{"id":643321,"date":"2012-03-07T00:59:44","date_gmt":"2012-03-06T23:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=643321"},"modified":"2012-03-07T00:59:44","modified_gmt":"2012-03-06T23:59:44","slug":"pr-gezeichnet-dr-marlboro-und-warum-eigenlob-stinkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/03\/07\/pr-gezeichnet-dr-marlboro-und-warum-eigenlob-stinkt\/","title":{"rendered":"PR: &#8222;Gezeichnet Dr.Marlboro&#8220; und warum Eigenlob stinkt."},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Rauchen ist gesund&#8220;, gezeichnet Doktor Marlboro. So alt wie dieser Spruch ist, so wenig haben die Leute daraus gelernt.<\/p>\n<p>Und selbst gerade j\u00fcngere Journalisten w\u00fchlen nicht gerne erst lange im Archiv, ehe sie sich verewigen, sondern schreiben lieber gleich drauflos. Auch mancher Mitarbeiter von einer PR-Agentur geht lieber frischweg ans Werk, ruft kackfrech in Redaktionen an und wollen ihren Auftraggeber dort f\u00fcr einen Promi-Fragebogen andienen, &#8211; der dann &#8211; wie sich eben doch rasch herausstellt &#8211; schon drei Jahre zuvor im Blatt im selben Fragebogen geantwortet hatte. Damals von einer anderen PR-Agentur vermittelt.<\/p>\n<p>Ob der Betreffende es ahnt, wie auch sein Ruf dabei einen Kratzer abbekommt? Vermutlich bekommen es nicht mal die Vorgesetzten in der PR-Agentur mit. Schade auch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn PR-Agenturen nur noch kurze Projekte abarbeiten statt \u00fcber Jahre betreuen<\/strong><\/p>\n<p>Letzteres habe ich gerade heute wieder erlebt. Von Entschuldigung oder Scham war aber keine Rede bei der Anruferin, im Gegenteil. Es kam stattdessen der fr\u00f6hliche Zuruf zur\u00fcck: Aber wenn Sie mal Bedarf haben, rufen Sie gerne an. Danke, die Qualit\u00e4t der Arbeit dieser Agentur ist mir nun bekannt. Und Autisten oder Lernunwillige scheint sie auch noch zu bevorzugen.<br \/>\nHielt ich es vor einiger Zeit noch eher f\u00fcr eine Ausnahme, solche Pannen, so mehreren sie sich erschreckenderweise. Was sicher auch daran liegt, dass die Auftraggeber schneller die Agentur wechseln und manche Firmen nur Projekte vergeben. Das haben sie dann davon.<br \/>\nDoch zur\u00fcck zum Thema, &#8222;gezeichnet Doktor Marlboro&#8220;: Dass jemand eine Studie in Auftrag gibt, die zu seinem Business passt, ist in Ordnung. Unternehmensberatungen, Banken, Oder gro\u00dfe Wirtschaftskanzleien etwa nutzen solch ein Vehikel gerne,\u00a0 um in die Presse zu kommen &#8211; k\u00f6nnen sie doch schlecht mit ihrer Kundenliste renommieren. Dann wird stattdessen die Meinung von vielen Kosumenten oder einer bestimmten Gruppe von Leuten wie Managern, Brillentr\u00e4gern oder Hundehalter befragt und Auff\u00e4lligkeiten bei den Antworten bestaunt, gew\u00fcrdigt, aufaddiert oder erkl\u00e4rt. Kann der Auftraggeber zu dem Thema auch inhaltlich Erhellendes aus dem Praxisalltag zu einem Zeitungsartikel beisteuern, so ist das nicht per se verwerflich &#8211; im Gegenteil.<\/p>\n<p>Doch wenn jemand eine Umfrage in Auftrag gibt, deren Ergebnis dann gezielt f\u00fcr Stimmung sorgen, Bedenken von Kunden zerstreuen und das Gesch\u00e4ft ankurbeln soll &#8211; und das Ganze daherkommen l\u00e4sst, als l\u00e4ge eine wissenschaftlich wertvolle Untersuchung zugrunde &#8211; dann wird\u00b4s anr\u00fcchig. Die AFP-Meldung, die heute \u00fcber den Ticker lief war so eine: &#8222;Mehrheit glaubt trotz Ungl\u00fccks vor Giglio an Sicherheit von Kreuzern&#8220;, hiess es da. Wobei zumindest noch die Einschr\u00e4nkung folgte: Die &#8222;Umfrage fand