eine Krankenversicherung aufschwatzen will, sagen Sie kurzerhand: &#8222;An mir haben Sie ohnehin kein Interesse, ich habe Krebs.&#8220; Sie glauben nicht, wie schnell derjenige aus der Telefonleitung verschwunden ist.<\/p>\n<p>Gut ist auch die Nummer meiner Freundin aus M\u00fcnchen: &#8222;Hallooo, ist das wer? Ich h\u00f6re Sie nicht! Ich h\u00e4nge jetzt ein.&#8220; Oder &#8222;Sorry, ich fahre jetzt durch einen Tunnel, gleich sind Sie weg&#8230;&#8230;&#8220; und klick.<\/p>\n<p>Oder sie stellen h\u00fcbsche Gegenfragen und best\u00fcrmen den Anrufer mit einer eigenen Anekdote oder erkl\u00e4ren ihm umst\u00e4ndlich eigene Motive. Ein Angebot des &#8222;Focus&#8220; f\u00fcr ein dreimonatiges Probeabo etwa, kann man so kontern: &#8222;Gut dass sie anrufen. Ich hatte Sie schon mal im Abo, aber nur so lange, wie Ihr Heft Sonntagsfr\u00fch kam. Dann kam es pl\u00f6tzlich erst Montags und dann war es f\u00fcr mich wertlos, ich habe\u00a0 es unter der Woche nicht mehr geschafft mit dem Lesen. K\u00f6nnen Sie mir das zusichern, dass ich das Heft wieder Sonntags erhalte?&#8220; Siehe oben &#8211; kein Call-Center-Mitarbeiter hat eigenen Spielraum. Er muss passen. Und seinen Kollegen beim Vertrieb kann er auch nix ausrichten. Wie auch. Sind ja gar nicht seine Kollegen. Er sitzt in D\u00e4nemark oder Indien.<\/p>\n<p>Oder reden Sie direkt drauf los, nur sinnloses Zeug. Melden Sie sich mit &#8222;Fischst\u00e4bchenaufzuchtanlage D\u00fcsseldorf Nord&#8220; oder mit &#8222;Katholischer Pferdefriedhof&#8220;, selbst &#8222;Fleischtheke Karstadt&#8220; hilft.<\/p>\n<p>Singen Sie ihm ein fr\u00f6hliches Liechen vor. Oder Sie sagen einfach, nein, ich bins nicht. &#8222;Da haben Sie sich verw\u00e4hlt.&#8220;<\/p>\n<p>Nur wenn immer weniger Menschen bereit sind, sich mit diesen unerw\u00fcnschten Anrufen \u00fcberhaupt zu befassen, hat die Gesellschaft eine Chance, dass diese Art Anrufe auch mal wieder aufh\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn eine 61-j\u00e4hrige Frau aus Pirmasens sich so sehr \u00fcber l\u00e4stige, ungewollte Anrufe aus Call-Centern \u00e4rgert, dass sie sich eine Trillerpfeife besorgt, sie neben dem Telefon griffbereit h\u00e4lt und dann einsetzt, muss der \u00c4rger vorher schon tief sitzen. 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