{"id":643351,"date":"2012-03-08T23:13:20","date_gmt":"2012-03-08T22:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=643351"},"modified":"2012-03-08T23:13:20","modified_gmt":"2012-03-08T22:13:20","slug":"warum-bonuszahlungen-nicht-wirken-und-wie-sich-das-dilemma-der-arbeitswelt-trotzdem-losen-lasst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/03\/08\/warum-bonuszahlungen-nicht-wirken-und-wie-sich-das-dilemma-der-arbeitswelt-trotzdem-losen-lasst\/","title":{"rendered":"Warum Bonuszahlungen nicht wirken und wie sich das Dilemma der Arbeitswelt trotzdem l\u00f6sen l\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Managementautoren Volker Kitz und Manuel Tusch (\u201ePsycho? Logisch!\u201c) analysieren, warum Gehaltserh\u00f6hungen nicht wirken \u2013 und wie man Mitarbeiter trotzdem mit Geld motivieren kann. Ein Gastbeitrag.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass Ihre Mitarbeiter nicht genug Lob f\u00fcr die eigene Arbeit bekommen k\u00f6nnen, sich aber noch nie jemand bei Ihnen f\u00fcr sein Gehalt bedankt hat &#8211; das wundert Sie schon gar nicht mehr. Aber dass Frau Raffer nach der m\u00fchsam durchgeboxten Gehaltserh\u00f6hung kein bisschen freudiger und engagierter arbeitet, das ist dann doch frech. Psychologisch betrachtet aber kein Wunder:\u00a0Schuld ist der &#8222;Korrumpierungseffekt&#8220;. Damit beschreiben wir die Beobachtung, dass \u00e4u\u00dfere Anreize eine innere Motivation schw\u00e4chen oder gar zerst\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als Motivation bezeichnen wir grunds\u00e4tzlich den Antrieb, Ziele zu verfolgen und bestimmte Dinge zu tun. Grunds\u00e4tzlich unterscheiden wir dabei zwischen sogenannter \u201eintrinsischer\u201c und \u201eextrinsischer\u201c Motivation.<\/p>\n<p>Die intrinsische Motivation kommt aus uns selbst heraus: Wir tun etwas, einfach weil wir es gern tun, es interessant oder sinnvoll finden. Das ist nat\u00fcrlich der Idealzustand, sowohl f\u00fcr uns selbst als auch f\u00fcr andere. Wir gehen dabei ganz in unserem Tun auf \u2013 und jeder, der von unserer T\u00e4tigkeit profitiert, hat gro\u00dfes Gl\u00fcck!<\/p>\n<p>Die extrinsische Motivation hingegen kommt von au\u00dfen: Wir tun etwas, das wir von uns aus eigentlich nicht tun w\u00fcrden. Wir tun es entweder, um daf\u00fcr belohnt oder um nicht bestraft zu werden.<\/p>\n<p>Intrinsische und extrinsische Motivationen k\u00f6nnen grunds\u00e4tzlich nebeneinander wirken \u2013 jemand kann nat\u00fcrlich und zum Gl\u00fcck auch gern zur Arbeit gehen, obwohl er daf\u00fcr Geld bekommt. Doch je h\u00f6her der Anteil der intrinsischen Motivation ist, desto besser fahren alle Beteiligten damit. Und vor allem: Desto wahrscheinlicher ist es, dass wir die betreffende Sache auch weiterhin tun, wenn die \u00e4u\u00dfere Belohnung einmal wegfallen sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Korrumpierungseffekt<\/strong><\/p>\n<p>Hier kommt nun der Korrumpierungseffekt ins Spiel: Bekommen wir f\u00fcr etwas, das wir bisher freiwillig und gern getan haben, pl\u00f6tzlich eine Belohnung, so bewertet unser Gehirn diese T\u00e4tigkeit auf einmal neu. Es sagt sich: \u201eSooo toll kann ich diese T\u00e4tigkeit ja auch wieder nicht finden, wenn ich sie gegen eine Belohnung mache.\u201c<\/p>\n<p>Wie kommt es zu diesem Prozess? Kaum sind wir auf der Welt, wird uns eingetrichtert: Belohnungen gibt es f\u00fcr die Dinge, die wir nicht gern tun, die unangenehm sind! Wir d\u00fcrfen fernsehen, wenn wir unser Zimmer aufger\u00e4umt haben; wir d\u00fcrfen drau\u00dfen spielen gehen, wenn wir den seltsam schmeckenden Spinat heruntergew\u00fcrgt haben; und wenn unsere Hausaufgaben fertig sind, gibt es ein Eis oder ein St\u00fcck Schokolade. Das geht so weiter und gipfelt darin, dass viele ihr sp\u00e4teres Gehalt ganz offen als \u201eSchmerzensgeld\u201c oder \u201eSchweigegeld\u201c bezeichnen. F\u00fcr angenehme Dinge, wie zum Beispiel das Fernsehen selbst oder f\u00fcrs Computerspielen oder Internetsurfen, wurden wir hingegen nie belohnt. Die Verbindung zwischen \u201eBelohnung\u201c und \u201eunangenehmer T\u00e4tigkeit\u201c ist damit fest in unserem Bewusstsein verwurzelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum Belohnung die Freude an der Sache nimmt<\/strong><\/p>\n<p>Weil das so ist, \u201ekorrumpiert\u201c eine \u00e4u\u00dfere Belohnung