aber vor Brand auf der \u00abCosta Allegra\u00bb statt&#8220;. Doch fl\u00fcchtige Leser werden die Botschaft sicher so verstehen, wie sie von der Reederei adressiert war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ganz unauff\u00e4llig: Eigen-PR via Umfrage<\/strong><\/p>\n<p>Da hiess es: &#8222;Trotz des schweren Ungl\u00fccks des Kreuzfahrtschiffs \u00abCosta Concordia\u00bb vor der italienischen K\u00fcste ist eine Mehrzahl der Europ\u00e4er nach wie vor von der Sicherheit von Kreuzfahrten \u00fcberzeugt. Wie eine am Dienstag ver\u00f6ffentlichte Umfrage f\u00fcr die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Crociere ergab, sind 78,5 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Kreuzfahrten ein sicherer Reiseweg sind.&#8220; Wie bitte? Da hat &#8211; so schreibt AFP &#8211; in der ersten Februarh\u00e4lfte ein &#8222;Interactive Institute&#8220; &#8211; was mir pers\u00f6nlich nichts sagt &#8211; anscheinend 2500 Leute aus Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien befragt zu ihren Zweifeln an der Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen. Nein, das t\u00e4ten sie angeblich nicht, auch nicht nachdem gerade 32 Menschen an Bord der Costa Concordia gestorben waren. Ob die antwortgeber Besch\u00e4ftigte der Reedereien waren? Oder\u00a0 Aida-Kunden? Oder eine Online-Umfrage &#8211; vielleicht unter Besuchern eine Portals f\u00fcr Kreuzfahrten? Wer weiss das schon so genau. Lanciert wurde die stolze Meldung erst kurz nach dem zweiten Ungl\u00fcck, bei dem die Costa Allegra &#8211; aus derselben Reederei wie das erste Ungl\u00fccksschiff &#8211; gebrannt hatte und drei Tage lang abgeschleppt werden musste. <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/news2\/aktuell\/mehrheit-glaubt-trotz-ungluecks-vor-giglio-an-sicherheit-von-kreuzern-1796273.html\">http:\/\/www.stern.de\/news2\/aktuell\/mehrheit-glaubt-trotz-ungluecks-vor-giglio-an-sicherheit-von-kreuzern-1796273.html<\/a><br \/>\nWelchen Eindruck hat der fl\u00fcchtige Leser? Richtig, so etwas wie: Sie k\u00f6nnen bedenkenlos auf Kreuzfahrt gehen, passiert nix. Faktenfrei. Gezeichnet Doktor Crociere. Mag ja sein, dass unterm Strich solche Unf\u00e4lle selten sind, aber tot sind die Touristen dennoch, Wiederholungen sind nicht ausgeschlossen und dass Kostensparwahn auch auf solchen Schiffen Folgen hat, d\u00fcrfte sicher sein.<br \/>\nDa ist die Meldung, die ebenfalls heute \u00fcber den Ticker kam, und zwar von dapd, erheblich intelligenter: &#8222;Fliegen war 2011 so sicher wie noch nie&#8220; verk\u00fcndet da der Luftverkehrsverband IATA zwar sehr optimistisch. Doch er spricht der zumindest f\u00fcr eine ganze Branche und nicht nur ein einzelnes Unternehmen. Und er wartet mit Statistiken auf. IATA rechnet vor, wie hoch die weltweite und die westliche Verlustrate ist (eins\u00a0 zu 2,7 Millionen Fl\u00fcgen), dass 2,8 Milliarden\u00a0 Menschen in Flugzeugen 2011 sicher transportiert wurden, wieviele Totalsch\u00e4den es gab mit wieviel Toten &#8211; und dass die Todesrate\u00a0 0,07 Passagiere betrug undsoweiter.<br \/>\nDiese Zahlen sind zumindest eher \u00fcberpr\u00fcfbar, als eine Meinung von 2.500 Laien, die wom\u00f6glich alle ziemlich uninformiert sind. Und die in dem Moment jedenfalls noch nichts von dem n\u00e4chsten Schiffsungl\u00fcck wu\u00dften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Rauchen ist gesund&#8220;, gezeichnet Doktor Marlboro. So alt wie dieser Spruch ist, so wenig haben die Leute daraus gelernt. 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