{"id":642960,"date":"2012-01-18T19:29:45","date_gmt":"2012-01-18T18:29:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=642960"},"modified":"2012-01-25T01:50:22","modified_gmt":"2012-01-25T00:50:22","slug":"ich-bin-aber-keine-qutoenfrau-nein-eine-quotenfrau-bin-ich-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2012\/01\/18\/ich-bin-aber-keine-qutoenfrau-nein-eine-quotenfrau-bin-ich-nicht\/","title":{"rendered":"Ich bin aber keine Quotenfrau, nein eine Quotenfrau bin ich nicht"},"content":{"rendered":"<p>Einer der l\u00e4cherlichsten S\u00e4tze des Jahres 2010 kommt\u00a0von mancher veritablen Karrierefrau &#8211; ausgerechnet denen, die es zu was gebracht haben. Heute beispielsweise von Ann-Kristin Achleitner\u00a0im &#8222;Handelsblatt&#8220;: Dass sie\u00a0keine Quotenfrau ist &#8211; und darauf gro\u00dfen Wert legt.<\/p>\n<p>So wie sie ticken etliche Managerinnen. Man sieht sie\u00a0vor dem geistigen Auge trotzig aufstampfen mit den Worten: &#8222;Ich bin aber keine Quotenfrau.&#8220; So, als st\u00fcnde das tats\u00e4chlich zur Debatte. So, als habe man sie das \u00fcberhaupt gefragt. Dabei k\u00f6nnten die Damen v\u00f6llig souver\u00e4n sein und dar\u00fcber stehen, jedwede Anspielung darauf \u00fcberh\u00f6ren.\u00a0Ob sie es sich jeden Morgen vor dem Spiegel selbst erz\u00e4hlen, um sich Mut zu machen f\u00fcr den neuen Tag? Die\u00a0hohlen Floskel nervt jedenfalls. Und die Damen scheinen sie\u00a0willf\u00e4hrigen Journalisten in die Feder zu diktieren, die es auch prompt schreiben und in Druck gehen lassen &#8211; solch einen Unfug.<\/p>\n<p>Erstens ist die Aussage weder\u00a0\u00fcberpr\u00fcfbar auf ihren Wahrheitsgehalt hin &#8211; noch kann einer das Gegenteil beweisen.<\/p>\n<p>Zweitens ist die Haltung\u00a0arrogant &#8211; und illoyal allemal. Und zwar gegen\u00fcber all den Frauen, die ebenfalls Tag f\u00fcr Tag ihren Mann stehen in irgendeinem Job und in den vergangenen drei Jahrzehnten &#8211; aber eben am falschen Platz oder in der falschen Company waren, als es ans Bef\u00f6rdern ging. Und arrogant ist es auch denen gegen\u00fcber, die &#8211; noch &#8211; sehr gerne &#8211; ob mit Quotenticket oder ohne &#8211; Karriere machen w\u00fcrden, aber eben nicht gelassen werden. Denen ist\u00b4s wom\u00f6glich schnurzpipe ob mit oder ohne Frauenquote, Hautsache eine Chance zur Bef\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Und wenn &#8211; drittens &#8211; unisono\u00a0alle Top-Managerinnen ernsthaft glauben machen wollen, dass gerade sie diejenigen sind, die es unabh\u00e4ngig von ihrem Geschlecht nach ganz oben geschafft haben: Wer ist dann \u00fcberhaupt eine Quotenfrau?<\/p>\n<p>Gelobt sei an dieser Stelle nochmal Sabine Christiansen, die freim\u00fctig sagte, dass sie sehr wohl eine Quotenfrau war. <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/05\/10\/christiansen-ich-bin-eine-quotenfrau-normalo-frau-will-doch-die-quote\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2011\/05\/10\/christiansen-ich-bin-eine-quotenfrau-normalo-frau-will-doch-die-quote\/<\/a><\/p>\n<p>Warum auch nicht?<\/p>\n<p>Bei M\u00e4nnern ist es doch auch irgendwie klar, dass sie als Mann umgekehrt einfacher an manchen Posten kommen. Aber haben Sie schon M\u00e4nner jammern und beteuern h\u00f6ren &#8222;ich bin aber kein Quotenmann&#8220;? W\u00fcrde denen auch nicht einfallen. Sie sind\u00a0 ja stolz,\u00a0Mann zu sein. Und sie w\u00fcrden selbstverst\u00e4ndlich anderen M\u00e4nnern in den Sattel helfen.<\/p>\n<p>Anders als Frauen. Sonst w\u00e4ren ja auch mehr Frauen ganz oben in Deutschland, als sie es sind.<\/p>\n<p>Und: Nun wird seit Monaten viel geredet \u00fcber die gef\u00fcrchtete Frauenquote und was ist passiert? Nichts. In den Vorst\u00e4nden der 200 Top-Unternehmen sind nach wie vor nur drei Prozent Frauen vertreten. Im Gegenteil, die Zahl der Aufsichtsr\u00e4te in denen nur M\u00e4nner sitzen, ist sogar von 8,8 auf 23.6 Prozent gestiegen, rechnet das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) vor und die\u00a0&#8222;Berliner Zeitung&#8220; schreibt: &#8222;Kein Platz f\u00fcr Frauen\u00a0in\u00a0deutschen Chefetagen&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft\/frauenquote-in-chefetagen-bescheidenes-zeugnis,10808230,11469172.html\">http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft\/frauenquote-in-chefetagen-bescheidenes-zeugnis,10808230,11469172.html<\/a><\/p>\n<p>Dass die wenigen Top-Ladies sich dann ernsthaft sorgen, ob sie nun Quotenfrau sind oder zumindest als solche angesehen werden k\u00f6nnten, ist doch irgendwie Nittigritti.<\/p>\n<p>Und irgendwie typisch. Statt stolz zu sein, verstecken sie sich n\u00e4mlich meist als Mensch hinter der Funktion (Motto: ich bin nicht wichtig, nur die Arbeit), sie tun sich schwer damit, ihr Alter preiszugeben und geben am liebsten uralte Fotos raus an die Redaktionen. So, als z\u00e4hle dann doch pl\u00f6tzlich nicht mehr ihre Leistung, sondern ihre Optik.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die Damen in Warteposition und den Ebenen drunter auf Solidarit\u00e4t von Frauen &#8211; und zumal denen \u00fcber ihnen in der Hierarchie &#8211; nicht z\u00e4hlen k\u00f6nnen. Und kein Wunder, dass manche schnell als Zicken eingeordnet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer der l\u00e4cherlichsten S\u00e4tze des Jahres 2010 kommt\u00a0von mancher veritablen Karrierefrau &#8211; ausgerechnet denen, die es zu was gebracht haben. Heute beispielsweise von Ann-Kristin Achleitner\u00a0im &#8222;Handelsblatt&#8220;: Dass sie\u00a0keine Quotenfrau ist &#8211; und darauf gro\u00dfen Wert legt. 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