unsere eigene Bewertung einer Situation: Wir verlieren pl\u00f6tzlich die Freude an der Sache. Im Laufe der Zeit konzentrieren wir uns immer st\u00e4rker darauf, die Belohnung zu bekommen, als darauf, dass wir Freude an der T\u00e4tigkeit haben. Die Folge: F\u00e4llt die Belohnung irgendwann einmal weg, so stellen wir die T\u00e4tigkeit ein. Gibt man in einem Experiment zum Beispiel Kindern ein Mathematik-Lernspiel, so besch\u00e4ftigen sich die Kinder damit am Anfang stark, weil es ihnen Spa\u00df macht. Dann belohnt man sie einige Tage lang daf\u00fcr, dass sie sich mit dem Lernspiel besch\u00e4ftigen. Am Ende stellt man die Belohnung wieder ein und schaut, wie sehr sich die Kinder dann noch f\u00fcr das Mathematik-Lernspiel interessieren. Das Ergebnis: Ihr Engagement geht im Vergleich zum Anfang drastisch zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Arbeitswelt k\u00e4mpft seit jeher mit diesem Dilemma: Zielvereinbarungen, Bonuszahlungen und Gehaltserh\u00f6hungen sollen \u00e4u\u00dfere Anreize f\u00fcr Leistung setzen. Das ist verr\u00fcckt, wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass ein rein intrinsisch motivierter Arbeitnehmer seine Arbeit am besten macht! Andererseits: Sollen gerade diese Menschen, die dem Arbeitgeber am meisten bringen, am wenigsten Geld bekommen? Das erschiene ungerecht. Dieses Dilemma ist bis heute nicht gel\u00f6st. Und so lange organisiert sich die Arbeitswelt vorsichtshalber weiterhin nach dem System des \u00e4u\u00dferen Anreizes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die L\u00f6sung: \u00dcberraschende Extrazahlungen &#8211; und Lob<\/strong><\/p>\n<p>Wollen Sie den Effekt austricksen und mit Geld wirklich motivieren, dann sch\u00fctten Sie eine Extrazahlung unangek\u00fcndigt aus: Wenn der Mitarbeiter gerade nicht damit rechnet, Sie es aber f\u00fcr richtig halten.\u00a0Noch wirksamer und billiger ist \u00fcbrigens ein \u00fcberraschendes Lob: Es befl\u00fcgelt den Mitarbeiter wie eine Droge. Und wird doch so selten genutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Effekte der Alltagspsychologie beschreibt der Bestseller von Kitz &amp;\u00a0 Tusch: \u201ePsycho? Logisch! N\u00fctzliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie\u201c, Heyne Verlag,\u00a08,99\u00a0Euro, <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Psycho-Logisch-N%C3%BCtzliche-Erkenntnisse-Alltagspsychologie\/dp\/3453601793\/ref=as_li_ss_cw?&amp;linkCode=waf&amp;tag=drkidrtu-21\">http:\/\/www.amazon.de\/Psycho-Logisch-N%C3%BCtzliche-Erkenntnisse-Alltagspsychologie\/dp\/3453601793\/ref=as_li_ss_cw?&amp;linkCode=waf&amp;tag=drkidrtu-21<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/03\/Buch.Management.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-643352\" title=\"Buch.Management\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2012\/03\/Buch.Management.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"279\" \/><\/a><\/p>\n<div><span style=\"font-family: Calibri,sans-serif;font-size: x-small\"><span style=\"color: black;font-family: Arial,sans-serif;font-size: x-small\">__<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-family: Calibri,sans-serif;font-size: x-small\"><span style=\"color: #1f497d\">\u00a0<\/span><\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Managementautoren Volker Kitz und Manuel Tusch (\u201ePsycho? Logisch!\u201c) analysieren, warum Gehaltserh\u00f6hungen nicht wirken \u2013 und wie man Mitarbeiter trotzdem mit Geld motivieren kann. Ein Gastbeitrag. &nbsp; Dass Ihre Mitarbeiter nicht genug Lob f\u00fcr die eigene Arbeit bekommen k\u00f6nnen, sich &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/03\/08\/warum-bonuszahlungen-nicht-wirken-und-wie-sich-das-dilemma-der-arbeitswelt-trotzdem-losen-lasst\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1461,1460,706,1459,1458],"class_list":["post-643351","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-belohnung","tag-bonuszahlungen","tag-lob","tag-manuel-tusch","tag-volker-kitz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=643351"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643351\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=643351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=643351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=643351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}