{"id":643912,"date":"2012-05-09T13:48:57","date_gmt":"2012-05-09T11:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=643912"},"modified":"2012-05-09T13:59:48","modified_gmt":"2012-05-09T11:59:48","slug":"643912","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/05\/09\/643912\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir ver\u00f6ffentlichen es trotzdem&#8220;. Wie sich &#8222;Saal Zwei&#8220; gegen eine Degradierung vom Interviewer zum Stichwortgeber wehrt."},"content":{"rendered":"<p>Im Newsletter von <a title=\"Saal Zwei Newsletter\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.saalzwei.de\/exklusives\/artikel\/-d29c1c61c3\/\" target=\"_blank\">Saal Zwei <\/a>findet sich heute ein bemerkenswerter Vorspann, lesen Sie mal selbst:<\/p>\n<table width=\"384\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"302\"><strong>&#8222;Karriere? Nur wenn jemand daheim den K\u00fchlschrank f\u00fcllt&#8220;<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\" width=\"302\">Die Bundesfamilienminsterin Kristina Schr\u00f6der hat SAAL ZWEI ein Interview gegeben, leider nur ein schriftliches. So konnten wir\u00a0nicht nachhaken, etwa bei\u00a0ihrer Kritik an Norwegens Aufsichtsr\u00e4ten, ihrem Verst\u00e4ndnis von Wahlfreiheit\u00a0oder\u00a0ihren Kochgewohnheiten im Kreis ihrer Familie. Wir ver\u00f6ffentlichen es trotzdem.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Damit ist alles gesagt, oder? Die Kolleginnen von Saal Zwei bekamen offenbar das Interview nur unter der Bedingung, dass sie einen Fragenkatalog einreichen, den die Pressestelle der Ministerin Schr\u00f6der dann in Ruhe abarbeitet. Im Klartext: Nachfragen sind nicht erlaubt. Das bedeutet umgekehrt, wo\u00b4s spannend wird oder werden k\u00f6nnte, prallt auch der Leser gleich mit vor die Wand. Vogel, fri\u00df oder stirb ist die Devise des Ministeriums.<\/p>\n<p>Derlei Zumutungen begegnet man als Journalist \u00f6fter: Da m\u00fcht sich eine PR-Agentur eines Unternehmens redlich und bringt ein Gespr\u00e4ch zwischen einem Journalisten &#8211; der erst mal \u00fcberzeugt werden muss &#8211; und einem Spezialisten oder Manager zusammen. Am Vortag des Recherchegespr\u00e4chs oder vielleicht sogar Interviewtermins (dann ist von vornherein ein Wortlaut-Interview mit Frage-Anwort-Dialog vereinbart) wird der Journalist dann\u00a0von einem Anruf der Pressestelle des Unternehmens \u00fcberrascht. Er m\u00f6ge binnen der n\u00e4chsten 30 Minuten mal eben seinen Fragenkatalog schicken. Und den meisten, die ihren Job ernst nehmen, d\u00fcrfte dann schon die Hutschnur platzen. Ein intensives, intelligentes Gespr\u00e4ch ist von der Unternehmensseite gar nicht gewollt, nur ein langweiliges Abfragen. Einhaken, Erwidern, erneute Nachfragen &#8211; nein danke.<\/p>\n<p>Abgew\u00fcrgt. Die Motivation? Runtergefahren, gaaaanz weit. Und schon gar nicht will man sein Pulver doch schon vor dem Gespr\u00e4ch verschiessen.<\/p>\n<p>Im angels\u00e4chsischem raum sind diese ganzen Interview- oder gar Zitat-Abstimmungen ohnehin nicht \u00fcblich. Es ist eine deutsche Unsitte, dass Leute im Wirtschaftsleben mit Gewicht sich anschliessend nochmal \u00fcberlegen wollen, ob sie sich ihrer Sache auch sicher sind, ob sie Unfug geredet haben, ob sie nicht doch jemandem auf die F\u00fc\u00dfe treten k\u00f6nnten mit ihren Worten undundund.<\/p>\n<p>Insoweit: Wunderbar, liebe Saal-Zwei-Kolleginnen, es deutlich davor zu schreiben. Chapeau.<\/p>\n<p>So wei\u00df der Leser wenigstens, dass der Journalist nicht zu doof zum Nachfragen war, wo\u00b4s eigentlich interessant wird. Und dass sich die Redaktion \u00fcberwinden musste, das Interview dennoch zu bringen: &#8222;wir ver\u00f6ffentlichen es trotzdem&#8220;.<\/p>\n<p>Meine Fantasie galoppiert schon. Wenn nun \u00fcber den Interviews \u00f6fter st\u00fcnde: Das Interview ist eigentlich ein Monolog, zu dem wir die Stichworte geben durften. Oder: F\u00fcnf Fragen &#8211; und Antworten hat der Interviewte beziehungsweise seine PR-Profis alleine geschrieben. Wird\u00b4s einem Chefredakteur zu bunt mit der Unsitte, wie hierzulande manche Interviews &#8211; man nennt es &#8222;abgestimmt&#8220; &#8211; werden, kegelt er es auch kurfristig ganz aus dem Blatt. Ich erinnere an das &#8222;Handelsblatt&#8220;-interview auf zwei gro\u00dfen Zeitungsseiten mit <a title=\"Handelsblatt-Interview BNP bank Paribas\" href=\"http:\/\/http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/interview-mit-bnp-chef-prot-koennen-sie-nachts-noch-ruhig-schlafen\/4745180.html\" target=\"_blank\">BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot <\/a>am 12. Oktober 2011 &#8211; ganz ohne Antworten. Nur Fragen und Fotos des Interviewten und von den Redakteuren bei ihm. Gro\u00dfartig. Es h\u00e4ngt jetzt noch bei mir an der Wand.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.saalzwei.de\/exklusives\/artikel\/-d29c1c61c3\/\">http:\/\/www.saalzwei.de\/exklusives\/artikel\/-d29c1c61c3\/<\/a><\/p>\n<p>Das Handelsblatt-Interview mit Baudoin Prot von der BNP Bank Paribas: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/interview-mit-bnp-chef-prot-koennen-sie-nachts-noch-ruhig-schlafen\/4745180.html\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/banken\/interview-mit-bnp-chef-prot-koennen-sie-nachts-noch-ruhig-schlafen\/4745180.html<\/a><\/p>\n<p>Die Fachpresse zum dem Interview-Sch\u00f6nen schon 2008:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.journalist.de\/ratgeber\/handwerk-beruf\/tipps-fuer-den-berufsalltag\/im-kontrollwahn-interview-autorisierung.html\">http:\/\/www.journalist.de\/ratgeber\/handwerk-beruf\/tipps-fuer-den-berufsalltag\/im-kontrollwahn-interview-autorisierung.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Newsletter von Saal Zwei findet sich heute ein bemerkenswerter Vorspann, lesen Sie mal selbst: &#8222;Karriere? 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