{"id":643277,"date":"2012-03-02T01:38:37","date_gmt":"2012-03-02T00:38:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=643277"},"modified":"2012-03-02T01:49:35","modified_gmt":"2012-03-02T00:49:35","slug":"wenn-internetsurfen-nur-der-vorgeschobene-kundigungsgrund-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/03\/02\/wenn-internetsurfen-nur-der-vorgeschobene-kundigungsgrund-ist\/","title":{"rendered":"Wenn Internetsurfen nur der vorgeschobene K\u00fcndigungsgrund ist"},"content":{"rendered":"<p>Wer feuert schon einen &#8211; ansonsten bew\u00e4hrten &#8211; Mitarbeiter, weil er in der Arbeitszeit im Internet mal gesurft hat? Richtig. keiner. Er ist froh, dass er ihn hat und verdonnert ihn h\u00f6chstens, die Zeit nachzuarbeiten.<\/p>\n<p>Da gibt es Heerscharen von Mitarbeitern, die kostenlos jahrelang \u00dcberstunden schrubben. \u00dcberstunden, die nie von jemand ausdr\u00fccklich angeordnet wurden (aber dennoch erwartet) und die auch nicht bezahlt oder wenigstens in Freizeit ausgeglichen werden. Da fielen Lohnerh\u00f6hungen aus und im Gegenzug wurde per Tarifvertrag die Arbeitszeit gesenkt. Nur: weil die Arbeit selbst nat\u00fcrlich gar nicht weniger wurde, blieb es bei den meisten Angestellten auch bei der alten Wochenarbeits-Stundenzahl. Zumindest bei denen, die nicht nur Zeit absitzen und vor der Stechuhr warten, sondern von denen auch Erledigungsquoten erwartet werden oder sonstwie fristgebundene T\u00e4tigkeiten. Will man allen Ernstes einen Mitarbeiter feuern, der diese Einbusse (wie manche andere in den vergangenen Jahren) hinnahm und auch sonst nicht unbedingt auf die Uhr guckt &#8211; jedenfalls ab einer bestimmten Ebene, weil er sein Online-Banking erledigt (in die Banken kommt man zu deren \u00d6ffnungszeiten als guter Angestellter ohnehin nicht), weil man seine Essenlieferung bei Bofrost bestellt oder sonstwas Lebensnotwendiges erledigt?<\/p>\n<p><strong>Was tats\u00e4chlich st\u00f6rt&#8230;.<\/strong><\/p>\n<p>Richtig, wer seine Leute schasst wegen Internet-Surfens, dem ging tats\u00e4chlich meist etwas anderes auf die Nerven. Oder ihn st\u00f6rt, dass der Betroffene im Personalrat sitzt und etwas unbequem ist. So wie der Hausmeister einer nieders\u00e4chsischen Schule, der f\u00fcr die halbe Arbeitszeit freigestellt war f\u00fcr die Personalratsarbeit. In der anderen H\u00e4lfte sollte er in seiner Hausmeisterloge am PC privat gesurft haben: in sieben Wochen (vermutlich 266 Arbeitsstunden) insgesamt zw\u00f6lf Stunden, warf ihm der Arbeitgeber vor &#8211; und k\u00fcndigte ihm fristlos.<\/p>\n<p>Das Nieders\u00e4chsische Oberverwaltungsgericht machte das jedoch nicht mit und entschied: eine fristlose K\u00fcndigung ist nur zul\u00e4ssig, wenn ein Mitarbeiter exzessiv im Internet surft in der Arbeitszeit (Aktenzeichen 18 LP 15\/10).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0Weniger als f\u00fcnf Prozent der Arbeitszeit Surfen im Netz ist noch nicht &#8222;exzessiv&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Und\u00a0 zw\u00f6lf Stunden Internetnutzung sei in sieben Wochen mit gesch\u00e4tzten 266 Arbeitsstunden &#8211; als unter f\u00fcnf Prozent &#8211; eben doch nicht exzessiv. Insbesondere wenn nicht mal eindeutig ist, ob die besuchten Seiten privat oder dienstlich angesehen wurden.<\/p>\n<p>Und was dazu kommt: Ein Raucher, der f\u00fcr seine Rauchpausen heute vor die T\u00fcr muss und dabei in vielen F\u00e4llen wohl kaum ausstempelt, kommt auch garantiert mehr als f\u00fcnf Prozent seiner Arbeitszeit. Und eine entsprechende fristlose K\u00fcndigung wegen Raucher-Abwesenheit ist mir noch nicht begenet. Ihnen vielleicht?<\/p>\n<p>Was bezeichnenderweise dazu kam: Der Mann war schon viele Jahre bei ein und demselben Unternehmen besch\u00e4ftigt, ohne dass es zu irgendwelchen Vorw\u00fcrfen gekommen war. Im Klartext: Eine Abmahnung h\u00e4tte erst mal ausgereicht, wenn es dem Arbeitgeber denn tats\u00e4chlich ums Surfen gegangen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich war es wohl etwas anderes, was den Arbeitgeber an dem Hausmeister st\u00f6rte &#8211; und sein Internetsurfen eher ein Vorwand, um sich die Abfindung zu sparen oder wenigstens herunterzuschrauben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer feuert schon einen &#8211; ansonsten bew\u00e4hrten &#8211; Mitarbeiter, weil er in der Arbeitszeit im Internet mal gesurft hat? Richtig. keiner. Er ist froh, dass er ihn hat und verdonnert ihn h\u00f6chstens, die Zeit nachzuarbeiten. Da gibt es Heerscharen von &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/03\/02\/wenn-internetsurfen-nur-der-vorgeschobene-kundigungsgrund-ist\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1440,1439,1074],"class_list":["post-643277","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-internetsurfen","tag-niedersachsisches-oberverwaltungsgericht","tag-uberstunden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=643277"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/643277\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=643277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=643277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=643277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}